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WIE DIE ARBEITSLOSIGKEIT RUNTERFAHREN.  SOWJETISCHE  METHODEN, EMPFOHLEN VON IWAN MATRJOSCHKIN, ESQ.

Es sei hier an die Grundzüge der sowjetischen Beschäftigungspolitik erinnert,  die zur nachhaltigen Vollbeschäftigung führte.

a) Schuften – oder so tun als ob-  mussten alle. Ob ihnen der angewiesene Arbeitsplatz gefiel oder nicht. Und egal, ob im Ort, wo sie wohnten, oder weit davon entfernt. In ihrem Beruf oder auch  nicht.  Für den Lohn, den der Arbeitgeber (der Staat, bzw. seine Arbeitsvermittlungsämter) für angemessen hielt.

b) Damit die Verknappung der  Arbeitsstellen der Vollbeschäftigung nicht im Wege stand, sah die Politik  ihre beliebige Vermehrung vor. Jeder Betrieb erhielt die Auflage, so und so viel Arbeitnehmer in Brot und Lohn zu halten. Egal, ob er soviel brauchte oder nicht.

Das war nicht immer günstig. Für den Betrieb. Viel zuviel Arbeitskräfte im Einsatz bewirken viel Chaos. Doch erfüllte ein Betriebsleiter die entsprechende Planziffer des Personalbestandes nicht, handelte er sich den Vorwurf der  Sabotage ein. Ab nach Sibirien! Marsch, marsch!

c) Der Arbeitslose, der sich weigerte, eine ihm zugewiesene Arbeitsstelle anzunehmen, wurde als Parasit der Gesellschaft gebrandmarkt. Obwohl er keine Arbeitslosenunterstützung  oder  Sozialgeld empfing. Denn diese gab es gar nicht. Aber die Staatsmacht ging  davon aus, dass er irgendwie seinen Lebensunterhalt sichern musste. Also wurde er von vornherein  der Schwarzarbeit verdächtigt.  Und dafür bestraft.  Ab nach Sibirien! Marsch, marsch!

d) Zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit trug wesentlich die Bildungspolitik bei, da die überflüssigen Arbeitskräfte auf Staatskosten die Schulbänke drückten. Jahrelang und immer wieder. Die Hauptsache, sie waren weg von der Straße. Dafür  kriegten sie sogar Stipendien (ABM- ähnlich?).

e) Die   Überproduktion der Ingenieure und anderer Fachleute  wurde dadurch aufgefangen, dass  ihre Gehälter   im Schnitt unter den Löhnen eines   Drehers oder eines Busfahrers lagen.

e) Im Vergleich mit der sowjetischen Beschäftigungspolitik erscheint die in Deutschland etwas zögerlich. Weil die Arbeitslosen mit Samthandschuhen angefasst werden. Die Unternehmer auch. Das geht auf die Dauer nicht, meine Herren!  Nachhaltigkeit ist angesagt!

f) Auch die Zulassung der Montagsdemonstrationen in Deutschland ist ein falsches Signal. Wer  die fürsorgliche Hand von  Vater Staat beißt, verwirkt sein Recht auf Meinungsäußerung.

Verfasst am Stammtisch  der Gaststätte „Sonnenschein“, Berlin, Prenzlauer Berg, zur Freude und Erbauung der Stammtischbrüder, arbeitslos und verarmt,  am 21.8.04.  

 EINE STUDIE DES VON IWAN MATRJOSCHKIN, ESQ., GELEITETEN FORSCHUNGSZENTRUMS  ZUR SICH  ENTFALTENDEN MILITÄRISCHEN  ZUSAMMENARBEIT ZWISCHEN DEUTSCHLAND UND RUSSLAND. ZEHN THESEN  AUS AKTUELLEM ANLASS.

1. Obwohl sich  im Massenbewusstsein die blöde Vorstellung festgesetzt hat, Russland und Deutschland hätten  gegeneinander nur Krieg geführt, sagt uns die Geschichte etwas ganz anderes. Zwischen den Kriegen haben Deutschland und Russland in der militärischen Sphäre oft  produktiv zusammengearbeitet.  Damit sie sich im nächsten Krieg gegenseitig mehr schaden konnten.

2. Ohne tief in die Geschichte abzusteigen, erinnern wir uns an die ergebnisreiche Zusammenarbeit des Militärs  beider Länder nach dem Ersten Weltkrieg. Die Reichswehr durfte sich an der Wolga in  der Handhabung  moderner Waffen üben, die dem im Ersten Weltkrieg besiegten Deutschland nach dem Versailler Diktat von den  Westmächten verboten wurden. Deutschland aber half der Sowjetunion bei der Rüstungsproduktion.

Die Produktivität der Zusammenarbeit  wurde  auf den        Schlachtfeldern des Zweiten Weltkrieges unter Beweis gestellt. Wäre sie weniger produktiv gewesen, wäre die Wehrmacht vermutlich nicht bis zur Wolga und die Rote Armee- im Gegenzug- nicht bis zur Elbe gelangt.

3. Die Geschichte ist ein guter Lehrmeister. Ihre Erkenntnisse  stehen in beiden Ländern hoch in Ehren. Deshalb wird auch jetzt die militärische Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland gepflegt. Selbstverständlich mit einer anderen Ausrichtung als früher. Jetzt wollen sie Schulter an Schulter gegen neue Bedrohungen kämpfen. Das heißt nicht wie früher gegen die imperialistischen (die sowjetische Lesart), bzw. gegen die plutokratischen (die deutsche Lesart) Staaten, sondern... Sie wissen schon, lieber matrjoschka -  Freund.

4. Das bekräftigten Bundesverteidigungsminister Peter   S t r u c k  und Sergej   I w a n o w , Verteidigungsminister der Russischen Föderation, als sie sich unlängst in Sankt Petersburg trafen. Herr Struck hat versprochen,  dass sich Deutschland  um eine tiefer gehende Zusammenarbeit mit Russland bemühen wird.  Im Rahmen der EU-Sicherheitspolitik, versteht sich. In diesem Zusammenhang  erwähnte er die mit Iwanow erzielte Vereinbarung über  gemeinsame Manöver der Bundeswehr und der russischen Streitkräfte.

Die Minister brachten ihre Genugtuung darüber zum Ausdruck, dass die russisch-deutsche militärische Zusammenarbeit einen systematischen und konstruktiven Charakter angenommen hat.

5. Auch unser Militärexperte, Iwan Matrjoschkin, Esq., empfindet darüber  tiefe Genugtuung.

PS. Die Thesen 6. und 7. wurden aus Geheimhaltungsgründen unleserlich gemacht

8. Ein Schurke ist, der sich  deshalb daran erinnerte, dass Russland eine starke Atommacht ist, Deutschland aber nach dem Zweiten Weltkrieg verboten wurde, atomare Waffen zu besitzen. Wie die Panzer- und die Luftwaffen nach dem Ersten Weltkrieg, die es allerdings dank Sowjetrussland an der Wolga erproben konnte.

9. Deutschland partizipiert gar nicht an den russischen Atomwaffen, sondern ganz im Gegenteil, hilft Russland, die ausgemusterten Atomwaffen, insbesondere atombetriebene U- Boote, zu entsorgen. Wie Russlands Vize-Atomenergieminister Antipow dieser Tage in Berlin  mitteilte, ist Deutschland  ein besonders guter Partner Russlands in dieser Rüstungspolitik mit umgekehrtem Vorzeichen.  Wir sind den Deutschen sehr zu Dank verpflichtet, sagte er und meinte -  fürs Geld verpflichtet, das für die Entsorgung der Atomwaffen nötig ist  und das in etwa so beträchtlich ist,  wie die Produktion dieser Waffen kostete.

Ein anderes Problem Russlands besteht darin, dass es keine Lagerstätten für ausgemusterte Atomwaffen hat. Hierbei aber hilft Deutschland nicht. Obwohl es, wie ich mich dunkel erinnere,  die Lagerstätten hat . Übrigens besteht Russland gar nicht darauf, Gorleben zu nutzen. Moskau will es anscheinend nicht mit den Grünen  verderben, da sie den Außenminister stellen. Wenn aber ein gelber Außenminister kommen sollte, dann werden wir das Problem neu überdenken. 

10. Die in jeder Hinsicht lautere und zukunftsträchtige   Zusammenarbeit wird leider von jenen angezweifelt, die Russland und Deutschland militärisch schwach sehen möchten. Sie können aber lange darauf  warten.

Das versichert Iwan Matrjoschkin, Esq, Militärexperte des Konzerns „matrjoschka- online.de“, Gefreiter des Zweiten Weltkrieges a.D. 

 15.6.04

MEINE LIEBE HOLZPUPPE,

Dich und deine Freundinnen, aber auch den einzigen Mann in eurer Truppe, Iwan Matrjoschkin, Esq., beneide ich aufrichtig, weil ihr in einem Rechtstaat lebt, wo die Justiz voraussagbar ist. So vernahm ich aus einem ARD- Magazin, dass der Prozess gegen die Manager einer deutschen  Firma, beschuldigt das deutsche Steueraufkommen um mehrere Milliarden Euro  erleichtert zu haben, wie das Hornberger Schiessen ausgeht. Erwartungsgemäß.  Die Beschuldigten sahen auf dem Bildschirm auch sehr fröhlich aus.

Dagegen sieht ein  russischer Milliardär, ähnlicher Dinge in Moskau beschuldigt, gar nicht mehr fröhlich aus. Hat auch keinen Grund dazu. Denn er sitzt hinter Gittern und wartet auf eine Haftstrafe. Man munkelt etwas von zehn Jahren.

So geht es in einem Staat, der kein Rechtstaat ist und dessen Justiz deswegen in Deutschland am Pranger steht. Mit Recht!

Was aber  Chodorkowskis  Affäre betrifft- und diese meine ich, wie Du,  liebe Holz- und Herzpuppe, sicherlich bereits begriffen hast - da möchte ich dir darstellen, wie  mir diese vorkommt.

Wie wir alle erlebt haben, herrschte vor einiger Zeit in unserem Lande der reale Sozialismus. Klingt erschreckend, aber so schlimm war es für manche gar nicht. Vor allem nicht für Menschen mit einem Nerv fürs Kommerzielle.

Zwar stand private Geschäftstätigkeit unter Verbot, aber bestraft wurden die Geschäftsleute nur wenn sie es nicht verstanden, mit der Sowjetbürokratie ihre Einkünfte zu teilen. Wenn sie es verstanden und sich nicht geizig erwiesen, drückte die Bürokratie  ein oder auch beide Augen zu. Obwohl  die im Untergrund tätigen Schlaumeier nicht davor zurückschreckten, die staatlichen Produktionskapazitäten für ihre Geschäfte schamlos auszubeuten.

Mit der Zeit aber bekam die Bürokratie beim Essen größeren Appetit. Die Menschen ihres  Vertrauens konnten  diesen nicht befriedigen, da sie doch im Untergrund bleiben mussten. Dies behinderte  die volle Entfaltung ihrer Geschäftstüchtigkeit. Vor allem, wenn es um Geschäfte mit dem Ausland ging.

Das war mit ein   Grund für die sogenannte Perestroika, wie die Abschaffung der Sowjetmacht und der Übergang zur freien Marktwirtschaft und Demokratie in unserem Lande hieß.

Wer profitierte am meisten davon? Selbstverständlich die Helden der Schattenwirtschaft. In kürzester Zeit wurden sie zu mehrfachen Dollarmilliardären. Dafür sorgte dieselbe Bürokratie, die sie früher im Untergrund gedeihen ließ. Jetzt schanzte sie ihnen alles zu, was unter dem Sowjetstern in unserem Lande entstand: die riesigen Betriebe vor allem, die   für ein lächerliches Entgelt in ihre Hände kamen.

Selbstverständlich  geschah es nicht aus purer Liebenswürdigkeit der Bürokratie. Mit ihrem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit setzte sie darauf, dass die geschäftstüchtigen Mitbürger weiterhin ehrlich teilen. Durch viel größere Mitbringsel auf den Gabentisch als früher, eben gemäß ihren, jetzt  ins Unermessliche gestiegenen Einkünften.

Löblicherweise erfüllten  die meisten von den Neu- Altreichen  den nicht verbrieften, aber trotzdem bindenden Gesellschaftsvertrag mit der Bürokratie. Zur beiderseitigen Zufriedenheit.

Denen, die sich daran hielten, passierte nichts. Im Unterschied zu  denjenigen, denen, wie die Russen sagen, der Urin in den Kopf stieg (motscha w golowu udarila). Von ihrem neuen Superreichtum geblendet, vergaßen sie, was sie eigentlich sind. Die Melkkühe der Bürokratie, die sie zwar weiden lässt und vor den Wölfen schützt, aber nicht ganz umsonst. In ihrem Hochmut versuchten sie über die strombeladene Einzäunung zu klettern. Eine Rolle in der Politik usw. zu spielen, die einer Melkkuh, auch einer sehr fetten, nicht zusteht.

Mit dem bekannten Ergebnis.

Ich verstehe sehr gut, dass der Vorgang in Deutschland starkes Kopfschütteln auslöst. In  einem Land, wo   großen Geschäftsleuten nichts passiert, wenn sie sich in den vom Gesetz vorgeschriebenen Grenzen bewegen. Und sogar  ein bisschen außerhalb. Wie  die Manager von Vodafone - oder wie nennt sich   die Firma?...

Ja, die Gesetze fehlen uns noch. Und  ich hoffe nicht sehr darauf, dass diese Lücke geschlossen wird.  Jede Bürokratie, die nicht darben will, zieht es  vor,  verunsicherte  Melkkühe  zu haben. Die nicht ungebeten muhen. Und  mehr Milch abgeben. Für die Bürokratie.

Seid also froh, in einem Rechtstaat leben zu dürfen. Auch wenn eure eigenen Geschäfte kümmerlich bleiben. Wie ich gehört habe,  reichen sie gerade aus, dem fulminanten Iwan Matrjoschkin, Esq., einige Biere in der Gaststätte „Sonnenschein“, Berlin, Prenzaluer Berg, zu spendieren.

Mit Liebe aus Russland,

Euer CC, Moskau, den 2.7.04.

Per eMail.

An dieser Stelle stand der Beitrag "WARUM KAM PUTIN NICHT?"  

ABER ER IST DOCH GEKOMMEN! MIT- SAGE UND SCHREIBE- SIEBZIG KOSAKEN! DER МОЛОДЕЦ! (EIN PFUNDSKERL). 

Den irreführenden Bericht "Warum kam Putin nicht?" schmuggelte  ein unzuverlässiges Mitglied unseres teams auf unsere site, nämlich ein gewisser Iwan Matrjoschkin, der sich  Esquire nennt und vorgibt, ein großer  Kenner  politischer Hintergründe zu sein. Vom angeblichen Nichtkommen des russischen Präsidenten zur Geburtstagsfeier des deutschen Kanzlers schloss er im erwähnten falschen Bericht auf eine Abkühlung in den Beziehungen zwischen den Staatsmännern, mehr noch in den Beziehungen zwischen Russland und Deutschland.

So führte er ins Feld,  der deutsche Bundeskanzler könne oder wolle nicht dafür sorgen, dass die bereits vollzogene NATO- Osterweiterung und die fällige EU- Osterweiterung entsprechend den Wünschen des Kremls gestaltet werden. Obwohl Schröders frühere Äußerungen die Annahme berechtigten, er würde sich eher umbringen, als Russland die unangenehmen Folgen beider Prozesse aufbürden zu lassen. Darunter das Heranrücken der NATO- Militärkräfte an die russische Westgrenze in einem und eine hohe Zollbarriere zwischen Russland und den osteuropäischen Ländern im anderen Fall.  

Diesbezügliche Spekulationen von Matrjoschkin haben sich Gott sei dank als unbegründet erwiesen. Leider führten sie aber inzwischen zu Irritationen in der Weltpresse, die die politischen Analysen von www.matrjoschka-online.de stark beachtet und oft, leider ohne Angabe der Quelle, publiziert.

Selbstverständlich erörterte  unser Redaktionskollegium das Versagen vom Kollegen Matrjoschkin. Er musste, wie die Russen in solchen Fällen sagen, "на ковер", was buchstäblich "auf den Teppich", im übertragenem Sinne aber "Rede und Antwort stehen" heißt. 

Matrjoschkin bekannte sich schuldig. Er bat aber um Nachsicht und führte als Grund seines Versagens einen starken Kater an, den er nach einer Feier in seiner Stammkneipe "Sonnenschein", Berlin, Prenzelberg, arrangiert hätte. Auch diese Feier hätte dem 60.Geburtstag des BK Schröder gegolten, den  er zu seinen Freunden zähle. 

In vernebeltem Zustand  hätte er eine in Italien stattgefundene Geburtstagspartie im engen Familienkreis mit den eine Woche später stattgefundenen  Feierlichkeiten in Hannover, an denen viele Prominente, darunter der russische Präsident und seine Gemahlin Ljudmila teilnahmen, verwechselt. 

Sich an die Weltöffentlichkeit wendend, rief Iwan Matrjoschkin auf, an seiner irrtümlichen Analyse der russisch- deutschen Beziehungen grundsätzliche Korrekturen vorzunehmen. Und zwar beweise die Teilnahme des Ehepaars Putin an der 60. Geburtstagsfeier in Hannover, dass die von ihm, Matrjoschkin, verschuldeten, unhaltbaren, aber leider von der Weltpresse übernommenen Spekulationen über angebliche Spannungen in den russisch- deutschen Beziehungen infolge der NATO- und EU- Osterweiterung gar nicht stattgefunden hätten. Umgekehrt wird ein Schuh daraus:  die Tatsache, dass selbst die NATO- und die EU- Osterweiterung die vermutlich von gewissen Kreisen einkalkulierte Eintrübung des Verhältnisses nicht bewirken konnten, zeugt davon, wie robust sowohl die persönliche Freundschaft zwischen Putin und Schröder, als auch die Kooperation zwischen Russland und Deutschland geworden sind. 

Als Busse für sein Vergehen gelobte Iwan Matrjoschkin, Esq.,  dem BK Schröder einen Kasten vom berühmten "Wodka Matrjoschkina", des besten russischen Wodkas der Welt, zukommen zu lassen .  Er sei sich bewusst, dass sein bescheidenes  Präsent mit der Geburtstagsüberraschung des Ehepaars Putin (ein siebzigköpfiger Kosakenchor) nicht zu vergleichen ist. Aber schließlich sei er nicht (noch nicht!) russischer Präsident. Und wird er einmal der Herr im Kreml (worauf er sehr hofft), bringe er nach Hannover noch mehr Kosaken. Und was sind aber Kosaken ohne Wodka? Lahme Enten!      

Angesichts der Reue und Busse und der Absichtserklärung ließ das Redaktionskollegium von www.matrjoschka-online.de  Milde walten. Iwan Matrjoschkin, Esq., kam mit einem strengen Verweis davon. Er müsse aber wissen, dass ein weiteres Vergehen dieser Art  härtere Konsequenzen haben würde. Bis zum Verbot, die Kneipe "Sonnenschein", Berlin, Prenzelberg, zu betreten. Iwan Matrjoschkin erblasste,  begann zu schluchzen und schwor Besserung.    

17.4.04

IWAN MATRJOSCHKIN FORDERT EINE SCHLÜSSIGE ANTWORT

In einem Telegramm an Präsident Bush fordert Iwan Matrjoschkin, Esq., Kunstexperte des Konzerns www.matrjoschka-online.de, eine schlüssige Auskunft über die rechtlichen Grundlagen der Einbehaltung eines für das deutsche Selbstbewusstsein sehr wichtigen Gemäldes in den USA. Dabei nimmt er Bezug auf folgenden Sachverhalt: Die ehemalige Sowjetrepublik Estland hat vor kurzem der Kunsthalle Bremen das am Ende des Zweiten Weltkrieges gestohlene Dürer-Gemälde „Johannes der Täufer“ zurückgegeben. Estlands Ministerpräsident Juhan Parts gab das Werk in Anwesenheit von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) der Kunsthalle zurück. Nach jahrzehntelanger Odyssee sind damit die beiden wertvollen Altarflügel „Der heilige Johannes der Täufer“ und „Der heilige Onuphrius“ wieder vereint. Sie gehören zu einem Triptychon, dessen dritter Teil sich im Besitz des New Yorker Metropolitan Museums befindet.    

Iwan Matrjoschkin fragt, was heißt „im Besitz befindet“? Wie konnte ein Teil eines Altars aus einer deutschen Kirche, von Dürers Hand geschaffen, nach Übersee gelangen? Wer hat das Bild verkauft? Und mit welchem Recht? Oder wurde das Bild gestohlen? Womöglich in der Besatzungszeit? Dann ist der vermeintliche Besitz nichts anderes als Hehlerei.

Herr Präsident, schreibt Iwan Matrjoschkin, Esq., ich fordere Sie auf, das Bild rauszurücken. Deutschland ist nicht der Irak. Jedenfalls jetzt nicht mehr. Oder wollen Sie, Herr Präsident Bush, vor dem Hintergrund der edlen Geste des estnischen Regierungschefs als schäbiger Kunsthehler dastehen?

PS. In diesem Zusammenhang beabsichtigt Iwan Matrjoschkin, Esq., BK Schröder  eine gemeinsame Aktion mit seinem Freund W. Putin vorzuschlagen. Er meint, wenn der russische Staatschef seine große moralische Autorität und die weltweit bekannte Kunstliebe (zur deutschen Kunst) auf die Waagschale wirft, werden die Amis nachgeben.

25.5.04

SOLL JETZT DEM BK  SEIN RUSSISCHER EHRENDOKTORHUT GENOMMEN WERDEN? DER STAMMTISCH  BITTET DIE PETERSBURGER UNI,  DIES NICHT ZU TUN.

AUS DEM SCHREIBEN DES STAMMTISCHES  DER KNEIPE „SONNENSCHEIN“, BERLIN, PRENZLAUER BERG, NACH SANKT PETERSBURG:

„Tief beschämt erfuhren wir aus einem Bericht  Iwan Matrjoschkins, Esq., von der   Weigerung  einiger Professoren der Hamburger Uni, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin die  Ehrendoktorwürde zu verleihen. Wie Herr Matrjoschkin uns überzeugend darlegte,  steckt dahinter der ..... Geiz der Menschen, die Gelehrte sein wollen, aber sich wie ..... Krämer benehmen. Sie sparen  an allem, nur nicht an ihren Salären, die mittlerweile  weit über  jede vertretbare Grenze hinausgehen.

Um ihre ..... Tat zu rechtfertigen, weisen  sie auf den  tschetschenischen Krieg hin. Kein Zweifel, der Krieg verläuft nicht wunschgemäß.  Er sollte bereits vor Jahren damit sein Ende finden, dass der letzte tschetschenische Meuterer im Klobecken ersäuft wurde. Aber wer kann dem russischen Präsidenten sein weiches, mitfühlendes Herz vorwerfen? Er führt sich eben wie ein gütiger Familienvater auf, dem alle seine Kinder, auch missratenen, lieb und teuer sind. Deshalb lässt er immer  Milde walten. Auch in den Fällen, wo vielleicht eine harte Hand angemessener wäre. 

Den ...... unserer studentischen Jugend ist  diese Nachsicht fremd. Aber wir, vom Stammtisch  der Kneipe „Sonnenschein“, können diese gut nachvollziehen. Wir lassen ebenfalls Nachsicht walten und erwarten diese auch vom Kneiper, der übrigens auch ein Geizhals ist wie die Professoren.

Der Grund unseres Schreibens an Sie, liebe Kollegen von der Petersburger Uni ist aber nicht nur die Distanzierung von den .....aus Hamburg. Wir hätten noch eine Bitte.

Wie uns Herr Matrjoschkin  auseinandersetzte,  haben Sie vor einiger Zeit verdientermaßen unserem BK G. Schröder die Ehrendoktorwürde verliehen. Jetzt sollen Sie, durch das Verhalten der Kollegen aus Hamburg tief verletzt,  am Überlegen sein, die Ehrung zurückzunehmen und vom  Bundeskanzler den Hut zurückzufordern. Tun Sie das bitte nicht. Ob in irgendwelchem verstaubten Kämmerlein ein Hut mehr oder weniger liegt, muss Ihnen egal sein. Sie sind bestimmt nicht so engherzig wie die Hamburger. 

Übrigens ließ Herr Matrjoschkin den Senat der Hamburger Uni wissen, dass er aus Protest gegen die Kränkung seines Freundes im Kreml auf die zu erwartende Verleihung  der Ehrendoktorwürde  an seine, Matrjoschkins, Person verzichtet.

Das haben die Bücherwürmer davon. Einer der größten Gelehrten  der modernen Welt pfeift auf ihre Auszeichnung.  Sollen sie seinen Doktorhut unter sich aufteilen und auffressen. Und den Putin verweigerten dazu. Guten Appetit!

Unter den Talaren Mief von tausend Jahren!  Das trifft zu wie die Faust aufs Auge.

Am Stammtisch der Kneipe „Sonnenschein“ einträchtig  gebilligt.  

Anm. Mit .....wurden auf Veranlassung der hauseigener Zensur einige Korrekturen am Schreiben mit dem Ziel vorgenommen, eine Wiederholung der Ereignisse von 1968 in Hamburg zu vermeiden.  

 14.8.04       

IWAN MATRJOSCHKIN, ESQ., : RUSSLAND WIRD HELFEN!  THESEN EINES VORTRAGS AM STAMMTISCH DER KNEIPE „SONNENSCHEIN“, BERLIN, PRENZLAUER BERG.

1. Die ganze Welt spricht mit Genugtuung über die sich angeblich stabilisierende Wirtschaftslage der USA. Die amerikanische Wirtschaft wurde zum Hoffnungsträger vieler Regierungen, die um ihre Zukunft bangen, weil die Wähler ihnen die Stagnation der nationalen Wirtschaft anlasten. Das Wachstum in den USA bringt  die Zunahme der amerikanischen Wareneinfuhren,  von denen ihre Wirtschaftspartner profitieren. Nicht von ungefähr stagniert nur die Nachfrage innerhalb der betroffenen Länder, ihre Exporte aber steigen.      

2. So weit, so gut. Noch besser wäre es, hätte die amerikanische Wirtschaftsdynamik eine solide Grundlage. Zum Beispiel, den steigenden Konsum der Amerikaner, der aber- und das ist der springende Punkt- von  ihren steigenden Einkünften bezahlt würde.

3. Das ist leider nicht der Fall. Der amerikanische Verbraucher lebt auf Pump. Die Bushadministration verleitet ihn dazu. Durch sehr billige Kredite. Dank Mister Greenspan, der vorläufig noch für einen  sehr niedrigen Leitzins in den USA sorgt.  Davon profitiert George W. Bush, weil er zu seiner Wiederwahl einen gut gelaunten Onkel Sam braucht. Aber auch Allan Greenspan (78) kommt es zugute, weil er, dank der Unterstützung des Weißen Hauses weiter in  seinem Sessel verharren darf.

4. Aber  der Schuldenberg wächst. Eine Art Pyramide, deren Sturz wie das Amen in der Kirche kommen muss. Сколько веревочкe не виться, конец ей будет.  ( Jeder Faden hat ein Ende).  

5. Wenn die amerikanische Schuldenblase platzt, sind wir alle dran. Die Produktionskapazitäten in anderen Ländern, die davon leben, dass ihr Ausstoß über den großen Teich wandert, werden überflüssig.  Die Folge: ein neuer Sprung der Arbeitslosigkeit. Und vieles andere mehr.  

6. Als Wissenschaftler  will ich hier einige Daten anführen, für deren Authentizität ich mit meinem einwandfreien Ruf in Kreisen der Wirtschaftsforschung hafte.

Seit 1997 stiegen  die   Schulden nur der amerikanischen Häuslerbauer  um 94 Prozent und erreichten 7,4 Trillionen USD. Die Gesamtsumme der Verbraucherkredite erreichte 35 Trillionen Dollar.  Eine Durchschnittsfamilie  in den USA wird statistisch mit 450  000 Dollar belastet.

7. Um die ungedeckte Orgie des Konsums zu bremsen, bleibt Herrn Greenspan nur eins: den Leitzins zu erhöhen. Das führt aber dazu, dass die meisten   Amerikaner die Kredite nicht zurückzahlen. Sie verlieren ihre Immobilien und anderes auf Pump Erworbenes.

Aber auch ihre Kreditgeber gehen Pleite. Nicht nur in den USA selbst. Denn im Grunde genommen haben die Amis die ganze Welt angepumpt.

Uns   aber bleibt ein Trost. Die schönen Banknoten mit Bildern von Bushvorgängern. Den Staatsmännern, die seinerzeit den Dollar zur sichersten Währung gemacht haben, indem sie dafür sorgten, dass hinter ihm reale Werte standen. Und nicht die Schuldenblase.

8.  1929 lässt  grüßen. Und zwar bald. Vielleicht unmittelbar nach der Wiederwahl Bushs. 

9. Was tun? Abwarten und Bier trinken. Was ich auch mache. Obwohl der Gauner von einem Kneipier mir seit kurzem keinen Kredit  gewährt.

Bei aller Widerwärtigkeit dieser Person muss ich aber einräumen, dass er als Unternehmer und Finanzier die richtige Schlussfolgerung aus meiner Wirtschaftslage zieht. Jenem Instinkt gehorchend, der  manchen Wirtschaftsgewaltigen Europas fehlt.

10. Es ist gut, dass meine Wahlheimat  Deutschland als einen seiner  Wirtschaftspartner mein  Herkunftsland, Russland, hat. Russlands Wirtschaft entwickelt sich nicht nur sehr dynamisch, sondern auch sehr solide. Im Kreml weiß man nicht mehr so richtig, wohin mit Geld und Devisen (meine Empfehlungen sind noch nicht fertig). Ein prosperierendes Russland wird ein unter der kommenden amerikanischen Pleite leidendes Deutschland nicht im Stich lassen. Ich sorge dafür.

(Das Versprechen wurde am Stammtisch mit standig Ovations und mit Rufen  wie „Matrjoschkin, hipp, hipp, Hurra!“       quittiert. Daraufhin bestellte der Vortragende den Zuhörern eine Runde Bier. Auf Kosten des geschmeichelten Kneipiers. )

31.8.04  

Matrjoschkin zog Bilanz...

Welche? Selbstverständlich die Bilanz der USA- Präsidentenwahl.

Wo?... Im Konferenzsaal des Konzerns „matrjoschka-online.de“, einem der modernsten in Berlin: ein ovaler Mahagonitisch, Fauteuils aus hellem Leder    wie   im Weißen Haus in Washington, an den Wänden – alte Ikonen wie im Kreml.  

Die weiblichen Kollegen machten es sich bequem, Matrjoschkin  stellte eine Flasche Berliner Pils vor sich hin, die ihm nach vielem hin und her von der Schatzmeisterin des Konzerns (die Dame mit dem Besen) spendiert wurde, bat um Ruhe  und begann seinen Vortrag.  

Zuerst mal gab er seiner Genugtuung Ausdruck. Die Amerikaner  hätten richtig gewählt. Er schlug vor, ein dreifaches Hipp, hipp, hurra zu Ehren des alten und neuen USA- Präsidenten zu rufen. Alle weiblichen Holzpuppen, deren Konterfeis Sie, liebe Leser, auf der Startseite bewundern können, schwiegen. «Как  воды в рот набрали!» - sagte der Esquire  empört (eine russische Redewendung, in etwa „als ob sie die Münder voll von Wasser haben).  

Die sturen Puppen durchbohrten Matrjoschkin mit bösen Blicken. Die mit dem Besen nahm ihm die Flasche weg.  

„Ich melde Euch alle !“- schrie der tief verletzte   Esquire. „Da werdet Ihr sehen, was ihr davon habt“.  

„Wem meldest du uns ?“- fragte die Holzdame mit Samowar. – „Dem dubljou?“.  

„Nein, - trumpfte er auf,-   Putin. Vergesst nicht, dass er als erster Mister Bush gratulierte. Und zwar mit Worten, die an Herzlichkeit und Bewunderung nichts vermissen ließen. Ganz anders als die anderen, die den Eindruck machten, als hätten sie eine Pflichtübung absolviert. Jetzt sind wir mit dem Wahlsieger dicke Freunde.

  „So ein Schwenk von Europa nach USA?“- wunderte sich die Puppe mit dem Buch.

  „Eben! – sagte Matrjoschkin. -Dank einer Denkschrift, die ich dem Kreml lieferte.“

  „Was hast du denn hingeschrieben?“ – fragte die Schatzmeisterin mit dem Besen.

  „Das verrate ich Euch nicht!“ – sagte Iwan. – Staatsgeheimnis!“

  „Ach so“ - sagte die Besenpuppe, lehnte ihr Werkzeug, von dem sie sich nie trennt, an den ovalen Tisch und streckte den Arm aus, um die Bierflasche, die sie inzwischen zurückgab, wieder zu nehmen.  

„No, no!”  -sagte Matrjoschkin auf Amerikanisch ( er pflegt es, sein Idiom immer der politischen Lage in der Welt anzupassen). „Hände weg! Ich packe aus. Also, ich   machte  meinen Freund W.W.P. darauf aufmerksam, dass nur die USA  und nur unter Bush  imstande sind, die russischen Probleme zu lösen.“  

Welche denn ?- fragte die Samowardame.

Matrjoschkin machte einen Schluck aus der Pulle und begann die Probleme aufzuzählen: erstens, die gelbe Gefahr, die  im russischen Fernen Osten immer deutlicher wird. Zweitens, die Invasion der Bin Ladens, der  Muslime im Nordkaukasus.  Drittens, die Ukraine, wo die Westler Überhand nehmen. Viertens,  Polen, das sich wie vor Jahrhunderten mit der  Ukraine liieren will.  Fünftens, der zunehmende Druck an den südlichen Grenzen Russlands, wo sich die Nachfolgestaaten der Sowjetunion stark machen...“. 

Hier stockte er und sagte: „Insgesamt waren es siebenundzwanzig Punkte. Soll ich alle vortragen?“  

„Nein!“, sagten die Holzpuppen. „Verrate uns nur, was wird mit  Europa,  das sich rüstet, einen Gegenpol zu den USA zu bilden?“  

„Europa?“ – fragte Esquire verächtlich zurück. - „ Europa teilen wir unter uns. Wie damals, in Jalta!.“ 

4.11.04.

IWAN MATRJOSCHKIN ESQ., SCHREIBT AN GEN. WALENTIN WARENNIKOW

Sehr geehrter Herr General, Euer Hochwohlgeboren!

Mit Begeisterung habe ich Ihren Ausführungen in einer Sendung des russischen Radios „Stimme Russlands“ gelauscht. Am Vorabend des 59. Jahrestags des Sieges des Sowjetvolkes im Großen Vaterländischen Krieg (hier, in Deutschland, wird dieses Datum  als die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht im Jahre 1945 bezeichnet) haben Sie mit einem für Ihr Alter (immerhin 81 Jahre) erstaunlichen martialischen Geist   zu einem neuen Feldzug aufgerufen. Eigentlich zur Fortsetzung  des 1945 beendeten Krieges. Allerdings  gegen einen Feind, den Sie vorläufig nicht im feindlichen Ausland orteten, sondern im eigenen Land. Gegen die Vaterlandsverräter und Abtrünnigen.  

Vom Kampf gegen diesen Abschaum  träumten Sie nach eigenem Bekunden bereits  als Achtzehnjähriger. Also  1942. Frischgebackener Leutnant, trafen Sie  damals  an der Front in Stalingrad ein. Mit der ehrgeizigen Absicht, herauszufinden, wie konnte denn die deutsche Wehrmacht in wenigen Monaten bis an die Wolga vordringen. Und riesige sowjetische Territorien besetzen.    

Denn Sie witterten  Verrat und sehnten sich nach Abrechnung.  

Aber  damals mussten Sie schön in Schützengräben bleiben. Und Läuse füttern. Der kleine unbedarfte Leutnant. Der es nur bis zum Zugführer gebracht hat.  

Auch ohne Sie leisteten aber die sowjetischen Geheimdienste ganze Arbeit. Noch vor dem Krieg haben diese mehr russische Heerführer umgebracht  als der deutsche Gegner in den   Kriegsjahren. Erst recht krempelten sie im Krieg die Ärmel hoch und stellten  nicht nur Frontgeneräle und Offiziere, sondern auch einfache Muschkoten zu vielen Tausenden  an die Wand.  

Übrigens meinten  russische Forscher, dass gerade dadurch, nicht aber durch Verrat in den eigenen Reihen, der Gegner so gut vorankam und nur um einen ungeheueren Preis   zurückgeschlagen werden konnte. Aber das nur nebenbei! Denn die Forscher sind sicherlich auch Verräter, nicht wahr Herr General?  

Wie dem auch sei, sind  Sie, Euer Hochwohlgeboren, darauf aus,  das heute nachzuholen, was das Schicksal Ihnen lange vorenthalten hat. Einen neuen Feldzug gegen den Verrat in den eigenen Reihen anführen. Munter und unverdrossen nannten Sie  besonders perfide Verräter, mit denen zuerst abgerechnet werden soll. Darunter der sowjetische Ex- Präsident, Michail Gorbatschow, der, wenn auch nicht immer geschickt, dem kalten Krieg zwischen der Sowjetunion und dem Westen und der Spaltung Deutschlands  und Europas zu einem  Ende verhalf; der russische Ex- Präsident, Boris Jelzin, der, bei all seinen Merkwürdigkeiten, den Weg seines Vorgängers, Gorbatschow, weiterging; und dann die Berater von den beiden Präsidenten; und dann die Leute aus der Umgebung von den Beratern usw., usf. Sie alle  seien am Zerfall der Sowjetunion schuld. Sie alle gehören an die Wand gestellt.  

Aber man hat den Eindruck, dass Ihre mahnende Stimme wenig Echo in Russland findet. Verständlicherweise. Wer, wenn nicht die Russen wissen, wie die teuflische Maschine der Verräterjagd, einmal in  Gang gebracht, schwer zu stoppen ist,  welche Verwüstungen sie anrichtet und wie sie Russland schwächt. 

Die sowjetischen Kriegsveteranen, als deren Sprachrohr Sie sich gebärden, wissen es übrigens auch. Am Tag des Sieges über das Hitlerreich am 9. Mai werden diese bestimmt  nicht über einen neuen Krieg sinnen, sei es ein „richtiger“ oder ein Bürgerkrieg. Wie immer schon werden sie an diesem Tag das ewige Russische «только бы не было войны» (nur  kein Krieg mehr!)  beschwören. Und tatsächlich, wer sonst hat am eigenen Leib besser erfahren können, was  Krieg bedeutet, insbesondere, wenn er von den Heerführern  gemanagt wird, die  die eigenen Leute wie im fremden Wald geklautes Reisig verheizen. Und ihre Kameraden als „Verräter“ denunzieren.    

Vielleicht werden aber die Kriegsveteranen auch dagegen  ihre Stimme erheben, dass sie darben müssen. Denn in ihrer Masse kriegen sie  Renten, die ein kleiner Bruchteil jener satten Pension ausmachen, die Sie, der unerschrockene Kämpfer gegen die Verräter, erhalten.  

Sie sind ein Unikum, Herr General!  Einen zweiten Ihres Schlages kenne ich in Russland nicht. Deshalb lade ich Sie hiermit  in die Kneipe „Sonnenschein“, Berlin, Prenzlauer Berg ein. Hier würde ich Ihnen mehrere Bierchen spendieren. Allerdings unter der Bedingung, dass Sie gegen den infamen Verräter unserer Stammtischgesellschaft losziehen. Gegen den Kneipier, der nicht mehr anschreiben will!  

Auch wäre mir Ihre Hilfe in einer anderen Angelegenheit sehr willkommen. Und zwar in meinem tagtäglichen Kampf gegen die Verräterinnen im Konzern „matrjoschka- online.de“, die weiblichen Holzpuppen (insbesondere die CIA- Agentin mit dem teuflischen    Besen, einer Waffe, die sogar James Bond nicht zur Verfügung stand).  

In diesem Kampf  könnten Sie den Traum Ihrer Jugend verwirklichen. Und sich abreagieren.  

Ansonsten stehe ich stramm und salutiere!

Iwan Matrjoschkin, Esq., Gefreiter des Zweiten Weltkrieges.

PS. Übrigens wurden  Euer Hochwohlgeboren Ausführungen, denen ich selbstvergessen im Radio „Stimme Russlands“ lauschte, plötzlich unterbrochen, und zwar auf dem eigentlichen Höhepunkt, als Sie die Personen aufzählten, die zuerst an die Wand müssten, setzte der Radiosender  plötzlich aus. Verräter,  wohin man blickt...

I.M., Esq. 7.5.04 

NUR WEITER SO, MEIN FREUND!

Ein offener Brief von Iwan Matrjoschkin, Esq. an  den Präsidenten Putin .

(Mit den Pünktchen ersetzen wir, den Geboten   der  political correctness folgend ,  die Anzüglichkeiten des Briefverfassers, die den trügerischen Anschein erwecken sollten, er wäre mit dem Adressaten seines „offenen Briefes“ freundschaftlich verbunden.

Zur Sache   führt I.M., Esq.,  aus:

Als weltbekannter und anerkannter Unternehmensberater und Wirtschaftsprüfer  begrüße ich die von Ihnen in Angriff genommene Abschaffung der sogenannten льготы für unvermögende Bürger (streng genommen,  Parasiten der Gesellschaft). Es wird  höchste Zeit, jene Bürde des von Ihnen fulminant  geführten neuen Russlands  abzuwerfen, die es  vom volksfeindlichen Sowjetsystem übernahm. Wer  gut leben will, muss folgen, hieß  es damals. Wer leben will, muss Leistung bringen- heißt es jetzt.   Das ist doch das Geheimnis der Wirtschaftserfolge des Westens. Und wenn er vom Grundsatz abweicht, bekommt es ihm nicht. Siehe mein Aufenthaltsland, Deutschland.

Unter dem Sowjetregime hatten es die Parasiten gut! Nicht genug, dass  ärztliche Betreuung  und Bildung, einschließlich Studium, unentgeltlich waren.  Außerdem durften drei von vier  Sowjetmenschen ihre Wohnungen, Nahverkehrsmittel und manches mehr fast  umsonst nutzen.  Der Staat, der alleinige   Unternehmer im Lande, gewährte ihnen eben  die  льготы, das heißt Vergünstigungen oder Rabatte für Mieten und Fahrkarten, Telefon, Strom, Wasser u.s.w. Aber auch das Viertel der Bevölkerung, das keine льготы erhielt,  zahlte lächerlich niedrige  Mieten und Tarife. So belief sich die normale Miete auf 3-5 Prozent des Lohnes und eine Buskarte kostete so wenig, dass es keinen Sinn machte, nach Schwarzfahrern zu fahnden. Wer wollte, der zahlte die paar Kopeken, wer es nicht wollte,  durfte in stolzer Gewissheit, dass keiner ihn nach der Fahrkarte fragt, gratis fahren. Auch die Stromrechnung z. B. bezahlte nur der Ehrliche.

Trotzdem kam der Staat auf seine Kosten. Nur griff er in die Taschen seiner Untertanen auf eine andere Weise als im Kapitalismus. Und zwar indem er  willkürlich die Konsumwarenpreise  festsetzte. Ein kleines Autochen kostete fünfundzwanzig – dreißig Monatslöhne. Und ein einigermaßen anständiger Anzug war unter einem Monatslohn nicht zu haben.

Da es keine Konkurrenz auf dem Markt gab, hatte der Konsument keine Wahl. Er musste blechen, wenn er sein eigenes Vehikel haben wollte. Oder das andere Geschlecht mit seinen Klamotten betören. Aber sonst überlebte er ohne Stress. Wenn er folgte.

Der Staat aber konnte sich  großzügig zeigen, ohne Pleite zu gehen. Auf der Strecke blieb die Arbeitsmoral, denn man brauchte sich nicht  anzustrengen. Scheußlich!

Als  Russland den Weg beschritt, den ihm der Westen vorgegeben hatte, stiegen die Mieten und die Tarife. Der Clou dabei: die Vergünstigungen für die Menschen, die unter den Sowjets als folgsame, das heißt  unterstützungswürdige  Bürger galten (vor allem unter ehemaligen Soldaten, Arbeitern, die sich als tüchtig erwiesen haben, Kriegs- und Arbeitsinvaliden u.s.w., u.s.f.) blieben. Obwohl   den Staat seine Großzügigkeit viel mehr kostete als früher.

So wurde im Kreml die einzig richtige Entscheidung getroffen, die Vergünstigungen abzuschaffen. Das ist keine einfache Sache. Etwa 150 Gesetze sind zu tilgen oder gründlich zu korrigieren. Vielleicht ist auch die Verfassung zu ändern, wo der realitätsfremde Satz steht, Russland sei ein Sozialstaat. Eine Riesenaufgabe für die russischen Gesetzeshüter. Aber sie scheuen keine Anstrengung, wenn es ums Wohl des Volkes geht. 

Das dumme Volk  versteht aber nicht, was   sein  Wohl ist. Es murrt. Deshalb  muss der Kreml  die  Pille versüßen. Insofern, dass die Bezieher der Vergünstigungen, die jetzt durchkreuzt werden sollen,  durch etwas Geld sanft gestellt werden.  Minimum  mit sieben, Maximum  mit 26  Euro pro Monat.

Nüchtern gesehen, eine Verschwendung.   Ich würde es nicht tun. Umso mehr bewundere ich die menschenfreundliche Tat  des Kremls.

Insgesamt sollen die Entschädigungszahlungen  den Staat etwa  fünf Milliarden Euro kosten. Dagegen beläuft sich das  Geld, das durch die Abschaffung der  Vergünstigungen der Staatskasse erspart werden soll,  auf eine  höhere Summe.  Angeblich um etwa  das Vierzigfache höhere. Deswegen besteht die Hoffnung, dass der Staat durch die Reform nicht ärmer wird. Sonst wäre ich sauer.

Und da sagen noch manche Lästermäuler im Westen, Sie, Wladimir Wladimirowitsch,  und Ihre Regierung seien zögerlich, wenn es um  Reformen geht, die Russland dem Abendland näher bringen.  Welch eine Ungerechtigkeit! Ich würde sagen, Sie gehen mit gutem Beispiel all denen im Westen voran, die mit dem sogenannten Sozialstaat auch nicht  glücklich sind.

Sollen sich die westlichen Staatsmänner  bei Ihnen eine Scheibe abschneiden. Und endlich aufhören, die Nichtstuer zu ernähren. Mit der Stütze und anders.

Es gibt  allerdings  Menschen im goldenen Westen, die weit unter der Leistung bezahlt werden. Nicht viele. Ich kenne nur einen. Mich selbst! Aber das ist eine andere Geschichte.

Bewundernd,

Ihr Iwan Matrjoschkin, Esq., täglich (zwischen 14.00 - 4.00) in der Kneipe „Sonnenschein“, Berlin, Prenzlauer Berg, erreichbar.

Geschrieben am 30.7.04. am Stammtisch.

PS. Übrigens wurde an unserem Stammtisch beschlossen, eine deutsch-russische Partei der sozialen Gerechtigkeit zu gründen. Zum Kassenwart wurde der Kneiper   gewählt. Ich votierte dagegen. Der Blutsauger, der sein Bier mit Leitungswasser verdünnt,  hat die Stimmen der Stammtischbrüder mit einer  Runde seines Gesöffs  gewonnen. Jetzt  möchte er  Spenden von  der Industrie. Auch aus  schwarzen Kassen, sagt er. Herr Thierse soll ihn sich vorknöpfen.  Ich stehe dabei zur Verfügung.

DIE GELBE GEFAHR ...

...diagnostiziert für Russland  das Forschungszentrum „Iwan Matrjoschkin, Esq.“ des Konzerns www.matrjoschka-online.de. Die Analyse, die zu diesem Ergebnis führte, gab Iwan Matrjoschkin in seinem  viel beachteten Vortrag am Stammtisch der Kneipe „Sonnenschein“, Berlin, Prenzelberg bekannt. Hier die Thesen:

1.Die Wirtschaftsmacht China entfaltet sich mit einer Wucht und Nachhaltigkeit, die Russland immer weiter abfallen lassen. Vergleichsweise ist Russland mit seinem jährlichen Produktionszuwachs von sieben Prozent eine Schnecke, China dagegen ein Igel.

Vor 20 Jahren entfiel auf China gerade mal ein Prozent der Weltproduktion. Heute erreicht sein Anteil bereits  sechsmal mehr. Nicht berauschend? Aber das Tempo, das Tempo! Bereits 2005 soll China, das jetzt etwa so viel produziert wie Italien, mehr als Frankreich auf den Markt werfen.

In den chinesischen Banken sind 316 Milliarden Dollar akkumuliert. Nur Japan hat größere Dollarreserven. Das sind keine Erdöldollar wie die russischen. Das sind Dollar von  stark diversifizierter Ausfuhr. Auch von mittleren und Kleinunternehmen verdient (zu 50 Prozent). Deshalb hängt China viel  weniger  von der Weltkonjunktur ab als Russland.

2. China bietet in der Ökonomie den USA  Paroli.  Russland  träumt davon, Portugal einzuholen. In zehn Jahren. Bestenfalls. China holt in fünfzehn Jahren die USA ein.

Das sage ich Ihnen voraus, obwohl die weiblichen Holzpuppen mich als Kassandra verleumden.

(Starke Unmutsäußerungen am Stammtisch. Iwan Matrjoschkin  bedankt sich für die Solidarität, mahnt aber zur Ruhe).

3. China erobert Russland von innen heraus. Am Horizont zeichnet sich die Gefahr der Einnahme des russischen Fernen Ostens und Ostsibiriens durch die Einwanderung der fleißigen und disziplinierten gelben Ameisen ab. 1997 gab es in Russland nur 22 Tausend Chinesen. 2002 bereits drei Millionen zweihundertzwanzig Tausend. Die Chinesen sind schon die vierstärkste Bevölkerungsgruppe in Russland (nach den Russen, Tataren und Ukrainern).  Geht es so weiter, werden sie zur Mitte des Jahrhunderts in Russland  zahlreicher als die Russen. Das einst rote Russland wird gelb.

Einmal eingereist, wollen die Chinesen nicht zurück. Sie können in Russland leichter satt werden. Weil sie das essen, was die Russen nie in den Mund nehmen. Zum Beispiel, Frösche.

(Ein Zuhörer: „Frösche werden von den Franzmännern gegessen!“. Matrjoschkin, Esq. : „Dann essen sie Kröten. Die sind in Russland auch umsonst zu haben“.)           

4. Zwar ist Russland militärisch stärker als China, das hat aber keinen Wert.  In einem militärischen Konflikt verliert  Russland   am ersten Tag, weil sich eine Milliarde Chinesen  der russischen Streitmacht ergeben. Wer soll sie bewachen?

5.Nach Russland kommt die EU an der Reihe. In Brüssel wird ein chinesisches Team  schalten und walten!. Wollt ihr,  Fritze, das?

(Unruhe am Stammtisch. Auf verschiedene Weise geben die Stammtischbrüder kund, sie möchten keine Chinesen in Brüssel). 

6.Der Kneipier von Sonnenschein wird an diesem Tag mit Bambusstöckchenschlägen an nackten Fersen behandelt.

(Zustimmung am Stammtisch).

Ja, das ist nicht schlimm. Schlimm aber, dass wir dann nur chinesisches Bier serviert bekommen.

(Allgemeines Entsetzen am Stammtisch).

7. Wo bietet sich der Ausweg?  Das frage ich, Iwan Matrjoschkin, Esq.

Wie geschossen kommt die Antwort: „Wir wollen unseren Kaiser Willem wieder hab’n!“. Am Stammtisch wird „Deutschland, Deutschland über Alles, über Alles in der Welt“  gesungen...

26.5.04.    

IWAN MATRJOSCHKIN, ESQ., MAHNT  PROFESSOR HARTZ

Lieber Prof.,

ich wende mich an Sie  als ein Mann der Wissenschaft an einen Mann der Wissenschaft.

Die Idee, an Sie zu schreiben,  kam mir, als ich gestern Abend an meinem Stammtisch in der Gaststätte „Sonnenschein“, Berlin, Prenzlauer Berg, saß und Punkt für Punkt meinen Kumpeln            den von Ihnen entworfenen Fragenkatalog vorlas und sogleich die Antworten hineinschrieb. Zwar ist es hier in Deutschland nicht üblich, die Vermögensverhältnisse zu offenbaren, es sei denn einer dafür autorisierten Behörde, aber ich bin bei uns an anderes gewöhnt gewesen.  In der ehemaligen Sowjetunion durfte jeder von jedem erfahren, wie derjenige lebt, was er verdient, mit wem er pennt. Verweigerte der andere  die Auskunft,  wurde er  in einer Partei -oder, wenn kein Parteimitglied, in einer Gewerkschaftsversammlung (denn in einer Gewerkschaft  waren wir alle) mit sanftem, aber unüberwindlichen Druck dazu animiert. So legten wir alles offen wie ein frommer Katholik bei der Beichte, mit dem Unterschied allerdings, dass unsere Beichte öffentlich stattfand und umfassender war.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Also beantwortete ich alle von Ihnen klug und lückenlos zusammengestellten Fragen. Ich  tat es umso bereitwilliger, weil  ich immer mit „Nein“ antworten konnte, ohne dabei auch im geringsten lügen zu müssen. Denn wir, Männer der Wissenschaft wie Sie und ich haben es tatsächlich nicht aufs Geld oder andere Güter, nach denen im Fragekatalog gefragt wird, abgesehen, sondern auf Erkenntnisse. Und die bringen nichts. Nicht war, Herr Kollege Hartz?

Jedenfalls werde ich von den  weiblichen Holzpuppen, die mit ihrer Übermacht  im Konzern „matrjoschka-online.de“ bestimmen, wo es lang geht,  finanziell  an einer sehr kurzen Leine gehalten.  Ein Kumpel verriet mir, dass auch Sie,  lieber  Hartz, für die Knochenarbeit mit dem Fragenkatalog  keine müde  Kopeke von BK Schröder erhalten hätten, da er meinte, wer in die Tasche der Armen langt, muss es wenigstens gratis tun, sonst schaffe es noch mehr böses Blut.

Aber ich bin wiederum vom meinem  Thema abgewichen. Denn ich will eigentlich  Sie und Ihre Auftraggeber auf eine Gefahr aufmerksam machen, die ein Staat eingeht, der zu viel Wissen   über seine Untertanen anstrebt. Als ehemaliger Sowjetbürger fühle ich mich zu Ihrer Aufklärung darüber berufen.

Vorher habe ich kurz erwähnt, dass in der  Sowjetzeit jeder über jeden alles erfahren wollte. Aber im Vergleich zur Neugier  des Staates war es eher ein harmloses Hobby. Obwohl staatlich gefördert.

Die Neugier des Sowjetstaates erwachte, als er noch in der Wiege lag. Gleich nach der Großen Revolution wollte  er nichts dringender als erfahren, was dieser oder jener Untertan, seine Eltern, Großeltern u.s.w. vor 1917  getrieben hatten. Es wurde ein umfangreicher diesbezüglicher Fragenkatalog  erarbeitet (weniger umfangreich als der Ihrige, lieber Kollege). Dieser wurde jedem vorgelegt, der das Wahlrecht beanspruchte, einen Arbeits- oder Studienplatz begehrte oder einfach in einer Großstadt und nicht auf dem Lande leben wollte. Hat der Frechling zugegeben, dass er oder seine Erzeuger vor der Revolution einer unliebsamen sozialen Schicht angehört hatten, konnte er sich sein Vorhaben an den Hut stecken.

Diesen Effekt bewirkte bereits die Zugehörigkeit zur Zunft der Pfaffen. Auch wenn es um einen versoffenen Dorfpopen ging, der sich und seine Popin mit  Spenden  der Bauern ernährte.

Es gab aber auch einen Nebeneffekt, der Sie, lieber Hartz, als Soziologe besonders interessieren  muss. Wie wir beide wissen, war Russland vor der Revolution ein Bauernland. Wenn man aber die Fragebögen auswertete, könnte man daran sehr zweifeln. Weil die überaus meisten Antworten auf die Frage nach der sozialen Herkunft lauteten: Prolet. Lohnarbeiter.

Also, die Russen logen. Die Überprüfung war aber kaum möglich. So viel Bürokraten hatte das Land nicht. Und unter den Vorhandenen dominierten gerade jene, die sich selbst zurechtfrisieren mussten.

Das ärgerte die neuen Machthaber sehr. Sie sahen sich in der Annahme bestätigt,  ihren Untertanen dürfe man nicht über den Weg trauen.

Ihrerseits ärgerten sich auch  die Untertanen, da sie  zusätzlich zu den vielen anderen Schikanen gezwungen wurden, zu lügen. Der Abgrund zwischen  Macht und Volk wurde größer.    

Das war eine der Ursachen des großen Terrors der dreißiger Jahre. Danach richtete sich die Neugier der Staatsmacht weniger auf die soziale Herkunft des Untertanen,  sondern mehr darauf, ob er selbst oder seine Eltern, Geschwister, Tanten und Onkel mal eingelocht worden waren. Entsprechend wurde der neue Fragenkatalog erarbeitet. Noch umfangreicher als der frühere (aber wiederum weniger umfangreich als Ihr musterhaftes Werk, Herr Kollege Hartz).

Da aber derjenige, der zugab, mal einen Verwandten unter den Verfemten gehabt zu haben,  mit sehr unangenehmen Konsequenzen rechnen musste, wiederholte sich die Geschichte. Sehr zum Verdruss der „Organe“ der Staatsmacht. Denn sie wussten,  wie viel „Volksfeinde“  sie vernichtet, bzw. hinter Gitter gebracht haben.  Sagen wir, zehn Millionen. Aber die Zusammenfassung der Antworten ergab eine viel, viel kleinere Zahl. Das warf ein ungünstiges Licht auf die glorreiche Tätigkeit der „Organe“. Gab den Grund, sie der Unehrlichkeit  zu verdächtigen.

Erst recht aber die Untertanen, die endgültig das Vertrauen der Staatsmacht einbüssten.

Eine neue Runde in dem ergötzlichen Spiel zwischen Macht und Volk wurde nach dem großen Krieg 1941- 1945 eingeleitet. Der neue Fragenkatalog war noch dicker (der Ihre ist  trotzdem dicker, Hartz).

Denn er wurde durch die Frage bereichert, ob sich  der Ausfüllende oder seine Verwandten auf dem während des Krieges von den Deutschen besetzten sowjetischen Territorium befanden. Die Bejahung  führte zu Konsequenzen (siehe oben). Aber die Antworten fielen so aus, als hätten die deutschen Streitkräfte nicht die Hälfte des europäischen Russlands, sondern nur ein paar Krähwinkel besetzt.

Hinter dem Wissensdurst der  Staatsmacht stand der legitime Wunsch,  ihre, von vornherein der Illoyalität verdächtigten Untertanen an den Rand der Gesellschaft abzudrängen. Ihnen keine oder wenig Chancen zu geben, beruflich und erst recht politisch nach oben zu kommen.     

Aber die Mühe wurde nicht vom verdienten Erfolg gekrönt. Ganz im Gegenteil. Millionen Sowjetbürger,  zu falschen Angaben gezwungen, lebten in der Angst, irgendwann  der Urkundenfälschung  überführt zu werden. Nur das Verschwinden des wissbegierigen Staates konnte sie vom Alptraum befreien. Deshalb  wünschten sie ihm sehnlichst den Untergang.

So machte sich  der zweitstärkste Staat der Welt  bei den   eigenen Untertanen sehr unbeliebt. Deshalb wurde  er zum Golem, zum Riesen auf tönernen Füssen.

Als er zusammenbrach, weinte ihm keiner nach. Oder nur wenige.

Zu seinen Totengräbern gehörten übrigens seine Führer. Gorbatschow, Jelzin und viele, viele andere. Drolligerweise hatten sie alle eine Leiche im Schrank. Einen oder mehrere Verwandte, den oder  die sie angeben mussten aber verschwiegen. Der Untergang des Staates, der zu viel über seine Untertanen wissen wollte, erlöste sie vom Alptraum, mal mit unaufrichtigen Angaben  konfrontiert zu werden.

Was lehrt uns diese Story, Herr Kollege? Sie lehrt uns, dass man seine Untertanen nicht zu viel fragen soll. Je weniger, desto besser. Also, Hartz, давай,  давай,  bevor es zu spät ist. Los! Los! Kürze deinen Fragenkatalog!!

Mit kollegialem Gruß, Iwan Matrrjoschkin, Esq.

5.8.04

Unser Chefanalytiker, Iwan Matrjoschkin, Esq., geruhte sich zu den jüngsten Abstimmungsergebnissen im Deutschen Bundesrat zu äußern.   Er schreibt :

Die Abstimmungsergebnisse waren zu erwarten. Sie wurden von einem Kompromiss zwischen Regierungskoalition und Opposition vorbereitet. Das Reformprogramm der Bundesregierung kann jetzt noch in einem Punkt realisiert werden. So weit, so gut. Unser matrjoschka -team  gratuliert.

Etwas bedenklich kommt uns  aber die Spaltung des Bundesrates. Bekanntlich haben die alten Bundesländer den Vorschlag der Regierung unterstützt, die neuen  abgelehnt.  Diese und jene traten  geschlossen auf. Ungeachtet dessen, welche Partei  in diesem oder jenem Landtag die Mehrheit  stellt und damit dieses Bundesland  auch im Bundesrat vertritt. Die Scheidelinie verlief  somit nicht nach politischen, sondern eher nach geographischen Kriterien. Hier die alten Bundesländer, dort die neuen.

Da sehr bescheiden, masse ich mir  nicht an, sich ein Urteil darüber abzugeben,  welche Seite in diesem Streit recht hatte. Sowohl die Befürworter  der Reform, als auch ihre Kritiker führten   Argumente an, die    etwas für sich haben. Die Abstimmung im Bundesrat lässt dennoch eine Schlussfolgerung zu, die über den Anlass    hinaus geht. Es betrifft das deutsche Föderalismusmodell. Obwohl es sich in den Nachkriegsdezennien gut bewährt hat, erweist es sich nach der Wiedervereinigung Deutschlands  nicht immer als problemlos. Besonders bei der Überwindung der Folgen der gewesenen deutschen Zweistaatlichkeit.

Der Grund dafür liegt auf der Hand. Trotz aller gut gemeinten Bemühungen  der Bundesregierung, der Wirtschaft im Osten aus der Talsohle zu helfen, hängen die neuen Bundesländer am Tropf. Um den Kollaps ihrer sozialen Systeme  zu vermeiden, brauchen  sie  Zuschüsse. Deren überwiegender Anteil  muss aber von den viel reicheren alten Bundesländern gewährt werden. Es liegt in der Natur der Sache, dass diese, trotz der  üblichen Solidaritätsrhetorik, versuchen,  ihre Hilfeleistung so niedrig wie möglich zu halten. Insbesondere in  Zeiten wirtschaftlicher Flaute und leerer Kassen.

Die deutschen Probleme sind in vielem  ganz anders als die russischen.  Aber auch Russland kennt den elementaren Egoismus seiner reicheren Regionen und ihren Unwillen, den ärmeren unter die Arme zu greifen. Das war ein wesentlicher Grund, warum Russland nach dem Zerfall der Sowjetunion  vor der Gefahr stand, auch zu zerfallen. Erst nach dem letzten Machtwechsel im Kreml wurde diese Gefahr weitgehend behoben. Jetzt müssen alle Regionen sich in die Gesamtpolitik Russlands einbinden lassen. Der Willkür und dem Egoismus  wurde ein Riegel vorgeschoben.

Man hätte darüber an dieser Stelle nicht zu sprechen brauchen, wenn sich einige, selbsternannte Ratgeber Russlands in Deutschland etwas bescheidener mit ihren Empfehlungen aufführten.  Aber das deutsche Föderalismusmodell wurde  Russland so aufdringlich auf die Nase gebunden, als wisse man in dieser oder jener deutschen Institution besser, was Russland in dieser und nicht nur in dieser Hinsicht braucht. In manchen Äußerungen wurde die Übernahme des deutschen Modells  zum non plus ultra   der Partnerschaft mit Russland erhoben.

Dieses Herangehen an den sonst begrüßenswerten Erfahrungsaustausch zwischen Deutschland und Russland ist falsch. Auch ein gutes Modell  funktioniert nicht unter allen Umständen. Nicht einmal in dem Land, wo es entworfen wurde, geschweige denn in einem fremden Land. Es darf deshalb nicht aufgedrängt werden. Allheilmittel, die sich jeder Zeit und überall bewähren,  gibt es in der Politik genauso wenig wie in der Medizin.

Aber zurück zur Abstimmung im Bundesrat.  In einer Erklärung sagte Bundeskanzler Schröder, jetzt komme es darauf an, dass der Streit zwischen den neuen und den alten Bundesländern nicht weiter ausgetragen wird. Da  die Würfel gefallen sind, sollen die zerstrittenen Parteien  an einem Strang ziehen.

In Russland würde man natürlich begrüßen, wenn die so schwer wiedererrungene staatliche Einheit Deutschlands nicht beeinträchtigt wird. Das würde den strategischen Partner nur stärken. Und ein starkes Deutschland wird in Russland genauso erwünscht, wie hoffentlich ein starkes Russland in Deutschland.              

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