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RUSSLAND WILL NICHT VERSTUMMEN  

Jedenfalls nicht im internationalen Äther. Vielmehr will es, dass seine Radiostimme  überall in der Welt vernommen werden kann. Das ist der kurze Sinn von  Ausführungen des Intendanten des Auslandssenders „Stimme Russlands“ (ehemals Radio Moskau)  Armen Oganjessjan vor dem Oberhaus des russischen Parlaments und vor einem, in Moskau tagenden internationalen Gremium der Rundfunkleute.  

Die Sprachlosigkeit drohe Russland, weil seine Radiosendeanlagen, die den Empfang der fremdsprachigen Botschaften aus Russland in der ganzen Welt sicher stellen sollen, technisch veraltet sind. Sie müssen modernisiert werden. Dafür aber fehlt bisweilen das nötige Kleingeld. Da die Stimme Russlands, wie auch andere Propagandasender fürs Ausland, mit keinen nennenswerten Werbeeinnahmen rechnet, muss sie ins  Staatsäckel greifen. Aber wie alle anderen Fiskalen,   beeilen sich auch die russischen nicht, dieses aufzuschnüren.  

Angeblich soll sich das demnächst ändern. Jedenfalls hat die Stimme Russlands in einer Sendung  angedeutet, das erwähnte Oberhaus wolle im nächsten Etat das Modernisierungsgeld einplanen. Ob es soweit kommt, bleibt abzuwarten. Mehrere Länder streichen eher das Geld für ihre Rundfunksendungen ins Ausland. Sie meinen, jetzt sei eine Zeit angebrochen, da die Informationsströme über Grenzen hinweg anders fließen. Zum Beispiel im Internet.  

Zwar macht matrjoschka- online.de  vor, wie man das Internet nutzt . Aber wie viel Webseiten tun es mit derselben Effizienz ? An den Fingern einer Hand sind sie abzuzählen. Deswegen erhebt matrjoschka-online ihre Stimme zur Unterstützung des Vorstoßes vom Intendanten der Stimme Russlands Armen Oganjessjan. Die Geizkragen sollen ihre fetten Diäten reduzieren, dafür aber den Kollegen im Moskauer Rundfunkhaus mehr geben.        

Gleichzeitig aber will matrjoschka-online den guten Mann Oganjessjan  daran erinnern, dass die Möglichkeit, die Hörfunksendungen aus dem Ausland zu empfangen, eine Sache ist, das Verlangen danach im Zielland der Sendungen  eine ganz andere. Die fremdsprachigen ausländischen  Hörfunksendungen erfreuen sich in ihrem Zielland nur unter zwei Voraussetzungen reger Nachfrage. 1. Wenn sie etwas bringen, was in den heimatlichen Medien des Zielgebietes nicht zu finden ist. 2. Wenn dieses gewisse etwas für die eventuellen Hörer von Belang ist.  

Sonst können die Auslandsender einpacken, wie zuverlässig, laut und  mit welcher Tonqualität sie auch kommen und welche modernen Sendeanlagen sie auch nutzen  mögen. Schließlich wird matrjoschka- online.de täglich von etwa 100 000 Menschen auch nicht nur deswegen besucht, weil die Puppen so attraktiv   sind.

Übrigens hat die Stimme Russlands im Zusammenhang mit ihren Geldwünschen folgende Daten über ihre Tätigkeit gebracht:  

Der Sender belege unter anderen seiner Sparte  weltweit den dritten Platz. Er sendet in 32 Sprachen. Bei der deutschen Welle, Köln, sind es etwas weniger, bei der BBC, London, etwas mehr, bei der  Stimme Amerikas, Washington, viel mehr. Der Sendeumfang beträgt 98 Stunden pro Tag. Zu den größten  in dieser Palette gehört der deutschsprachige  Sendedienst (ca. sieben Stunden täglich).  Die weltweite Hörerschaft der Stimme Russlands wird auf hundert Millionen geschätzt. Die Zahl der ständigen Hörer in der GUS beträgt 9,8 Millionen.  

Unser Experte für den Weltrundfunk, Iwan Matrjoschkin, Esq., fragt sich, ob die Daten nicht ein bisschen geschönt sind? Übrigens ist er  fürs Zählen unserer Nutzer zuständig. Von ihm stammt  die oben angeführte Zahl von 100 000. Täglich, versteht sich. Er mahnt die Moskauer Kollegen, sich  genauso nüchtern an überprüfbare Zahlen zu halten.  

4.10.04

GEDANKEN ZUM JUBILÄUM

1.

Der russische Auslandssender, die Stimme Russlands, begeht in diesem Jahr sein 75. Geburtstag. Der Jubilar hat Probleme.  Sie resultieren  sich daraus, dass sich die Rahmenbedingungen seiner Tätigkeit, wie übrigens auch anderer grenzüberschreitender Sender, also solcher, die ihre Sendungen nicht den inländischen, sondern den ausländischen Hörern adressieren und in deren Sprachen senden, geändert haben.  

In der   Zeit, als Ost und West, durch den Eisernen Vorhang getrennt und bis zu den Zähnen bewaffnet, die Gegenseite zunächst verbal aufweichen wollten, um vielleicht später zuzuschlagen,  war der grenzüberschreitende Rundfunk ein Lieblingskind der Weltmächte. Sie schätzten ihn  als  starke Waffe des psychologischen Krieges. Vor allem seine Fähigkeit,  jede Grenze  zu passieren. Die Radiowelle, die  wie ein Zugvogel   über die Grenzbefestigungen, die Köpfe der Grenzpolizisten  und Zöllner hinweg fliegt, konnte in der geteilten Welt  mehr ausrichten als ein Printmedium, da dieses eine greifbare Substanz hat und deswegen leicht zu stoppen ist.

Das Ende des Kalten Krieges  entwertete diesen Vorzug des grenzüberschreitenden Radios. Nach der Öffnung der Länder in Ost und West, auch wenn sie noch nicht vollkommen ist, und dem Übergang von der Konfrontation zur Kooperation in Europa verlor der  Ideenschmuggel an Bedeutung.  Konstruktive  Ideen müssen nicht mehr geschmuggelt werden. Auch wenn sie von drüben kommen, sollten   sie als Bereicherung des eigenen geistigen  Lebens akzeptiert werden.   Wenn es noch nicht immer und überall so ist, dann liegt es meistens daran, dass die Dogmen des Kalten Krieges noch nicht restlos beseitigt sind.

Wie die meisten Russen sind vermutlich auch die Mitarbeiter der „ Stimme Russlands“  glücklich darüber, dass die Teilung Europas überwunden wurde und der Kalte Krieg der Vergangenheit  angehört. Auch sie haben ihr bescheidenes Scherflein   zur besseren Verständigung auf dem Kontinent erbracht, auch wenn sie in der diesbezüglichen Tätigkeit früher nicht frei agieren konnten. Denn jeder Auslandssender hing und hängt von seinem Geldgeber ab. Und da er keine nennenswerte kommerzielle Werbung treibt, ist dieser fast immer der Staat. Mit allen daraus folgenden Konsequenzen. Auch wenn eine gewisse redaktionelle Souveränität gewährt wird.      

Nach dem Ende des kalten Krieges blieb die Abhängigkeit vom Staatssäckel ein Problem vieler Auslandssender. Vielleicht wurde das Problem sogar größer. Denn  das, was früher die Staaten   bewog, die aufs Ausland gerichteten Radiosendungen  großzügig zu alimentieren, das heißt die Fähigkeit der Radiowellen, ohne anzuklopfen, ins fremde Haus einzudringen, war nicht mehr so gefragt wie früher.  

Dabei hat das Radio  als internationales Transportmittel von Ideen und Informationen außer der Fähigkeit, die Grenzen unbehindert zu passieren,    andere Vorzüge. Es ist  schneller und wendiger als   andere Medien. Es verschafft dem Menschen die Möglichkeit, sich sofort in die Gedankenwelt eines anderen Volkes zu versetzen, sich unfassend und unmittelbar über die Absichten eines anderen Landes zu informieren. Oder mindestens darüber, wie das andere Land seine Absichten verstanden wissen will. In unserer schnelllebigen, gefahrenvollen, bunten Welt ist dies nicht  wenig.  

Aber leider werden diese   Eigenschaften des grenzüberschreitenden Radios nicht überall für wichtig genug gehalten, um die Aufwendungen zu akzeptieren, die es erfordert. Das kann ihm zum Verhängnis werden, gerade weil es im Unterschied zu den anderen Medien, die sich aus der Werbung finanzieren, ohne Sponsoring des jeweiligen  Staates nicht auskommt.  Deshalb  mussten einige Auslandssender, zum Beispiel der deutschsprachige Londoner Rundfunk, der Klassiker  seines Fachs, abtreten. 

Verwalter der Staatssäckel neigen leider oft dazu, ausgerechnet an internationalen, grenzüberschreitenden Sendern zu sparen. Besonders wenn diese ihren Nutzen nicht ins rechte Licht zu stellen vermögen.   

2.

Wie andere ähnliche Hörfunkanstalten  muss die Stimme Russlands sich den neuen Rahmenbedingungen anpassen. Sonst  verliert er Hörer. Das wäre schade.  Denn die Stimme Russlands ist die Stimme eines großen Landes mit einzigartigen Erfahrungen. Sie bereichert mit ihren Sendungen den weltweiten Diskurs über eine bessere Gestaltung der Welt.  

Das soll nicht heißen,  die Stimme Russlands und erst recht den Vorgänger, den Moskauer Rundfunk,  seien einwandfrei gewesen. Die Vergangenheit des russischen Auslandssenders darf  nicht durch die rosa Brille gesehen werden. Aber  die Stimme Russlands leuchtet  ihre eigene Vergangenheit und die Russlands kritisch aus und berücksichtigt in ihrer Tätigkeit die Lehren der Geschichte. Das wird besonders deutlich, wenn man ihre  Sendungen in der Gegenwart mit denen vor Jahren, geschweige denn vor Jahrzehnten vergleicht.  

Sicherlich sind manche Anpassungsprobleme der Stimme Russlands nicht so leicht zu lösen. Das bezieht sich vor allem auf die  Art der Stimme Russlands zu senden. Diese entspricht nicht mehr den modernen Gegebenheiten des Hörfunkempfanges. Die  Sendungen der Stimme Russlands laufen nämlich auch heute noch  über die Lang, -Mittel- und Kurzwellen. Obwohl diese Wellen immer mehr  aus dem Gebrauch kommen. Ein grenzüberschreitender Radiosender soll aber zuerst mal   in den Zielländern  gut ankommen. Die Hörer müssen imstande sein,  ihn leicht zu empfangen. Und zwar nicht nur  einige Enthusiasten, sondern alle, die sich eventuell  für die Sendungen interessieren.  

Früher hatte der russische Auslandsfunk das Problem nicht. Die Lang-, Mittel- und Kurzwellen sicherten damals eine zuverlässige Kommunikation zwischen dem Sender und dem Hörer.  1929, als Moskau seine fremdsprachigen Sendungen aufnahm, konnte jeder in Deutschland , der einen halbwegs leistungsfähigen  Rundfunkempfänger besaß,  die Sendungen empfangen. Mit jedem Jahr wurden es  mehr.  

Also,  liefen die Sendungen  damals auf den  allgemein genutzten Wellen. Im Langwellen und im Mittelwellenbereich.   

Einige Jahre später kam der Kurzwellenbereich dazu. Die Kurzwelle wurde bald sehr populär. Besonders bei den Radiohörern, die fremde, entfernte Sender empfangen wollten. Weil die Kurzwelle, im Unterschied zu den Mittel- und Langwellen mit ihrer begrenzten Reichweite,  im Prinzip  unbegrenzt weit hörbar ist.   

Die starken Kurzwellenstrahler erhielt der Moskauer Rundfunk früher als andere internationale Rundfunksender. Seine Hörer profitierten davon. Auch die in Deutschland. Jetzt konnten sie Sendungen aus  der Sowjetunion zu jeder Tageszeit hören. Im Unterschied zu früher, als sie den Moskauer Rundfunk nur in der dunklen Tageszeit gut empfangen konnten. Weil entfernte  Mittelwellen- und zum Teil auch die Langwellensender   erst nach dem Einbruch der Dunkelheit gut hörbar sind.  

Damals trug der Fortschritt  der Radiotechnik zur Vergrößerung der Hörerkreise des Moskauer Rundfunks bei. Später aber wurde der Fortschritt der Radiotechnik für den Sender zum Problem.  

3. Heutzutage stimmen also immer weniger deutsche Radiohörer  ihre Empfänger auf  Mittelwellen- oder Langwellensender ein. Erst recht wurde die Kurzwelle, jahrzehntelang  für die grenzüberschreitenden Übertragungen aus Moskau genutzt und von vielen Hörern frequentiert, jetzt zu einem Exoten. Für den interessieren  sich nur passionierte Entdeckungsreisende im Äther.  Jetzt bevorzugen immer mehr Radiohörer    UKW- Sender. Denn diese sichern eine ausgezeichnete Tonwiedergabe und einen perfekt stabilen Empfang.  

Deswegen haben fast alle  Empfangsgeräte in Europa die UKW, aber immer weniger die KW-, manche sogar keine LW. Und allmählich werden immer mehr  Geräte  auch ohne Mittelwelle produziert. Die Stimme Russlands sendet  aber weiter in denselben Wellenbereichen wie früher. Das heißt auf den Lang, - Mittel- und Kurzwellen. 

Auf den jetzt in Europa bevorzugten Ultrakurzwellen kann die Stimme Russlands aber nicht senden. Wenigstens kann sie es nicht, wenn sie keine Satteliten oder andere sehr kostspielige Technik einsetzt. Denn die UKW eignen sich, bei allen ihren sonstigen Vorzügen, nicht dazu, ein entferntes Hörerpublikum zu erreichen. Sie verbreiten sich nur in  Sichtweite. Im Unterschied zu LW und MW, folgen sie nicht der Rundung des Erdballs. Und im Unterschied zu KW werden sie nicht von einer elektromagnetischen Schicht im Himmel  zurück auf die Erde widergespiegelt.   

Deswegen erschließen die westlichen Sender, die ihre Programme in russischer Sprache bringen,  neue Arten der Kommunikation mit dem Hörerpublikum.     Obwohl in Russland das Rundfunkhören im KW- Bereich schon wegen der Dimensionen des Landes    mehr als anderswo verbreitet ist, bemühen sie sich, ihre Programme nicht nur im KW- Bereich zu bringen, sondern über die russischen Sender  ausstrahlen zu lassen. Darunter auch über die russischen UKW- Strahler.   

Sie mieten bei diesen Sendezeit.   

In der Zeit des Kalten Krieges wäre es unmöglich gewesen. Es war zum Beispiel nicht daran zu denken, dass die Deutsche Welle, also das Auslandsradio der Bundesrepublik Deutschland,   einen Sender in der Sowjetunion nutzte. Die sowjetische Führung setzte alles daran, dass ihre Schutzbefohlenen  keine fremden Sendungen empfingen. Darum  wurden zahllose  Störsender gebaut, die einen beträchtlichen  Teil der sowjetischen Stromproduktion verschlangen, aber trotzdem bis zur Wende in der Sowjetunion im Einsatz blieben. Die Anmietung der Sendezeit auf einem sowjetischen Strahler war für einen Auslandssender ein Ding der Unmöglichkeit.  

Jetzt aber ist es möglich geworden. Weil   kein Land mehr  Anstoß daran nehmen muss, dass ein anderes Land um der internationalen Verständigung willen das grenzüberschreitende Radio einsetzt. Natürlich, wenn es die Hörer nicht wie in der Zeit des Kalten Krieges zu belügen vorhat.  

Deswegen eröffnete Russland nach der Wende den fremden Sendern seinen Äther. Es ermöglichte den russischsprachigen Sendern des Auslands die Anmietung der Sendezeit, und zwar unter günstigen Bedingungen. Die gleiche Behandlung der Stimme Russlands im Ausland wäre logisch. So ist wohl  die  Hoffnung nicht ganz verkehrt,  dass die  deutschsprachigen Radioprogramme aus Russland irgendwann doch über die deutschen Sender laufen werden. Wie  die russischsprachigen Programme aus Deutschland bereits über russische Strahler laufen.   

Kooperation müsste  der Konfrontation überall folgen. Auch im internationalen Äther  Vielleicht wird die deutschsprachige Stimme Russlands einmal mit der Deutschen Welle, dem Auslandssender der Bundesrepublik, viel mehr kooperieren als heute. Schließlich dienen beide Sender  einer  Sache. Von entgegenliegenden Ufern  bauen sie dieselbe Brücke des Dialogs zwischen den Deutschen und den Russen. Wenigstens  sollten sie es tun. Auch indem sie einander helfen, gute Hörbarkeit ihrer Sendungen in den Zielländern der Sendungen zu gewährleisten. Das würde der neuen Qualität der Zusammenarbeit, der strategischen Partnerschaft zwischen Deutschland und Russland entsprechen.  

Selbstverständlich ist die gute Hörbarkeit eines Auslandsenders im Zielland seiner Sendungen   nicht alles. Es gibt noch eine wichtige  Voraussetzung der sinnvollen Sendetätigkeit über die Grenzen hinweg. Sie  ist  inhaltlicher Natur. Es muss nämlich  die Ausstrahlung solcher Sendungen gewährleistet werden, die der potenzielle Hörer nicht nur hören kann, sondern auch hören will. Die Sendungen müssen  ihm mental und gefühlsmäßig  zusagen. So zusagen, dass er sie im Äther sucht.  Nicht unbedingt  so leidenschaftlich, wie  Euridike ihren Orpheus suchte, der sie aus der Unterwelt in die Welt des Lichtes führen sollte, aber doch mit gewisser Ausdauer. Sonst werden die Sendungen, mögen sie auch gut hörbar sein,  wenig gehört.  

4.So knüpft  sich ein Erfolg  grenzüberschreitender Radiosendungen an zwei Voraussetzungen. Zuerst mal daran, dass das Publikum in den Zielländern der Sendungen diese  hören kann und dann daran, dass es sie hören will.  

Es gab übrigens Zeiten, als die deutschsprachigen Programme aus Moskau in Deutschland von einem Teil der Bevölkerung  nicht nur akzeptiert, sondern  begehrt waren.  

Das Phänomen  erklärte sich dadurch, dass es die deutschen Hörer nach einer politischen und sozialen Alternative zu den Zuständen in Deutschland durstete. In den Jahren 1929- 1933 vor allem deshalb, weil viele Deutsche  unter Armut und Arbeitslosigkeit litten. Später, und zwar nach dem Abdanken der Weimarer Republik und Hitlers  Machtantritt, besserte sich bekanntlich die Wirtschaftslage in Deutschland,  es folgten aber   politische Verfolgungen  und Kriegsangst.   Und da die deutschen Hörer  daran glaubten, dass die Sowjetunion ein Hort der sozialen Gerechtigkeit und des Friedens in der Welt war, hingen verhältnismäßig viele weiterhin an den Sendungen aus Moskau, obwohl der Empfang  in Hitlerdeutschland strafbar  und sogar mit dem Tod geahndet wurde.  

Die Sendungen von Radio Moskau waren für dieses Hörerpublikum so etwas wie für  fromme Christen eine Predigt in der Kirche. Radio Moskau spendete einem an den Kommunismus glaubenden Hörer Trost, gab ihm Hoffnung. Dass die Zustände in der Sowjetunion  anders waren, als der Sender schilderte, konnten und vor allem wollten diese Hörer nicht wahrhaben. Sie wehrten sich innerlich gegen diese Erkenntnis, wie sich ein frommer Christ gegen Zweifel an Gottes Existenz  wehrt.  Sie wollten bei der beglückenden Illusion bleiben, der Kommunismus erlöst sie aus der Misere.  

Die Zeit der Illusionen ist aber lange passe. Bei aller berechtigten oder  unberechtigten Unzufriedenheit mit den gegenwärtigen Zuständen in Deutschland, streben nur wenige in diesem Land eine radikale Alternative zum bestehenden System an. Und kaum jemand sucht diese Alternative im heutigen Russland, respektive in den Sendungen seiner deutschsprachigen Stimme. Denn das heutige Russland hat dem Kommunismus  abgeschworen und betreibt auf  grenzüberschreitenden Radiowellen keine kommunistische Propaganda mehr.  

Die Stimme Russlands  verfolgt  jetzt pragmatische,  konstruktive   Ziele. Vor allem   die Vertiefung  des Russlandbildes in Deutschland.  Also etwas, was auch von der deutschen Regierung selbst, wie ihre Repräsentanten  mehrmals versicherten, für wichtig gehalten wird.  

Die neue Programmgestaltung   erfordert   viel Kreativität. Denn die Sendungen,   obwohl sie  keine Bergpredigt mehr sein können und wollen, müssen für den Zielhörer in Deutschland   attraktiv  sein.  

5. Also, hat der politische und soziale Fortschritt in Russland und in den internationalen Beziehungen des Landes den  Sender „Stimme Russlands“ vor die Aufgabe gestellt hat, den Inhalt der Sendungen neu zu definieren. Vieles ist bereits geschehen. Da das moderne Russland  keinen Anspruch mehr erhebt, andere zu belehren, oder, noch schlimmer, zu einer bestimmten Lebensweise zu zwingen, verzichtet auch seine Stimme  auf die Rolle des Mentors. Sie versucht nicht, ihren Hörern jenseits der  Grenze weiszumachen, was diese zu tun haben. Von den meisten Hörern wird es gewiss mit Verständnis und Genugtuung quittiert, da sie  ihres Glückes eigener Schmied sein  und nicht nach einem fremden Drehbuch leben wollen.  

Was soll aber der Sender jetzt bringen, damit seine Hörer im Ausland es nicht bereuen,  am Rundfunkempfänger gesessen zu haben? Das ist die Frage.  

Die erste Antwort darauf muss wohl lauten, dass der Sender nicht dasselbe bringen soll, was seine ausländischen Hörer in den heimatlichen Medien finden. Sonst erübrigt sich seine Existenz von selbst. Mit anderen Worten, er soll etwas anderes als die  Medien des Ziellandes  bringen, damit er hörenswert bleibt.  Und dieses andere soll außerdem für den Hörer spannend genug sein, um ihn zu bewegen, die Mühe und die Zeit für das Abhören der Sendungen aufzubringen. Das ist aber leichter gesagt als getan.  

So stellt sich die nächste Frage, was kann in den Sendungen aus Moskau für einen ausländischen, in unserem Fall einen deutschen Hörer, jetzt spannend sein? Jetzt, wo er in den Sendungen nicht mehr eine Alternative jener Welt sucht, in der er lebt?   

Vielleicht sind es Berichte  über das tägliche Geschehen in Russland? Gewiss, aber nicht nur. Heute würden sie nicht reichen, um die Aufmerksamkeit des Hörers zu fesseln.  Denn in Russland sind Dutzende deutsche Korrespondenten tätig, die das tägliche Geschehen beleuchten. Sie können jetzt frei und ungehindert für ihre Medien berichten. Sie tun es gekonnt und zumeist  wahrheitsgetreu, auch wenn sich ihr Blickpunkt nicht immer mit dem russischen deckt.   

Ihre Berichte werden im deutschen Fernsehen, Hörfunk und in den deutschen Zeitungen fast täglich gebracht. Jedenfalls viel öfter als  Berichte aus anderen Ländern, auch aus den verbündeten Ländern Deutschlands. Dafür ist den deutschen Medien zu danken.  

Zwar gibt es die Meinung, die Berichterstattung  ließe ein schiefes Bild Russlands entstehen, da das Negative im Mittelpunkt stünde. Aber auch die Berichterstattung über Deutschland in den deutschen Medien    stellt bekanntlich nicht das Positive in den Vordergrund. Wenn aber die deutschen Medien  kritisch über ihr eigenes Land  berichten, zu kritisch, wie der Bundeskanzler unlängst  beanstandete,  ist wohl nicht zu erwarten, dass sie auf eine kritische Berichterstattung über  Russland verzichten.  

Übrigens  braucht denn Russland das?  Sollen denn  die gegenwärtigen Zustände in Russland mit internationaler Medienhilfe festgeschrieben werden? Nein, diese Zustände sollen besser werden. Die kritischen, aber freundlichen  Worte und gut gemeinten Ratschläge  können dem Fortschritt in Russland dienen, positive Veränderungen anregen und unterstützen.  

Unter diesen Umständen fragt man sich, wenn man  alltäglich die Russlandberichterstattung   der deutschen Medien und die Sendungen der deutschsprachigen Stimme Russland vergleicht,   ob die Russlandberichterstattung deutscher Medien der Stimme Russlands den ganzen Wind aus den Segeln nimmt?  

Nach reifer Überlegung ist  die Frage zu verneinen. Weil anzunehmen ist, dass das Team der Stimme Russlands vorwiegend aus den in ihrer Heimat tief verwurzelten Journalisten besteht. Sie erleben sowohl  die Nöte als auch  die Errungenschaften  des neuen Russlands  wie alle mit ihrem  Vaterland unzertrennbar verbundenen Russen. Dem Hochmut, der einst in Russland von oben kam,    frönen sie erfreulicherweise nicht mehr. Aber sie haben   viel Verständnis für die russische Eigenart. Und sie glauben  an die  Zukunft Russlands.  

Ist ihre Berichterstattung dadurch geprägt,  dabei aber auch der ungeschminkten Wahrheit verpflichtet, braucht die Stimme Russlands  keine Konkurrenz zu scheuen.  Jedenfalls  wird sie  im Ausland viel  Sympathien  für Russland gewinnen können. Auch  in Deutschland, wo jetzt   gute Gefühle für Russland in der Bevölkerung zunehmen.  

Auf diesem Fundament zu bauen, ist wohl die primäre  Aufgabe  der grenzüberschreitenden russischen Medien. Auch und vor allem  der Stimme Russlands.  

Alles andere sind Peanuts. Ssemetschki (Sonnenblumenkerne), wie ein Russe sagen würde.  

6. Wenn man über ein zeitgemäßes Auslandsradio  spricht, muss man    Anforderungen im Auge behalten , die aus der Überwindung   der Konfrontation  zwischen West und Ost und der Aufhebung der Ideologisierung der Weltpolitik herzuleiten sind.  

Dazu gehört vor allem  Verzicht auf die Rolle der Lehrmeister anderer Nationen, die der Vorgänger der Stimme Russlands, der Moskauer Rundfunk, spielte.  

Aber nicht nur  der russische Auslandsfunk, sondern alle grenzüberschreitenden fremdsprachigen Radiosender müssten sich   der neuen  Weltsituation anpassen. Und da hapert es bei manchen. In ihren auf Russland gerichteten Sendungen   belehren sie   darüber, wie die Russen ihr Leben einrichten sollten. Als non plus ultra der richtigen Lebensweise wird  der westliche Muster empfohlen. Ohne  zu berücksichtigen, dass die Russen, wie übrigens andere Völker auch, ihre eigene Geschichte und ihre eigenen Werte haben.  

Die Lehrmeisterallüren können  die grenzüberschreitenden Sender hindern,  der weiteren Annäherung der Völker gute Dienste zu leisten. Mitunter  wird sogar die Gefahr beschworen, dass der Auslandsfunk  für die   Spaltung der Weltgemeinschaft wieder missbraucht  wird.  Wie einst, als er    zu einem   Instrument des heißen, dann des kalten Krieges  wurde.    

Dass die Wiederholung nicht ausgeschlossen ist, zeigte besonders krass der Einsatz der grenzüberschreitenden Medien vor und während des jüngsten Irakkrieges.  Fremdsprachige Sender der Länder, die diesen Krieg  führten, haben  sich wahrhaftig nicht mit  Ruhm bekleckert. Wenn man ihre Sendungen verfolgte,  fühlte man sich mitunter in  die Zeiten des kalten Krieges versetzt.  

Diese Sender wurden  der besonderen Verantwortung des grenzüberschreitenden Rundfunks nicht gerecht. Denn er darf sein Gastrecht  in den fremden Informationsräumen nicht dafür  verwenden, das vom Völkerrecht verbotene Verhalten zu rechtfertigen.  

Im Gegenteil müssten alle grenzüberschreitenden Radiosender  zu wahren Sprachrohren des  Friedensgedankens    werden. Wie  ihre Protagonisten träumten, als das Radio erfunden wurde.   

Das wäre eine schöne Krönung  der Geschichte des grenzüberschreitenden Rundfunks . Einer Geschichte, die vor siebenundfünfzig Jahre begann.  An dem Tag im Oktober 1929, als  eine  Radiosendung mit der Ankündigung „Hier spricht Moskau“ über die Grenzen hinweg  nach Deutschland flog. 

20.3.04 

AUF DEN ÄTHERWELLEN. ERINNERUNGEN

1.

1935.   Wie wohl die meisten Moskauer Kinder verbrachte ich den Sommer dieses Jahres  auf einer Datsche. Sie lag  in einer waldreichen Gegend am Moskwa- Fluss, etwa 30 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Die Datsche gehörte  meiner Tante.

Hier lernte ich Hubert kennen. Einen  Gleichaltrigen aus Saarbrücken.  

Das Saarland machte damals Schlagzeilen in der Weltpresse. Nach der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg von Deutschland getrennt, kehrte es nun heim ins Reich. In das bereits von den Nationalsozialisten beherrschte Deutschland. 

Deswegen musste die kommunistische Familie Huberts  untertauchen. Sie war erfreut, Hubert in die Sowjetunion schicken zu dürfen. Hier wurde er von einem mit meiner Tante befreundeten Ehepaar adoptiert.

Die Ehefrau war eine Deutsche. Sie  schrieb Huberts Geschichte auf. Diese kam  in  einem Verlag heraus, den meine Tante leitete. Der Titel hieß „Hubert  im Wunderland“. Mit „Wunderland“ war selbstverständlich die Sowjetunion gemeint.

Das alles hätte wohl keinen Bezug zur Geschichte des deutschsprachigen Moskauer  Hörfunks gehabt, wäre die Redaktion nicht auf  das preisgekrönte Buch aufmerksam geworden. Es sollte in einer Sendung von meiner Tante vorgestellt und von der Autorin verlesen werden.

Übrigens  erinnere ich mich an eine Debatte auf der Datsche im Zusammenhang mit dieser Sendung. Die deutsche Autorin des Buches äußerte   Zweifel, ob es sinnvoll sei, den deutschen Hörern ein Jugendbuch zu bieten, das die Verhältnisse im  Saargebiet aus der Optik der sowjetischen Propaganda schilderte. Aber meine Tante  hatte keine Bedenken. Sie bestand darauf, das Buch im deutschsprachigen  Radio Moskau zu verlesen. Das kam ihr teuer zu stehen.

Aber alles der Reihe nach.

Eines Tages ließ die Tante mich und Hubert auf der Datsche allein. Sie musste nach Moskau, ins Rundfunkhaus, zur Sendung. Vor der Abreise stellte sie ihren Empfänger   auf die Welle des deutschsprachigen Radios Moskau ein. Sie sagte, wenn wir die Sendung über Hubert und seine Erlebnisse hören wollen, muss das Gerät  um Mitternacht eingeschaltet werden.

Punkt 24.00 Moskauer Zeit ertönte aus dem Lautsprecher die Glockenuhr des Spasski-Turms auf dem Roten Platz. Sie spielte die Internationale. Dann  kam die Ankündigung „Achtung, Achtung! Hier spricht Moskau in deutscher Sprache.“ Es folgten die Nachrichten, danach begann  die Sendung „Hubert im Wunderland“.  

Im Wunderland... Selbst der Titel setzte ein  Zeichen. Es war typisch für die damaligen Programme von Radio Moskau, die Vorgänge in der Sowjetunion sehr pathetisch darzustellen. Für den heutigen Geschmack unerträglich pathetisch. Alles, was in der Sowjetunion geschah, wäre wundervoll. Fast alles, was im Westen vor sich ging, grauenvoll.      

Die Sendungen lebten von der Gegenüberstellung. Hier, wo die hehren Ideale des Kommunismus herrschen, sei ein Paradies. Dort,  in der Welt, wo das Geld regiert, sei die Hölle. Hier werden der Nordpol und die Stratosphäre erobert, längst versunkene Schiffe vom Meeresgrund geholt, Industriegiganten aus dem Boden gestampft, Weizen mit Dutzenden Ähren an einem Halm gezüchtigt. Dort, hinter der Grenze,  geht alles schief.  

Dieses  Weltbild schloss Halbtöne aus. Nur schwarz und weiß waren erlaubt. 

Bei weitem nicht alle  Hörer in Deutschland standen dem für uns heute seltsam erscheinenden Weltbild ablehnend gegenüber. Zwar winkten viele   ab, es gab aber auch viele, die  am Empfangsgerät  hingen. Sie  glaubten Radio Moskau, weil sie an den sowjetischen Sozialismus glauben wollten. Wie die Christen in den ersten Gemeinden an  den Erlöser glaubten.  

An der Propaganda auf Radiowellen aus Moskau zweifelten sie deshalb wenig, weil sie selten Gelegenheit hatten, diese an der sowjetischen Wirklichkeit zu messen. Im Unterschied zum kleinen Hubert aus dem Saarland... 

Wenden wir uns also wieder dem Jungen zu.

Hier muss ich einflechten, dass  meine Deutschkenntnisse viel  zu wünschen übrig ließen. Eigentlich  erschöpften sie sich nur darin, dass ich  auf Deutsch zählen konnte. Bis Tausend. Das verdankte ich meiner  Privatlehrerin. In den von meiner Mutter bezahlten Deutschstunden spielte sie mit mir Zahlenlotto.

Meiner Freundschaft mit Hubert, der kein Russisch sprach, tat die Sprachbarriere aber keinen Abbruch. In dem Alter verständigt man sich auch ohne viele Worte. Beim Angeln und Beerensammeln allenfalls.               

So konnte ich der Sendung „Hubert im Wunderland“  nicht folgen. Ich nahm sie nur insofern wahr, wie sie sich auf Huberts Gesicht widerspiegelte. Und dieses wurde immer düsterer. Ganz offensichtlich gefiel ihm die  Sendung überhaupt nicht.

Er stand  auf und lief im Zimmer hin und her, bis er  an einem Schrank mit  Jagdflinten stehen blieb.  Er nahm einen Ladestock heraus und zerschnitt damit die Luft. Das ergab ein pfeifendes Geräusch und so wiederholte er die Bewegung mehrmals. Plötzlich ließ er  den elastischen Ladestock auf einen Ledersessel sausen. Ein, zwei, drei Mal. Das  Leder platzte. Als der Sessel hin war, nahm er sich das Ledersofa vor.

Ich beobachtete das mit stillem Entsetzen. Dem Unfug ein Ende zu setzen, traute ich mich  nicht. Erstens wollte ich mir keine Hiebe  mit dem Ladestock einfangen. Zweitens war mir von der Tante eingeschärft worden, zu dem deutschen Jungen  nett zu sein.

Später fragte ich mich, warum tobte Hubert. Die Antwort: er hat bei den Adoptiveltern Zuwendung und in der Wahlheimat- Geborgenheit gesucht. Er fand aber Missbrauch seiner  kleinen Persönlichkeit. Im Buch wurden ihm Worte in den Mund gelegt, die er nie sagte. Gedanken zugeschrieben, die er nie hatte. Es war eine subtile propagandistische Kinderschändung. Er nahm sie nicht hin. Mit gutem Recht.

...Es vergingen  Jahre. Viele ereignisreiche Jahre. Vor allem der Krieg. Ich wurde Soldat, dann Student, dann Redaktionsmitglied von Radio Moskau.

Einmal flatterte ein Brief auf meinen Schreibtisch. Als Absender stand Huberts Name.

Hubert schrieb aus einem kleinen Nest an der Krimküste. Dort hörte er die deutschen Sendungen aus Moskau. Auch die seines  Datschekameraden. Hubert lud mich ein, im idyllischen Krimort Urlaub zu machen. Ich nahm die Einladung an.

Der Ort war tatsächlich idyllisch, der Urlaub trotzdem nicht sehr heiter. Denn  Hubert hatte Depressionen.

Schweres musste er erleben.  Im Strudel des bald nach seinem Datscheaufenthalt entfesselten Terrors in der Sowjetunion gingen seine Adoptiveltern zugrunde. Er selbst  geriet in ein Weisenheim, dann in Verbannung. Nach dem Krieg kam er zwar frei, aber das Trauma konnte er nie ganz überwinden. Auch im idyllischen Ort nicht, wo er als Mechaniker in einem staatlichen Weinkeller arbeitete.                     

Er wollte  zurück in sein Saarland. Heutzutage wäre es ohne weiteres möglich gewesen. Damals  noch nicht. Von den zuständigen Stellen erhielt er  abschlägige Bescheide. Sie verschlimmerten  seine Befindlichkeit.

In dem Winzerdorf, in das ihn das Schicksal verschlagen hatte, gab es keine anderen Deutschen. Aber er wollte  seine Muttersprache behalten. So kam er auf  das deutschsprachige  Radio Moskau. Besonders gefielen  ihm die Sendungen über große deutsche Dichter. Goethe, Schiller, Heine.

Die Sendungen liefen  auch in der Zeit, als  das Programm von Radio Moskau mit politischer Polemik überladen war. Politische Sendungen sagten Hubert  nicht zu. Wenn sie kamen, stand er auf und ging weg. Unter dem erstbesten Vorwand.

Vielleicht stieg ihm   beim Zuhören  dieselbe Wut im Bauch hoch wie vor Jahrzehnten, als die Ledermöbel daran glauben mussten. 

Ein Jahr später reiste ich wieder auf die Krim. Im  idyllischen Ort wurde ich zu einem Friedhof geführt. Dort zeigte man mir eine  Grabstätte. Eine Holzpyramide mit fünfzackigem Stern und Huberts Namen darauf. Man erzählte mir, Hubert  hätte sich das Leben genommen.

 

So endete  seine Reise ins Wunderland.

 2.

1969. Der Verfasser dieser Beitragsreihe sitzt in der guten Stube eines ziemlich unansehnlichen Hauses im sächsischen Arbeiterstädtchen Burgstädt. Ihm gegenüber eine alte, rundliche, rüstige Dame, deren Aussprache er nur mit Mühe versteht. Alles muss sie ihm drei Mal sagen. Dann steht sie auf,  holt eine Mappe aus ihrer  Kommode. „Hier ist alles schwarz auf weiß. Das werden Sie auf Anhieb verstehen!“  

...Bei der alten Dame tauchte der Verfasser auf, nachdem er   einen Brief von ihr erhalten hatte. Den Brief schrieb sie, nachdem die DDR-Gewerkschaftszeitung „Tribüne“ einen  Appell des Verfassers veröffentlicht hatte. Ein Appell  an die Hörer von Radio Moskau aus der Nazizeit, sich zu melden.  

Die Kollegen in Moskau hatten ihren Korrespondenten in Berlin, als welcher der Verfasser auch damals tätig war, gebeten, etwas zu den geplanten Jubiläumssendungen beizutragen. Wie jetzt. Allerdings ging es damals nicht um den 75. , sondern um den 40. Geburtstag des Senders. Wie die Zeit vergeht...  

Die rüstige alte Dame aus Burgstädt schrieb dem Verfasser, sie hätte die Sendungen von  Radio Moskau in deutscher Sprache die ganze Nazizeit lang verfolgt. Als der große Krieg zwischen Nazideutschland und der Sowjetunion tobte, hätte sie sogar  die in den Sendungen  enthaltenen Infos verbreitet. Sie hätte anonyme Briefe an Verwandte deutscher Kriegsgefangener verschickt, deren Adressen Radio Moskau brachte... 

Der Verfasser wurde ganz hellhörig. Denn kurz bevor er nach Burgstädt fuhr,  stöberte er in einem  Archiv  der Geheimpolizei  des Nazistaates.   Im Archiv fanden sich Dossiers über eine großangelegte  Aktion der Gestapo unter dem Schlüsselwort „Heimatpost “. Der Gestapo ging es um die Ergreifung von Missetätern, die es gewagt hatten, am Kampfgeist der deutschen Bevölkerung  zu nagen, indem sei in anonymen Briefen an die Volksgenossen behaupteten, die Angehörigen der Adressaten befänden sich in sowjetischer  Kriegsgefangenschaft und es ginge ihnen gut. Obwohl in Deutschland offiziell behauptet wurde,  die Sowjets machten keine Gefangenen, sondern ermordeten bestialisch alle, in ihre Hände geratenen deutschen Soldaten.         

Die Gestapoaktion wurde auf höchsten Befehl eingeleitet. Der Führer selbst forderte, mit den Hörern von Radio Moskau in Deutschland abzurechnen. Koste es, was es wolle.

Die Geheimpolizisten gaben sich Mühe. Die Briefumschläge,  das Briefpapier der perfiden Briefe, die Tinte wurden untersucht. Es ging zuerst darum, die Schreibwarenläden zu finden, in denen sich die Moskauhörer bedienten.          

So  könnte eine heiße Spur gefunden werden.   

Aber der ganze Aufwand nutzte  nichts. Wie der Verfasser nach dem Studium der Gestapoakten feststellte, konnten die Missetäter  nicht ermittelt werden.  Bald überrollte eine Lawine  anonymer Briefe das ganze Reich... 

Und nun, ein Viertel Jahrhundert später,  saß der Verfasser einer Hörerin von Radio Moskau gegenüber, die den ganzen Aufruhr mitverursacht hatte. Der alten sächsischen Weberin, die kein Hochdeutsch konnte.  

„Also Sie sind  es gewesen, fragte er. Die Sächsin im blumigen Kattunkleid nickte. Selbstbewusst.  

Aus ihrer  Mappe holte sie die in den Jahren 1943- 1944 in Sendungen von Radio Moskau verlesenen, inzwischen vergilbten Adressen hervor.  In der Mappe fand sich  auch der Entwurf des Standardbriefes, den Gertrud Schreiber vielfach verschickte.  

Der Text lautete: Ihr Angehöriger ist in russischer Gefangenschaft und es geht ihm gut. Dies gab der russische Rundfunk bekannt. Wenn Sie die Wahrheit wissen wollen, hören Sie seine Sendungen in  deutscher Sprache. Hitler ist unser Feind, helft ihn und seine Bande zu stürzen. Hitler hat uns geknechtet und durch diesen Krieg will er die ganze Welt knechten...  

Und so weiter, mit der Angabe von Wellenlängen der deutschsprachigen Sendungen aus Moskau...  

Wo hatten Sie den Mumm her, während des Krieges in Hitlerdeutschland derartige  Briefe an Hunderte unbekannte Menschen zu verschicken,  fragte der Verfasser. Wussten Sie nicht, dass Ihnen dafür der Tod durch das  Fallbeil drohte?  

Das wusste ich, sagte sie in ihrem unmöglichen Dialekt. 

Aber ... Sie hielt inne. Aber ich  hatte  die Russen gern, sagte sie dann etwas verlegen. Ich wollte nicht, dass die Russen als Barbaren  verleumdet wurden, die die Kriegsgefangenen folterten und töteten.  

Und dann... die Angehörigen in Deutschland waren so glücklich, endlich zu erfahren, dass ihre Söhne, Ehemänner, Brüder noch am Leben sind. Und ich wollte ihnen was Gutes tun.  

...Übrigens brachte  die Aktion „Heimatpost“ eine sehr wichtige Note  in die Kriegssendungen des deutschsprachigen  Radios Moskau. Sonst fehlte ihnen oft das warme, menschliche Element. Sie berichteten viel von den Heldentaten der sowjetischen Frontkämpfer und von Missetaten der deutschen Invasoren. Hinter diesem Schema verschwand aber häufig das menschliche Leid. Der in jedem Krieg auf beide Seiten geschundene Mensch.  

Die Sendungen sprachen vorwiegend die Vernunft der Adressaten an. Sie setzten ihnen auseinander, warum der von deutscher Seite angezettelte Krieg gegen die Sowjetunion ein Verbrechen war und warum er zum Untergang Deutschlands führen musste. Für viele Hörer, die unter einer dicken Decke,  damit kein Ton nach außen drang, die Moskauer Welle einstellten,  waren die Ausführungen ein wenig abgehoben. Sie wollten auch etwas anderes hören. Und zwar, dass   Deutschland vom Osten nicht nur die unbarmherzige Bestrafung erwarten darf,  sondern auch Gnade. Denn einem normalen Deutschen im Hinterland  fiel es schwer, sich zu dem Bewusstsein durchzuringen, dass er dafür büßen muss, was auf Hitlers Befehl in Russland angestellt wurde. Schließlich hat Hitler ihn nicht gefragt, als er Mord und  Raub anordnete.  

Aber zurück zu Gertrud Schreiber. Der Verfasser staunte damals, dass sie  von den DDR- Behörden nicht ausgezeichnet  worden war.  Obwohl in der DDR, wie in der Sowjetunion, fast jeder  mit irgendwelchen  Medaillen und Orden herumlief. Und sonst gab  es keine offizielle Anerkennung ihrer, nennen wir es ruhig, Heldentat. Eine Anfrage an den zuständigen Parteisekretär klärte die Sachlage. Die Schreiber galt als eine, die immer  aus der Reihe tanzte. Als eine Aufsässige, die immer etwas forderte, was der Obrigkeit nicht ganz  in den Kram passte. Und das Maul nicht hielt.  

Selbst ihre Tat während des Krieges wurde angezweifelt. Zwar stand der Widerstand in der DDR hoch in Ehren. Aber nur ein kommunistischer Widerstand.  Der Widerstand, der von der KPD aus dem Untergrund kontrolliert und gesteuert wurde. Und von den sowjetischen Emissären, die über die Frontlinie geschleust wurden.  

Gertrud Schreiber  war  eine Einzeltäterin. Von niemandem geführt. Individualistin. Das nährte Zweifel.       

...Einige Wochen nach dem Besuch in Burgstädt brachte Radio Moskau eine Reportage über Gertrud Schneider. Und noch ein wenig später wurde sie nach Moskau eingeladen und trat in einer Sendung des sowjetischen Fernsehens auf.  

So wurde ihr später Ruhm zuteil. Nach der Anerkennung in  Moskau  ließen  die DDR- Behörden ihre Vorbehalte fallen. Die Schuldirektoren standen Schlange, um sie vor Schülern sprechen zu lassen.  

Allerdings blieb die Anregung des Verfassers dieser Beitragsreihe, ihr eine Ehrung in Berlin angedeihen zu lassen, ohne Folgen...  

3.  Den Heizer Albert Jacob aus der Stadt Zwickau hat der Verfasser leider nicht kennen lernen  können. Denn  lange bevor der Verfasser nach Deutschland kam, war der Heizer hingerichtet worden. Trotzdem hat der Verfasser das Gefühl, den Heizer  gekannt zu haben, weil er  sich viel mit ihm beschäftigte. Wenn auch nur an Hand der Akten aus einem Archiv der Geheimen Staatspolizei des Hitlerreiches, die gegen den Heizer ermittelte und ihn ans Messer lieferte.   

Obwohl er ein harmloser Mensch war.  

Seit seiner Jugend bis zur Verhaftung durch die nationalsozialistische Geheimpolizei arbeitete Albert Jakob im Zwickauer "Bürgerschacht 2". Er schuftete, ohne aufzumucken. Als er   1944  abgeholt wurde, schrieb der Kreisleiter der NSDAP an die Gestapo: 

"Über dem Obengenannten ist bis zum fraglichen Vorkommnis Nachteiliges in politischer Hinsicht nicht bekannt geworden.  Er trat in der Öffentlichkeit wenig hervor und lebte mit seiner Ehefrau sehr zurückgezogen." 

Eine ähnliche Beurteilung gab es  auch von seiner Arbeitsstelle: 

"In seiner langjährigen Eigenschaft hat er täglich bis zehn Stunden willig gearbeitet, für ihn gab es weder Sonn- noch Festtage. Er arbeitete, wenn er eingeteilt worden war, ohne Widerspruch... Seinen Vorgesetzten gegenüber war er immer ein ruhiges Gefolgschaftsmitglied gewesen."  

Auch die Hausnachbarn  Jakobs beurteilten ihn ähnlich: "...ein gefälliger, jederzeit hilfsbereiter Mensch. Bis auf jede Kleinigkeit hat er alles im Haus in die Hand genommen, zumal fast alle Männer vom Haus zur Wehrmacht einberufen sind."  

Der eigentliche Fall Jakob begann mit dem Ausbruch des deutsch-sowjetischen Krieges im  Juni  1941. Wie ein Ermittler festzustellen glaubte:  

"Bei jeder sich bietenden Gelegenheit, insbesondere in den Arbeitspausen, führte er Gespräche, die darauf schließen ließen, dass er ausländische Nachrichten abhörte. Wiederholt hat er zum Ausdruck gebracht, dass   die sowjetischen Verhältnisse, insbesondere die Kollektivarbeit besser als die deutschen sind. Er verfehlte dabei nicht (seinen Gesprächspartnern) vorzuhalten, dass sie anscheinend Gegner dieses Arbeitssystems wären..."  

Wie konnte sich ein deutscher Arbeiter zu der Ansicht durchringen, dass die „sowjetischen Verhältnisse“ besser als die deutschen wären? Und zwar  bereits in der Zeit, als der Hitlerkrieg noch erfolgreich lief, die Verluste der Wehrmacht noch relativ gering waren und die Versorgung der deutschen Bevölkerung klappte.  

Die Frage stellte sich auch deswegen, weil sich das national-sozialistische Regime in Deutschland  stark bemühte, seine soziale Verantwortung herauszustellen. Es ist hier nicht die Gelegenheit, den alten Streit darüber aufleben zu lassen, inwiefern dieses Regime eine Kreatur des deutschen Monopolkapitals war. Jedenfalls aber sorgten sich die damaligen Herrscher Deutschlands  darum,  die deutschen Arbeiter nicht unter der Arbeitslosigkeit leiden zu lassen. Und die Unternehmer, die zu tief in die Tasche ihrer Belegschaft griffen, wurden zurückgepfiffen. Und an bestimmten Tagen durften sich alle, reich und arm, nur den gleichen Eintopf zu Gemüte führen.  

Kurz und gut wurde alles getan, damit der deutsche Arbeiter, in die Wehrmachtsuniform gesteckt, auf dem Schlachtfeld mit dem Bewusstsein sterben konnte, er opferte sich nicht für die Konzernherren, sondern fürs Vaterland.  

Desto bemerkenswerter schien es dem Verfasser, dass Albert Jacob und mit ihm viele andere deutsche Arbeiter das „russische System“ dem „deutschen“ positiv  gegenüberstellten. Das System, wo es keine Kapitalisten gab, dem anderen gegenüber, wo es sie sehr wohl  gab. Von der  die Klassengegensätze aufhebenden „Volksgemeinschaft“  in Hitlerdeutschland hielten sie anscheinend nicht viel. Deswegen stimmten sie den deutschsprachigen Sendungen von Radio Moskau über die Kriegsschuld  des deutschen Monopolkapitals zu.              

Allerdings muss man hier auch erwähnen, dass in dem Maße, wie  der von Hitlerdeutschland angezettelte Krieg voranschritt, Radio Moskau immer seltener mit Aufrufen zum Klassenkampf auftrat.     

Nach den erhaltenen Akten, die der Verfasser in verschiedenen Archiven aufstöberte, gab es dafür zwei Hauptursachen. Die erste bestand in der Enttäuschung am Verhalten der deutschen Klassenbrüder. Denn diese wollten von der Klassensolidarität nichts wissen. Sie schossen auf ihre sowjetischen Klassengenossen. Und zwar sehr eifrig. Alle Appelle, zur Räson zu kommen, beeindruckten sie wenig. Erst als der Kriegsverlauf sie lehrte, dass der Krieg gegen Russland im Unterschied zu den Feldzügen im Westen keine lustige Wanderung ist, ließ ihr Eifer nach. Um die Zeit kamen auch ältere Jahrgänge zur Wehrmacht, die weniger unter dem Einfluss der nationalsozialistischen Demagogie standen.   

Die andere Ursache der Zurückhaltung von Radio Moskau war die Befürchtung,  die westlichen Verbündeten der Sowjetunion, vor allem England und die USA,  würden die Klassenkampfpropaganda in den Sendungen von Radio Moskau dem Kreml übel nehmen. Denn diese Gegner Hitlers hielten nichts von einer tiefgreifenden sozialen Reform, geschweige denn von einer sozialen  Revolution. Sie führten den Krieg zwar für  Freiheit und Demokratie. Aber auch für die weitere Festigung der ohnehin dominierenden Weltstellung ihres Monopolkapitals und die Zügelung seines wildgewordenen deutschen Konkurrenten.    

Übrigens fand die  Wandlung der Programmpolitik von Radio Moskau wenig Verständnis  bei den deutschen Mitarbeitern der Redaktion. Denn es waren durchweg alte deutsche Kommunisten. Es fiel ihnen schwer, sich innerlich damit zu versöhnen, dass die Sowjetunion die Revolutionspropaganda im Äther  zurückschraubte. Das führte zu Auseinandersetzungen in der Redaktion.           

Aber darauf wollen wir, wenn auch kurz, in den folgenden Beiträgen dieser Sendereihe eingehen. Vorläufig aber noch einige Worte über das traurige Los des Zwickauer Heizers Jacob.             

Für das Abhören der deutschsprachigen Radiosendungen aus Moskau und die Weitergabe der Inhalte wurde er vom nationalsozialistischen Scherbengericht, das als  Volksgericht firmierte, zum Tode verurteilt.   

Am 13. Juli 1944 bekam der Scharfrichter Röttger aus Berlin den Auftrag, Albert Jakob mit dem Fallbeil hinzurichten. Vier Tage später eröffnete im Gefängnis Brandenburg (Havel)-Görden "der Vollstreckungsleiter dem Verurteilten... daß von dem Gnadenrecht kein Gebrauch gemacht worden sei... Der Verurteilte verhielt sich während der Verkündung ruhig und gefasst." Die Worte "ruhig und gefasst" enthält auch der Vollstreckungsbericht des die Hinrichtung beaufsichtigenden Beamten. Jakob ließ sich demnach ohne Widerstreben auf das Fallbeilgerät legen, worauf der Scharfrichter die Enthauptung ausführte.   

Mit dieser Vollstreckungsmeldung schließt sich die Akte Jakob aber nicht. Ihr ist ein Gesuch des zuständigen Staatsanwalts Wittmann angeheftet:  

"In der Wachtmeisterei der Reichsanwaltschaft, Dienststelle Potsdam, befindet sich jetzt ein in der Strafsache 11Y 17-44 eingezogener Siemens-Rundfunkapparat, der gebrauchsfähig ist, schrieb der Staatsanwalt. Ich bitte zu erwägen, ob mir dieser Apparat überlassen werden kann“. 

Dem Gesuch wurde entsprochen. Es ist aber nicht  aktenkundig geworden,  welche Sendungen der Staatsanwalt Wittmann mit seiner Trophäe abhörte. Vielleicht auch die von Radio Moskau? Eine Annahme, die demjenigen, der sich mit der Akzeptanz der Sendungen in Hitlerdeutschland befasste, gar nicht absurd erscheint. Denn 1944, als der Herr Staatsanwalt  den Empfänger des Heizers bekam, hörten den Sender bei weitem nicht nur Proleten. Schließlich stand die Rote Armee bereits an der Schwelle Deutschlands und die Frage, wie es weitergehen sollte, beschäftigte auch das „bessere“ Publikum.   

4. 1968. Majakowski- Ring im Ostberliner Bezirk Pankow. Hier stehen kleine Villen, wo die DDR- Prominenz, auch die pensionierte, wohnte. In einer  besucht der Verfasser dieser Sendereihe  Sepp Schwab. Noch vor kurzem Stellvertretender DDR- Außenminister, dann Abteilungsleiter im AA, war er um die Zeit bereits  pensioniert. Das trifft sich gut, dachte  der Verfasser, der an einer Doktorarbeit über die Geschichte des sowjetischen Auslandsfunks bastelte. Jetzt kann Sepp Schwab ungezwungener mit ihm plaudern. Immerhin war er mehrere Jahre  Chefredakteur der deutschsprachigen Sendungen  von Radio Moskau.  

Dazu sei bemerkt, dass vor dem Krieg, im Krieg und eine, allerdings kurze Zeit danach in der deutschsprachigen Redaktion von Radio Moskau immer zwei Teams zusammenarbeiteten - eine russische und eine deutsche. Es wäre gelogen, würde man hier sagen, die Zusammenarbeit verlief reibungslos. So war es nicht und konnte auch nicht sein. Nicht nur wegen der unterschiedlichen  Mentalität und Lebenserfahrung, sondern auch deswegen, weil  die Russen   die Zielsetzungen des Senders etwas anders sahen als die Deutschen. Die  Russen hatten  die nationalen Interessen ihres Vaterlandes im Auge. Und diese bestanden darin, mit der deutschen Regierung, welche Partei sie auch immer stellte, korrekte Beziehungen herzustellen. Die Deutschen, alles kommunistische politische Emigranten, übten sich zwar in Loyalität zum Land der Sowjets, aber im Inneren ihrer Seelen dachten  sie vor allem an die Rückkehr in die Heimat. Und zwar an eine Rückkehr   auf weißem Ross. Als Sieger über ihre politischen Feinde und ihre gnadenlosen Richter.    

Zwar waren die Zustände in der Sowjetunion nicht so, dass die Meinungsverschiedenheiten publik werden konnten. Das hätte die sowjetische politische Polizei  auf den Plan gerufen, die über die Gleichförmigkeit der Ansichten wachte. Trotzdem führten die  im Verborgenen schlummernden Gegensätze zu Auseinandersetzungen im redaktionellen Alltag.  

Dazu kam, dass die für die Überwachung der deutschsprachigen Sendungen aus Moskau zuständigen deutschen Ämter, über die Auseinandersetzungen informiert,  keine Gelegenheit ausließen, ein bisschen Öl ins Feuer zu gießen. Sie forderten von der deutschen Botschaft in Moskau, gegen die unfreundliche Haltung des Senders gegenüber Deutschland zu protestieren. Immer wieder wurden die deutschen Diplomaten  beim sowjetischen Auswärtigen Amt vorstellig.  

Fast nach jedem Protest setzten die entsprechenden sowjetischen  Stellen  Beratungen an. Die leitenden Mitarbeiter des sowjetischen AA  trafen sich mit der Führung von Radio Moskau, um ihr Leviten zu lesen. Radio Moskau wurde vorgeworfen, die sowjetische Außenpolitik zu stören. Indem es im Eifer des Gefechtes über das Ziel schösse.  

Übrigens hat die Stimme Russlands aus der Vergangenheit gelernt.  Jetzt muss man in den deutschsprachigen Radiosendungen aus Moskau  lange suchen, um ein Haar in der Suppe zu finden. Die Sendungen sind restlos darauf ausgerichtet, die Zusammenarbeit und die Verständigung zwischen Deutschland und Russland zu fördern.   

Aber zurück zu Sepp Schwab als unserem Zeitzeugen. Seine Berufung auf den Chefredakteursposten der deutschsprachigen Redaktion von Radio Moskau erfolgte nicht ganz ohne Probleme. Das lag an seiner früheren Tätigkeit. 1919 war er nämlich  Sprecher einer kurzlebigen   Putschregierung in München. Diese Regierung wurde von  Ultralinken, sogar von Anarchisten beherrscht. Das warf auf  Sepp Schwab ein Licht, das die Chefs des             sowjetischen Auslandsfunks an seiner Eignung für die  ihm zugedachte Rolle zweifeln ließ.   

Im Kreml war man sich der Tatsache bewusst, dass es nicht reicht, den von Deutschland angezettelten Krieg zu gewinnen. Es kam auch darauf an, den Nachkrieg zu gewinnen. Und das hieß unter anderem, die Deutschen nicht mit der Vision einer gewaltsamen kommunistischen Revolution in ihrem Lande zu verschrecken. Erst recht nicht mit der Vision einer Anarchie, wie sie manche Radikalinskis in München von 1919 anstrebten. Der Kreml wollte, dass  Deutschland nach dem Krieg nicht zum Verbündeten der Westmächte wird. Das war die Hauptsache. Zumal eine scharfe Auseinandersetzung mit den Westalliierten um die Gestaltung der Nachkriegswelt vorauszusehen war.  

Das alles erzählte dem Verfasser ein gewisser Wladimir Mulin. In den Jahren des Krieges leitete er zusammen mit Sepp Schwab die deutschsprachige Redaktion von Radio Moskau. Als die letzte russische Instanz, verantwortlich für die politische Linie der Sendungen.   

Wladimir Mulin lobte Sepp Schwab für seine ruhige, besonnene Art. Nur einmal, am Anfang, hätte es mit ihm Probleme gegeben. Das war, als Sepp Schwab von der Anordndung erfuhr, den alten Spruch, mit dem  Radio Moskau seine deutschsprachigen Sendungen einleitete, und zwar hieß dieser Spruch „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!“, fallen zu lassen. Dieser Spruch musste durch einen neuen ersetzt werden. Und zwar „Tod den deutschen Okkupanten!“.   

Das geht nicht, sagte Sepp Schwab. Die Deutschen würden zuerst das Wort „Tod“ heraushören. Und das würde sie keineswegs animieren, die Sendungen weiter zu hören. Erst recht nicht, sich für einen Frieden mit Russland einzusetzen, wozu sie in den Sendungen aufgefordert wurden.  

Als er das dem russischen Kollegen  vortrug, sagte dieser, die Anweisung käme von einem sehr hochgestellten Mann. Von Lew Mechlis, dem  Propagandachef der Roten Armee. Kann ich mit dem Genossen Mechlis sprechen, fragte  Sepp Schwab. Das würde ich nicht empfehlen, sagte Wladimir Mulin, Mechlis  versteht keinen Spaß. Wer ihm widerspricht, kann sehr leicht zur Frontbewährung abkommandiert werden.  

Es spricht für Sepp Schwab, dass er das Risiko trotzdem einging. Er setzte Mechlis auseinander, dass sich das Motto „Tod den deutschen Okkupanten“, mag es für andere sowjetische Medien am Platze sein,  für die an die deutschen Landser und die Bevölkerung gerichteten Sendungen nicht eignet. Mechlis hörte zu  und schwieg. Dann sagte er gehässig,  Sepp Schwab solle sich aus dem Kopf schlagen, für seine Hörer ein Extra-Süppchen kochen zu dürfen. Wenn er diesen Kopf nicht verlieren will.      

Etwas abweichend, möchte hier der Verfasser dieser Beitragsreihe erwähnen, dass dieser Trend, alle Sendungen des sowjetischen Auslandsrundfunks mehr oder weniger gleichzuschalten, ohne die Mentalitätsunterschiede  der Hörer in verschiedenen Ländern zu berücksichtigen, die Effizienz der Sendungen sehr beeinträchtigte. Denn es gibt keine  Kost, die allen  Mägen bekommt. Und mit der geistigen Kost ist es nicht anders. Es gibt  auch keine, die für alle Seelen gleich verdaulich ist.  

Darum ist es gut, dass jetzt alle Länderredaktionen der Stimme Russlands eine gewisse Souveränität genießen. Soweit  dem Verfasser bekannt ist, wird von ihnen gefordert, sich an die Wahrheit zu halten. Sonst aber dürfen sie selbst entscheiden, was für ihre Hörer besonders mitteilungswert ist. Hofft der Verfasser.   

Aber zurück zu Sepp Schwab.  

Zur Frontbewährung wurde er zwar nicht abkommandiert, doch er  versuchte   nie mehr, die Anweisungen von oben anzuzweifeln.  

Und das tut weh.   

5. 1941. Moskau. Seit dem 22. Juni, dem Tag des Überfalls Deutschlands auf die Sowjetunion,  sind  deutsche Bomber fast jede Nacht am Moskauer Himmel. Der Verfasser dieser Beitragsreihe, siebzehnjährig und kurz vor dem Abschluss der Mittelschule, sitzt, wenn die Bomber kommen, auf dem Dach, um eventuell einen von den Bomben verursachten Brand zu löschen. Den Tag  verbringt er zu einem großen Teil in einer Kellerwohnung. Sie gehört einem einst bekannten russischen Jugendstilmaler, der dem mit ihm befreundeten Verfasser nach der Einberufung in die kämpfende Truppe den Wohnungsschlüssel überließ.  

Das kam dem Jungen sehr gelegen. In der Wohnung, der einzigen im Kellergeschoss, konnte er ungestört seinem, damals in der Sowjetunion strafbaren Hobby nachgehen. Mit einem selbstgebastelten Kurzwellenempfänger hörte er ausländische Radiosender in deutscher und russischer Sprache. Weil  diese  mehr und andere Infos als die heimischen, streng zensierten Medien brachten.   

Einmal klopfte es  an der Tür der Kellerwohnung. Der Junge mit den Kopfhörern  erzitterte. Hastig schob er den auf einem Sperrholzstück montierten Zweiröhrenempfänger unters Bett und machte die Tür auf. Ein hagerer Mann trat ein  und stellte sich mit einem unüberhörbaren deutschen Akzent vor: Heinrich Vogeler.   

Dem Jungen war der Name nicht ganz fremd. Er konnte sich an Vogelers  Sendungen auf der Welle von Radio Moskau  erinnern. In den Sendungen stellte sich der Gast als ein deutscher, in die Sowjetunion emigrierter Maler vor. Und jetzt stand er da.   

Der unerwartete Besucher erkundigte sich nach dem Hausherrn. Er wollte sich von seinem russischen Freund verabschieden. Denn demnächst müsse er aus Moskau weg. Als Deutscher dürfe er nicht länger in der von den deutschen Truppen bedrohten russischen Hauptstadt bleiben.   

Er war darüber sehr traurig. Denn er wollte weiter gegen die Hitlerfaschisten, wie es damals hieß, kämpfen. Mit seinen  bissigen Hitler- Karikaturen  und den aufklärenden und aufrüttelnden Worten, die er in den deutschsprachigen Sendungen vom Radio Moskau an seine Landsleute richtete.  

Vogeler  blieb nicht lange in der Kellerwohnung. Er ging, um nie wieder zu kommen. Viel später, bereits nach dem Krieg, erfuhr der Verfasser dieser Beitragsreihe, dass Vogeler  in Kasachstan verstorben war.  Wie viele von seinen in die Sowjetunion verschlagenen Landsleuten, die dafür büßen mussten, dass Hitler einen Krieg gegen ihr Asylland  entfesselt hatte.  

Heinrich Vogeler kam in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts nach Moskau. Seiner Übersiedlung ging die Zeit seiner großen Erfolge  in Deutschland voraus. Als junger Mann gründete er im deutschen Norden eine Künstlerkolonie mit, die bald zum Inbegriff der Erneuerung der deutschen bildenden Kunst wurde. Er wurde berühmt, verdiente viel Geld, doch er wollte mehr. Er wollte Gerechtigkeit in der Gesellschaft. Deswegen wurde er Kommunist, fand aber mit den kommunistischen Funktionären keine gemeinsame Sprache. Sie hielten ihn für einen weltfremden Spinner. So brach er mit ihnen und fuhr in die Sowjetunion, wo, wie  er glaubte, seine Träume verwirklicht werden konnten.   

Doch wurde der kommunistische Träumer in der Sowjetunion  kühl empfangen. Auch  als Kunsterneuerer schloss man ihn nicht in die Arme. Die sowjetische Führung fand  an den Innovationen eines hergelaufenen deutschen Malers kein Geschmack.   

Nichtsdestoweniger stellte er sich nach dem Ausbruch des Krieges mit Haut und Knochen der Verteidigung der Sowjetunion zur Verfügung. Als Agitpropzeichner und als Autor der Sendungen von Radio Moskau.  Über die Moskauer Radiowelle versuchte er,  seinen Landsleuten die Augen auf die Folgen des Krieges für Deutschland zu öffnen.   

Das taten auch viele andere deutsche Dichter und Künstler, die sich, von  den Nationalsozialisten  in der Heimat  verfolgt, in die Sowjetunion retteten. Die Autorenliste der deutschsprachigen Sendungen von Radio Moskau aus dieser Zeit liest sich wie ein Adressbuch der linken Intellektuellen Deutschlands.   

Zweifelsohne hatten die Exilanten allen Grund,  Hitler und sein Regime zu hassen. Jedoch ist anzunehmen, dass viele von ihnen, auch Stalin und sein Regime, nicht anhimmelten. Entgegen dem, was sie vor dem Mikrophon sagten.   

Jedenfalls musste  der supersensible  Künstler Heinrich Vogeler dazu gehören. Es konnte ihm nicht verborgen bleiben, welche Kluft sich zwischen seiner Sehnsucht nach einer gerechten und menschenfreundlichen  Gesellschaft und der sowjetischen Realität auftat. Aber es war Krieg. Und da galt es, zuerst Hitler den Garaus zu machen. Und dann für die Welt zu kämpfen, von der er träumte.    

Das glaubt jedenfalls der Verfasser dieser Beitragsreihe sagen zu dürfen, wenn er sich an Vogelers Bilder erinnert. Denn das sind Bilder eines Idealisten, eines Romantikers, eines Visionärs.    

Es ist bitter, dass er weit von der Heimat, vereinsamt und vergessen sterben musste.   

6. 1946. Am 17. Januar 1946, also fast vor 60 Jahren, traf ein Hörerbrief  beim Berliner Radiosender ein. Dieser war die erste Hörfunkanstalt im besetzten Deutschland,  nach dem Zusammenbruch des Hitlerreiches  ins Leben gerufen.  Auf Initiative der sowjetischen Besatzungsmacht. 

Ein P. Blach schrieb aus Bremen:   

„Am 21. Dezember 1945 um 19.25 schaltete ich den Berliner Rundfunk ein und hörte zu meiner freudigen Überraschung eine mir gut bekannte Stimme. Es war die Stimme des Sprechers von Radio Moskau in den Jahren des Krieges, Heinrich Greif. In den Jahren hörte ich ihn oft. Nicht immer war der Inhalt der von ihm gelesenen Sendungen für mich so erhebend, wie seine Art, diese zu lesen. Da ich auch andere alliierte Sender abhörte, schaltete ich oft das Radio Moskau aus, um auf eine andere Welle zu gehen. Wenn aber Herr Greif auf der Sendung war, tat ich das nicht. Seine Stimme fesselte mich zu stark. Sogar wenn die amerikanischen Bomber über Bremen kreisten, lauschte ich ihm weiter zu. Ich bitte, ihm meine aufrichtigen und herzlichen Grüße zu übermitteln“    

Es ist wohl kein höheres Lob für einen Radiosprecher vorstellbar als in diesem Hörerbrief. Wenn schon ein Radiosender unter  Bomben gehört wird, und zwar nicht  nur wegen des Inhalts der Sendung, sondern vor allem wegen des Sprechers, was bleibt noch zu wünschen übrig.  

Heinrich Greif, der so gelobt wurde, war tatsächlich ein Rundfunksprecher von Gottes Gnaden. Aber nicht nur das. Er war ein hochbegabter Filmschauspieler und anerkannter Dichter.  

Als er 1934 vor den Verfolgungen der deutschen Nationalsozialisten  in die Sowjetunion flüchten musste, hatte er in deutschen Theaterkreisen bereits einen                             Namen. Aber erst in seinem Asylland  erlebte er die Blütezeit seines Talents. Er spielte hier Hauptrollen in mehreren Filmen, nahm an Theateraufführungen teil. Die russischen Künstler zollten ihm Anerkennung. Die deutsche Emigration auch. Der große deutsche Maler, Heinrich Vogeler,  dem  der vorherige Beitrag dieser Beitragsreihe galt, porträtierte ihn. Von dem Bild blickt ein markanter Kopf auf den Betrachter. Hohe Stirn, ausdrucksvolle Augen, ein Kinn, das Willensstärke verrät.   

Zum Radio Moskau ging er, als Hitler den Krieg gegen die Sowjetunion entfesselte. Er  betrachtete sein neues Tätigkeitsfeld als ein Schlachtfeld gegen Hitler. Und als Sprungbrett für ein aufklärendes Gespräch mit den vom Nationalsozialismus irregeführten Landsleuten.  

In den Jahren wurde ihm sein Beruf erst recht zur Berufung. Darüber schrieb er in seinen Gedichten, die mit  Heimweh erfüllt sind.  

An seine Hörer wandte er sich  in Versform  folgendermaßen:  

Ich liebe Deutschland, mein und Euer Land,

Ihr aber habt aus Deutschland mich verbannt.

Warft Ihr mich auch aus diesem Land hinaus,

Bin ich in meinem Deutschland doch zu Haus.   

Obwohl  in Deutschland unerwünscht, dort „zu Haus“ zu sein, ermöglichte ihm wie seinen Schicksalsgenossen die Moskauer Radiowelle, die keine nationalsozialistische Behörde aus Deutschland hinauswerfen konnte.  

Als der Krieg zu Ende ging, war er nicht mehr in der Fremde zu halten. Als einer der ersten  Heimkehrer kam er  nach Deutschland zurück und stellte sich der unter der sowjetischen Besatzungsmacht entstandenen deutschen Selbstverwaltung im Osten des Landes zur Verfügung. Allerdings war der Weg, den er betrat, nicht mit Rosen besät. Zwei Umstände machten ihm das Leben in der erst vor kurzem von der Hitlerdiktatur befreiten Heimat schwer. Die Uneinsichtigkeit vieler Landsleute, die sich nur langsam vom  nationalsozialistischen Gedankengut lösen konnten. Und die Übergriffe  der sowjetischen Besatzungsmacht, die er offen bedauerte und sogar beklagte. Am 16. Juli 1946 starb er , nicht mal vierzig Jähre alt. Um seinen Tod rankten sich Gerüchte, da seine Enttäuschung über die Nachkriegsentwicklung in Deutschland den Freunden und Kollegen nicht verborgen blieb.   

In späteren Jahren wurde in Ostdeutschland ein Preis für Theaterleute nach seinem Namen benannt. Der Verfasser dieser Beiträge  konnte nicht ermitteln, ob der Preis nach der deutschen Wiedervereinigung weiter vergeben wird. Aber in der Geschichte von Radio Moskau ist Heinrich Greif ein Ehrenplatz sicher. Als einer der Deutschen, die diese Radiobrücke zwischen den Russen und den Deutschen mitgebaut haben. Eine Brücke, die allerdings ständig erneuert werden muss, damit sie die ihr zugedachte Funktion erfüllt. 

21.3.04

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