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RUssEN UnTER SiCH


Einige Beiträge aus dem Matrjoschka-Archiv.

1. Zum aktuellen Geschehen in Russland.

2.Zur russischen Befindlichkeit

3. Zu Armut und Reichtum in Russland

4.Worüber sich die Moskauer aufregen 

 

1. Aktuelles Geschehen in Russland 

Die unerwünschte russische Geheimwaffe.

  Eine biologische Bombe  

So nannte ein russischer Bürgerrechtler in einem Runet-Beitrag (Vremja.ru) die russischen Gefängnisse. Der vom russischen Präsidenten initiierte Kampf gegen die Kriminalität hätte zur  Überfüllung der vergitterten Häuser geführt. Jährlich werden diese von Millionen Menschen frequentiert. Die Durchschnittszahl der ständigen Insassen nähert sich einer Million. Der Staat hat kein Geld, die vielen Knackis zu ernähren und   ärztlich zu behandeln. Geschwächt, erkranken sie massenweise an TBC und Aids. 

Wenn die Unglücklichen ins zivile Leben  zurückkehren,   stecken sie die Mitmenschen an. Daraus erklärt sich das rapide Ansteigen der Seuchen. 

Die biologische Bombe tickt. 

Eine soziale Bombe   

Eine andere Runet-Zeitung (gazeta.ru) schlägt Alarm wegen der verwahrlosten Kinder. Ihre Zahl   erreicht vier Millionen. Noch einmal so viel haben zwar ein Obdach, leben  aber auch  wie  streunende Hunde. Nach dem Sieg der Sowjetmacht im Bürgerkrieg 1918-1922 und nach dem Sieg der Sowjetunion im großen Krieg gegen Deutschland 1941-1945 gab es zwar auch viele „bessprisorniki“, aber doch nicht so viele wie jetzt, nach dem Sieg der Freiheit und Demokratie in Russland. 

Was unserer Freude über den Fortschritt selbstverständlich keinen Abbruch tut.

STAATSSTREICH?

Da die russischen Geheimdienste  keinerlei     parlamentarischen Kontrolle unterstehen, lässt sich ein Staatsstreich in Russland nie ausschließen. Das erklärte der Stellvertretende Vorsitzende des Duma-Sicherheitskomitees, Sergei Juschenkow. Die fehlende Kontrolle ermöglicht eine faktische Gefangenennahme des Präsidenten, jedenfalls seine Erpressung seitens der Geheimdienste. Insbesondere des für seine Sicherheit zuständigen. Der Dienst wächst. Bereits jetzt wird der Straßenverkehr in Moskaus Mitte für mindestens eine halbe Stunde lahmgelegt, wenn der Präsident mit Begleitung unterwegs ist. So mutiert der Geheimdienst, der die Sicherheit des Präsidenten und anderer Staatsmänner gewährleisten soll, zum Staat im Staate. Der Duma gelingt nicht, den Geheimdienstchef anzuhören, da er, kein Regierungsmitglied, dem Parlament nicht rechenschaftspflichtig ist.

22.3.01 Lenta.ru  

PUTINS SÄUBERUNG

Das Runet ist voll von Reaktionen auf die Neubesetzung der Ministerposten im Kreml. Das Fazit: Wladimir Putin hat jetzt Minister, die ihm verpflichtet sind und seinen starken Staat vorbehaltlos unterstützen.

Im Kreml wird die Neubesetzung als Entmilitarisierung der Regierung definiert. Nach außen sieht es tatsächlich danach aus. Verteidigungsminister und Innenminister waren ein Marschall und ein Generaloberst und noch ein Generaloberst – Chef der Steuerbehörde. Jetzt sind es Zivilisten. Der Sinn aber liegt in etwas anderem. Die Neuen – Sergej Iwanow im VM, Boris Gryslow im IM, Michail Fradkow im Sicherheitsdienst - sollen den aus der Jelzin-Ära geerbten Riesenapparaten eine Schlankheitskur verschreiben, damit diese effizienter und billiger werden. Alle drei haben eins gemeinsam: die absolute Loyalität. Alle drei verdanken Putin ihre Karriere. Der zweite Mann im Staat, Sergej Iwanow, der Chef der Präsidentenpartei "Jedinstwo", Boris Gryslow, und auch Michail Fradkow, den Putin lange Zeit in Reserve hielt.

Bei dem Coup stützte sich Putin auf seine phänomenale Popularität in der Bevölkerung, die ihm den Rücken gegen die Bürokraten stärkte. Zur Zeit billigen 75 Prozent seine Tätigkeit, 40 Prozent sind schon jetzt dafür, dass er lange Zeit im Kreml bleibt, auch nach Ablauf der gegenwärtigen Legislaturperiode. Runetbeobachter erwarten weitere Säuberungen, vor allem den Rücktritt von Premierminister Kassjanow, dessen Posten der deutschstämmige Wirtschaftsminister Gref erhalten soll. Kassjanow wird vorgeworfen, den Zahlungsaufschub der russischen Schulden im Westen nicht durchgesetzt und gleichzeitig dem Westen den Vorwand gegeben zu haben, an der Zahlungswilligkeit Russlands zu zweifeln. Außerdem wird ihm die Verschlechterung der Wirtschaftskonjunktur angelastet: die Halbierung des erwarteten BSP auf vier Prozent, eine hohe Inflation und die rasante Kapitalflucht aus dem Land.

Gref dagegen stieg im Ansehen des Präsidenten, weil er seinen Weitblick unter Beweis stellte. Jede Regierungssitzung beginnt jetzt mit einem Vortrag von Gref.

Ausserdem ist Gref über jeden Korruptionsvorwurf erhaben. Nicht jeder Minister kann das für sich in Anspruch nehmen. So Boris Jatzkewitsch nicht, der über die Ausbeutung von Naturvorkommen wachen soll. Ihm wird vorgeworfen, er hätte eine große Erdölquelle für sieben Millionen USD an einen Freund verkauft, obwohl andere Bieter das Zwanzigfache geben wollten. Auch das Schicksal des Chefs der Steuerbehörde Bukajew gilt als besiegelt, da er angeblich Steuerhinterzieher beschützte.

In der Duma wird die Säuberung in der Regierung begrüßt. Die meistverbreitete Meinung lautet: endlich!

29.03.01

GRUND UND BODEN: EIN TABU FÄLLT

Am 27.1.01 erwachte Russland ein wenig verwandelt. Am Vortag nahm die Duma ein Gesetz über das Privateigentum von Grund und Boden an.

Die Einstellung der russischen Bauern zu dieser Art des Privateigentums wurzelt in der Jahrtausende alten Ethik, Grund und Boden seien wie Luft und Wasser. Sie gehörten allen und niemandem.

Die Verletzung des Grundsatzes durch den im Mittelalter entstandenen Großgrundbesitz oder liberale Reformen der späteren Zarenzeit empfand der russische Bauer als Sakrileg.

Bis zur Revolution hielt er an der Dorfgemeinschaft, der "obschtschina", fest. Die Obschtschina hatte Grund und Boden im Kollektivbesitz. Die Felder wurden regelmäßig umverteilt, je nachdem, wie viel "Münder" ein Bauernhof hatte. Handeln mit Grund und Boden durfte die Obschtschina nicht.

Die Sowjetmacht knüpfte bei der Kooperation von Bauernwirtschaften daran an. Sie war mit der feierlichen Vergabe des nun verstaatlichten Grund und Boden an staatlich gelenkte Kooperativen verbunden. Auch eine Art Obschtschina, vom Staat instrumentalisiert.

Die Geschichte bleibt relevant. Die Duma tat sich mit dem neuen Gesetz schwer. Es wurde erst in vierter Lesung angenommen. Seine Gestaltung entspricht nicht dem Verlangen der radikalen Reformer nach totaler Vermarktung von Grund und Boden. Die landwirtschaftlich genutzten Großflächen sind vorläufig aus dem Verkehr genommen.

Trotzdem kommt auch dieses Gesetz manchen lange vorgetragenen Wünschen entgegen. Darunter denen des Bankkapitals. Es drängte schon lange darauf, Grund und Boden handelbar und somit auch beleihbar zu machen. Die Bauernwirtschaften sollten ihre Felder und Wiesen als Sicherheit anbieten dürfen. Und die Banken diese behalten, wenn die Schulden nicht bezahlt werden können.

Auch die Industrieinvestoren wollten das Gesetz. Früher durften sie eine Fabrik kaufen, aber der Boden, der zu den Werkhallen gehörte, blieb ihnen verwehrt. So fehlte ihnen die Sicherheit. Oder sie taten so als ob.

Allerdings wird erwartet, dass die Ausführungsbestimmungen den Verkauf von Grund und Boden an Ausländer verbieten.

Der vor einem Jahr sanft gestürzte Zar Boris Jelzin machte mehrere Anläufe, ein Gesetz über die Grund- und- Boden-Privatisierung durchzusetzen, um seine westlichen Gönner auch hierin zufrieden zu stellen. Im letzten Augenblick kuschte er aber. Verständlicherweise, da sein Ansehen im Lande ohnehin stark lädiert war.

Sein Nachfolger Putin kann sich das Gesetz leisten. Er ist beliebt. Seine harte Hand.

Trotzdem wirbelt das neue Gesetz viel Staub auf. Bezeichnenderweise verweigerte ihm die Dumafraktion der Agrarier die Unterstützung. Die Abgeordneten verließen die Duma. Für die Zeit der Abstimmung.

Putin wird es überleben.

27.1.01

2.Russische Befindlichkeit

PRISTAWKIN ÜBER KRIMINALITÄT

Im Russischen Haus in Berlin stellte sich  Anatoli Pristawkin, ein in den Perestroikajahren viel (insbesondere in der DDR) gelesener Schriftsteller, den Fragen des Publikums. Vor kurzem machte er in Russland Schlagzeilen, da er seine Stimme gegen Auflösung des von ihm geleiteten Begnadigungsausschusses erhob. Jetzt sollen die russischen Gouverneure, denen selten ein mitleidendes Herz bescheinigt wird, die todgeweihten  Verbrecher begnadigen. Pristawkin  aber erhielt als Trost das Ehrenamt des Präsidentenberaters. 

Er schockte das Publikum mit aussagekräftigen Daten. In Russland sitzen zehnmal mehr Menschen ein als im übrigen Europa insgesamt (umgerechnet pro Kopf der Bevölkerung ). Bis zu zwanzig Prozent der Russen hat mindestens einmal aus dem Blechnapf gefressen. 

Die Ursachen der hohen Kriminalität?  Die traditionelle Grausamkeit der Staatsmacht, die den Menschen verbiesterte. Auch die Verwahrlosung der Kinder (Dazu im Archiv die Seite "Matrjoschka liest"). Diese wächst. Zur Zeit leben in Russland drei bis fünf Millionen auf der  Straße. Ein Mehrfaches von der Menge unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. In dem Milieu breiten sich  Drogenkonsum und Alkoholmissbrauch aus.

Anatoli Pristawkin kämpfte verzweifelt für die Abschaffung der Todesstrafe in Russland. Zwar gelang es ihm nicht, den Widerstand der Staatsmacht zu brechen, trotzdem wurde seit 1996 kein Todesurteil mehr vollstreckt. Bravo dem Dichter, der nicht nur träumt! Die Holzpuppen verneigen sich tief vor ihm.

 

WIE EIN SATIRIKER RUSSLAND SIEHT

Er heißt Wladimir Woinowitsch, lebt in München und Moskau. In seinem neuen Buch vergleicht er die  ehemaligen  Sowjetmenschen   mit Tieren im Zoo. Gorbi  hat  die Käfige im Zoo geöffnet, alle sind in die Freiheit gekommen, freuten sich und und tollten rum. Besonders die Raubtiere. Die Grasfresser haben  aber  schnell gemerkt, dass sie jetzt  mehr bedroht sind, da früher   die Gitter immerhin einen gewissen Schutz vor den Fleischfressern boten, die jetzt ungezügelten Appetit entwickelten und das nachholen wollten, was ihnen früher entging. Deswegen wollen manche Grasfresser zurück in die Käfige, aber die gibt es nicht mehr.  

 Anm.: Über Putins Beitrag zum Schutz der Grasfresser lesen Sie, wenn Sie oben (in der horizontalen Reihe) die mittlere matrjoschka anklicken.      

DER GLÄSERNE RUSSE 

In Moskau ist eine neue Zeitung im Handel. Ihr Name „Hinter Glas“ wurde einer Fernsehsendung entliehen, die dem deutschen „big brother“ ähnlich ist und in Russland  Furore machte. Sie geht in der Freude am Schlüssellochgucken noch ein Stück  weiter (auch die intimsten Bettvorgänge werden preisgegeben). Der Bombenerfolg der Sendereihe animierte die Zeitungsverleger. In der ersten Ausgabe sind aber Berichte zu lesen, die nicht nur Voyeuren  etwas bieten. So der Beitrag „Wir sind alle hinter Glas“. Demnach werden 11 Prozent aller Bürger Russlands ständig von Geheimdiensten beobachtet. 32 Prozent verweilen täglich nicht weniger als zwei Stunden unfreiwillig „hinter Glas“.  Die Geräte lassen sich in viele unauffällige Gegenstände einbauen, z.B. in Zahnbürsten. Wenn ein beobachtungswürdiger Russe eine neue Wohnung bezieht, muss er damit rechnen, dass mindestens zwei versteckte Kameras zur Ausstattung gehören. Wenn er im  alten Domizil lebt,  besorgen Klempner oder Designer in Zivil die Dienstleistung. Auch die Durchsuchung von Wohnungen in Abwesenheit der Hausherren steht auf der Tagesordnung. 

„Meine Wohnung ist voll von derlei Gerätschaften“, klagt der berühmt berüchtigte Chef der „Liberaldemokratischen“ Partei Russlands ( NPD-Freund) Wladimir Shirinowski, „Kaum hab’ ich welche rausgerissen, sind schon neue da. Man lebt eben  hinter Glas“. 

Anm. Der Geheimdienstexperte des matjoschka- teams, Iwan Matrjoschkin, Esq., äußerte dazu: „In der Sowjetzeit lebten ca. 100  Prozent hinter Glas. Jetzt weniger als ein Drittel. Wenn das kein Fortschritt der Freiheit bedeutet, lege ich mein, von höchster Stelle verliehenen Titel „Esquire“ nieder. Außerdem: Wenn man nichts zu verbergen hat, nimmt man das Leben hinter Glas gelassen.“

12.12.01

BLAGOWESCHTSCHENSK.

Die Stadt liegt am Amur im Fernen Osten Russlands, ganz dicht an der chinesischen Grenze.

Der für das deutsche Auge etwas schwierige Name der Stadt heißt übersetzt die Stadt der frohen Kunde. Er wird auf die Vorkommnisse im 17. Jahrhundert zurückgeführt, als die russischen Kosaken zu dem Amur vorrückten und das Land, früher unter chinesischer Kontrolle, dem russischen Reich einverleibten.

Jetzt schlagen die Chinesen zurück. Auf ihre chinesische Art und Weise. Indem sie die dünnbesiedelte Region infiltrieren.

Sie kommen legal, zumeist aber illegal als Händler, Schmuggler, Handwerker und sogar Heiratswilligen. Sie nutzen die Käuflichkeiten der Behörden, das Elend der Bevölkerung und die Sehnsucht der Mädchen, unter die Haube zu kommen. Notfalls auch unter eine chinesische.

Der Handel (und der Schmuggel) über die Grenze hilft den 250 000 Einwohnern, über die Runden zu kommen.

Ansonsten fällt die Stadt durch nichts auf. Zwar votierten seine Wähler mehrheitlich für kommunistische Bewerber um die Pöstchen in der Verwaltung, aber im postkommunistischen Russland ist das keine große Ausnahme.

Vor wenigen Tagen nun geriet die Stadt in die Schlagzeilen. Und zwar dadurch, dass hier die örtliche Abteilung der neonazistischen Partei "Die russische nationale Einheit" alle anderen politischen Gruppen zurückschlug. Obwohl- oder vielleicht auch deswegen- die Equipe sich ganz einschlägig gibt. In Uniform mit kaum abgewandelten Hakenkreuzen, Hitlergruss und entsprechender Phraseologie.

Am 9.Mai, dem Tag, an dem in Russland der Sieg über Hitler gefeiert wird, legte eine Abordnung am Denkmal für die gefallenen Rotarmisten einen Kranz mit Hakenkreuz nieder. Über eine solche Revanche lacht der Führer in der Hölle!

Allerdings hätte er den Slogan der braven Burschen "Russland den Russen!" wohl nicht akzeptiert.

Die Erfolge der Nazinachahmer in Blagoweschtschens werden zum Teil darauf zurückgeführt, dass der reichste Unternehmer der Stadt Migulja sie großzügig fördert. Sinnfälligerweise ist Migulja Besitzer der größten Bierbrauerei der Region.

Die Wiedererstehung der Hitlerei ausgerechnet in Blagoweschtschensk. In der Stadt, deren Name der Führer sicher nicht aussprechen konnte. Und die etwa 15.000 Werst von der ehemaligen "Hauptstadt der Bewegung" liegt.

Da wundert sich die Holzpuppe. Und weiß nicht, ob sie lachen oder weinen soll.

8.11.00

DIE MENSCHENRECHTE IN RUSSLAND: WER BEDROHT SIE?

Putins Regime. Meint Sergej Kowaljew, ein Menschenrechtsaktivist, der nicht allein in Russland wegen zu viel Eifer schief angesehen ist. Ein von ihm geleiteter Verein versammelte sich in Moskau, um die Menschenrechtssituation in Russland zu erörtern. Nach Kowaljows Meinung ist sie sehr prekär. Die sich etablierende Macht sei mit den demokratischen und liberalen Werten genuin unvereinbar. Ihr Bild von Law und Order hätten Putin und seine Equipe von der Lubjanka (ein Platz in Moskau, wo der Gebäudekomplex der politischen Polizei steht) in den Kreml mitgenommen. Ihre Vision sei der Polizeistaat, wo die Legislative keine Bedeutung hat und das Individuum der Obrigkeit ausgeliefert ist, fasste Kowaljow in seinem Vortrag zusammen.

Nach seiner Meinung bestehe das Schlimmste darin, dass die meisten Russen, vom Gerede über die Freiheit enttäuscht, der starken Hand keinen Widerstand leisten. Vielmehr geben sie sich ihr masochistisch hin und drängen Putin, weiter zu machen. Die Opposition sei zusammengeschrumpft und zerstritten.

Diskussionsteilnehmer warfen dem Westen vor, der Demokratie in Russland nur verbale Anerkennung gezollt zu haben. Dagegen genossen Staatsmänner wie Jelzin und Putin, die höchstens eine demokratische Fassade wollten, politisch und finanziell Unterstützung. Jetzt sei der Schlamassel da: Das heutige Russland lasse sich mit Deutschland anno 1932 durchaus vergleichen. Wurde das Ergebnis der vielgepriesenen Transformation des Sowjetsystems etwa absichtlich herbeigeführt?

Polit.ru. 21.1.01 

MENSCHEN OHNE VORURTEILE (ZU DEN NEUESTEN MEINUNGSUMFRAGEN IN RUSSLAND)

Siebzig Jahre lang (1918 bis etwa 1988) war die Geheimpolizei in Russland (bzw. in der SU) für jede öffentliche Kritik tabu. Was sie auch anstellte, in der Presse wurde sie, wenn überhaupt, nur lobend erwähnt. Erst Perestroika und Glasnost änderten das. Iwan-Normalverbraucher wurde schwarz auf weiss, bzw. auf dem Bildschirm eine erschreckende Geschichte des Terrors vorgeführt.

Wer aber damit rechnete, die Entlarvungswelle löse einen lang wirkenden Schock aus und mache den Russen den Geheimdienst suspekt, der hatte auf Sand gebaut. Nach jüngsten Umfragen des WZIOM, dem führenden russischen Meinungsforschungsinstitut, billigen 44 Prozent der Russen das in letzter Zeit erfolgte Vorrücken der Geheimdienstler in höchste Staatsämter. Bedenken äußerte die Minderheit (35 Prozent ).

Die Befragten über vierzig, die es besser wissen müssten, schätzen die Qualitäten der russischen James Bonds besonders hoch. Sie sind entschieden dafür, das Geschick Russlands den "Männern mit heißen Herzen und sauberen Händen", so der Gründer des sowjetischen Geheimdienstes Dzershinski, anzuvertrauen. Je höher der Bildungsgrad und der Wohlstand der Befragten, desto höher die Akzeptanz.

Bemerkenswert auch ein anderes Ergebnis der Oktoberumfragen. Die meisten Befragten (48 Prozent) sprachen sich dafür aus, die Massenmedien, vor allem das Fernsehen, der Regie des Privatkapitals zu entziehen. Nur eine Minderheit fürchtet sich vor der staatlichen Kontrolle im Medienwesen.

Logischerweise bleibt die Popularität von Präsident Putin unverändert hoch. Trotz seiner Geheimdienstvergangenheit und seines Vorgehens gegen die Medienzaren. Oder vielleicht gerade deswegen?

Polit.ru, 23.11.00

MOSKAU: WENIG BROT, VIEL SPIELE

Polit.ru bringt die Ergebnisse der jüngsten WZIOM-Umfrage. Traurige Resultate: Jeder zweite Russe meint, seine Lebensqualität gehe weiterhin zurück, Rechtsschutz existiere nur in flotten Sprüchen Putins von der Diktatur des Gesetzes, der Militärdienst der Söhne sei gefährlich und sinnlos geworden. In den letzten zehn Jahren wurde jeder Dritte polizeilich oder gerichtlich belangt und dabei, wie vier von fünf meinen, ungerecht behandelt.

Die Lebenslust scheint aber trotzdem ungebrochen zu sein. An der Moskwa läuft z.Z. eine "Theaterolympiade", eine Volksshow von nie gesehenem Ausmaß. Auf dem Platz vor dem Bolschoi Theater wurde ein künstlicher See angelegt: der "Schwanensee" aus dem berühmten Ballett. Alle Theater zeigen neue Aufführungen. Viele Schauspielertruppen gehen auf die Strasse und spielen gratis. Berühmte Theaterleute aus der ganzen Welt geben sich die Klinken der Luxushotels in die Hand. In den Gaststätten gibt es rauschende Feste.

Das Motto heißt shoking. Zwar hängen an den Seilen quer über die Strassen stilisierte Porträts des berühmten russischen Dramatikers, Anton Tschechow ("Drei Schwestern", "Onkel Wanja", "Die Möwe"). Er verkörperte die Tradition der dezenten Zurückhaltung und althergebrachten Anständigkeit des russischen Intellektuellen. Auch rein äußerlich: mit Kneifer, gepflegtem Spitzbärtchen, einer Fliege am weißen, gestärkten Hemd. Dennoch wetteifern seine Urenkel auf der Bühne und in den Printmedien in der Darstellung der Ausgelassenheit. Die Lieblingssujets der Newcomer, die um ihren Platz im Establishment ringen: Drogensucht, sexuelle Perversionen, Mord. Wenn ans klassische Welterbe angeknüpft wird, dann nur, um es hemmungslos zu modernisieren.

Das alte Rom, kurz vor dem Ende? Das Festgelage während der Pest?

24.4.01

SHIRINOWSKI SCHOß WIEDER DEN VOGEL AB

Der Chef der russischen Freien Demokraten (mit der zahmen FDP wenig gemeinsam) reichte in der Duma eine Gesetzesvorlage ein, wonach den Russen die Vielweiberei ermöglicht werden soll. Allerdings soll die Zahl der Ehefrauen auf vier begrenzt werden und der Ehemann muss einen Ärztebefund über seine Zeugungsfähigkeit vorlegen. Der Zweck der Vielweibereizulassung bestünde darin, der Gefahr des weiteren Absinkens des Anteils der ethnischen Russen in der Russischen Föderation vorzubeugen. Denn die muslimischen Völkerschaften Russlands (etwa 20 Prozent der Bevölkerung) produzieren dank der nach dem Koran zulässigen Vielweiberei viel mehr Kinder als die monogamen Russen.

Gazeta.ru. 30. 9.2000

Anm.v.M.: Als überzeugte Frauenrechtlerin verurteilt die Holzpuppe die Gesetzesinitiative des russischen Enfant terrible, der mit seiner von Kennerinnen stark angezweifelten Lendenstärke prahlt.

Liebe Matrjoschka,

der Gesetzentwurf des Herrn Schirinowski (sieh den folgenden Bericht.-M.) ist genial, aber sollte ergänzt werden. So durch die schlagartige Erhöhung der Löhne der russischen Ehemänner. Manch eine Frau kann einen Ehemann arm machen (weiß dies aus Erfahrung), erst recht drei.

Dann darf gegen die Geschlechtergleichheit nicht verstoßen werden Wie wäre es mit Vielmännerei für Frauen? Drei Gatten - Haupt -Lieblings -u. Nebengatte?

Ja, manche russischen Politiker kommen schon auf skurrile Gedanken. Sogar in der Zeit, wo die Vernunft mehr denn je gefragt wird.

M.-Freund

RAF IN RUSSLAND?

In Moskau wurde Eduard Limonow verhaftet, der berühmt berüchtigte Schriftsteller und Anführer einer radikalen Zwergpartei, die sich national-bolschewistisch nennt. Zusammen mit Gesinnungsgenossen soll er umfangreiche Waffenlager angelegt haben, gewissermaßen als Vorbereitung zur Machtübernahme in Russland. Limonow und Co. schließen nämlich einen Einsatz von Gewalt und Terror zur "Bolschewisierung" Russlands nicht aus.

Obwohl sie behaupten, es gehe ihnen um die Abschaffung des Kapitalismus und die Absicherung der Unabhängigkeit Russlands und der Begriff Bolschewismus eher auf Linkstendenzen schließen lässt, vermittelt die eingehendere Lektüre von Limonows Pamphleten den Eindruck, die verschworene Gemeinschaft schöpft ihre Inspirationen aus der Ecke von Mussolini und Goebbels. Limonows Anhänger kündigen Protestaktionen gegen seine Verhaftung an.

Nach Gazeta.ru 16.04.01

EIN RUNET-AUTOR (A.KABAKOW) ÜBER DIE BEFINDLICHKEIT DER RUSSEN

Wie ich den Sommer verbrachte

Zu meiner Zeit begann mit dieser Frage in den mittleren Schulklassen ein Pflichtaufsatz, der das Schuljahr einläutete. Der letzte Satz lautete in der Regel: "Müde, aber zufrieden kamen wir zu Hause an."

Mittlerweile kommen wir nach den Sommerferien nicht mehr zu Hause an. Denn das Land ändert sich in der Regel so schnell und stark, dass wir es nicht wiedererkennen. Auch nach einem Sommer nicht.

Wir haben uns auch daran gewöhnt, unsere Müdigkeit nicht wahrzunehmen und sind selten mit etwas zufrieden...

Aber zurück zum Schulbeginn. Eingeschult wurden jene, die 1993 zur Welt kamen, im Jahr des letzten russischen Aufstands, sinnlos wie immer, aber glücklicherweise nicht so grausam wie die vorangegangenen. In die zehnte Klasse kamen diejenigen, die noch unter der Sowjetmacht eingeschult wurden. Somit trennt uns von der Zeit, die uns jetzt prähistorisch scheint, nicht mal eine Schulgeneration.

Das, was sich in den zurückliegenden drei Sommermonaten ereignet hat, würde in ruhigen Zeiten für ein ganzes Lebens ausreichen. Bei einer solchen Intensität des Geschehens begreift man erst hinterher, dass das Gewesene restlos und für immer vorbei ist.

Jeden September hat man sich früher erzählt, wie der Sommer war. "Und dann bin ich mit Freunden über den Fluss ans andere Ufer geschwommen..."

Das Flüsschen heißt Stiks und viele Freunde sind inzwischen am anderen Ufer.

Sicher verändert sich die ganze Welt schneller als früher. Nehmen wir nur die Entwicklung der Computer und des Internets, die in alle Poren des Lebens eingedrungen sind. In Russland aber gesellen sich noch einige Kleinigkeiten dazu, wie beispielsweise die Ablösung der Gesellschaftsordnung und der sich anschließende Schlag nicht nur auf die gegenwärtige eingefahrene Lebensweise, sondern auch auf alte nationale Traditionen. Wohin man blickt, überall Reste von Eckpfeilern, Ruinen der Vorstellungswelt, schnell hochgezogene Neubauten von Meinungen und Sitten.

Nehmen wir als Beispiel die Wohnung. Früher war sie ein Traum oder ein Fluch. Jahrzehntelanges Warten auf die Zuweisung, Intrigen, Familiendramen. Jetzt braucht man nur Geld, um eine Wohnung zu haben. Für die Wohnung bezahlt man heute nicht mehr mit Ehre und Gewissen, Anbiederung an die Gewerkschaftsbosse, mit dem suchenden Blick in Richtung Chef. Die Wohnung hat eben einfach ihren Preis. Sie hat nichts Sakrales mehr, unterscheidet sich in nichts vom Auto, Fernseher oder von Jeans, nur ist sie teurer... Man kann sich tausendmal sagen, dass es Zeit ist, sich daran zu gewöhnen, aber die Genetik, nicht nur das Gedächtnis, rebellieren. Und ein Leben ohne Defizit wird eben nicht als normal empfunden. Was muss im Bewusstsein (noch mehr im Unterbewusstsein) der Menschen vor sich gehen, die einen derart radikalen Einschnitt der Beziehungen zu den Dingen erleben mussten? Dass wir alle noch nicht verrückt geworden sind...

Niemand berichtet uns nie mehr von den Arbeitserfolgen, stellt uns keine Mustermenschen mehr vor, die Medien reden uns nicht mehr ein wie schön das Vaterland ist, dafür werden wir ständig über Morde, Einbrüche und Erdbeben unterrichtet! Was nutzt uns nun die Freiheit des Wortes? Wir leiden unter Schwindsucht und werden dauernd mit kalten und nassen Tüchern behandelt...

Jeder Gegenstand, jede Erscheinung, jeder Prozess wurden auf den Kopf gestellt, nein, eher umgekehrt, aber wir haben sie doch ständig als Kopfstehende in Erinnerung! Wir haben unser Leben doch ganz anders begonnen, und ungefähr die Hälfte der jetzigen Bevölkerung hat den größten Teil ihres Lebens ganz anders gelebt.

Unsere gegenwärtige Befindlichkeit ist schwer zu definieren. Ich würde es mit den Worten "landesweite Neurose in schwerer Form" tun. Und niemand kümmert sich um die Kranken. Vor uns werden keine Unannehmlichkeiten verheimlicht, was jeder Arzt aber empfehlen würde, man gibt uns keine Zeit für Spaziergänge im Krankenhauspark und auch nicht für Mittagsschlaf. Wir bräuchten Beruhigungstee, statt dessen die nächste Sonderausgabe der Nachrichtensendung.

Die Volksgesundheit kann man nur bewundern.

Die, die vor uns das Glück hatten – die noch das Jahr 1917 und die folgenden ruhmreichen Jahre erlebten- waren doch in einer einfacheren Lage. Die Bourgeoisie und die verkommene Intelligenz warteten auf die nächtlichen Besuche der Lederjacken, und das lenkte sie stark von dem durch den allgemeinen Umbruch des Lebens ausgelösten Stress ab. Die Kulaken, angefangen bei Fünfjährigen, wurden in Taiga und Tundra verbannt. Frost und Hunger ließen ihnen keine Zeit für nervöse Reaktionen. Das Proletariat schaufelte Baugruben und glaubte solange an die lichte Zukunft, bis es t zusammen mit dem Schubkarren tot umfiel. Und niemand hatte Zeit, über den Bruch mit der Vergangenheit nachzudenken. Alle versuchten, zu überleben. Eine Ausnahme bildeten lediglich einige Weißgardisten, aber die Verdammten genossen das Leben in ihrem Paris und versuchten, den alten Phantomen nachzuhängen.

Der größte Teil von uns wird jetzt nicht erschossen, nicht enteignet, nicht zum Holzfällen in die Taiga verschickt. Und die Bevölkerung, die nicht abgelenkt wird von ihrem eigenen Nervensystem, dreht durch. Man braucht sich doch nur umzuschauen in seiner Umgebung.

Wir alle brauchen Heilung. Diejenigen, die die Machtgewaltigen verrückt gemacht haben, und auch die vom schnellen Geld berauschten. Die, die sechzehn Stunden am Tag arbeiten und die Arbeitslosen. Diejenigen, die nichts unternehmen, um uns aus diesem Jammertal herauszuführen, und die neuen Materialisten, die bereits ihr menschliches Wesen eingebüsst haben.

Man kann natürlich auf die Heilung verzichten und auf ein Wunder hoffen. Schnupfen vergeht bekanntlich von selbst in einer Woche, bei intensiver Heilung nach 7 Tagen. Doch ich befürchte, wir haben keinen Schnupfen. Und wenn wir alles schleifen lassen, holt uns der Teufel.

10.09.2000 

EIN MOSKAUER LITERAT BESINNT SICH AUF DIE REALITÄT

Er heißt Alexander Kabakow und schreibt für Gazeta ru:

In letzter Zeit fällt mir immer wieder ein ausgeleiertes Zitat ein. Wie oft schon fragte ich mich, wie der Dichter die Situation für viele Jahre hinaus vorhersehen konnte, als er hellseherisch schrieb: "Wir leben, ohne unter uns das Land zu spüren..."

Es musste erst der Oktober des Jahres 1993 kommen, damit wir begriffen, dass wir, die zu allem bereit sind, nur um eine Rückkehr der Sowjetmacht zu verhindern, eine kleine Minderheit im Land sind. Auf einmal wurde uns damals klar: Die Kommunisten waren in der SU Volksmacht. Wie sie behaupteten und wir nicht glauben wollten. Welche Ergebnisse alle späteren "demokratischen" Wahlen auch brachten, echte Demokratie herrschte in Russland, als es Wahlen ohne eine Wahl gab. Als man am Wahltag um sechs Uhr in der Frühe zum Urnengang aufstand, danach in einem Gärtchen hinterm Kulturpalast mit einer mitgebrachten Flasche Selbstgebrannten und der vom Büfett im Wahllokal gekauften, kaum genießbaren Wurst feierte. Und jene wenigen Prozente, die uns 1996 vor dem Sieg der Werktätigen bewahrten, spiegelten in keiner Weise die Wirklichkeit. So richtig überzeugend war es erst im März dieses Jahres, als den lahmen und vorsichtigen Kommunistenchef der viel sowjetischere Kandidat vom KGB besiegte.

Doch wir lernen wohl niemals. Wir spüren unser Land unter uns auch heute nicht. Und wenn wir die Stimme des Volkes hören, dann nur als dumpfes Getöse, ohne einzelne Worte zu verstehen...

Hierzu ein Bericht von einer Unterhaltung mit einem Mann von der Straße. Sie setzte bei der Nationalhymne an, denn im Autoradio wurde gerade berichtet, der Petersburger Gouverneur Alexandrow könne zwar noch die alte sowjetische Hymne, nicht aber die neue russische. Der Mann steckte sich eine Zigarette an, stierte stur geradeaus, plötzlich trat er wie verrückt das Gaspedal seines klapprigen "Wolgas" und äußerte sich in dem Sinne, dass es Scheiße ist, darüber zu diskutieren. Alle sangen die sowjetische Hymne von der unverbrüchlichen Union und es gab die Union. Jetzt ist es schlimmer als im Puff.

Das weitere Gespräch verlief nach dem üblichen Muster, meine Argumente brauche ich also gar nicht anzuführen. Sein Teil des Dialogs sagt alles: Klar, Wurscht gibt’s jetzt an jeder Ecke, aber scheiß drauf, wenn sie keiner kaufen kann. Ich hab eine Tante in der Gegend bei Tula, die haben schon lange kein Brot mehr gesehen. Unter Breshnew hatten wir immer Wurst. Unser Nachbar hat im Lebensmittelgeschäft die Lieferungen ausgeladen, da haben wir zu Feiertagen immer Kochschinken mitgehen lassen. Alle hatten volle Kühlschränke. Und wer kauft das jetzt ? Nur die Schwarzärsche aus dem Kaukasus. Früher brachten sie zu Neujahr Mandarinen und verkauften sie zu überhöhten Preisen , jetzt ist ganz Moskau in ihrer Hand. Klar, gebaut wird, aber scheiß drauf, alles nur Bankhäuser, und wir wohnen immer noch in dem Loch in der Vorstadt, wie vor vierzig Jahren. Und renoviert wurde schon ewig nicht. Und was zeigt die Glotze? Amerikanische Filme und Musik... Und Beresowski lochen sie auch niemals ein, und auch die anderen nicht, die dem Volk alles gestohlen haben. Aber unsrem Nachbarjungen brummten sie acht Jahre auf, weil er sich mit so einem kaukasischen "Schwarzarsch" geprügelt hat. Der andere kriegte nichts und er acht Jahre. Unsere eigenen Sachen sind viel besser, verkauft werden aber nur die aus der Fremde...

Jetzt platzte ich beinahe vor Wut, denn sein "Wolga" hielt das Tempo nicht durch, machte ein paar Sprünge und hätte fast seinen Geist aufgegeben, doch er riss das Lenkrad herum und wir stuckerten weiter, überholt von Straßenkreuzern und ausgedienten Volkswagen. "Aha, unsere Autos sind also auch besser?" fragte ich. "Früher haben unsere eigenen Leute sie zusammengebaut. Mein Wolga hat 28 Jahre auf dem Buckel. Jetzt stehen im Autowerk die Vietnamesen am Fließband, und die machen Scheiße! Meinen Wolga würde ich nie gegen eine Importmarke eintauschen. Hab‘ das ganze Frühjahr an ihm herumgebastelt".

Ich gab auf. Er punktete in allen Positionen, weiter zu streiten, war sinnlos. Er lebte in seiner Welt. Da war alles gut, da gab es die echte Volksmacht, Renten wurden ausgezahlt, Gagarin in den Himmel geschossen, zu Feiertagen Lebensmittelpakete verteilt und an Wochentagen konnte man alles unter dem Ladentisch haben, das Parteikomitee legte die Warteschlange für Wohnungs- und Autosuchende fest, Bestarbeiter durften in die Tschechoslowakei fahren und der Frau ein paar Strumpfhosen kaufen, für sich selbst eine Steppjacke, das war das richtige Leben. Kein Scheißkerl aus dem Ausland überholte ihn mit seinem Straßenkreuzer, die Verkehrspolizei hat ihn höchstens mal an den Straßenrand gedrängt, damit die Bonzenlimousinen vorbeirauschen konnten. Aber das kränkte ihn nicht, denn darin saßen genau solche wie er, bloß mit viel mehr Glück im Leben. Auch Faulpelze, auch Diebe, auch versoffene Kerle, eben solche wie er, nur Chefs, so fühlte er es doch. Da war alles richtig eingerichtet. Genau so wie er es selbst eingerichtet hätte. Wenn er hochgekommen wäre, würden die Verkehrspolizisten andere an den Straßenrand quetschen und er säße im Bonzenwagen...

"Wann bist Du eigentlich geboren, Chef?"  fragte ich. "Sechzig". "Und woher hast Du den "Wolga" Baujahr 72?" "Vom Vater. Bekam er auf der Arbeit zugeteilt." "Und wieso weißt Du so genau, was zu Breshnews Zeiten war" bohrte ich fast schreiend weiter. Du bist ja zu Breshnews Zeit erst ein Kind gewesen, das die Windeln vollgeschissen hat , Du, fuck you...!!!"

Er rauchte wortlos, zerkrümelte dann ein Mundstück im vollen Ascher und sagte:" Was gibt’s da zu erinnern, das weiß doch jeder. Früher war das Leben gerecht, und jetzt? Was Du verdient hast, ist deins. Nur das, keine Kopeke mehr. Ist das ein Leben?".

Damit war alles klar. Sie singen immer noch ihre Hymne, hoffen auf ihre Gerechtigkeit. Umfragen zeigen, 70% sind für sowjetische Musik. Und zum ersten Mal seit zehn Jahren scheint es ihnen, es gebe Hoffnung.

So erreichten wir in unversöhnlicher Klassenfeindschaft das Ziel. Dort erhielt er meinen Fünfziger und sauste ab in seine lichte Zukunft.

21.11.00

BILDER AUS DEM VOLKSLEBEN AUS PERM

( Anm v. m.: Perm- eine Industriestadt westlich des Urals).

1.An der Bushaltestelle. Eine Riesenschlange. Ein stattlicher Herr im exquisiten bodenlangen Ledermantel sticht aus der Menge einfacher Leute ab. Der überfüllte Bus kommt. Mit aller Gewalt quetschen sich noch ein paar Menschen hinein. Als Letzter versucht ein schlottriger Obdachloser in zerschlissener Wetterjacke, sich in die gepresste Volksmasse hineinzuwinden. Der Fahrer lässt die Tür offen und wartet, bis der arme Schlucker es schafft oder auf den Bürgersteig fällt.

Da packt der stattliche Herr im Ledermantel, der seine teure Zigarre zu Ende geraucht hat, plötzlich den Obdachlosen am Kragen und schleudert ihn einige Meter weit von der Bustür, schiebt mit der Kraft seines gewaltigen Körpers die Passagiere enger zusammen und stellt sich in die freigeräumte Lücke.

Die Tür schlägt zu. Der arme Schlucker winselt vor Schmerz, flucht, was das Zeug hält. Dann sieht er, dass ein großes Stück vom teuren Ledermantel des stattlichen Herrn aus der zugeschlagenen Bustür heraushängt. Rasch kramt er sein Taschenmesser hervor und zerschneidet sichtlich begeistert den Mantel des Beleidigers. Er schneidet ziemlich lange und produktiv, denn der Bus steht immer noch, weil der Fahrer diese gerechte Volksrache im Rückspiegel genüsslich beobachtet und Zeit lässt, sie zu Ende zu führen...

2. Auf dem Bauernmarkt. Eine in teurem Pelz gehüllte Dame sucht an Verkaufstischen sorgfältig Obst aus. Ein Jeep fährt vor. Heraus springt ein ortsbekannter Dieb in Trainingshosen. Selbstvergessen knackt er Sonnenblumenkerne zwischen den Zähnen. Die Schalen spritzen nach allen Seiten wie Scheiße von Vögelchen am Himmel. Der Dieb drängelt sich zum Stand, wo die feine Dame einkauft. Eine Schale landet auf den Pelz.

Die Dame nimmt mit ihrem Spitzentuch die Schale, als wäre es eine Kakerlake oder eine Wanze und wirft sie in den Müllcontainer. Mit dem Tuch zusammen, versteht sich.

Der Dieb reagiert sofort. Mit dem rechten Fuß versetzt er der Dame einen Stoß, nicht stark, aber theatralisch Dann zieht den rechten Sportschuh aus und schmeißt ihn in denselben Müllcontainer. Auf einem Bein hüpft zum Jeep, springt rein und schleudert auch den linken Schuh aus dem Fenster.

(Wladimir Tutschkow. Vesti. ru. 16.12.2000) 

DIE RUSSISCHE WANDERLUST

Durch Vermittlung eines deutschen Freundes erhielt die reiselustige Matrjoschka eine bebilderte Email aus Nowosibirsk. Der Absender heißt Stanislaw, Beruf- Geologe. Da er des Deutschen nicht mächtig ist, schrieb er Englisch. Hier Fragmente seiner Email. Zuerst aber seine Abbildung.

I hardly write in English, therefore my letter is short. The frosts almost didn’t touch us, because we were close to the border of a Great Polar Anticyclone. Only 9 days the temperature was lower than –40 degrees Centigrade, from the 30th of December till 8th of Januarys. The lowest temperature was –48оС. And in Kemerovo (it is in 250 km on Northeast from Novosibirsk) a frost stood almost 3 weeks and reached –57оС. The border of an anticyclone was almost tangible and placed between Rubtsovsk, where
temperature was -39оС and East Kazakhstan, where the temperature was -8оС and the strong blizzard occurred. The difference between MAX and MIN
temperatures, on distance of 80 kilometers, was thirty degrees. Snows this year has dropped out more than three annual norms, and on Altay it is even more, so houses there were overlapped above than roof. The automobile connection interrupted, in Novosibirsk area, on short time. But such frosts are not so large events in our life, though some discomfort we have, of
cause. But the life does not stop.

After taking a trauma , I could not traveling on a bicycle to Western Europe in the summer. I reached only the Volga river, near Ulyanovsk city (Simbirsk – the birthplace of our pastfurer Lenin). Else our institute’s expedition (and me) has visited foothills of East Sayan in Irkutsk area, in august 2000, and of cause, I spend my vacation on the Lake Issyk-Kol. I didn’t climb on mountains because I was afraid of my injured leg.

Anm. v. m. Die Strecke, die der Absender per Drahtesel trotz seines lädierten Beins zurücklegte, ist schätzungsweise kaum kürzer als die von Berlin bis Lissabon.

13.2.01

3. Armut und Reichtum in Russland

PUTINA GING MIT CHODORKOWSKIJ EIN VERHÄLTNIS EIN

Unter diesem gewollt  anzüglichen Titel brachte eine  skandalumwitterte Runet-Zeitung einen Bericht, wonach sich die in jeder Hinsicht tugendhafte  Ludmila, Ehefrau des russischen Präsidenten, mit einem russischen Ölmagnaten eingelassen hätte. Aber nicht so, wie Sie vielleicht denken.  Von dem Draufgänger Michail Chodorkowskij will sie nur eins: Er soll ein wunderbares   Gut am Schwarzen Meer im Nordkaukasus, das er sich  in Jelzins Ära unter die Nägel gerissen hat, zurückgeben. Sie wolle es  für den Urlaubsspass „auf dem Bauernhof“ nutzen, berichtet die Runetquelle. Der Oligarch, auch ein Naturfreund,  ist wütend. Unter seinesgleichen wirbt er um Unterstützung. Wohin kommt das reformorientierte Russland, wenn alles, was unter Putins Vorgänger dem Staat geraubt wurde, zurückerstattet werden soll? - fragt er empört, allerdings nicht ganz genau in dieser Formulierung.  Nach seinem Verständnis verliere dann rückwirkend die stattgefundene Systemtransformation  ihren höheren Sinn. 

Nun, das letzte Wort hat gewiss der Ehemann. Gerade in diesen Tagen bewies er, dass er nicht nur als Ringkämpfer versteht, wie man jemanden auf dem Teppich umwirft. Und zwar, als er den russischen Eisenbahnminister Akssjonenko feuerte, der zu dem  Clan der Nutzniesser der Reform gehört,  unter Jelzin geradezu allmächtig geworden.  

Andererseits soll Putin ein richtiger Macho sein, der seiner Frau  Einmischung in Staatsangelegenheiten verwehrt. Schade, meinen die neun Holzpuppen, richtig so, meint dagegen Iwan Matrjoschkin, Esq., der verzweifelt gegen die weibliche Übermacht kämpft.   

EIN GESCHENK VON VÄTERCHEN FROST 

In diesem Jahr   finden Moskauer Kinder unter dem  Tannenbaum ein besonderes Geschenk. Ein vom Oberbürgermeister der russischen Hauptstadt Juri Luschkow bestelltes und bezahltes Märchenbüchlein. 

Es ist ein Märchen besonderer Art. Ein Märchen, das die ganze Geschichte der Menschheit erfasst. Von der Weltschöpfung bis zu unseren Tagen. 

Vor allem aber die Rolle Russlands in der Geschichte.

Eine märchenhafte Rolle. Eine heroische Rolle.

Der Märchenerzähler (vielmehr die Märchenerzählerin, als diese wurde eine rührige, vielleicht ein wenig zu rührige Schriftstellerin ausgemacht) will, dass die Kinder mit Stolz auf ihr Vaterland aufwachsen. Etwa nach dem Motto, ich bin stolz, ein Russe zu sein. 

So kommen im Märchen die sieghaften russischen Recken und die  geschlagenen  fremden Übeltäter Russlands vor. Vorsichtshalber setzt die Märchenerzählerin die Recken nicht mit realen Personen der russischen Geschichte gleich. Mann kann ja nie wissen,  wer morgen seinen Lorbeerkranz noch trägt. 

Die Übeltäter sind dagegen mit Rang und Namen vorgestellt.  Z.B. ein gewisser Adolf, der Russland vernichten wollte. Ein anderer „smei- gorynitsch“, also  die feuerspeiende Schlange, die in der russischen Folklore die Rolle des Weltübels übernimmt, heißt hier Napoleon. Auch ihn ereilt die wohlverdiente Abreibung. 

Die ewig mit dem Bestehenden und Erreichten unzufriedenen Runet- Kritiker verweisen hämisch darauf, dass vieles in der russischen Geschichte ausgelassen ist. Zum Beispiel: die Elektrifizierung des ganzen Landes unter Lenin, die Erschließung der Atomenergie unter Stalin und die Herstellung der verfassungsmäßigen Ordnung in Tschetschenien unter Putin. Es wird die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass bald die zweite Auflage erfolgt und die Lücken schließt. 

Eine durchaus berechtigte Hoffnung, weil die erste Auflage nur 10 000 Exemplare zählt. Viel zu wenig, um allen Moskauer Kindern eine gehörige Portion Vaterlandsstolz einzuimpfen.  

Die ganz gehässigen Kritikaster äußern, dass die Moskauer Stadtregierung besser täte, das Geld in die Renovierung der Kitas zu stecken. Das hätte der Erziehung im patriotischen Sinne viel mehr genutzt. 

Das sind selbstverständlich  ganz kleine Pinscher, wie ein deutscher Politiker ihre deutschen Geistesbrüder einmal titulierte. Ihnen sei  angeraten, die Erfahrungen der Sowjetzeit zu studieren. Diese haben  gezeigt, dass die erfolgreichste Methode,  den Schwierigkeiten  zu begegnen, darin besteht, Märchen zu erzählen. Oder ganz vulgär ausgedrückt, X für Y auszugeben. 

Die Holzpuppen möchten aber auch daran erinnern, dass echte, nicht von oben bestellte russische Märchen nie dem chauvinistischen Dünkel verfielen. Im Gegenteil, sie legten ein Wort für die  Demut ein. Und gaben den Kindern die Erkenntnis auf den Weg, dass nicht unbedingt die Arroganz der Stärke  siegt. 

Es wäre schöner, lägen solche Märchen unter dem Tannenbaum in den Moskauer Wohnungen. Aber offensichtlich hat Luschkow dafür kein Geld.  

WERDEN DIE KALININGRADER LEBEN WIE KÖNIGSBERGER?

In den nächsten zehn Jahren nähert sich der Wohlstand im Kaliningrader Gebiet (ehem. Ostpreußen) dem in den Ostseestaaten und wird etwa dreimal höher sein als in Russland. Das erklärte der russische Vizepremier Viktor Christenko in Luxemburg. In diesem Zusammenhang wies er auf ein Sonderprogramm der russischen Regierung zur Entwicklung der Wirtschaft im ehem. Königsberg hin.

M.meint: gut und schön. Bloß warum sollen die übrigen Russen dreimal schlechter leben als die in Kaliningrad (Königsberg)? Und was, wenn sie sich auf die Beine machen und nach Kalinigrad ziehen? Oder wird K. von Russland nicht nur durch das litauische Gebiet, sondern auch durch einen Stacheldrahtzaun abgeschirmt? Was würde dann der nächste Schritt sein?

16.4.01 Nach Vesti.ru

ADEL

Im Haus der russischen Kultur und Wissenschaft in der Berliner Friedrichstrasse fand eine ungewöhnliche Begegnung statt. Keines der dort oft praktizierten Treffen mit russischen, bzw. deutschen Politikern, Wissenschaftlern, Künstlern u.s.w., sondern eins mit der Russischen Orthodoxen Kirche. Repräsentiert durch hohe Kirchenhierarchen und ihrem Gefolge. Alle in schwarzen Kutten. Alle freundlich, kontaktfreudig, jovial.

Die Kirchenleute kamen aus Moskau, vom Patriarchen Alexij dem Zwoten direkt. Sie brachten eine Ausstellung der Kirchenkunst mit. Und zahlreiche Musiker. Es war sehr lustig.

Und es wurde gegessen! Denn die orthodoxe Kirche wollte vorführen, wie die Mönche in den russischen Klostern tafeln.

Nicht schlecht, wie sich die eingeladenen Berliner (M. war selbstverständlich dabei) überzeugen konnten.

Fleisch gab es allerdings nicht! In keiner Inkarnation. Da ist die russische orthodoxe Kirche unerbittlich. Fleisch essen sei eine Sünde. Auch wenn es nur eine simple Bockwurst ist.

Fischessen ist aber fromm. Natürlich wenn es Edelfisch ist. Zum Beispiel Lachse und Störe. Am besten leicht gesalzen.

Und Kaviar. Rot und schwarz. Es gab viel davon.

Schuft ist aber, der denkt, an den reich gedeckten Tischen herrschte primitive Völlerei. Nein, so war es nicht!

Das hob ein eloquenter Mann in schwarzer Kutte hervor. Geistreich setzte er den Gästen auseinander, dass zwischen der Kultur eines Volkes und seinem Gotteskult ein enger Zusammenhang bestehe. Nicht von ungefähr enthalte das Wort Kultur das Wort Kult. Und zur Kultur gehöre auch Esskultur.

Darum gleiche das Haus der russischen Kultur an diesem Tag der Kirche, der reichgedeckte Tisch einem Altar und der Kaviarverzehr einem Gebet, schlussfolgerten die Gäste. Mit gutem Gewissen verzehrten sie die Kirchengaben. Wie Heuschrecken!

Die Stimmung hob auch die Anwesenheit der Repräsentanten des russischen Adels. Darunter der Fürst Andrei Kirillowitsch Golizyn, Präsident der russischen Adelsversammlung in Moskau, nicht mehr jung, aber noch sehr rüstig. Und die majestätisch aussehende Großfürstin Leonida Georgiewna. Aus dem Hause Romanows. Was allerdings nicht von allen Nachkommen der russischen Zarendynastie so gesehen wird.

Ach, diese dynastischen Fehden!. Sie hinderten die Gräfin N., Freunden dieser site gut bekannt, das Fest mit ihrer Anwesenheit zu beehren. "Mit Romanows tafele ich nicht!" sagte die Gräfin, die den russischen Thron diesen streitig macht. Ihr Freund und Beschützer, der persische Prinz M., tadelte ihr Verhalten mit den Worten:" Lieschen, mach keinen Stunk!". Sie ließ sich nicht umstimmen.

Dafür kam ein echter deutscher Aristokrat, Herzog Hugo von Oldenburg. Also aus einem Geschlecht, das mit dem russischen Adel tausendfach verwandt und verschwägert war. Wie übrigens viele Adelsgeschlechter Deutschlands, angeführt von den Hohenzollern.

Wie schade, meint Matrjoschka, dass Deutschland jetzt nicht mehr von Leuten mit gutem Stammbaum, sondern von Proletariern regiert wird. Von all den Schröders und Fischers, die sich kaum an ihre Opas erinnern können. Sonst wären Deutschland und Russland (wenn auch dort nicht ein Putin, sondern zum Beispiel die Gräfin N. regierte) echt befreundet. Oder führten einen Krieg gegeneinander. Je nachdem...

Matrjoschka merkt, sie ist wieder in die Politik abgerutscht und redet Unsinn. Das sind die Nachwehen des Festes, wo der russische Kirchenwein Kagor floss. Sehr süffig... So muss der Bericht aus dem Haus der russischen Kultur, Berlin, Friedrichstrasse, abgebrochen werden. Schade...

5.12.00 

DOLCE VITA IN MOSKAU

Die Moskauer lebten schon immer besser als die anderen in Russland. So war es, so blieb es. Das bestätigt die neue statistische Erhebung des Moskauer Bürgermeisteramtes. Danach lebt nur jeder dritte Moskauer unter der Armutsgrenze. Außerhalb der Hauptstadt ist die Rate viel höher.

Das Bürgermeisteramt bescheinigt jedem Moskauer, dass er im Jahr ...

62,2 kg Brot,

2,5 kg Gurken und Tomaten,

19,6 kg Zucker,

1 kg Kekse,

12,4 kg Rindfleisch,

4,4 kg Schweinfleisch,

13,3 kg Fisch,

8 kg Quark,

3,29 kg Salz

verspeist.

Auf einen Tag umgerechnet ergibt das:

172 g Brot,

36 g Fisch,

13 g Schweinefleisch,

7 g Gurken und Tomaten...

Nicht viel...

Dem Oberbürgermeister Luschkow fiel der hohe Salzverbrauch unangenehm auf. Was salzen sie denn, fragte er und ließ wissen, die Salzration könne ruhig um 400 g herabgesetzt werden.

Ein anderes Ärgernis: über fünf Meter Klopapierverbrauch täglich. Bei der Nahrung!

In der Statistik fehlt leider ein Hinweis darauf, was ein Moskauer namens Beresowski im Jahr konsumiert...z.B. an Hummern.

16.9.2000

DAS RUSSISCHE WUNDER

(Ein Matrjoschka-Leser-Brief)

Auf den ersten Blick stellen die Statistiken aus Moskau, die Matrjoschka angeführt hat, den Leser vor eine schwierige Frage. Wie überleben die Moskauer, wenn sie so wenig zu beißen haben? An sich hätten sie schon längst an Skorbut sterben müssen. Bei dem bisschen Grünzeug am Tag!

Doch wer sich in Russland einigermaßen auskennt, weiß die Antwort. Die Statistiken der Moskauer Stadtregierung erfassen nämlich nur die im normalen Handel erworbenen Lebensmittel. Aber die Russen haben sich den Umständen angepasst. In der Sowjetzeit waren es die leeren Regale in den Geschäften. Heute ist es das fürchterliche Missverhältnis zwischen den Preisen und den Löhnen.

Es gibt wenig Moskauer Familien, die keinen Gemüsegarten außerhalb haben. Die meisten ernten ihre Kartoffeln, Gurken und Tomaten, sammeln Pilze, angeln Fische, pflücken Beeren. Und halten sich damit über Wasser.

Daher die auffällig hohen Mengen Salz in der Statistik ( Konservierung von Gemüse und Pilzen) und Zucker (Konservierung von Beeren).

Die Russen sind nicht klein zu kriegen! Sie verstehen sich zu helfen. Auch nach Einführung der heilbringenden Marktwirtschaft durch die Herren Beresowskis.

Ein Russlandreisender.

18.9.2000 

MATRJOSCKA-TEAM AUF DER INTERNATIONALEN TOURISMUSBÖRSE

Es war schon ein Erlebnis, als m+m+m+m+m+m+m+m+m+m-n die Internationale Tourismus Börse in Berlin, genauer gesagt, die russischen Stände, aufsuchten. Ihnen sprang der Fortschritt der russischen Tourismus-Industrie förmlich ins Auge. Fünf-Sterne- Hotels, exotische Landschaften, ausgefallenste Vergnügungen stehen dem Kunden offen. Einschließlich eine Reise zum Nordpol auf dem stärksten Atomeisbrecher der Welt.

Ein exklusives Vergnügen, gewiss. Die Veranstalter heben es hervor. Auch damit, dass sie den Interessenten dringend empfehlen, vor Eintritt der Reise eine Lebensversicherung abzuschließen.

Die Tour kostet eine Kleinigkeit von 20 Mille pro Person und in USD.

Nicht jeder kann es sich leisten.

Allerdings sind auch weniger amüsante Reisen nicht jedermanns Sache in Russland, sagte die zornige Matrjoschka, die immer ein Haar in der Suppe findet. Bei den Durchschnittslöhnen von etwa 100 USD pro Monat muss er schon lange suchen, bis er ein passendes Angebot findet.

Die reiselustige Matrjoschka entgegnete, sie hätte als junges Mädchen ganz Russland kreuz und quer abgewandert, ohne viel Geld ausgeben zu müssen. Mit Gleichaltrigen hätte sie gezeltet, am Lagefeuer gekocht und gesungen, gesungen...

Damals durften sich allerdings die Ausländer in Russland nicht breit machen, sagte die geschichtsbewusste Matrjoschka. Sie wurden als Spione in spe behandelt. Nur in wenige, besonders präparierte Städte reingelassen, durften sie sich nur unter strenger Aufsicht bewegen. Und wenn einer seine Kamera in Stellung brachte, dann musste er schon aufpassen, dass vor der Linse keine Eisenbahnbrücke auftauchte, denn sonst lief er Gefahr, nicht ganz freiwillig Gegenden aufsuchen zu müssen, die nicht im Angebot von Intourist standen.

Jetzt aber gibt es in Russland nirgendwo Auflagen für die zahlenden Gäste. Geh, wohin du willst, knipse, was, du willst. Und auch ein kleines amouröses Abenteuer ist erlaubt.

Und die Mafia?- fragte die mitteilsame Matrjoschka eine sehr nette Dame am Intourist-Stand.. "Es wird nicht so heiß gegessen, wie (in der deutschen Presse) gekocht ", sagte die Russin mit süffisantem Lächeln. Wohin unsere Gäste auch kommen, ob nach Moskau und Petersburg, um Kunstschätze zu genießen, oder nach Tuwa an die mongolische Grenze, um den Lamaismus zu studieren, Bären zu jagen oder Störe zu angeln, brauchen sie um ihre Sicherheit nicht zu bangen.

Ähnliche Auskünfte gaben andere distinguierte Damen, die an sich schon den Sieg der abendländischen Zivilisation in Russland verkörperten.

Als sich die weiblichen Puppen darüber nicht ohne Neid unterhielten, leistete sich der grobe Matrjoschkin seinen nächsten Fauxpas. "Seht ihr denn nicht, was für Vögelchen das sind?  fragte er. "Alles Mätressen hochgestellter Beamter! Seltener ihre Ehefrauen oder Töchter." "Woher willst du das wissen?"  fragten die unangenehm berührten Matrjoschkas zurück. "In Russland weiß jeder, wo der Hase läuft, sagte er. " Ein Bisschen Englisch oder Französisch, schlimmstenfalls Deutsch, ein ansprechendes Outfit und vor allem eine starke, behaarte Hand im Verborgenen- und schon ist der lukrative Posten vergeben."

Die Puppen überführten Matrjoschkin der Voreingenommenheit. Er wurde daran erinnert, dass er zum wiederholten Male den Auftrag des Medienkonzerns "www.Matrjoschka-online.de" vernachlässigt habe. Ihm wurde nämlich aufgetragen, zahlreiche Holzpuppen zu fotografieren, die die russischen Stände schmückten. Stattdessen richtete er seine Kamera auf Wodka- Flaschen, die auch als Schmuck neben den Puppen standen. Das wäre noch halb so schlimm, hätte er dabei nicht darauf insistiert, den Inhalt der Flaschen probieren zu dürfen, wobei er sich auf den angeblichen Usus der deutschen Kollegen berief. Die russischen Damen sind aber nicht mehr so naiv, dass sie einem solchen Quatsch glauben, abgesehen davon, dass Männer wie Matrjoschkin bei ihnen nichts mehr zu suchen haben. So rächte sich der Zurückgewiesene mit der Verbreitung rufschädigender Gerüchte.

Im Domizil des Konzerns bestand Matrjoschkin auf der Veröffentlichung und folglich Bezahlung der einzigen Aufnahme, die er mitgebracht hat. So kann sich der geneigte Leser selbst davon überzeugen, was für einen miesen Pressefotographen unser Team hat.

 

Von einer Leserin haben wir folgendes erhalten:

Hölzern, frech und ohne Takt,
dass einen das Grauen packt.
Kasatchatchok und ras dwa tri-
Matrjoschka, die lernt es nie.
Wie ein Flöckchen, rein und zart,
das ist nicht der Russen Art.
Mit dem Hammer und der Sichel
immer auf den deutschen Michel.
Lasst den armen Kerl doch leben,
dieser kann Euch so viel geben:
Freundschaft und Beständigkeit,
Witz und schlichte Herzlichkeit.

Anm. v. m.:Daraufhin wurde der Rat der Matrjoschkas zusammengetrommelt. Er beschloss, allen Lesern kundzutun: "Wir lieben sie. Alle. Alle Menschen in der Welt!".

12.12.2000 

Eine erbauliche Geschichte zum 1. Mai, dem Tag der Solidarität aller Unterdrückten

Als in Kemerowo (Sibirien) die Gouverneurswahl stattfinden sollte, initiierte der aussichtsreichste Kandidat die Aktion "Mama finde mich!" Es ging darum, ins Heim abgegebene Kinder für ein paar Tage in normale Familien zu holen.

Ein Schriftstellerkollege empörte sich: "Kannst Du Dir vorstellen, wie den Kindern zumute ist, wenn sie in die Heime zurück müssen?" fragte er. "Bittere Tränen werden fließen."

"Wenn sie in den Heimen bleiben", sagte ich darauf, "haben sie nicht einmal etwas, weswegen sie heulen können. Ich bin bereit, jeden Schweinehund zu wählen, wenn er, aus welchen Gründen auch immer, etwas vorschlägt, was einem unglücklichen Kind ein wenig Freude macht."

Tatsächlich führte die PR-Aktion "Mama, finde mich!" dazu, dass einige Kinder nicht nur für ein paar Tage abgeholt, sondern danach auch adoptiert wurden. Hurra! Von mir aus sollen die Wahlen jeden Monat stattfinden. Hauptsache, dass es jemandem davon besser geht.

Besonders Kindern.

Mehr Sinn sehe ich in der Demokratie, wie sie bei uns ausgeübt wird, nicht.

...Einmal betrat ich das Gelände eines Kinderheims und fragte ein kleines Mädchen auf dem Hof, wie ich den Direktor finde. Es bot sich an, mich zu ihm zu bringen. Ich wollte wissen wie das Mädchen heißt.

"Raten Sie mal!"

"Nadja."

"Nein, Marina. Aber wenn Sie wollen, bin ich eben Nadja."

Wir gingen ins Haus. Marina fragte, ob sie mich an die Hand nehmen darf. "Natürlich", sagte ich. Nach ein paar Schritten fragte sie, ob sie auch meine andere Hand nehmen darf.

"Wie sollen wir dann gehen, so an beiden Händen angefasst."

"Wir müssen ja nicht gehen, wir bleiben einfach stehen. Ich weiß, dass Sie nicht mein Papa sind," sagte das Mädchen und stockte: "Oder sind Sie doch mein Papa?"

"Nein."

"Hab ich`s doch gewusst!"

Wir standen mitten im Flur und hielten und an den Händen. Das Mädchen fragte mich noch, ob es mir Briefe schreiben dürfe. Nur schreibe. Anschicken werde ich sie nicht."

"Du kannst sie ruhig abschicken. Ich schreibe dir zurück."

Ich gab dem Mädchen meine Adresse und meine Telefonnummer. Doch es hat mir nie geschrieben und mich nicht angerufen.

Bis zu diesem Tag hielt ich mich für einen anständigen Menschen. Danach werde ich den Gedanken nicht los, dass ich ein Schwein bin.

Ein anderes Mal lernte ich zwei kleine Scheibenputzer kennen. Ich fragte sie, wo sie denn wohnen. Sie waren bereit, es mir zu zeigen und stiegen in mein Auto.

"Aber nicht klauen, okay!" sagte ich.

"Unseren Bekannten stehlen wir nie was", gab der Ältere mit Nachdruck von sich. "Außerdem haben wir Deine Taschen schon geprüft. Ist nichts drin. Hast das Geld herausgenommen!"

Wieder fühlte ich mich wie ein Schwein, denn ich habe das Geld tatsächlich herausgenommen, bevor ich die Wagentür öffnete.

Wir fuhren zu einer Müllhalde und sie zeigten mir einen aus Obstkisten gezimmerten Verschlag. Hier wohnten sie. "Seid Ihr zufrieden mit der Unterkunft?" Sie schauten mich an, als hätten sie einen Idioten vor sich.

"In dieser Scheiße leben?"

"Warum geht Ihr dann nicht in ein Heim?"

Ein Junge klopfte an die Hütte, dass sie wackelte:" Hier haben wir wenigstens eine Ecke für uns!"

Dumm, weil überflüssig, zu sagen, dass auch ein Kind seine Ecke braucht. Dumm, weil überflüssig, zu sagen, dass jemand ein Schwein ist, auch wenn er sich nicht als ein Schwein fühlt. Es ist aber so.

Anm. von M.: Die Holzpuppe weiß nicht, ob so etwas wie die russische Seele tatsächlich existiert. Sie weiß aber, dass die Aufzeichnung aus Gazeta.ru auch von einem Tolstoi oder Dostojewski stammen könnte. Sie wäre dann beein druckender geschrieben, im Kern jedoch mit derselben Aussage. Also existiert die russische Seele vielleicht doch. Also ist sie noch nicht tot.

2. Anm. von M.: Um die Straßenkinder in Russland kümmert sich u.a. der Deutsch-Russische Austausch e.V. mit Hauptsitz in Berlin.

Email: dra.berlin@contrib.com

30.4.01 

ALLE MOSKAUER HUNDE ERHALTEN AMTLICHE AUSWEISE

Die Ausweise sind aus Plaste, enthalten alle Daten des Vierbeiners und Hinweise auf den Besitzer. Auch herrenlose Hunde erhalten die Plastikkarten. In dem Falle wird als Besitzer der kommunale Dienst der Moskauer Stadtregierung geführt.

Die Ausweise sind gebührenpflichtig (einmalig etwa 10 DM). Trotzdem sind die Hundefreunde happy. Sie feiern den Sieg über die Willkür der Hundefänger. Diese waren jahrzehntelang ihr Alptraum. Bewaffnet mit langen eisernen Fangstöcken, fuhren sie in der Stadt herum. Offiziell sollten sie nur herrenlose Hunde aufgreifen. Aber sie scherten sich wenig um die Vorschrift. Jeder Hund lief Gefahr, in ihre furchtbaren Käfige zu gelangen und dem grausamem Tod geweiht zu sein. Wenn sich der Besitzer nicht rechtzeitig mit Schmiergeld einfand.

Jetzt wird von der Öffentlichkeit der nächste Schritt gefordert: implantierte Chips in die Haut des Hundes! Wie in hochzivilisierten und hundefreundlichen Ländern Europas.

Die Moskauer Regierung befürwortete die Forderung. Leider erwiesen sich die Moskauer Betriebe nicht imstande, die Miniaturspeicherzellen zu erschwinglichen Preisen zu produzieren. Es wird erwogen, mit Bitte um Hilfe an die Weltöffentlichkeit heranzutreten. Es geht um 6-8 Millionen USD für den Kauf der Chips im Ausland.

Peanuts. Wenn jeder Hundefreund im Westen zehn Pfennig spendet, haben alle Hunde in Moskau ihre Chips.

Die Hundefreundlichkeit der Moskauer Stadtregierung wird auf Juri Luschkow zurückgeführt. Der Moskauer OB, vor kurzem mit dem Doktor- Haass-Preis in Berlin ausgezeichnet (siehe der Link auf der mitteilsame M.), hat ein Herz für Hunde. Wie verlautet, für die Menschen auch. Insbesondere für ältere. So dürfen die Rentner in der Hauptstadt die öffentlichen Verkehrsmittel gratis nutzen. Und von der Oberbürgermeisterei werden ihre kargen Renten (im Schnitt kaum die Hälfte des Existenzminimums) ein wenig aufgestockt.

Allerdings wird Luschkow auch einiges vorgeworfen. U.a. das Beibehalten der strengen polizeilichen Meldepflicht in Moskau. In der Sowjetzeit war diese ein wirksames Mittel zur umfassenden polizeilichen Überwachung der gesamten Bevölkerung des Landes und der Beschneidung der Reisefreiheit. Jetzt geht es angeblich nur darum, Moskau vor unerwünschten Besuchern freizuhalten.

Wie dem auch sei, die Meldepflicht für Hunde ist ein anderes Kapitel. Daran gibt es nichts auszusetzen.

Der Matrjoschka-Rat begrüßt die Einführung der Hundeausweise in der russischen Hauptstadt und entrichtet dem breitschultrigen, untersetzten und jovialen OB seinen aufrichtigen Dank für Humanisierung des Hundelebens in Moskau. Weiter so, Herr Luschkow!

17.2.01

WORÜBER SICH DIE MOSKAUER AUFREGEN:  

Beresowski gibt nicht auf

Der russische Tycoon Boris Beresowski, Günstling des ehemaligen russischen Präsidenten Jelzin und erbitterter Feind Putins, trat der Partei „Das liberale Russland“ bei.  Der Vorsitzende der Splitterpartei, Sergej Juschenkow,  rechtfertigte die Aufnahme Beresowskis. Obwohl als Steuerhinterzieher und Betrüger auf der Fahndungsliste der russischen Staatsanwaltschaft, dürfe er nicht abgewiesen werden, da die Partei jeden nimmt, der rein will. Eine liberale Partei eben. Warum Beresowski schleunigst  in den politischen Rat der Partei gewählt worden ist, konnte der liberale Politiker nicht begründen. Er äußerte nur, Beresowski sei beim Aufbau einer „echten“ Opposition  unverzichtbar.     

Tatsächlich?

Im Runet wird immer öfter behauptet, Russland drohe eine neue Finanzkrise wie die von 1998. Das Kartenhaus der russischen Wirtschaftserholung wackele. Der Stoss soll vom zu erwartenden Absturz der Erdölpreise kommen. Dann würde sich rächen, dass die hohen Einkünfte der letzten Jahre nicht für die Erneuerung der  Ausrüstungen genutzt wurden. Auch der Westen hätte dabei beigemischt, da der Druck in der Schuldenfrage und andere Tricks einer Erholung der russischen Industrie entgegengewirkt haben.  

Eine neue Shirinowski- Überraschung

Der faschistoide Populist, durch seine wütenden Angriffe auf die USA berüchtigt, vollzog einen überraschenden Paradigmawechsel. Noch vor kurzem behauptete er, die Terrorakte vom 11. September seien das gemeinsame Werk der amerikanischen und israelischen Geheimdienste gewesen,  darauf gerichtet, Russland und die islamische Welt der gegenseitigen Vernichtung auszuliefern. Jetzt rühmt er das famose Zusammenwirken der USA und Russland in Afghanistan, erinnert an den gemeinsamen Kampf beider Länder gegen Deutschland im Zweiten Weltkrieg  und vergleicht die Einnahme von Kabul mit der Eroberung Berlins 1945. Bei aller Kuriosität von Shirinowskis Ansichten wird ihm  im politischen Moskau eine gute Nase bescheinigt.

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