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Vorwort 

Eigentlich richtet der Medienkonzern „matrjoschka-online.de“   sein Augenmerk   nur auf das Wesentliche. Auf relevante Ereignisse  und  Vorgänge.   Aber in den wenigen freien Minuten widmet sich das analytische Team des Konzerns unter Leitung Iwan Matrjoschkins, Esq., ,  Unwesentlichem, sogar  Überflüssigem. Schließlich macht nur das Überflüssige richtig Spaß. Deshalb haben wir uns entschlossen, dem geneigten Leser eine einzigartige Geschichte des sowjetischen und postsowjetischen Russlands zu präsentieren. Die Geschichte в анекдотах.

 VORWORT ÜBER АНЕКДОТ

Das deutsche Wort „Anekdote“ und das russische  анекдот“ bedeuten nicht ganz dasselbe. Im Russischen ist  eine Anekdote nicht unbedingt eine wahre Begebenheit oder eine kleine Story,   sondern auch das, was im Deutschen Witz genannt wird. Allerdings oft ein Witz, der, wenn auch auf drollige Weise, das wahre Geschehen widerspiegelt. Sogar adäquater als Archivalien, an die sich Historiker halten mit der Annahme, sie recherchieren die Wahrheit. Was recherchieren sie tatsächlich? Akten, die geschrieben wurden, um ein X für ein Y auszugeben. Einen anderen Sinn haben die Akten der Regierungskanzleien doch nicht. Oder?

Dagegen zeigen  анекдоты, wie Ereignisse und Vorgänge von Betroffenen reflektiert werden. Sie sind  eine wahre Fundgrube für jeden, der sich dafür interessiert, woher der Wind tatsächlich blies.  

Russische aнекдоты  zeigen, dass das Bild vom stupiden Russen, der Unterdrückung und Betrug der Herrschenden geduldig hinnimmt, nicht stimmt. Sie zeigen, dass die Russen ihren Unterdrückern ständig Widerstand leisteten. Dass sie sich mental  nicht unterkriegen ließen.

Ein überzeugendes Zeugnis der inneren Freiheit der Russen unter einer Diktatur. Ein Instrument der Befreiung von der verordneten Denkweise.

In der Sowjetzeit ersetzte  анекдот den Russen das, was die hart  zensierten  Medien nicht boten und was als Sakrileg galt. Die Kritik an den Herrschern.  Eine scharfe und oft schadenfrohe Kritik. Satire im Miniformat.

Je härter die Zensur wütete, je grausamer die freie Meinungsäußerung verfolgt wurde, desto üppiger blühte  анекдот auf.

Die „Anekdoten“  schufen eine zweite Öffentlichkeit in der Sowjetunion. Weniger offenkundig als die erste, die offizielle, die sterile, aber eine, die  den Sowjetmenschen stärker  beeinflusste.

Aus dem Grunde erreichte  die Kunst der russischen Anekdote einsame Spitze.  Die „анекдоты“ wurden  tausendfach erfunden und millionenfach-  unter vorgehaltener Hand und nur vertrauenswürdigen  Freunden und Kollegen - erzählt. Dem Erzählen ging oft  eine Vorrede voraus, wie diese mit Blick zur Deckenlampe: „Genosse Leutnant der Staatssicherheit, schalten Sie bitte ab oder lachen Sie mit, es ist nicht böse gemeint“.

Das Erdichten und Erzählen von „Anekdoten“ war  gefährlich, wovon sie selbst sprechen. Zum Beispiel: Ein Gast aus dem Westen fragt einen sowjetischen Sicherheitschef, ob er ein Hobby hat. Ja. Und welches? Ich sammle „анекдоты“! Und nach einer kurzen Pause: Samt den Erfindern und Erzählern. Der Gast etwas überrascht: Und, haben Sie eine große Sammlung?    Und ob! Eine ganze Insel des Archipel Gulag“.

Oder: Weswegen bist Du verurteilt? Weil ich Witze erzählte. Und Du? Wegen Faulheit. ?? Ich habe einen Witz mitgehört und gedacht, morgen melde ich  dem KGB den Witzbold, aber er war schneller...

Ein анекдот  brachte  bis zu 25 Jahre Freiheitsentzug ein. Wenn  eine Person durch den Kakao gezogen wurde, die von der Staatsmacht kanonisiert worden war. Lenin, Stalin... 

Im Unterschied zur Sprache der sowjetischen Medien und  der offiziellen Verlautbarungen wurzelten die анекдоты  tief im russischen Volksverb.  Sie sind deswegen oft nicht nur deftig, sondern sehr unanständig. Während das Parteichinesisch einen normalen Menschen geistig kastrierte, ließen die анекдоты die Seele frohlocken.  Die derbe Ausdrucksweise, auf dem  Wort fußend, von dem das deutsche „ficken“ nur einen blassen Eindruck vermittelt, trug dazu bei.

Die анекдоты sind oft unübersetzbar. Nicht nur wegen der Volkstümlichkeit im Ausdruck. Ihr Inhalt entspringt nämlich oft den unverwechselbaren Umständen des Alltagslebens und der Geschichte der Russen. Aber das Forscherteam von „matrjoschka-online.de“, vom weltbekannten Philologen Iwan Matrjoschkin, Esq., geleitet, scheute keine Mühe, um eine brauchbare Nachdichtung zu gewährleisten. Der geneigte  Leser muss nun unsere Leistung  mit ein wenig eigener Mühe honorieren. Versuchen Sie bitte, die анекдоты, die Ihnen nicht verständlich oder nicht lustig vorkommen, trotzdem zu verstehen und zu genießen.          

Allerdings sehen wir uns gezwungen, eine Feststellung zu treffen, die unseren Stolz auf die wunderbare Frucht der russischen Kreativität,  анекдот, mindert. In den letzten Jahren ist der анекдот nicht mehr das, was er früher war. Er ist flacher, aussageärmer, vulgärer geworden. Warum? Vielleicht weil die Erfinder und Weitererzähler nicht mehr belangt werden? Oder weil die russischen  Medien jetzt jeden Quatsch bringen dürfen? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass es der russischen Folklore in etwa so geht wie der russischen Literatur. Beiden bekam die Freiheit schlecht. Jedenfalls jene Freiheit, die in Russland einkehrte.

Das ist aber für uns  ein zusätzlicher Grund, den Deutschen auch den älteren russischen анекдот zu präsentieren. Solange er noch im Gedächtnis der Russen lebt.

P.S. Iwan Matrjoschkin, Esq. wollte  das nun folgende Werk seinem (vermeintlichen) Freund, dem NATO-Generalsekretär, Lord Robertson von Port Ellen widmen. Dann aber rückte er von der Absicht ab. Angeblich nach Rücksprache mit dem Sekretariat des Lords, das ihm empfahl, dieses dem russischen Volk zu verehren. Was hiermit geschieht. 

Und noch etwas. Hiermit bedankt sich das matrjoschka- team bei anderen bekannten Sammlern von russischen Anekdoten (besonders bei Ju. Borew), aus deren Sammlungen es einiges entnommen hat.   

DIE GESCHICHTE DER SOWJETUNION IN ANEKDOTEN ÜBER IHRE FÜHRER

Eine kleine Vorbemerkung. In folgenden Anekdoten schneiden die Sowjetführer, freundlich gesagt, nicht sehr günstig ab. Oft als Halbidioten, fast immer als Heuchler, Betrüger und Volksverderber.  Gott sei dank waren und sind die Russen nicht obrigkeitshörig. Und um dieses Verhalten vor sich selbst zu rechtfertigen, ziehen sie die Obrigkeit in den Schmutz.

Das war nicht nur unter der Sowjetmacht so, sondern auch unter den Zaren. Äußerlich verehrt, lehnte das Volk sie in der Tiefe seines Herzens ab.

In jedem russischen Märchen kommt ein  dämlicher und seniler Zar vor, der von einem Bauernsohn reingelegt wird. Als der große  Dichter Alexander Puschkin, von seiner Amme in die Welt des russischen Märchens eingeführt, einige davon nachdichtete, hatte er Schwierigkeiten mit der Zensur. Was tun, fragte er die Zensoren sinngemäß. Wo gibt es ein russisches Märchen mit einem weisen und gerechten Zaren?     

Die weder durch Tradition noch durch Geburt legitimierten Sowjetherrscher witterten die Gefahr, vom Volk verspottet zu sein. Daher der sogenannte Personenkult. Dem echten Märchen sollte ein künstliches Produkt entgegenhalten werden. Ein Märchen von den alles vorausschauenden  Architekten des irdischen Paradieses, des Kommunismus. Doch wie die nächsten Anekdoten beweisen, siegte das gesunde Volksempfinden über die Propaganda des allmächtigen Staates. 

ANEKDOTEN AUS DER LENINZEIT

Wladimir Iljitsch Lenin (Uljanow), 1870-1924, Gründer und Führer der russischen Kommunistischen Partei und des Sowjetstaates. 1917- 1924  Regierungschef.)

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Nach der Machtergreifung spricht Lenin zu den Arbeitern. Die Revolution bringt Euch den Achtstundentag. Die Arbeiter: Hurra! Und dann bringt sie Euch einen Siebenstundentag. Hurra!! Und dann einen Sechsstunden-Fünfstunden-und Vierstundentag. Hurra!!! Lenin zum Geheimpolizeichef Dzserzinski, der auf der Tribüne daneben steht: Felix, merke dir, die Schweine wollen überhaupt nicht arbeiten.

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Vor der Machtergreifung beruft Lenin den Stab der Revolution in den Smolny, das Institut für Adlige Fräulein.Smolny? Gibt’s bei Euch  Bier? Nein? Und wo gibt’s Bier? Im Winterpalais des Zaren? Legt den Hörer auf und Genossen! Auf, auf zum Kampf!

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Lenin trank am liebsten bayrisches Bier. Er träumte davon, in Bayern den Kommunismus aufzubauen. Als die bayrischen Kommunisten in München für ein paar Tage die Macht übernahmen, forderte er sie in seiner Botschaft an die Bayrische Räterepublik dazu auf, sofort zu Werke zu gehen.  Die bayrischen Kommunisten aber folgten seinen Anweisungen nicht. Warum nicht? Weil sie auch gern bayrisches Bier tranken und wussten, nach dem Sieg der Revolution werde es keins mehr geben.

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Lenin empfängt einen beschwerdeführenden Bauern. Guten Tag, Genosse. Sie sind Kleinbauer? Nicht ganz. Ich habe ein Pferd. Also sind Sie wohlhabend? Vielleicht. Ehrlich gesagt, habe ich sogar zwei Pferde. Aha, Sie sind Großbauer. Zum Geheimpolizeichef: Felix, lass ihn erschießen. Jetzt oder nach dem Mittagessen? Unbedingt vor dem Mittagessen. Dann können wir sein Mittagessen  den Kindern mittelloser Bauern geben.

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Ein anderes Mal. Wieder empfängt er beschwerdeführende Bauern. Wir hungern, sagen sie. Wir fressen nur Hafer. Werden demnächst wie Pferde wiehern. Quatsch, Genossen! Habe gestern ein ganzes Fässchen Honig geschluckt. Summe ich deswegen  wie eine Biene?

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Die Bauern bringen Lenin einen Blumentopf. Die Blume reißt er heraus und schenkt sie seiner Frau Nadeshda. Die Erde befiehlt er den Bauern zu geben. Schließlich hieß sein Slogan : Grund und Boden den Bauern!

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Als Lenin schwer erkrankte, besuchte ihn sein Kronprinz Stalin. Es geht mir sehr schlecht, mein Freund, sagt Lenin. Bald ist es aus mit mir. Dann übergeben Sie mir die Macht doch jetzt schon, sagt Stalin. Ich fürchte, dass Volk wird ihnen  nicht folgen. Ein Teil schon. Der andere wird Ihnen folgen.

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Als Ende 1923 Lenin nach einem Hirnschlag nicht mehr reden konnte, hat ein Student in Charkow seinen Kommilitonen ein Rätsel aufgegeben: „Was ist das für ein Land? Die Zaren-Glocke im Kreml kann nicht läuten, die Zaren-Kanone im Kreml kann nicht schießen, der Regierungschef im Kreml kann nicht sprechen und schreiben. Der Student endete so wie viele andere Witzbolde.

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Die drei größten Reformer in Russland Iwan der Schreckliche (Errichtung der Selbstherrschaft),  Peter I. (Europäisierung) und Lenin ( kommunistische Diktatur) starben im gleichen Alter. Mit 54 Jahren.    

DIE STALINZEIT

Stalin, 1879-1952. Von 1922 bis 1953 Generalsekretär der KPdSU , seit Ende der zwanziger Jahre in der SU allmächtig.)

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Um Stalins Herkunft ranken sich Mythen. In Georgien, wo er geboren wurde und dem seine Schergen schwer zusetzten, galt für viele nur seine Mutter als echte Georgierin. Unter Stalins möglichen Vätern war ein armenischer Kaufmann, mit dem sie zusammengelebt haben soll, ein russischer Forschungsreisender, in dessem Haus sie putzte, und sogar Zar Nikolaus II. , dessen Wäsche sie während dessen Besuchs in Georgien  waschen durfte. Die antistalinistischen Georgier zählen ihn gern auch  zu den Osseten, einer Minderheit, die in Georgien von oben herab behandelt wird. Ihrerseits verbreiten die Osseten eine Mär, wonach Stalin Halbjude gewesen sei.  Diese stützt sich auf seinen richtigen Familiennamen Dshugaschwili. Schwili heißt im Georgischen der Sohn und dshuga (angeblich) der Jude. So wurde die zweifelhafte Ehre, Stalin als Landsmann zu haben, an Völker delegiert, die in der eigenen  Meinung  nicht gerade hoch stehen.

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Stalins Mutter, die, vom Sohn zwar vernachlässigt, trotzdem zeitweilig in einem Palast in der georgischen Hauptstadt lebte, wurde stark bewacht. Ein Georgier fragt einen anderen: Warum wird diese Frau so bewacht? Damit sie nicht noch  einen  Sohn gebärt. Einer reicht uns.

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Stalin, der nicht schwimmen konnte, badet im Schwarzen Meer und ist dabei,  zu ertrinken. Ein Landsmann rettet ihn. Welchen Lohn möchtest du , fragt Stalin. Sagen Sie niemandem, dass ich Sie gerettet habe. Das soll mein Lohn sein.

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Noch als Jugendlicher legte sich Stalin den Parteinamen Koba zu. So hieß ein edler  Räuber,  ein georgischer Robin Hood. Räuber wurde Stalin tatsächlich, da er mehrere Banküberfälle verübte, um die Parteikasse aufzufüllen. Aber ein edler? Nach einer Legende, die durch ein 1918  eingeleitetes Verfahren im Wesentlichen  bestätigt wird, hat er bei einem Geldtransportüberfall sieben seiner Mittäter  erledigt, um sich die besonders reiche Beute unter die Nägel zu reißen.

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Stalin, der von seinen Speichelleckern als Koryphäe aller Wissenschaften gefeiert wurde, besuchte nur eine niedrige orthodoxe Priesterschule und diese auch nicht bis zum Abschluss. Gebildete Menschen konnte er nicht ausstehen. Sein Verteidigungsminister hat nur zwei Jahre eine Grundschule besucht. Sein Wirtschaftsminister nur eine Sanitäterschule. Nur sein zeitweiliger Außenminister Molotow studierte bis zum dritten Semester. Übrigens drohte ihm Stalin mit der Ernennung zum Kulturminister. In seinen Augen war der Posten eine Schande  für einen richtigen Mann.

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Es wurde erzählt, dass Stalin einem alten georgischen Bekannten, einem Lastenträger, geholfen hätte, zum Kulturminister Georgiens aufzusteigen. Das ganze Land witzelte über den Mann. Als sein Amt eine Leninbüste aus Moskau erhielt, schrieb er zurück, dass er „eine Leninsbüste mit Beinen“ haben möchte.  Als er für die  Ausstattung seiner Privaträume zwei Klobecken erhielt, hielt er sie für Blumenvasen. Ob die Geschichten stimmten, ist zweifelhaft. Trotzdem hatten sie  für den verspotteten  Mann schlimme Folgen. Auf Stalins Befehl wurde er erschossen, damit er den hohen Wohltäter nicht mehr in Verruf bringen konnte.

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1929 fuhr Stalin in einem Sonderzug nach Sibirien. In einem Extrawagen fuhr Karl Radek mit, ein deutscher Kommunistenführer, der  nach Moskau übersiedelte und  viele   Anekdoten erfand.

Eines Morgens steht sein Wagen auf Ersatzgleisen, vom Zug keine Spur. Auf dem Tisch findet  er einen Zettel von Stalin: Mach Deine Witze allein!

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Radek über Stalin: Moses führte die Juden aus Ägypten, Stalin aus der Politik.   

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Radek über Stalin: Der Führer hält eine Rede. Plötzlich niest jemand. Wer war das, fragt Stalin. Betretenes Schweigen. Wer hat geniest? Wieder kein Wort. Zum dritten und  letzten Mal : Wer hat geniest?  Ein bebende Stimme : Ich!   Gesundheit, sagt Stalin.

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Stalin sagt zu Radek, erzähl ruhig Deine Witze, nur nicht über mich. Immerhin bin ich der Führer.  Radek: Eben das ist der größte Witz.

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So ließ Radek nicht davon ab, анекдоты  zu erzählen. 1938 wurde er auf Stalins Befehl verhaftet und in einem Schauprozess verurteilt. Bei der öffentlichen Vernehmung leistete er sich den letzten Witz. Er bat die Folterknechte um Entschuldigung dafür, dass sie so viel Mühe aufwenden mussten, um ihm die Geständnisse abzupressen.

Er wurde hingerichtet.

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Stalin prägte den Begriff „Kritik von unten“ und gab vor, sie zu brauchen.

Ein Bär sagt: Weshalb ich den zerquetschten Igel verehre? Als ich mich auf ihn  setzte, spürte ich scharfe Kritik von unten.

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Beim Aufmarsch zum 1. Mai fallen Parteiveteranen mit einer Losung auf dem Transparent auf, die sonst nur sowjetische Kinder trugen: -„Wir bedanken  uns beim Genossen Stalin für unsere glückliche Kindheit“. Ein Stasioffizier eilt herbei. Verrückt geworden, was?  Als ihr Kinder ward, war Genosse Stalin noch nicht geboren! Er kümmerte sich nicht um eure Kindheit. Eben dafür wollen wir uns bedanken!.         

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Einmal traf sich Stalin mit Baumwollpflückern aus Usbekistan. Die Gäste brachten ein kleines Mädchen mit, das sich auf den Baumwollfeldern, wo in der Erntezeit alle Usbeken helfen mussten,  ausgezeichnet hatte. Stalin nahm es auf den Arm und ließ sich mit ihm fotografieren. Mit der Unterschrift „Stalin ist der beste Freund der sowjetischen Kinder“ wurde das Foto zur Ikone des Stalinkultes.

Die Geschichte hatte eine Fortsetzung. Als die Fotos augenommen waren, rief Stalin seinen Sicherheitschef, auch einen Georgier, und sagte ihm etwas in der Muttersprache. Das schlaue Mädchen  prägte sich die georgischen Worte ein. Als Erwachsene wollte sie erfahren, was diese bedeuteten. Es stellte sich heraus, dass der beste Freund der sowjetischen Kinder seinem Adlatus gesagt hatte: Schaff mir die lausige Göre vom Hals! 

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Stalin pflegte die Menschen zu vernichten, die ihm gute Dienste geleistet hatten. Zu ihnen gehörte ein Parteigenosse, der ihm beim Aufstieg ins höchste Amt stets zu Diensten war. Kurz vor seiner Hinrichtung fragte dieser, ob Stalin weiß, was Dankbarkeit ist.  Freilich ,-sagte Stalin.  Eine Hundetugend“. 

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In der Nacht ruft Stalin, der tagsüber schlief und nachts wachte, seine engsten Mitstreiter an. Hör zu, Molotow (Regierungschef), stotterst Du noch?

Ja, Genosse Stalin. Wenn aber die Partei befiehlt... Nicht so eifrig. Stottere  vorerst ruhig weiter.

Dann: Hör zu, Mikojan (Aussenhandel). Wie hast Du es fertig gebracht, am Leben zu bleiben, als alle anderen kommunistischen Kommissare im Kaukasus 1919 umgebracht wurden? Genosse Stalin, ich weiß nicht, warum ich am Leben blieb. Einmal kriegen wir es raus. Vorerst aber schlafe ruhig.

Hör zu, Berjia (Geheimdienstchef), stimmt es, dass du dich mit kleinen Mädchen amüsierst? Sehr selten, Genosse Stalin. Wenn aber Sie es nicht wünschen... Nein, amüsiere Dich weiter... Vorerst...

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Stalin und Hitler bewunderten sich. Vieles in der Geschichte der Sowjetunion und Deutschlands lief in den dreißiger Jahren parallel. Der Nacht der Langen Messer, Hitlers Massaker an der SA – Führung, folgte in der Sowjetunion ein inspirierter Mord am Stalinrivalen  Kirow- das  Signal für den großen Terror. Der Abservierung der Reichswehrgeneräle folgte die Beseitigung ihrer sowjetischen Kollegen.

Als das Dritte Reich und die Sowjetunion 1939 einen Vertrag über die Teilung Europas abschlossen und quasi zu Verbündeten gegen die Westmächte wurden, soll Stalin frohlockt haben: Hitler meint, er hätte mich reingelegt, sagte er. Der deutsche Führer  irrt sich aber. Etwas Ähnliches soll auch Hitler gesagt haben. Nur meinte er, Stalin sei der Reingelegte.

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Die kleinen Unstimmigkeiten hinderten den russischen Tyrann nicht, während des Empfanges im Kreml zu Ehren der deutschen Delegation auf die Gesundheit des deutschen Tyrannen das Weinglas zu heben.

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Als der Vertrag geschlossen wurde, soll Stalin dem Nazi- Außenminister vorgeschlagen haben, in beiden Ländern eine gemeinsame Fahne einzuführen. Rot sollte sie sein, auch der Slogan „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!“ sollte bleiben. Sehr gut, meinte Ribbentrop. Angenommen, nur mit einer kleinen Korrektur. Im ersten Wort des Slogans lassen wir die ersten sechs Buchstaben weg“.

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Als Hitler seine Bombengeschwader gegen London schickte, schlug ihm Stalin vor,  eintausend Straßenfeger  aus Moskau über London abzusetzen. Die seien fähig, eine große Stadt  schneller zu ruinieren als  Bombenangriffe.

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Kurz vor dem Krieg zwischen Deutschland und der Sowjetunion telefoniert Stalin mit Hitler. Warum  verlegt Ihr die Truppen an die sowjetische Grenze? Weil sich die Wehrmacht nach dem Frankreichfeldzug erholen muss, antwortet Hitler und fragt seinerseits: Warum aber verlegt Ihr die Rote Armee an die deutsche Grenze? Damit sich die Wehrmacht ungestört erholen kann, antwortet Stalin.

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Hitler über Stalin: Stalin ist bestialisch grausam und so gemein wie nur Menschen sein können. Wenn Russland fällt, ernenne ich ihn zum Gauleiter der eroberten Provinz. Er weiß am besten mit den Russen umzugehen.

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Als sich die Rote Armee Berlin nähert, nehmen Soldaten das deutsche Filmsternchen Marikka Rökk fest. Der für den Frontabschnitt zuständige sowjetische Marschall flirtet mit ihr. Sein Geheimdienstaufpasser meldet dem Kreml, der Marschall erliegt dem Einfluss der faschistischen Ideologie. Halb so schlimm, sagt Stalin, soviel ich weiß, verbreitet sich die Ideologie über andere Kanäle.

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Stalin fährt an einer schicken Stadtvilla vorbei. Wem gehört dieser Kindergarten, fragt er seinen Sekretär. Das ist kein Kindergarten. Hier wohnt die Familie des Oberbefehlshabers unserer Truppen in Deutschland. Ich glaube doch, dass es ein Kindergarten ist, sagt Stalin trocken. Als er einige Stunden später wieder vorbeifährt, sind viele Kinder im Garten der Villa, die tatsächlich zu einem Kindergarten umfunktioniert wurde.

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Warum ist die Sowjetunion ein Paradies? Weil  die Sowjetmenschen wie Adam und Eva leben. Nackt, knabbern zu zweit an einem Apfel und denken, sie sind glücklich.

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1944 besuchte General de Gaulle, der das gegen Hitlerdeutschland  kämpfende Frankreich repräsentierte, Stalin im Kreml.   An der Festtafel  bescheinigte Stalin seinem Favoriten und Minister für Transportwesen, Lasar Kaganowitsch, großen Mut. Warum? Weil der weiß, wenn sich die Züge verspäten, ist es um ihn geschehen. Und trotzdem macht er weiter.

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Um die Zeit  besuchte auch Churchill den Kreml. Mit saurem Gesicht saß er Stalin gegenüber und musste ständig raus. Was hat er,  fragt Stalin seinen Protokollchef. Ich weiß es nicht, antwortet dieser.  Wir haben alles getan, damit er sich wie zu Hause fühlt. Alles wie in  England. Schnaps. Beefsteaks. Sogar englisches  Salz. (Englisches Salz ein in Russland bekanntes Abführmittel).

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Stalin und USA-Präsident Roosevelt treffen sich und wetten, wessen Leibwächter zuverlässiger sind. Roosevelt fragt einen von seinen, ob er bereit sei, aus dem Fenster zu springen. Nein, sagte John, ich springe nicht. Wegen  Frau und Kindern.

Ich springe, sagte der Russe.  Wegen  Frau und Kindern.

Angeblich pflegte der Geheimdienstchef Berija diesen Witz seinen Kollegen aus den Ländern der Antihitlerkoalition zu erzählen.

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Stalin, Churchill und Roosevelt  gehen spazieren. Plötzlich liegt ihnen ein Ochse im Weg. Churchill gibt ihm einen Fußtritt. Der Ochse rührt sich nicht. Roosevelt verspricht ihm eine Million Dollar. Der Ochse rührt sich nicht. Stalin flüstert ihm etwas ins Ohr, der Ochse springt auf und rennt weg. Was haben Sie ihm gesagt, Generalissimus, fragen beide.  Ich sagte ihm, ich schicke ihn in eine Kolchosherde, antwortet Stalin.

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Stalin telefoniert mit Churchill. Sein Sekretär hört nur die Worte: Nein, nein, nein, nein und dann ja. Genosse Stalin, darf ich wissen, auf welche Frage Sie mit ja antworteten. Churchill fragte, ob ich ihn gut höre.

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Ein Generaloberst meldet Stalin die Frontlage. Stalin dankt. Der frech gewordene Generaloberst bittet ihn um die Erlaubnis, seine Kriegsbeute aus Deutschland nach Moskau zu bringen. Stalin nimmt ein Blatt Papier, schreibt das Erwünschte darauf und reicht es dem Bittsteller. Der liest und bemerkt: Genosse Stalin hat sich verschrieben. Die Erlaubnis lautet zwar auf seinen Namen trägt aber den Zusatz Oberst. Kein Schreibfehler, Genosse Oberst, sagt Stalin.

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Als Stalin 1953 starb, belief sich sein „Barvermögen“ auf vier Rubel, vierunddreißig Kopeken, damals der Preis für einen Liter Milch. Außerdem konnte er das mächtigste Reich der Welt sein eigen nennen.

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Für Sauberkeit in Stalins Domizil sorgt ein junger Soldat. Er schämt sich, dass seine Stiefel so laut quietschen. Er kauft sich Hausschuhe und zieht sie in  Stalins Nähe an. Einmal wacht Stalin auf und wird unruhig, weil er jemanden nahe spürt, aber das gewohnte Quietschen  nicht hört. Er sieht den Soldaten, der sich geräuschlos bewegt. Der Soldat wird wegen Ruhestörung erschossen.

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Als 1949 Stalins  siebzigster Geburtstag gefeiert wird, hängt in einer Fakultät der Moskauer Universität eine Wandzeitung mit seinem Bild. Um ein Haar wird das Bild dem Redakteur zum Verhängnis, denn  der Generalissimus ist darauf in seiner Sommeruniform abgebildet. Der Geburtstag aber fällt auf Ende Dezember. Der Parteisekretär, vor Pietät gegenüber dem Tyrannen etwas verrückt, will dem Wandzeitungsredakteur eine Attentatabsicht in die Schuhe schieben. So leicht bekleidet, könnte Stalin sich erkälten.

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Berija gehörte zu Stalins schärfsten Kettenhunden. Mit einfallsreichen Tricks hätte er sich das uneingeschränkte Vertrauen des Führers erschlichen. So beauftragte er Killer aus seinem Geheimdienst, ein fingiertes Attentat auf Stalin zu verüben, als Stalin und  er auf der Krim Urlaub machten. Ein Ausflugskutter mit den beiden wurde vom Ufer beschossen. Mit Platzpatronen.  Berija warf sich vor den Führer, um ihn mit dem eigenen Leib zu schützen. Die vermeintlichen Attentäter wurden anschließend auftragsgemäß von anderen Geheimdienstkillern erledigt.

Ein anderes Mal fragte Berija einen Koch Stalins, ob er eine Pistole besitze.  Der Koch verneinte. Berija gab ihm eine Pistole und befahl, diese ständig mit sich zu tragen, damit der Koch notfalls Stalin beschützen könne. Am Abend desselben Tages ließ der Geheimdienstchef den  Koch  rufen, „entdeckte“ in Stalins Anwesenheit die Pistole und erschoss den Unglücklichen eigenhändig.

Die Fama behauptete auch, dass der auf diese Weise unermesslich gesteigerte  Verfolgswahn Stalins sich letztendlich gegen den Urheber richtete. Anfang 1953 soll der Tyrann darüber nachgedacht haben, ob er sich seines Oberhenkers entledigen soll. Aber Berija sei ihm zuvorgekommen, indem er ihn vergiftete.

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Nachspiel  

Von allen Kunstarten schätzte Stalin den Film. Als Propagandamittel. Und von allen Filmen die, in denen er  selbst als der weise Vater aller Völker der Welt dargestellt wurde.  

Verständlicherweise erfolgte die Auswahl der Darsteller mit größter Sorgfalt. Ängstlich übernahmen sie die Rolle, da ihr Schicksal davon abhing, ob der Dargestellte mit ihrer Leistung zufrieden war. Schließlich erhielt ein Landsmann Stalins, der Georgier Gelowani, das  Monopol, den Führer zu spielen. Das wurde ihm zum Verhängnis. Nach Stalins Tod quälte ihn die Zwangsvorstellung,  die balsamierte Leiche des Verstorbenen  könnte den Ansprüchen der Zurschaustellung nicht genügen und er, Gelowani, würde  ermordet, um im Mausoleum seine letzte Rolle zu spielen. Der Schauspieler starb am 21.12.1956, am Geburtstag  des Diktators  im Jahre 1879. Bald nach seinem Tod wurde Stalins Leiche nachts heimlich aus dem Mausoleum auf dem Roten Platz entfernt und in der Nähe begraben. Hätte Gelowani das erlebt, wäre er seine Angst vielleicht los geworden.   

ANEKDOTEN AUS DER CHRUSCHTSCHOWZEIT  

Chruschtschow, Nikita Sergejewitsch. 1894- 1971. 1953 – 1964 als Nachfolger Stalins Chef der Kommunistischen Partei und seit 1958 auch der Regierung der Sowjetunion. Gestürzt von der Bürokratie, die – ob mit recht oder nicht- befürchtete, Zar Nikita wolle ihre Herrschaft schmälern.   

Chruschtschow ging als ein sowjetischer Führer in die Geschichte ein, der  Unvorstellbares durchzog. Er stempelte seinen Vorgänger Stalin als Verbrecher ab, holte viele Tausende politische Häftlinge, insofern sie noch nicht liquidiert waren, ins Leben zurück und öffnete wenigstens einen Spalt breit die Tür zur Außenwelt. Ansonsten blieb es beim Flickwerk.  

In seiner Zeit wimmelte es in Russland von Anekdoten, die meistens auf seine skurrilen Einfälle und die Widersprüchlichkeit im Denken und Handeln  anspielten.  

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Warum weigert sich Nikita, den Sechsstundentag einzuführen? Weil wir sowieso nur die Hälfte der Zeit schuften und sonst nur Witze über ihn reißen.   

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Hast du gehört, was Nikita vorhat? Er will Waschbecken und  Toilette in einem Raum anbringen. Warum? Um Platz in den neuen Wohnungen zu sparen.   Quatsch! Er geht viel radikaler vor, führt die Decke und den Fußboden zusammen. Wie denn, ganz? Nein, nur um etwa anderthalb Meter. Wie ist das möglich? Wir sind keine Zwerge. Noch nicht. Aber bald!

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Wie soll man die Reste des Stalinkults beseitigen? Indem man Stalin aus dem Mausoleum holt und Nikita auf seinen Platz Nikita legt.

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Was gibt es, wenn man mit einem Hammer auf eine Glatze schlägt? Wenn es Nikitas Glatze ist, dann gibt es danach alles.  

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Hast du gehört, was Nikita vorhat? Er will, dass wir mehrere Parteien haben! Wie im Westen? Nicht ganz. Die mehreren  Parteien sollen alle kommunistisch sein. Eine für die Industrie, eine für die Landwirtschaft, eine für den Handel, eine für für die Müllabfuhr usw. Und soll es für die Bahn auch eine Partei geben? Selbstverständlich. Sogar zwei. Eine für die Hinfahrt und eine für die Rückfahrt.  

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Weißt du schon, dass  Chruschtschow  die Krim der Ukraine geschenkt hat? Ja! Und dass er Karelien in die russische Föderation eingliederte? Ja! Und was meinst du dazu? Das geht noch. Aber jetzt will er die jüdische Republik im Fernen Osten mit der tatarischen an der Wolga zusammenlegen. Das wird ein Theater!  

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Dass Chruschtschow das kasachische Neuland unter den Pflug nahm, finde ich nicht schlecht. Nur verstehe ich nicht, wieso  der Weizen in Kasachstan gesät und in  den USA geerntet wird?  (Anspielung auf die von Jahr zu Jahr größer werdenden russischen Weizeneinkäufe in den USA).  

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Hast du gehört, was der USA-Präsident Nixon gefragt hat, als Nikita ihm ein musterhaftes staatliches Gut vorführte:    Was kostet hier eine Kuh?  Einen Dollar, antwortete Nikita. Und ein Kücken? Hundert Dollar. Warum der Unterschied?  Die Kuh braucht im Winter Futter, das Kücken schlägt sich so durch.

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Jede Familie verfügt  bei uns im Schnitt über zwei Autos, sagt Nixon zum Gastgeber Chruschtschow. Bei uns auch, sagt Nikita: Über ein Auto der Schnellen Hilfe und über eins der  Grünen Minna.  

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Unter Chruschtschow wurde der erste sowjetische Sputnik auf die Umlaufbahn gebracht. Die Russen sagten, wenigstens ein Sattelit in unserem Reich, der piepsen darf.  

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Als Juri Gagarin, der erste Mensch im Kosmos, zur Erde zurückkehrte, soll beim feierlichen Empfang in Moskau ein Transparent mit der Aufforderung gesehen worden: "Alle in den Kosmos!"  Alle auf einmal, wurde der Transparentträger gefragt. Nein, alle nacheinander. Zuerst natürlich wie immer unsere Vorderen  aus dem Kreml.  

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Später kam der Witz in Umlauf, was wäre, wenn Chruschtschow vor Kennedy gestorben wäre. Die Antwort. Onassis hätte seine Witwe Nina geheiratet (eine behäbige Hausfrau mit Knollennase).  

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Welche Leiden zwangen Nikita aus Gesundheitsgründen zum Rücktritt? Leistenbruch (als er die Landwirtschaft anheben wollte), Magenkrämpfe (zuviel Mais), Herzinfarkt (beim Versuch, die USA einzuholen).  

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Als Chruschtschow seinen Posten in Folge einer Palastrevolte los wurde, hieß es, die als besonders humorvoll geltenden Odessiten baten die kommunistische Führung, den Abgesetzten in den Kreml zurückzurufen. Warum?  Es ist leichter ohne Brot zu leben als ohne Witze. 

ANEKDOTEN AUS DER BRESHNEWZEIT   

Breshnew, Leonid Iljitsch. 1906- 1982.  Nachfolger von Chruschtschow. Die achtzehn Jahre seiner Regierung wurden  nach seinem Tod  als Zeit der Stagnation bezeichnet. Im Unterschied zu seinem Vorgänger Chruschtschow ließ er sich in keine Experimente ein. Seinen Hobbies - Frauen, Tischgelagen, schnelle Autos, Fußball -  gab er sich lieber hin als dem politischen Gerangel. Leben und leben lassen war sein geheimes Credo, was ihn natürlich nicht hinderte, ständig über den Kommunismus zu faseln. Wäre die Sowjetunion ein Land gewesen, wo wie im Westen in der Wirtschaft vieles quasi im Selbstlauf passiert, hätten die Russen einen Breshnew gut gebrauchen können. So aber ging es in den Jahren alles den Bach runter.  Auch Breshnew selbst baute sehr schnell ab. In den letzten Jahren seiner Regierungszeit ergoss sich eine Flut von Witzeleien über  seine Senilität und die des Staates, den er verkörperte.  

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Kennen Sie den Unterschied zwischen Lenin und Breshnew? Lenin machte aus Dieben Kommunisten, Breshnew aus Kommunisten Diebe.  

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Breshnew fragt seinen Enkel, was er werden will. Generalsekretär. Wozu brauchen wir denn zwei? 

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Was passiert einem Bären, wenn er Breshnew frisst? Er wird eine Woche lang Orden auskacken. 

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Breshnew wird angerufen. Der Anrufer fragt, mit wem er die Ehre hat. Wo ist meine Brille, ruft Breshnew. Er setzt die Brille auf, nimmt den Spickzettel und liest Silbe für Silbe: Der Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Leonid Iljitsch Breshnew, ist am Apparat.  

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Als die russische Post auf die Idee kam, Briefmarken mit Breshnews Konterfei zu drucken, winkte Breshnews KGB-Chef Andropow, später sein Nachfolger, ab. Wir bekommen Probleme!  Die einen werden die Briefmarken solange ablecken, bis die Klebeschicht weg ist, die anderen werden darauf spucken, aber auf die falsche Seite. 

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Breshnew wird vom Kirchenoberhaupt mit dem Gruß der orthodoxen Kirche  begrüßt: „Christus ist auferstanden, Leonid Iljitsch! „. Das weiß ich schon, sagt der Generalsekretär, man hat es mir gemeldet. 

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Breshnew rügt seinen Sekretär. Warum hast du mir einen so langen Vortrag geschrieben? War gar nicht so lang, Genosse Generalsekretär. Hätten Sie nur nicht gleich drei Durchschläge mitgelesen. 

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Breshnew wird Karlsson vorgestellt, der auf dem Dach wohnt. Und wo ist Engelsson, fragt er. 

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Der liebe Gott fragt Breshnew, wann in Russland endlich die Kirche nicht mehr unterdrückt wird.  Zu meinen Lebzeiten nicht, Herr Gott, sagt Breshnew. Ich möchte Ihnen aber auch eine Frage stellen. Wann wird in Russland endlich der Kommunismus errichtet? Zu meinen Lebzeiten  nicht, Herr Generalsekretär, sagt der liebe Gott. 

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Rabinowitsch wird ins KGB bestellt. Sie erzählen respektlose Witze über den Generalsekretär, Genossen Breshnew! Unter Stalin wären Sie dafür schon lange dafür erschossen. Aber die Zeiten haben sich geändert. Wir sprechen Ihnen nur eine ernste Warnung aus. Draußen sagt Rabinowitsch zu seiner Frau: Soweit ist es gekommen. Sie haben schon keine Patronen mehr. 

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Was sind Handschellen?   Freundschaftsbande.

Und was ist ein  Panzer? Die schnelle Hilfe für Freunde. 

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Die Sitzung des Politbüros, des höchsten Parteigremiums, dessen jüngstes Mitglied eine Zeit lang ein Siebzigjähriger war. Der besorgte Breshnew nimmt das Wort. Alle Politbüromitglieder leiden unter Sklerose, sagt er. So erkennt Genossen Pelsche sich selbst nicht mehr. Ich habe ihm Guten Tag gesagt. Guten Tag, Leonid Iljitsch Breshnew, antwortete er, aber ich bin nicht Pelsche. Genosse Gromyko hat sich zum Kind zurückentwickelt. Von meinem Tisch stibitzte er ein kleines Gummieselchen, mein Lieblingsspielzeug. Bei der Beisetzung des Genossen Gretschko - übrigens, warum ist er nicht da? - ist beim Einsetzen der Musik niemand von Ihnen, liebe Genossen, auf die Idee gekommen, eine Dame zum Tanz aufzufordern. Nur ich habe das getan. 

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Zu Breshnew kommt eine Frau. Geben Sie mir einen schönen Posten, schließlich haben wir zusammen geschlafen. Wann denn? Auf dem letzten Parteitag. Sie schliefen im Präsidium und ich in der fünften Reihe. 

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Breshnew will die Grenze öffnen. Sein Chefideologe Suslow: Dann bleiben wir wohl zu zweit. Breshnew: Wer wird  der Zweite sein? 

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Breshnew hält eine Rede. Eine Frage aus dem Publikum: Genosse Breshnew, Sie sagen, wir sind auf dem Weg zum Kommunismus. Warum aber gibt es nichts zu beißen? Wer hat Ihnen denn versprochen, Sie unterwegs zu ernähren , antwortet Breshnew. 

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Breshnew versammelt seine Getreuen. Ich habe zwei Neuigkeiten: Eine schlechte: Im Lands gibt’s nichts zu essen außer Scheiße. Die gute Nachricht. Scheiße haben wir mehr als genug. 

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Eine verbilligte Anekdote ist jene, für die man unter Stalin zehn Jahre unter, Breshnew nur drei Jahre Haft bekam. 

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Ein Tschuktsche auf der Eisscholle flüstert einem anderen Tschuktschen zu, Breshnew ist ein Depp. Leise, leise, sagt der andere, sonst werden wir verbannt. 

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Rabinowitsch ruft im KGB an. Mein Papagei ist entflogen. Wenn Sie ihn gefangen haben, berücksichtigen Sie  bitte, dass ich seine politischen Ansichten nicht teile. 

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An der KGB-Tür steht "Eintritt verboten"! Rabinowitsch: Auch wenn sie "Herzlich willkommen" geschrieben hätten,  würde ich nicht reingehen. 

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Eine offizielle Meldung. Heute wurde ein Attentat auf Genossen Breshnew verübt. Die Kugel traf seine Stirn, prallte ab und tötete den Fahrer. Genosse Breshnew blieb unversehrt. 

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Lebt Rabinowitsch hier? Nein. Wer sind Sie denn?`. Rabinowitsch. Warum sagen Sie, dass Sie  hier nicht leben ? Ist das etwa ein Leben? 

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Ein Kunde fragt in einem Lebensmittelladen, haben Sie keinen  Fisch? Der Verkäufer: Nein, wir haben kein Fleisch, keinen  Fisch hat der   Laden gegenüber. 

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Das Politbüro berät über das Programm der weiteren Erschließung des Weltalls. Die Amis sind   auf dem Mond gelandet, sagt Breshnew. Ich schlage vor, wir landen  auf der Sonne. Da verbrennen unsere Kosmonauten, sagt Gromyko. Nein, sagt Breshnew, wir schicken sie in der Nacht. 

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Breshnew erhält die Anwärterliste für den Posten eines Rabbiners in der Moskauer Synagoge. Alles Juden, sagt er empört. Gibt es für den Posten keinen Russen? 

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Was ist das, fragt ein sowjetischer Zöllner Rabinowitsch, der nach Israel fliegt. Nicht was, sondern wer, antwortet er. Breshnew. Wer ist das, wird er vom israelischen Zöllner gefragt. Nicht wer, sondern was, sagt er. Ein goldener Rahmen mit Brillanten. 

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Papa, erzähl mir die Geschichte der Juden. Bitte mein Sohn. Zuerst gab es Pharaonen und Juden. Die Pharaonen wollten die Juden vernichten. Das Ergebnis: Die Pharaonen verschwanden, die Juden blieben. Dann gab es die alten Römer. Auch sie wollten die Juden vernichten. Die alten Römer verschwanden, die Juden blieben. Dann verfolgte die heilige Inquisition die Juden. Die Inquisition verschwand, die Juden blieben. Dann wollten  die Nazis die Juden vernichten. Die Nazis verschwanden, die Juden blieben. Jetzt unterdrücken die Kommunisten die Juden. Was bedeutet das, Papa? Das bedeutet, dass wir das Halbfinale erreicht haben. 

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Ist es möglich, eine Lokomotive in eine Zeitung einzuwickeln? Ja, wenn in der Zeitung eine Breshnewrede abgedruckt ist. 

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Breshnew gibt eine Pressekonferenz. Ein westlicher Korrespondent fragt, wie geht’s Ihnen gesundheitlich, Herr Breshnew. Breshnew kramt in seinen Spickzetteln und antwortet: sehr gut. 

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Die russische Tagessschau in der Breshnewzeit: alles über ihn und noch ein wenig übers Wetter. 

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Im großen Moskauer Kaufhaus sucht ein Junge seine Eltern.  Vielleicht lassen wir Deine Eltern über den Kaufhausfunk suchen, schlägt der Chef  vom Dienst vor. Nur über die  BBC, sagt der Junge. Ein anderes Radio hören meine Eltern nicht. 

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Breshnew sagt seinen Redeschreibern, sie sollen ihm keine Marxzitate reinschreiben. Wer glaubt schon, dass ich Marx gelesen habe? 

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Was ist das? Hat vier Beine und vierzig Zähne. Ein Krokodil. Und was ist das? Hat vierzig Beine und vier Zähne? Das Politbüro unter Breshnew. 

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Ein Kind fragt den Vater, ob Lenin gut war. Ja, der war gut. Und Stalin? Der war gut, jetzt ist er schlecht. Und Breshnew? Lass mich in Ruhe, wenn er stirbt, erfahren wir es. 

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Breshnew holt ein Stück Papier aus der Jackentasche und liest, auf der Tribüne stehend, ab. Heute verabschieden wir uns für ewig von dem hervorragenden kommunistischen Führer, Marschall der Sowjetunion, Leonid Iljitsch Breshnew. Er hält inne, schaut aufs Blatt, dann auf seine Jacke und bittet um Entschuldigung. Er habe  versehentlich die Jacke von seinem designierten Nachfolger Andropow angezogen. 

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Breshnews Tagesordnung. Acht Uhr - Reanimierung. Zehn Uhr - Frühstück einpumpen. Elf Uhr Schminken fürs Festessen. Zwölf Uhr - Festessen. Sechzehn bis siebzehn Uhr - Aufladen der Akkus. Siebzehn Uhr - Schminken zum feierlichen Abendessen. Zwanzig Uhr - klinischer Tod. Zweiundzwanzig Uhr - Reanimierung. 

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Breshnews Chefideologe  Andrej Suslow wird beigesetzt. Der Tod ist unser Hauptfeind, sagt ein Redner, er hat Genossen Suslow aus unseren Reihen gerissen. Unser Hauptfeind, korrigiert Breshnew, ist nicht der Tod, sondern Mangel an Disziplin. Wir sitzen hier schon eine Stunde,  aber Suslow ist immer noch nicht da. 

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Das Politbüro fasst den Beschluss, die Arbeit gründlich zu verbessern. Der Sitzungssaal wird renoviert, neue Tische und Stühle  werden hereingetragen. Ein alter Handwerker sagt: Als junger Mann war ich in einem Bordell angestellt. Wenn dort beschlossen wurde, die Arbeit zu verbessern, hat man nicht die Betten, sondern die Huren ausgewechselt. 

ANEKDOTEN AUS DER TSCHERNENKOZEIT 

Tschernenko, Konstantin Ustinowitsch. 1911- 1985. Ein Jahr vor seinem Tod übernahm dieser farblose Apparatschik, schon halbtot,  die Ämter seines verstorbenen  Vorgängers. 

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Offizielle Meldung: Heute um neun Uhr wurde der Generalsekretär des ZK der KPdSU, Konstantin Ustinowitsch Tschernenko, nach langer schwerer Krankheit und ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben, in sein Amt eingeführt. 

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Warum hat Breshnew ausländische Staatsmänner im Kreml begrüßt und Tschernenko tut es bereits im Flughafen? Breshnew wurde vom Netz aufgeladen, Tschernenko hat Batterien. 

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Das Politbüro fasst einen Beschluss.  Punkt 1. Genosse Tschernenko wird zum Generalsekretär des ZK der KPdSU ernannt. Punkt 2. Genosse Tschernenko wird auf dem Roten Platz bestattet. 

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Warum braucht Tschernenko immer vier Mikrofone auf der Bühne? Das erste ist dazu da, ihm Sauerstoff zu geben. Das zweite , ihm den Text vorzusagen. An das dritte stützt er einen Arm, um sich aufrecht zu halten. Der vierte soll den Eindruck entstehen lassen, er spreche live, obwohl das Band läuft. 

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Beim Maiaufmarsch wird Rabinowitsch aufgefordert, ein Bild von Tschernenko zu tragen. Er versucht, sich der Ehre zu entziehen. Vor zwei Jahren trug ich Breshnews Bild, danach starb er, sagt er. Genosse Rabinowitsch,  Sie haben goldene Hände, sagt der Parteisekretär. 

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Unter Lenin haben wir wie in einem Tunnel gelebt. Um uns alles dunkel, vorn aber Licht. Unter Stalin haben wir wie in einem Bus gelebt. Einer lenkt, alle anderen sitzen oder werden durchgeschüttelt. Unter Chruschtschow war es wie im Flugzeug. Alle möchten kotzen, aber man kommt nicht raus. Unter Breshnew wie im Zirkus. Einer spricht, alle lachen. Unter Andropow und Tschernenko wie im Kino: Alle warten auf das Ende. 

ANEKDOTEN AUS DER GORBATSCHOWZEIT 

Gorbatschow, Michail Sergejewitsch.  Geb.1931. Trat 1985 das Erbe seiner Vorgänger an, musste 1991 abtreten, da der Staat, die Sowjetunion, dessen Präsident er war, aufgelöst wurde. Mit seinem Namen ist die sogenannte Perestroika verbunden, aber auch eine entscheidende Wende in den internationalen Beziehungen, darunter die deutsche Wiedervereinigung. Im Westen beliebt und vielfach geehrt, im eigenen Lande eher abgelehnt. 

DIE PERESTROIKA SOLLTE DIE EFFIZIENZ DER SOWJETISCHEN WIRTSCHAFT ERHÖHEN, FÜHRTE DIESE ABER IN EINE TALFAHRT, VON DER SICH RUSSLAND NOCH IMMER NICHT ERHOLT HAT. 

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Was ist das? Keine Arbeitslosigkeit, aber niemand arbeitet. Niemand arbeitet, aber alle erhalten Arbeitslohn. Alle erhalten Arbeitslohn, aber können dafür nichts kaufen. Es gibt nichts zu kaufen, aber alle überleben. Alle überleben, aber alle sind unzufrieden. Alle sind unzufrieden, aber alle sind dafür. Die Sowjetunion während der Perestroika. 

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In einem Moskauer Laden verlangt der Kunde Pelzhandschuhe. Der Verkäufer: Bringen Sie Ihren Pelzmantel, dann suchen wir nach passenden Handschuhen. Ein anderer Kunde: Blöde Ausrede. Ich habe ihnen schon mein Klobecken gebracht und meinen Hintern hingehalten, die haben immer noch nicht  Klopapier gefunden. 

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Wenn wir endlich den Kommunismus haben, bekommt jeder ein Flugzeug. Wozu soll das gut sein? Stell dir vor, du erfährst in Moskau, dass es in Wladiwostok Wurst gibt. Flugs bist du dort  und  stehst  Schlange. 

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Was ist ein Dörrfisch? Ein Wal, der bis zum Kommunismus geschwommen ist. 

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Was gibt es für 100 Rubel zu kaufen? Nichts. Und für 1000 Rubel. Zehn Mal mehr. 

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Wodurch bereicherte die  Perestroika die marxistische Theorie? Durch die Erkenntnis, dass es zwischen dem Sozialismus und dem Kommunismus noch eine Etappe gibt. Der entwickelte  Alkoholismus. 

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Rabinowitsch sitzt auf einem Kremlturm und späht aus, ob der Kommunismus nicht in Sicht ist. Aus den USA erhält er die Einladung,  von einem Hochhaus aus die nahende Krise des Kapitalismus auszumachen. Rabinowitsch sagt, ich fahre nicht hin, ich will eine ständige Arbeit. 

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Warum hat Breshnew ausländische Staatsmänner im Kreml begrüßt und Tschernenko tut es bereits im Flughafen? Breshnew wurde vom Netz aufgeladen, Tschernenko hat Batterien. 

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Das Politbüro fasst einen Beschluss.  Punkt 1. Genosse Tschernenko wird zum Generalsekretär des ZK der KPdSU ernannt. Punkt 2. Genosse Tschernenko wird auf dem Roten Platz bestattet. 

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Warum braucht Tschernenko immer vier Mikrofone auf der Bühne? Das erste ist dazu da, ihm Sauerstoff zu geben. Das zweite , ihm den Text vorzusagen. An das dritte stützt er einen Arm, um sich aufrecht zu halten. Der vierte soll den Eindruck entstehen lassen, er spreche live, obwohl das Band läuft. 

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Beim Maiaufmarsch wird Rabinowitsch aufgefordert, ein Bild von Tschernenko zu tragen. Er versucht, sich der Ehre zu entziehen. Vor zwei Jahren trug ich Breshnews Bild, danach starb er, sagt er. Genosse Rabinowitsch,  Sie haben goldene Hände, sagt der Parteisekretär. 

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Unter Lenin haben wir wie in einem Tunnel gelebt. Um uns alles dunkel, vorn aber Licht. Unter Stalin haben wir wie in einem Bus gelebt. Einer lenkt, alle anderen sitzen oder werden durchgeschüttelt. Unter Chruschtschow war es wie im Flugzeug. Alle möchten kotzen, aber man kommt nicht raus. Unter Breshnew wie im Zirkus. Einer spricht, alle lachen. Unter Andropow und Tschernenko wie im Kino: Alle warten auf das Ende. 

ANEKDOTEN AUS DER GORBATSCHOWZEIT 

Gorbatschow, Michail Sergejewitsch.  Geb.1931. Trat 1985 das Erbe seiner Vorgänger an, musste 1991 abtreten, da der Staat, die Sowjetunion, dessen Präsident er war, aufgelöst wurde. Mit seinem Namen ist die sogenannte Perestroika verbunden, aber auch eine entscheidende Wende in den internationalen Beziehungen, darunter die deutsche Wiedervereinigung. Im Westen beliebt und vielfach geehrt, im eigenen Lande eher abgelehnt. 

DIE PERESTROIKA SOLLTE DIE EFFIZIENZ DER SOWJETISCHEN WIRTSCHAFT ERHÖHEN, FÜHRTE DIESE ABER IN EINE TALFAHRT, VON DER SICH RUSSLAND NOCH IMMER NICHT ERHOLT HAT. 

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Was ist das? Keine Arbeitslosigkeit, aber niemand arbeitet. Niemand arbeitet, aber alle erhalten Arbeitslohn. Alle erhalten Arbeitslohn, aber können dafür nichts kaufen. Es gibt nichts zu kaufen, aber alle überleben. Alle überleben, aber alle sind unzufrieden. Alle sind unzufrieden, aber alle sind dafür. Die Sowjetunion während der Perestroika. 

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In einem Moskauer Laden verlangt der Kunde Pelzhandschuhe. Der Verkäufer: Bringen Sie Ihren Pelzmantel, dann suchen wir nach passenden Handschuhen. Ein andere Käufer. Blöde Ausrede. Ich habe ihnen schon mein Klobecken gebracht und meinen Hintern hingehalten, die haben immer noch nicht das passende Klopapier gefunden. 

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Wenn wir endlich den Kommunismus haben, bekommt jeder ein Flugzeug. Wozu soll das gut sein? Stell dir vor, du erfährst in Moskau, dass es in Wladiwostok Wurst gibt. Flugs bist du dort  und  stehst  Schlange. 

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Was ist ein Dörrfisch? Ein Wal, der bis zum Kommunismus geschwommen ist. 

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Was gibt es für 100 Rubel zu kaufen? Nichts. Und für 1000 Rubel. Zehn Mal mehr. 

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Wodurch bereicherte die  Perestroika die marxistische Theorie? Durch die Erkenntnis, dass es zwischen dem Sozialismus und dem Kommunismus noch eine Etappe gibt. Der entwickelte  Alkoholismus. 

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Rabinowitsch sitzt auf einem Kremlturm und späht aus, ob der Kommunismus nicht in Sicht ist. Aus den USA erhält er die Einladung,  von einem Hochhaus aus die nahende Krise des Kapitalismus auszumachen. Rabinowitsch sagt, ich fahre nicht hin, ich will eine ständige Arbeit. 

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Auf der Strasse hantieren zwei Leute mit Spaten. Ein Fußgänger staunt. Warum gräbt der erste Löcher und der zweite schaufelt sie zu? Ich bin nicht der Zweite, ich bin der Dritte, sagt der Arbeiter. Der Zweite sollte Bäume pflanzen, ist aber krank geworden. 

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Gorbatschows Wirtschaftsreformen in einem Judenwitz. 

Rabinowitsch  kommt zum Rabbi. Meine Hühner verrecken. Womit fütterst du sie? Mit Hirse. Versuch es mit Roggen. Einige Tage später kommt er wieder. Ich versuchte es, sie verrecken trotzdem. Und wie gibt’s du ihnen das Futter? In kleinen Häufchen. Versuchs mit einem Dreieck. Einige Tage später. Ich versuchte es mit dem Dreieck, sie verrecken trotzdem. Versuchs mit dem Rechteck. Rabinowitsch kommt wieder. Alle Hühner sind verreckt. Schade, sagt der Rabbi, ich hätte noch so viele Varianten. 

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Warum will bei uns keiner arbeiten? Weil alle auf die lichte Zukunft hoffen. Früher hieß sie Kommunismus, jetzt Kapitalismus. 

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Ein Kriegsveteran trinkt Bier. Warum ist das Bier so dünn, fragt er den Kellner. Dünn? Wärst Du und deinesgleichen im Krieg klüger gewesen, würdest Du jetzt bayerisches Bier trinken!

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Waschmittelwerbung im russischen Fernsehen. Gorbatschow vor der Wäsche und nach der Wäsche. Mit schwarzem Fleck auf der Stirn und ohne. 

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Was haben Russland und die USA gemeinsam? Dieses: sowohl hier, als auch dort kauft man nichts für Rubel und alles für Dollar. 

VOR DEM HINTERGRUND DER WIRTSCHAFTSMISERE WURDE AUCH DIE POLITISCHE REFORM  EHER SKEPTISCH AUFGENOMMEN. EIN EINFACHER RUSSE SPÜRTE DIE UNTERDRÜCKUNG WENIGER ALS EIN INTELLEKTUELLER UND REAGIERTE ENTSPRECHEND.  

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Der Verlauf der Perestroika in einem Judenwitz: Rabinowitsch  sagt zum Rabbiner: Ich kann es nicht mehr aushalten. Die ganze große Familie in einem Zimmer. Hast du eine Ziege,  fragt der Rabbiner.  Ja. Hol sie ins Zimmer. Einige Tage später kommt  Rabinowitsch wieder. Reb, jetzt ist es noch schlimmer. Die Frau zetert, die Kinder heulen, die Ziege verpestet die Luft. Bringe  die Ziege weg, sagt der Rabbiner. Einige Tage später kommt Rabinowitsch wieder zum Rabbi und bedankt sich. Sein Leben ist bedeutend besser geworden. 

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Am frühen Morgen geht Gorbatschow  in den  Garten seiner Villa, nur mit Schlüpfer bekleidet. Raissa Maximowna schreit aus der Küche: Mischa, zieh dich anständig an. Woher weißt du, wie ich angezogen bin?. Ich höre gerade die "Stimme Amerikas". 

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Breshnew fragt im Himmel: Wer hat mich abgelöst? Gorbatschow. Wird er vom Volk gestützt? Er hält sich noch allein auf den Beinen. 

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Die Perestroika in einem Russenwitz: 

Ein Besoffener kreist um eine Litfasssäule. Ein Fußgänger fragt: Machst du es noch lange? Bis der verdammte Zaun zu Ende ist, sagt der Besoffene.   

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Was ist Glasnost? Den Mund darfst du aufmachen, hast aber nichts zum Reinstecken. 

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Was ist Perestroika? Wahrheit, Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Aber tatsächlich nichts mehr. 

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Was heißt vom Regen in die Traufe kommen? Aus Afghanistan nach Tschernobyl geschickt zu werden. 

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Darf man noch Karten spielen? Ja, demnächst aber nur mit Spielkarten aus Glas. Glasnost! 

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Was ist Striptease in der Perestroika- Zeit? Wenn sich die Stripperin auf ihre Hüllen setzt, damit sie nicht gestohlen werden. 

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Ein KGB- Oberst  ruft einen berühmten Historiker an. Wer von den sowjetischen Staatsmännern hat gesagt, zuerst der Speck, dann der Kommunismus? Nach gründlicher Recherche meldet der Historiker: Nikita Chruschtschow hat es gesagt. Wozu wollten Sie es wissen? Wir werden hundert Mal pro Tag angerufen und danach gefragt, sagt der Oberst. Die Stimme Amerikas führt nämlich ein Quiz mit der Frage durch. Der Gewinner darf hin.  Und jetzt sagen Sie den Anrufern  die richtige Antwort, fragt der Professor.  Bin doch nicht dämlich, sagt der Oberst. Ich schreibe selbst  nach Washington. 

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Gespräche zwischen Russen und  Amis in der Gorbatschow- Zeit. 

Wir Amerikaner sind so frei, dass ich einmal das Weiße Haus angepinkelt habe. Und wir Sowjetmenschen sind so frei, dass ich einmal an der Kremlmauer gekackt habe. Allerdings machte ich es so, dass keiner es sieht, sagt der Amerikaner. Ich auch, sagt der Russe. Ich habe sogar die Hose nicht runtergelassen. 

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Ich  habe drei Autos, sagt der Amerikaner. Mit einem fahre ich zur Arbeit, mit dem anderen zu Besuch und mit dem dritten ins Ausland. Ich, sagt der Russe, fahre zur Arbeit mit der Straßenbahn, zu Besuch mit der Metro und ins Ausland mit Panzerwagen. 

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Ein Hund wird gefragt: Wie geht es dir in der Perestroika?  Schlecht! Zwar hat man die Kette verlängert, aber  den Napf weggeschoben. Bellen darfst du, fressen aber nicht. 

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Gibt es einen Unterschied zwischen Demokratie und sozialistischer Demokratie? Ja. Wie zwischen einem einfachen Stuhl und einem elektrischen. 

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Was ist Glasnost? Wenn man statt aus dem Fenster zu gucken, einen Fernseher einschaltet, um zu erfahren, ob es regnet. 

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Was ist wichtiger, Glasnost oder  Perestroika? Glasnost. Ohne sie hätte niemand erfahren, dass wir die Perestroika haben. 

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Die Verfassung der UdSSR und die Verfassung der USA garantieren die Wortfreiheit. In Amerika wird aber auch noch die Freiheit nach dem gesprochenen Wort garantiert. 

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Gorbatschows Stil in einem Judenwitz. Zwei Juden bringen dem Rabbi ein Huhn. Nicht wahr, Rabbi , das Huhn ist weiß, sagt einer. Du hast recht, das ist ein weißes Huhn, sagt der Rabbi. Der andere sagt: Rabbi, das Huhn ist  schwarz! Stimmt, sagt der Rabbi. Das ist ein schwarzes Huhn. Eine vorbeigehende Frau sagt: Rabbi, es gibt aber kein Huhn, das sowohl weiß als auch schwarz ist. Frau, du hast  auch recht, seufzt der Rabbi. 

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Im KGB wird  eine Mitarbeiterversammlung einberufen. Es ist Zeit, auch die schärfsten Fragen offen zu stellen, sagt der General. Ein Leutnant meldet sich zu Wort. Wie lange wird Ihre Frau noch Ihren Dienstwagen benutzen? Am nächsten Tag wird er zum General gerufen. Wir haben den Beschluss gefasst, sagt er, Sie, Genosse Leutnant, der Sie so prinzipienfest sind, mit einer wichtigen Aufgabe zu betrauen. Wir schicken sie als Residenten in den Irak. Genosse General, ich kann aber kein Wort Arabisch. Brauchen Sie nicht, sagt der General. Nach der Legende fahren Sie als Taubstummer hin. Und die Zunge operieren wir Ihnen noch hier weg. 

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Der Rentner Iwanow erzählt Rabinowitsch, dass er keine Kraft mehr hat, seinen Gemüsegarten umzugraben. Rabinowitsch ruft das KGB an. In  Iwanows Gemüsegarten sind antisowjetische Bücher vergraben. Am nächsten Tag bedankt sich Iwanow bei Rabinowitsch. Das KGB hat seinen Gemüsegarten gründlich  umgegraben. 

IN DER PERESTROIKA-ZEIT SETZTE EINE MASSENFLUCHT AUS DER SOWJETUNION  EIN. 

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Hallo,  ich möchte Abramowitsch sprechen. Ach, er  ist nicht da. Ist er auf Dienstreise? Nein. Ist er in Urlaub? Nein. Ist er trotzdem unterwegs? Ja. Hab' ich Sie richtig verstanden? Ja. 

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In einer Aeroflotmaschine. Ein Georgier erscheint im Cockpit,  hält dem Piloten die Pistole an den Kopf und fordert: Kurs auf Tbilissi! Hast Du nicht alle Tassen im Schrank, fragt der Flugzeugführer. Wir fliegen    die Route Moskau- Tbilissi. Welche Route das ist, weiß ich, sagt der Georgier. Aber auf dieser Strecke  musste ich schon zwei Mal in Istanbul landen. 

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Ein Flugzeuggast stürmt mit einer Kalaschnikow ins Cockpit und zwingt den Piloten, den Kurs zu ändern. Er will  nach Madrid. Geht nicht, sagt der Flugzeugführer. In der Kabine sitzt  eine Frau mit  Handgranate. Sie hat schon Paris bestellt. 

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Moskauer Metro. Ein Fahrgast stürmt zum Zugführer. Er will nach Stockholm. Der Zugführer verkündet: Achtung, die Türen schließen  automatisch! Die nächste Haltestelle ist Stockholm.

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Auf  offener See treffen sich zwei Schiffe. Ein Schiff fährt  aus Russland nach Israel. Das andere- aus Israel nach Russland. Die Schiffsgäste auf beiden Schiffen rennen an Deck und zeigen  sich  den Vogel. 

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Wie spricht ein gescheiter Jude mit einem dummen? Erstens, per Telefon, zweiten aus New York. 

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Rabinowitsch bittet um ein Ausreisevisum. Sie waren doch schon  weg, sagt der Beamte. Warum sind Sie zurück?  Hier ist es schlecht und dort ist es nicht besser, sagt Rabinowitsch. Warum wollen Sie dann wieder weg? Weil das Flugzeug unterwegs in Paris landet! 

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Wie viele Juden gibt es in Russland? Zwei Millionen. Und wie viele wollen weg? Zehn Millionen. 

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Rabinowitsch bewirbt sich um eine Arbeitsstelle in Moskau, wird aber abgewiesen. Sie wandern sowieso aus. Nein! Ich bleibe, ich glaube an die Perestroika.  Dann stellen wir Sie erst recht nicht ein. Idioten können wir nicht gebrauchen. 

ANEKDOTEN AUS DER JELZINZEIT 

Jelzin, Boris Nikolajewitsch. Geb.1931. 1990 Vorsitzender des Obersten Sowjets der Russischen Föderation, 1991- 1999 Präsident Russlands.

Über Jelzin, entstanden merkwürdigerweise weniger Anekdoten als über seine Vorgänger.  Die zahlreichen Fauxpas  des Präsidenten  übertrafen mitunter die Vorstellungskraft der Anekdotenerzähler. Es gab in der ganzen russischen Geschichte keinen anderen Herrscher, der so konsequent  von einem Fettnäpfchen ins andere tapste. 

ÜBER DIE NEUEN RUSSEN 

Das sind die Nutznießer der Wirtschaftsreform, z.T. Angehörige der früheren Staats- und Parteibehörden, z.T. Macher der unter Breschnew aufgeblühten Schattenwirtschaft. Die meisten nutzten das absichtlich angerichtete Chaos,  um sich   Filetstücke der staatlichen Betriebe unter die Nägel zu reißen. 

Lastermäuler  schrieben den Neureichen  Raffgier, Menschenverachtung, Kulturlosigkeit, Gerissenheit, Dämlichkeit  zu.   Sicherlich  entspricht  dieses Bild nicht  immer dem Typ. Es widerspiegelt aber die Einstellung der Russen zum schnell erworbenen Reichtum, auch den Neid und die Wut der Menschen, denen, bereits unter der Sowjetmacht zum kümmerlichen Dasein verdammt, in der Wendezeit das Letzte geraubt wurde. 

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Ein neuer Russe kommt aus Grönland zurück. Sehr kalt, beklagt er sich. Ich musste mir die Hände waschen, ohne die Handschuhe auszuziehen. 

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Der Sohn eines neuen Russen wird aus dem Gymnasium geschmissen. Wegen nichts, empört er sich. Ein Glas zerbrochen. Ein ganz kleines, in der Brille eines Lehrers. 

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Ein neuer Russe will in der Wüste eine Bierkneipe eröffnen. Auf den Einwand, da gibt es keine Menschen, sagt er, wenn aber trotzdem einer hinkommt, was hat der für einen Durst ! 

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Ein neuer Russe bestellt in einem teuren Restaurant ein Beefstake.  Nicht fett aber auch nicht ohne Fett. Nicht zu scharf. Aber auch nicht ohne Würze. Gut durchgebraten, aber mit  Blut. Entschuldigen Sie bitte, fragt der Kellner, welche Blutgruppe soll es sein? 

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Ein neuer Russe bestellt marinierte Augenbrauen eines Elefanten mit Buchweizengrütze. Soll es ein indischer oder ein afrikanischer  Elefant sein, fragt der Kellner. Ein indischer, sagt der Kunde.  Afrika kenne ich schon. Fünf Minuten später kommt der Kellen wieder. Leider können wir Ihren Wunsch nicht erfüllen. Warum nicht? Der Buchweizen ist alle. 

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Ein neuer Russe besichtigt den Louvre. Vor  einem Rembrandt bleibt er stehen. Was kostet das Bild? Sehr viel. Eigentlich unbezahlbar. Quatsch, sagt der neue Russe. Alles hat seinen Preis. Er ruft in Moskau an. Mascha, eine Ansichtskarte habe ich schon gefunden. Jetzt gehe ich Geschenke kaufen.  

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Ein neuer Russe beantragt einen Bankkredit. Er will 100 000 USD  und verspricht, ein Jahr später das Doppelte zurückzuzahlen. Bitte, sagt der Bankier, hier haben Sie 100 000. Aber warten Sie, wäre es nicht besser, Sie bezahlen bereits jetzt 100 000, um Ihre Bankschuld  zu halbieren? Der neue Russe sieht das ein und bezahlt. Auf der Strasse kratzt er sich am Hinterkopf: Komisch! In der Tasche habe ich nichts. Und noch 100 000 Schulden.  

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Ein neuer Russe kauft in einem Juwelierladen  ein goldenes Kreuz und  bittet um einen kleinen Kundendienst. Den Turner  können Sie  ruhig absägen, das Kreuz  schicken Sie dann  an meine Adresse. 

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In einem öffentlichen Schwimmbecken wird ein neuer Russe aufgefordert, die Anstalt nicht mehr zu betreten. Warum nicht? Weil Sie ins Wasser pinkeln. Das tun doch alle! Aber vom Sprungturm tun nur Sie es! 

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Was sind das für Sitten, schimpft ein neuer Russe mit seinem Sohn. Wie kannst du im Computer nach deiner Zukünftigen suchen? Und wie hast du die Mama gefunden? Ich habe sie beim Kartenspiel gewonnen! 

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Ein neuer Russe erscheint vor dem Richter. So geht es nicht, sagt dieser. In einem Monat haben Sie  fünf Fußgänger überfahren. Na und? Ein wenig zu viel. Und wie viel ist erlaubt? 

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Ein neuer Russe erzählt, er hätte Probleme mit der Fütterung, nachdem er seinem Krokodil  goldene Zähne einsetzen ließ. Kann das Reptil jetzt schlecht kauen? Kaufe ihm doch Kaviar. Das wäre kein Problem, aber es hat sich an Fleisch  gewöhnt! Und? An das der Zahnärzte! Und das ist sogar für mich zu teuer.  

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Ein neuer Russe klagt in seinem  Büro über Kopfschmerzen. Ich hatte kürzlich auch starkes Kopfweh, sagt sein Angestellter. Aber meine Frau hat mich ins Bett geholt, umarmt und geküsst, sofort war der Schmerz behoben.  Ist Ihre Frau jetzt zu Hause, fragt der neue Russe und setzt sich seinen Hut auf. 

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Ein Verkehrspolizist stoppt einen Mercedes. Machen Sie den Kofferraum auf, fordert er den neuen Russen am Steuer auf. Im Kofferraum findet er eine Kalaschnikow. Mein Taschenrechner. Der Verkehrspolizist wundert sich. Ja, mein Taschenrechner, bestätigt der neue Russe. Damit rechne ich  ab. 

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Ein neuer Russe betritt ein Obstgeschäft. Was haben Sie? Äpfel. Bitte zehn Kilo, aber jeden Apfel extra einwickeln. Und was ist das? Apfelsinen. Gut. Auch zehn Kilo und jede Apfelsine extra einwickeln. Und was ist das? Rosinen. Aber die sind heute nicht im Verkauf. 

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Ein neuer Russe kommt in ein Reisebüro. Dort lehnt er alle Angebote ab. Die Angestellte gibt ihm einen Globus und sagt, er soll dann selbst den Punkt auswählen, wohin er will. Zehn Minuten später gibt er den Globus zurück und sagt, er könne keinen Punkt finden, wo er noch nicht gewesen ist. Was soll ich tun, fragt die Angestellte? Bitte einen anderen Globus, sagt der neue Russe. 

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Ein neuer Russe reicht beim  Gericht Klage gegen einen anderen ein. Ob es mir hilft, wenn ich dem Richter ein Fass Kaviar schicke, fragt er seinen Anwalt. Tun Sie's nicht, rät der Anwalt. Der Richter ist ausnahmsweise unbestechlich. Wenn er spitzkriegt, dass Sie ihn schmieren wollen, sind Sie verloren. In der  Gerichtsverhandlung wird seiner Klage stattgegeben. Er sagt zum Anwalt, wie gut, dass ich dem Richter doch das Fässchen Kaviar schickte. Ich glaube Ihnen nicht, sagt der Anwalt. Doch, sagt der neue Russe, aber ich habe dem Fass die Visitenkarte meines Widersachers beigelegt. 

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Ein neuer Russe kauft sich das Miniauto Saporoshez. Bist du verrückt geworden, fragt ihn sein Freund. Wozu brauchst du den Krüppel, wo deine Garage voll steht mit Mercedes 600. Der Mercedes ist ein gutes Auto, sagt der neue Russe, aber versuch mal, mit ihm in der Wohnung zu fahren. 

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Ein neuer Russe betritt einen Autosalon. Er will einen Mercedes 600 in Silber kaufen. Bitte, sagt der Verkäufer, aber Sie haben doch genau denselben schon gestern gekauft. In dem von gestern ist der Aschenbecher schon voll, sagt der neue Russe. 

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Ein Verkehrspolizist stoppt einen Mercedes und bittet den Fahrer, zwei aufgelesene Pinguine in den Zoo zu bringen. Eine Stunde später stoppt er wieder den selben Wagen und sieht denselben Fahrer und die zwei Pinguine. Warum haben Sie die Vögel nicht in den Zoo gebracht?. Im Zoo sind wir schon gewesen, sagt der neue Russe. Jetzt fahren wir ins Kino. 

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Ein neuer Russe geht in Paris in ein Restaurant. Herr Ober, la Borschtsch, le Beefsteak und sto Gramm. Der Kellner guckt ihn verdutzt an. Verstehst du kein Französisch, fragt der neue Russe. 

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Ein neuer Russe zeigt seine neu erworbene Villa. Schämst du dich nicht der vielen Pracht, fragt seine Mutter, eine Altkommunistin. Das ist alles vom Geld des Volkes. Quatsch, Mama, sagt der er.  Woher soll das Volk  so viel   Geld haben? 

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Ein neuer Russe erzählt, sein Mercedes ist auf Bestellung konstruiert. Der Salon aus Gold, die Räder aus Platin, das Lenkrad mit Diamanten besetzt, aber das Auto sei unrentabel, frisst zu viel Sprit. 

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1976. Leningrad. Ein Mann bewirbt sich als Lastenträger in einem Betrieb. Er wird abgelehnt, weil er nicht lesen und schreiben kann. 1996. Sankt Petersburg. Derselbe Mann betritt ein Juweliergeschäft und wählt Schmuck für hunderttausend Dollar und will bar bezahlen. Besser, sie schreiben einen Check aus, sagt der Verkäufer. Wenn ich schreiben könnte, wäre ich jetzt Lastenträger, sagt der neue Russe. 

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Ein neuer Russe kommt in eine Schweizer Bank und bittet um einen Kredit von hundert Dollar. Der Angestellte fragt nach der Sicherheit. Kein Problem, sagt der neue Russe. Vor der Tür steht mein neuer Mercedes. Den können Sie als Sicherheit nehmen. Ein Jahr später kommt er wieder in die Bank, gibt den Kredit plus fünf Prozent zurück. Kann es sein, dass Sie wegen dieser kleinen Summe so viel Umstände machen mussten, fragt der Bankangestellte. Wo noch hätte  ich  mein Auto so billig parken können? 

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Ein neuer Russe sagt zum Scheidungsanwalt, er möchte sich von seiner Frau trennen. Das kostet fünftausend Dollar, sagt der Anwalt. Unsinn, sagt der neue Russe. Ich kenne Leute, die sie für fünfhundert Dollar umbringen. 

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Der Sohn eines neuen Russen beginnt mit dem Studium. Er schreibt seinen Eltern in eine andere Stadt. Schön, dass Ihr mir einen Opel geschickt habt, aber den brauche ich nicht, alle Studenten fahren hier Bus. Die Eltern schreiben zurück, ein Bus für dich ist bereits unterwegs. So schnell konnten wir aber nur einen Ikarus finden. Der Volvo kommt später.                  

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Ein neuer Russe antwortet auf die Frage, wie es ihm geht: ganz gut, habe ein Schloss in der Normandie, eine Stadtvilla in New York, eine Jacht in Nizza. Dann fragt er seinen Gesprächspartner, könntest du mir fünfhundert Dollar borgen, ich habe meine Kreditkarten verloren. Gern, sagt der andere neue Russe, wenn du mich auf die Wange küsst. Warum das? Na, Du hast ja auch weit ausgeholt. 

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Einer neuer Russe zu seinem Architekten: Neben der Villa will ich drei Schwimmbecken. Eins mit warmem, eins mit kaltem, eins ohne Wasser. Ein Schwimmbecken ohne Wasser, wozu? Nicht alle meine Gäste können schwimmen. 

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Der Sohn eines neuen Russen kommt in seine Musikschule. Er macht den Geigenkasten auf. Darin liegt eine Kalaschnikow.  Der Junge krümmt sich vor Lachen. Warum lachst du, fragt der Lehrer. Ich stelle mir meinen Vater vor, wie er in seine Bank kommt, seinen Geigenkasten aufklappt und was sieht er, eine Geige! 

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Ein neuer Russe besucht einen Betrieb im Ausland und wird gebeten, sich ins Gästebuch einzutragen. Was schreibt man da rein, fragt er seinen Sekretär. Das übliche. Der neue Russe schreibt rein: Hier war Wassja. 

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Ein neuer Russe landet auf Mallorca. Sein Sekretär schleppt  Ski hinterher. Was wollen Sie hier mit Skiern, wird er gefragt. Hier gibt’s keinen Schnee. Der Schnee kommt mit einem anderen Flugzeug, sagt der neue Russe. 

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Ein neuer Russe bestellt in einer Gaststätte eine Torte mit der Aufschrift: dem lieben Wassja. Sollen wir die Torte verpacken, fragt der Kellner? Wozu, ich esse sie hier auf. 

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Ein neuer Russe beschwert sich bei seiner Frau über die Preise. Im Cafe musste ich für eine Tasse Kaffee zwanzig Dollar blechen. Aber die Gerechtigkeit siegte. Auf dem Rückweg fand ich vier silberne Löffel und eine silberne Zuckerdose. Wo, fragt die Frau. In meiner Jackentasche. 

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Aus Florida zurück, gibt ein neuer Russe einen Empfang für seine Freunde. Am nächsten Tag beklagt sich seine Frau. Jemand von den Gästen hat uns silberne Löffel geklaut. Welche denn?  Die mit der Eingravierung „ Hilton Hotel“. 

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Ein neuer Russe zeigt sein neues Gemälde. Ist es ein Modigliani, fragt der Gast. Wenn es  kein Mercedes ist, dann ist es ein Modigliani. Ich habe beide erst gestern gekauft und verwechsle noch die Marken. 

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Ein runtergekommenes russisches Dorf. Vor einer  schäbigen Bauernhütte hält ein Mercedes 600. Dem entsteigt ein neuer Russe. Mütterchen, sagt er zu der in Lumpen gehüllten  Hüttenbewohnerin,  erinnerst Du dich  an den kleinen Jungen im grünen Mäntelchen, den du 1943  aufgenommen und vor dem Hungertod bewahrt hast. Ja. Schön! Und wo ist das grüne Mäntelchen? 

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Ein neuer Russe wird verurteilt. Er steht auf, hört das Urteil, dreht sich um, lässt seine Hose fallen, bückt sich und zeigt dem Richter seinen nackten Hintern und sagt, Sie können mich mal! Der Richter, der Staatsanwalt und andere Gesetzesdiener springen auf. Nicht alle auf einmal, sagt der neue Russe. 

ANEKDOTEN AUS DER PUTINZEIT 

Putin, Wladimir Wladimirowitsch. Seit dem Jahr  2000 Präsident Russlands.

Leider liegen dem matrjoschka- Forscherteam nur wenige  Anekdoten aus  Putins Zeit vor. 

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Eine Krähe sitzt auf dem Baum und hält ein Stück Käse im Schnabel. Ein Fuchs läuft vorbei und schreit: Bist Du für Putin? Die Krähe schweigt. Der Fuchs läuft wieder vorbei: Bist Du für Putin? Die Krähe schweigt. Wieder läuft der Fuchs vorbei: Bist Du nun für Putin? Ja, kräht die Krähe. Der Käse fällt runter. Der Fuchs schnappt ihn und ist auf und davon. Hätte ich „Nein“ gesagt, was hätte es geändert, stellt  die Krähe resigniert fest.

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Dazu keine Anekdote, sondern die reinste Wahrheit über das Phänomen Putin, das vielleicht Aufschluss darüber gibt, warum  die Witzbolde in Russland z.Z. nicht besonders eifrig beim Erfinden von Anekdoten  sind:

Der Popularitätsindex des derzeitigen (2002) russischen Präsidenten   erreichte den Höhepunkt von 75 Prozent. Warum, fragen sich die Holzpuppen.  Was hat er geleistet, um so beliebt zu sein wie kein russischer Herrscher vor ihm und keiner seiner ausländischen Kollegen? Die Frage ist umso mehr am Platze, da die Russen mit der Lage im Lande unzufrieden sind. Jeder Zweite fragt sich, wann die mehrmals angekündigte Befriedung in Tschetschenien endlich eintritt? Und warum der Lebenstandart eher sinkt, als, wie versprochen,  steigt, da die Preise schneller wachsen als die Löhne und Gehälter? Und wo verbleiben die Ergebnisse des Feldzuges gegen Korruption und Kriminalität? Alles Missstände, die eigentlich keine  hohe Meinung vom russischen Staatschef zulassen sollten. Warum dann setzen drei von vier Russen auf Putin? 

Vielleicht gibt eine Anekdote die Antwort. In einem gemeinsamen Auftritt von  Putin und   Bush gingen diese darauf ein, was einem Staatsmann Erfolg sichert. Bush verwickelte sich in Banalitäten wie  starker Wille, Nachhaltigkeit, gute Berater  u.s.w. Putin antwortete schlicht und einfach, der Staatsmann muss sein Volk lieben. Schluss, Punktum. Lieben! Das ist wohl sein Geheimnis: Die Russen glauben, er liebe sie.  

Warum aber nehmen sie Putin ab, er liebe sie?  Weil er den Eindruck macht, einer von ihnen zu sein? Wie  Maschas Sohn von nebenan? Wie Katjas  Schwager? Und zwar einer, der sich um die Familie kümmert, sich nicht unterkriegen lässt und anständig ist. Säuft nicht wie Jelzin, redet nicht zu viel dummes Zeug wie Gorbatschow, ist nicht senil wie Breshnew?

Und wenn das Land  nicht auf den grünen Zweig kommt, wird es nicht ihm in die Schuhe geschoben, sondern den anderen. Und den widrigen Umständen.

Die Russen haben  eine feminine Seele, meinen viele. Vor allem wollen sie geliebt werden. Und schätzen die Liebe über alles in der Welt. 

Eine Russin kann ihr Leben mit einem Mann in den düstersten Farben malen. Aber eine Freundin, die ihr sagt, schmeiße den raus, wird sofort und für immer zu einer Feindin. Denn einer, von dem geglaubt wird, er liebt dich, wird nicht rausgeschmissen. Sei das Leben mit ihm noch so trost- und aussichtslos. 

Und wenn es so ist, erwarten uns viele neue Anekdoten.

MAT

wertes matrjoschka-team,

ich versuche schon seit tagen im netz mehr über den russischen mat (mutterflüche, vulgäre schimpfsprache) zu erfahren und bin dabei unter anderem dank google auf ihre seite verwiesen worden - übrigens die erste deutschsprachige seite,  die dieses thema wenigstens etwas "ankratzt". 

ich würde gern wissen, wo man mehr und detaillierter über den mat erfahren kann, in bezug auf wortbeispiele, übersetzungen, ausdrucks- und bildungsbeispiele? Gibt es deutschsprachige literatur zu diesem thema? 

als ostdeutscher und nicht-russischsprachler bin ich außerdem sehr daran interessiert zu erfahren, ob es eine art ostdeutschen mat gibt? (ich habe nämlich gehört, dass sich im ganzen ehemaligem ostblock [aber hauptsächlich im slawischen] eine vulgärsprache auf basis des russischen mat entwickelte) . wenn es stimmt, könnten sie mir beispiele hierzu geben (gegenüberstellungen russisch-deutscher ausdrucksvarianten, etc.)?  gibt es gemeinsamkeiten zwischen ostdt. umgangssprache [insbesondere im berlinerischen und brandenburgischen] und russischer umgangssprache? 

ich hoffe sie können meinen wissensdurst wenigstens etwas stillen, danke ihnen im voraus für ihre bemühungen und verbleibe mit freundlichen grüßen

St. B.

Sehr geehrte Herr B., das von Ihnen angeschnittene Thema erscheint auch uns sehr interessant. Auf unserer Seite haben wir uns damit mehr als einmal beschäftigt, ohne allerdings den geringsten Anspruch  auf eine erschöpfende wissenschaftliche Behandlung zu erheben. Kurz zusammengefasst, meinten wir, dass der "Mat" in Russland einen  Versuch des Volkes darstellte, sich der verbalen Unterdrückung zu widersetzen, die besonders in der Sowjetzeit seine Mentalität auf eine von der herrschenden Schicht erwünschte Weise gestalten sollte. Bestimmt gibt es einige wissenschaftliche Abhandlungen dazu, sowohl in Deutsch, als auch und viel mehr in Russisch, aber wir haben   keine Angaben darüber gesammelt. Wenn Sie sich damit befassen wollen, was wir für sehr sinnvoll halten, bringen wir Ihre Erfahrungen  sehr gerne auf unserer Seite, was vielleicht ein Echo auslöst. Wir können uns sogar etwas wie eine "Arbeitsgemeinschaft" von matrjoschka- Lesern, die sich diesem Thema widmet, vorstellen, u.a. der Rezeption vom Mat in Ostdeutschland.

Soviel heute dazu. Mit freundlichen Grüssen, matrjoschka-team.

25.7.03 

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