RUSSLAND IN DER WELT  

            (FORTSETZUNG)       

                               

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Auf der diesjährigen internationalen Sicherheitskonferenz in München hielt der russische Verteidigungsminister Sergei Iwanow eine   Ansprache. 

Bis jetzt fanden Iwanows Ausführungen nicht viel Beachtung in den deutschen Medien. Es ist schade. Denn der russische Verteidigungsminister schnitt Fragen an, die unter anderem auch eine, für  die  Sicherheit der Bundesrepublik sehr wichtige Region tangieren. Gemeint ist die in den russischen Medien als "Grauzone“ in der europäischen Sicherheitslandschaft bezeichnete Region.

Es geht darum, dass vier neue NATO-Kandidaten formell nicht  in die europäische Sicherheitsstruktur eingebunden sind. Und zwar Litauen, Lettland, Estland  und die Slowakei. Sie haben es bis jetzt versäumt,  die für andere Europäer verpflichtenden militärischen Sicherheitsbestimmungen einzuhalten und sich den diesbezüglichen Kontrollen zu unterwerfen.

Zwar geht es hierbei um  Staaten, die  zu keiner Gefahr für ihre Nachbarn werden können und wollen. Trotzdem  gibt das Loch im europäischen Sicherheitsgeflecht  Russland Anlass zur Sorge. Denn    unter Umständen können andere, viel mächtigere Staaten dieses nutzen, um   ihre Militärstützpunkte näher an Russland zu rücken. Vor allen die USA, die bis jetzt jede  Gelegenheit ergriffen haben, sich an die russischen Grenzen heranzutasten. Besonders im südlichen Vorfeld Russlands, wo sie militärische Stützpunkte einrichteten, um der Gefahr des internationalen Terrorismus Herr  zu werden. Im Falle  Ost -und Nordeuropas würde allerdings ein ähnliches Vorgehen gar keine Glaubwürdigkeit besitzen.

Die Schlupflöcher im europäischen Sicherheitsgeflecht dicht zu machen, heißt auch einer anderen Gefahr vorzubeugen. Der Gefahr einer laschen Behandlung der auf dem europäischen Kontinent  bestehenden Sicherheitsbestimmungen. Diese müssen aber von allen europäischen Staaten  ohne wenn und aber eingehalten werden. Und selbstverständlich ohne Rücksicht auf den Druck, den eine um die europäische Sicherheit  nicht unbedingt sehr besorgte Weltmacht ausüben kann. Sonst würden die Sicherheitsvorkehrungen der Europäer, in Jahrzehnten  mühsamer Verhandlungen entstanden, ausgehöhlt.

Zwar haben die europäischen Spitzenpolitiker mehrmals beteuert, dass die NATO-  Osterweiterung  der russischen Sicherheit nicht abträglich sein wird.  Eigentlich läge  es im eigenen Interessen der Europäer.  Darunter und vielleicht vor allem auch der Bundesrepublik. Besonders in dem vom russischen Verteidigungsminister angesprochenen Fall. Geht es ja um eine, an ihr Territorium  angrenzende   Region, wo sie sich noch weniger als anderswo  eine Anhäufung von Waffen etc. wünschen kann. 

Somit würde die Beseitigung  der Schlupflöcher im europäischen Sicherheitsgeflecht  einen evidenten   Beweis für die Berücksichtung nicht nur  der russischen Interessen bei der NATO- Osterweiterung liefern.  Es wäre ein guter Beitrag zur  weiteren Verbesserung des internationalen Klimas auf dem gesamten Kontinent, insbesondere aber in Mittel- und Nordeuropa.

9.2.04 

SIND DIE GEGEN DIE USA- TRUPPEN IM IRAK GERICHTETEN ATTENTATE ZU BILLIGEN?  

Keineswegs, meint russischer Außenminister Sergej   L a w r o w in seiner jüngsten Stellungnahme zur Situation im Irak.  Andererseits meint er aber, dass die Amis selbst die Schuld dafür tragen, dass sie jetzt in der Falle sitzen. Trotzdem sieht Russland mit Unbehagen, wie sich  die Lage in Irak  ständig verschlechtert. Es ist  der Meinung, dass die wichtigste Aufgabe zurzeit darin besteht, die Besetzung Iraks schnellstmöglich zu beenden und seine Souveränität und die Rechte des irakischen Volkes wiederherzustellen. Gerne hilft es den Amis, das zu tun, wenn sie sich endlich dazu entschließen sollen.

Wir werden niemandem, sagt Herr Lawrow,  unsere Ratschläge aufzwingen, doch unsere Einschätzungen und Prognosen zur Entwicklung der Lage in Irak finden jeden Tag ihre Bestätigung. (Unsere auch- PS. von matrjoschka-online.de)

Wir kennen dieses Land (wir auch !- PS. von matrjoschka-online.de). Wenn die UNO auf Bitte der Iraker die zentrale Rolle bei der politischen Regelung im Irak übernimmt- und dies wird nach der Einstellung der Besetzung der Fall sein,  wird Russland
sich  daran beteiligen. (Iwan Matrjoschkin, Esq. versicherte, er stünde Gewehr beim Fuß und nehme das Amt des UNO- Hochkommissars an, sollte dieses ihm angeboten werden.)
22.03.04

ZUM VERHÄNGNISVOLLEN JAHRESTAG

Der Jahrestag des Beginns des amerikanischen Krieges gegen Irak gibt Gelegenheit zu der Feststellung, dass der einzige Sieger in diesem Krieg der
internationale Terrorismus ist, dessen Bekämpfung angeblich der Grund für den Feldzug der USA war. Zwar ist das irakische Volk von der grausamen Diktatur Husseins  befreit worden, Was hat er aber bekommen?  Nur Gerede über Demokratie, reales Chaos und einen immer näher kommenden
ethnischen und konfessionellen Bürgerkrieg. Am Ende kann  das Land auseinanderbrechen oder eine
theokratische Diktatur entstehen, die noch grausamer ist als die Husseins - die wenigstens eine weltliche war. Außerdem war Irak früher für Terroristen tabu, während heute die Türen sperrangelweit
offen stehen.

Die amerikanische Armee hat ihren militärischen Feldzug glänzend gewonnen, aber die Militärs zahlen wie immer für die Fehler der Politiker. Die mächtigste Armee der Welt ist nun auf Leben und Tod an Irak und Afghanistan gebunden, wo sie in einen hoffnungslosen, endlosen
Krieg verwickelt ist . Aus Irak wird indessen weder ein mustergültiges demokratisches Land noch ein
Schauplatz für Schläge gegen Iran und Syrien und nicht einmal ein Reservoir für Erdöl. Die Amerikaner haben bekommen, was sie nicht erwartet haben und was sie nicht wollten, nämlich eine Brutstätte des
Terrorismus, einen würdigen Nachfolger für das Afghanistan der Taliban.

Die von den Amerikanern unter enormen Schwierigkeiten
zusammengezimmerte Anti-Terror-Koalition bricht  zusammen. Nach den Anschlägen in Madrid haben
die Spanier  kapituliert. Der Sieg der pazifistischen Sozialisten bedeutet, dass Europa  grundsätzlich nicht in der Lage ist, sich der Gewalt zu widersetzen. Den "alten Kontinent" kann man abschreiben,
bald wird er  Vereinigten Europäischen Emiraten heißen.

Die Achillesferse der europäisch-amerikanischen
Zivilisation, die Uneinigkeit und zweierlei
Standards, werden diese zugrunde richten. 

(Nach IMA-PRESS. Ru.22.3.04 )  

EINE RUNET- ZEITUNG ÜBER DIE NATO-OSTERWEITERUNG

 1.

 Auf der einen Seite hat Moskau zur NATO-Erweiterung ziemlich gemäßigte Kommentare abgegeben. So erklärte der Präsident Russlands, dass
Russland "keinerlei Befürchtungen im Zusammenhang mit der NATO-Erweiterung hat" ... Gleichzeitig wurden aber mit Billigung des Kremls  sehr scharfe Erklärungen der Staatsduma abgegeben . Es sieht so aus, als ob diese ambivalente Haltung Russlands zwei Ziele verfolgt: Es soll gezeigt werden, dass Russland von der NATO-Erweiterung und ihren möglichen Folgen zwar beunruhigt ist, die Beziehungen zur Allianz aber nicht
verdorben werden sollen, umso mehr, als sich unter dem früheren Generalsekretär George Robertson die Beziehungen zwischen Russland und der NATO ernsthaft verbessert haben.

Dabei muss man zugeben, dass die Haltung Russlands die Ausdehnung der Allianz auf das Territorium der ehemaligen UdSSR nicht verhindern
kann. So hat  der Präsident der Ukraine, Leonid
Kutschma, das vom Parlament ratifizierte Memorandum unterzeichnet, das eine zügige Zugangsberechtigung von NATO-Truppen zum Territorium der Ukraine vorsieht. Das Memorandum enthält die rechtlichen Grundlagen einer Unterstützung der Ukraine für die Durchführung von militärischen oder friedensstiftenden Operationen der NATO im Rahmen des Abkommens
der "Partnerschaft für den Frieden". Es sieht vor, dass die Ukraine der NATO  Hilfe in vielerlei Form leistet und Informationen zur Verfügung stellt. Die Art
und die Mittel der Unterstützung von NATO-Operationen durch die Ukraine sollen durch separate Abkommen festgelegt werden. Überdies
legt das Memorandum fest, dass diese Hilfe gegen Bezahlung erfolgt ...Damit schlägt die Ukraine gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie bekommt zusätzliche Finanzierungsquellen und setzt im Rahmen des übergreifenden Prozesses ihre Integration in die Europäische Union
 fort. 
 

In dieser Situation löst das Vorrücken der NATO an die Grenzen Russlands größte Beunruhigung aus. Schon heute wird der Luftraum des Baltikums
von Kampfjets der Allianz kontrolliert. Wenn dann noch in der Ukraine Militärstützpunkte der NATO errichtet werden, ist der Westen Russlands
von Streitkräften des stärksten Militärblocks der Welt eingekreist.

Offensichtlich bleibt uns nichts anderes übrig, als  eine Annäherung an die NATO. Erstens braucht Russland, solange es Atomwaffen besitzt, eine Aggression von außen kaum zu
befürchten. Zweitens kann es aus zwei Gründen die NATO-Erweiterung nicht aufhalten, und zwar aus dem Mangel an eigenen Ressourcen sowie
wegen des strategischen Interesses der Europäer an der Erweiterung der Allianz, denn ohne Einbeziehung der Länder Ost- und Mitteleuropas in die NATO ist ihre Integration in der Europäischen Union nicht möglich.
 

Das Thema Terrorismus versucht Russland zu einer
Akzentverschiebung bei der NATO-Strategie zu nutzen, was eine solide Grundlage für eine Annäherung an die Allianz schafft. Allerdings ist
einstweilen nicht klar, inwieweit diese Taktik Russlands aufgehen wird. Noch läuft die Terrorismusbekämpfung unter dem Diktat der USA
ab, die diese  für die Legitimierung der eigenen
militärischen Kampagnen nutzen.  

2.

Der Besuch des NATO-Generalsekretärs Jan de Hoop Scheffer in der russischen Hauptstadt soll endlich einen Punkt unter die unerwartet
ausgebrochene Polemik zwischen Russland und der Allianz setzen. Unerwartet deshalb, weil die Erweiterung der NATO rechtzeitig geplant
war; und die russischen Politiker sollten sich nicht gerade an dem Tag gegen die Erweiterung polemisieren, an dem die Erweiterung
vollzogen wurde, sondern sie hätten es vielmehr tun sollen, als in Brüssel die entsprechenden Beschlüsse militärisch-technischer Art gefasst wurden. Man könnte natürlich annehmen, dass sämtliche Proteste
gegen die Erweiterung rein rhetorischer Natur sind ...
 

Die Zusammenarbeit zwischen der NATO und Kiew kann die Illusionen von dem Wiedererstehen irgendeines einheitlichen Raumes auf den Relikten
der ehemaligen UdSSR durchkreuzen. Denn selbst im Fernsehen wird man den russischen Werktätigen nur schwer erklären können, wieso Russland einen gemeinsamen Wirtschaftsraum oder ähnliches mit einem Land schaffen soll, das NATO-Mitglied ist. Die nach Osten vorrückende Allianz beginnt die Illusionen Russlands zu gefährden. Und für die russische politische Elite war das Hegen von Illusionen immer
wichtiger als die Realität. (nach Politkom.ru)
8.4.04 

IWANOWS HÖRNER

In einem Beitrag für das Magazin RUSSLAND IN DER WELTPOLITIK  hat der russische Verteidigungsminister Sergei Iwanow  eine Änderung der russischen Politik für den Fall angekündigt, dass die NATO an ihrer "offensiven militärischen Doktrin" festhalte. Er forderte die NATO auf, in ihren Plänen von anti-russischen Szenarien  abzusehen und ihre Mitglieder von antirussischen Äußerungen abhalten.

Gefragt  nach Hintergründen dieser Stellungsnahme des Präsidentem Putin nahestehenden Hardliners, wies unser Militärexperte Iwan Matrjoschkin, Esq., auf deren Zeitpunkt: In den nächsten Tagen treten Estland, Lettland und Litauen der NATO bei . Die baltischen Ländern bringen in ihrem Gepäck viel  Zündstoff. Denn in den  Beziehungen zwischen  Russland und diesen neuen mächtigen Streitern für  transatlantische Solidarität bleibt  Einiges offen. Darunter  der Grenzverlauf und Behandlung  der großen russischen Diaspora im Baltikum.

In diesem Zusammenhang sprach I.M., Esq. sein Bedauern darüber aus, dass der neue Nato- Generalsekretär ihn noch nicht zu seinen Beratern zählt. Der frühere, Lord Robertson, der ihm den Ehrentitel Esquire verliehen hätte, war da anders. In schwierigen Fällen konsultierte er Iwan Matrjoschkin, was ihm half, richtige Entscheidungen zu treffen.

Im Übrigen aber sieht unser Militärexperte keinen Grund für Panik in den westlichen Hauptstädten. Das Drohgebärde Iwanows soll zwar ernstgenommen werden, dennoch lehrt  ein russisches Sprichwort dass, бодливой корове Бог рог не дает (einer streitsüchtigen Kuh gibt  der liebe Gott Kuh keine Hörner).

An den Kreml appellierte Iwan Matrjoschkin, die zu erwartende antirussische Hetze der neuen NATO-Mitglieder in den Gremien der Allianz auf die leichte  Schulter zu nehmen. Mit der Zeit werden sie  dem Westen auf den Wecker fallen. Europa ist auf Zusammenarbeit mit Russland angewiesen. Das zählt, alles andere Peanuts.    

27.3.04  

Die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik ermöglichte ihren Mitgliedern und Gästen eine Begegnung mit dem russischen Vier-Sterne- General Walentin Warennikow.  

Er gehört zu der in Russland wenig verbreiteten Spezies des in der großen Politik gerne mitmischenden Militärs. 1991 nahm er aktiven Anteil an der gescheiterten  Verschwörung der Gegner der damaligen russischen Führung. Auch heute ist  der Einundachtzigjährige   felsenfest davon überzeugt, dass er  als russischer Patriot nicht anders   handeln durfte. Denn mit anderen Verschwörern hätte er versucht, den Zerfall der Sowjetunion abzuwenden. Wäre das gelungen, käme es der Stabilität nicht nur im sowjetischen Raum, sondern auch auf dem ganzen euroasiatischen Kontinent zugute.  

Allerdings meinte der General, jetzt habe es wenig  Sinn,  zurück zu blicken. Der Wiederherstellung der Sowjetunion sei unwahrscheinlich. Jetzt gehe es  darum, den russischen Nachfolgestaat zu stärken, damit diesem nicht dasselbe Schicksal  widerfährt wie dem zerfallenen Unionsstaat. Seine Hoffnung darauf verbindet er mit der Tätigkeit des neuen russischen Präsidenten, Wladimir Putin. Als Mitglied der russischen Staatsduma und einer der Mitbegründer der neuen parteipolitischen  Vereinigung „Rodina“,  Heimat, bescheinigt er Putin ganz anders als die  Vorgänger in Kreml zu sein. Und zwar sachlich, konsequent, einem guten Rat offen. Vor allem aber darauf aus, das unselige Erbe der letzten Jahre zu überwinden und dem russischen Volk eine Existenz in Wohlstand und Würde zu ermöglichen.  

Auf diesem Wege, meinte Warennikow,  hätte der derzeitige russische Präsident bereits erhebliche Erfolge zu verbuchen. Es seien wichtige Voraussetzungen zur Bekämpfung des Separatismus, der bürokratischen Willkür und Korruption geschaffen . Die von Putin kurz vor seiner jüngsten Wiederwahl eingesetzte neue Regierung bestehe aus kompetenten Menschen, fähig und willens, Russlands Wiederaufstieg zu sichern.  

Der General, der seine ersten Sporen noch in den Jahren des Zweiten Weltkrieges verdient hatte, gab sich Europa freundlich. Er sähe mit Freude, dass die Europäische Union voran kommt, wovon ,seiner Meinung nach, der starke Euro zeugt. Von der strategischen Partnerschaft der EU, vor allem Deutschlands mit Russland gewinnen beide Seiten. Es sei das Gebot der Zeit, sie zu stärken. Insbesondere angesichts des Strebens Amerikas  nach einer monopolaren Welt.  

Es ist anzunehmen, dass die Ausführungen des Generals nicht bei allen Zuhörern gut ankamen. Manches in seinen Gedankengängen und vor allem die barsche  Ausdrucksweise waren geeignet, Widerspruch zu wecken. Nicht von ungefähr versuchte der Dolmetscher, seine  Ausfälligkeiten an die Adresse Michail Gorbatschows und Boris Jelzins  dem in der ehrwürdigen Gesellschaft üblichen,  korrekten Ton anzunähern.  

Nichtsdestoweniger reihte sich die Begegnung mit General Warennikow in die Veranstaltungsreihe der DGAP, die sich dankenswerter Weise bemüht, der deutschen Öffentlichkeit alle Facetten des bunten politischen Spektrums   Russlands vorzustellen.

22.4.04

Am 8. Mai, dem Tag, an dem vor 59 Jahren der große Krieg in Europa zu Ende ging, bietet das Deutsch-Russische Museum in Berlin  Karlshorst ein reichhaltiges Veranstaltungsprogramm.

Das Museum ist die einzige Einrichtung in der Welt, wo die ehemaligen Kriegsgegner Hand in Hand  daran arbeiten, die Ursachen, den Verlauf und die  Begleitumstände des schlimmsten Krieges in der Geschichte Europas zu klären und dem breiten Publikum zu vermitteln. Es musste viel geschehen, damit in dem Gebäude, in dem 1945 die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht  besiegelt wurde, eine Institution entstehen konnte, wo der Krieg von beiden Seiten betrachtet  und als das aufgefasst wird, was er war. Kein Exerzierfeld des martialischen Ruhmes, sondern  ein überaus  leidvoller Weg, den die Russen und die Deutschen unter schrecklichen Entbehrungen und riesigen Verlusten durchmachten.     

Auch die Jahrestage der deutschen Kapitulation werden hier in diesem Sinne begangen.  Auch der  59. Jahrestag. Den Besuchern des Museums (übrigens ist der Besuch gratis) werden an diesem Tag mehrere Filmvorführungen, Vorlesungen, Diskussionsrunden  angeboten.  Die Musik besorgt die Combo der U.S. Forces Europe. Zusammen mit  Solisten des berühmten russischen Alexandrow- Ensembles wird auf diese  Art und Weise an den gemeinsamen Kampf Russlands und der USA gegen den nationalsozialistischen Aggressor  in Europa erinnert (leider durch den kalten Krieg zwischen den Siegermächten bald nach dem Kriegsende 1945 abgelöst).  

Ein Schwerpunktthema der Museumsausstellungen ist  in diesem Jahr die Leningrader Blockade,  eine der grausamsten und  opferreichsten Episoden des Feldzugs der deutschen Wehmacht in Russland. Der russische Schriftsteller Daniil  Granin, in den Tagen der Belagerung Leningrads  unter den Verteidigern der von Peter dem Großen gegründeten Stadt an der Newa (heute wieder Sankt Petersburg), in der Nachkriegszeit ein Chronist der Tragödie, wird sich  den Fragen des Publikums stellen.  

Selbstverständlich werden die Besucher des Museums an diesem Tag  russische Leckerbissen konsumieren können, darunter Pelmeni, Piroggen und besonders empfehlenswert  russische Eierkuchen (Bliny) mit echtem russischem Kaviar. Und hoffentlich auch  den echten russischen  Wodka, im Krieg ein zuverlässiger  Stimmungsaufheller der russischen Soldaten. 

7.5.04

In Berlin ging eine  zweitägige Konferenz des Deutsch- Russischen Forums zu Ende. Hochkarätige Experten aus Deutschland und Russland erörterten die Vorgänge in Russland vor dem Hintergrund der Globalisierung.   

Bundesminister a.D. Egon Bahr begann seinen Vortrag mit einer Einschätzung des soeben in der deutschen Presse erschienenen offenen, äußerst kritischen Briefes mehrerer europäischer Intellektueller über die Politik des russischen Präsidenten Putin. Der Architekt der neuen deutschen Ostpolitik, der sie einst  zusammen mit Willy Brandt durchsetzte und dadurch Deutschland zur Wiederherstellung seiner Souveränität  verhalf, ging mit den im Brief geäußerten Ansichten scharf zu Gericht. Er widersprach entschieden der  Meinung, Putin führe  Russland zu den Zuständen der Sowjetära zurück. Vielmehr bemühe sich der russische Präsident um die Stärkung der Einheit und der Handlungsfähigkeit der Russischen Föderation. Im Augenblick gehe es in Russland  nicht so sehr um  Demokratie, sondern um Rechtsstaatlichkeit. Vor allem um die Bekämpfung der ausufernden Korruption. Diese sei die Voraussetzung dafür, dass Russland   eine konstruktive Rolle in Europa spielt.   

In diesem Zusammenhang hob Egon Bahr hervor, dass  die Globalisierung  sehr wohl mit der Stärkung der nationalen Staatlichkeit zusammengehen kann.  Dem Prozess der wirtschaftlichen Globalisierung  seien  nationale Kulturen nicht zu opfern. Denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Er darf seine  Wurzeln nicht aufgeben.  

Deswegen sei der Anspruch, Russland vorschreiben zu dürfen, wie es seine Angelegenheiten zu regeln hat,  abzulegen. Damit wird nur die Gefahr einer erneuten Entfremdung    zwischen Russland und  Europa beschworen. Der sich integrierende Kontinent braucht aber Russland. Insbesondere     unter den Bedingungen des verschärften globalen Wettbewerbs.   

Den russischen Standpunkt dazu legte auf der Konferenz der Generalsekretär der am stärksten im russischen Parlament vertretenen Partei “Russlands Einheit“, Waleri Bogomolow dar.  Auch er  sagte, es sei falsch, der russischen Administration das Korsett der westlichen Demokratienormen anlegen zu wollen. In diesem Zusammenhang plädierte  er für die gelenkte Demokratie, wie sie der russische Präsident ansteuert. In Russland gebe es zu dieser nur eine einzige Alternative. Sie heißt  Chaos.   

An Europa richtete der maßgebende russische Politiker die Frage, welches Russland es denn wolle. Ein schwaches, zerstückeltes Land oder einen  starken Verbündeten mit geordneten Zuständen? Bogomolow bedauerte die Neigung der westlichen Medien, jenen in Europa herumreisenden Russen bevorzugt  das Wort zu erteilen, die, niemanden außer sich selbst vertretend,   Schauermärchen  über Russland von sich geben. 

Russland sei ein europäisches Land und will es bleiben. Aber es will auch Russland bleiben und damit muss man sich abfinden, sagte Bogomolow.    

Die Ausführungen des etablierten russischen Politikers ergänzte ein radikalerer Experte aus Russland, der Direktor des Instituts für Globalisierungsprobleme in Moskau, Michail Deljagin. Auch er sprach sich dagegen aus, Russland eine Demokratie mit westlichen Spielregeln aufzwingen zu wollen. Dies würde einem Versuch gleichen, Russland einen Fremdkörper zu implantieren. Dagegen sei Putins Politik  der Lage im Land angemessen.   

Bogomolow behauptete,   Russland fehle eine  Elite, die sich um das Gemeinwohl kümmert.   Obwohl die Oligarchen,  an der Plünderung des sowjetischen Wirtschaftserbes reich geworden, etwas zurückgedrängt wurden, steuern sie hinter den Kulissen weiterhin die Vorgänge in Russland.  Ihre Abwehr erfordere eine harte Hand an der Spitze des Staates.  

Summa summarum bot die Konferenz, im Unterschied zu manch einer anderen Veranstaltung des Deutsch- Russischen Forums, der deutschen Öffentlichkeit eine gute Gelegenheit, auch jene Ansichten zur Kenntnis zu nehmen, die in den deutschen Medien, insbesondere in der letzten Zeit, eher selten artikuliert werden. Umso mehr ist zu bedauern, dass der Besuch diesmal zu wünschen übrig ließ.

1.10.04 

Im Deutschen Historischen Museum zu Berlin  wurde eine, von der Öffentlichkeit viel beachtete Ausstellung unter dem Titel „Mythen der Nationen“ geöffnet.   

Wie  aus dem Titel hervorgeht, gilt  die  Ausstellung    nicht den eigentlichen Ereignissen der Geschichte, sondern ihrer Spiegelung in der  Propaganda der involvierten Staaten. In den Mythen der Propaganda, die  im Gedächtnis der Menschen tiefe  Wurzel schlagen können und  die wahre Realität  durch die virtuelle verdrängen. Die Ausstellung dokumentiert, wie das tastsächlich Geschehene    zu Mythen verdichtet und    verzerrt wird.   

Besonders stark wucherten die Mythen in den  Jahren des  Zweiten Weltkrieges und des nachfolgenden kalten Krieges. Die Kriege  erforderten von den beteiligten Staaten die totale Mobilisierung aller Ressourcen, auch der psychologischen Ressourcen der Bevölkerung. Die Mythenbildung stellte ein wirksames Instrument dafür bereit. Insbesondere in den  Staaten, die  ihre Legitimierung nicht aus den demokratischen Prozeduren , sondern eben aus den Mythen schöpften. 

Ein großer Teil der Ausstellung ist den  sowjetischen Mythen vorbehalten. Hier sind viele Plakate und andere Druckerzeugnisse, aber auch Medaillen und   Gedenkmünzen und vieles andere mehr aus der Sowjetzeit  zu sehen. Besonders einprägsame Zeugnisse von den Mythen der Zeit legen aber die auf den Monitoren laufenden Ausschnitte aus sowjetischen Filmen ab.  

Sie hinterlassen einen gespaltenen Eindruck. Manche   wirken grotesk. Darunter der Streifen „Der Fall von Berlin“ eines seinerzeit hochdekorierten Filmemachers. Sogar einem   russischen Zeitgenossen fällt es heute schwer, zu glauben, dass der sowjetische Diktator Stalin  in den nicht sehr lange zurück liegenden Jahren so maßlos wie in diesem Schinken angehimmelt  wurde. Und zwar als der alleinige, über dem Volk thronende Schmied des   Sieges der Sowjetunion im Krieg gegen den deutschen Angreifer. Eines Sieges, der mit  Blut und Schweiß von vielen Millionen Russen und den Angehörigen anderer Völker der Sowjetunion errungen und vom ganzen Volkes herbeigeführt wurde. 

Zwischen der damaligen und heutigen  Wahrnehmung der dramatischen Zeit   liegen in Russland Welten. Das   lässt begreifen, wie bedeutsam der   von den Russen nach der Abkehr vom Kommunismus zurückgelegte Weg der Erkenntnis  ist. Es ist eine Gewähr dafür, dass die Russen einer Neuauflage der Mythen  nie mehr auf den Leim gehen werden.   

Aber auch etwas ganz anderes   wird in  der Ausstellung des Deutschen Historischen Museums   sichtbar. Und zwar auch in den Fragmenten aus den russischen Filmen der Sowjetzeit. Aus solchen wie „Die Kraniche ziehen“ oder „Iwans Kindheit“, die übrigens in diesen Tagen  in einem dem Museum angeschlossenen Kino laufen.  Von wahren Künstlern wie der berühmte Andrei Tarkowski gedreht und von Liebe zum russischen Volk und Mitleid mit ihm erfüllt, enthüllen sie die Quelle der Standhaftigkeit der Russen während des Krieges. Diese Quelle war nicht die offiziöse Mythologie, sondern die tiefe Verbundenheit mit dem  arg bedrohten Land der Väter, die Liebe zur  Heimaterde. 

Zum Schluss ist  zu erwähnen, dass die bei der offiziellen Ausstellungseröffnung angesprochene steigende Macht  der Massenmedien  die Gefahr der Verführung durch die Mythen  erhöht. Nota bene auch im Westen. Und zwar  durch  Mythen des kalten Krieges, die sehr intensiv kultiviert wurden und noch nicht ganz abgestorben sind.     

So betrachtet,  hat die Ausstellung im Deutschen Historischen Museum einen  aktuellen Bezug. Ihren Veranstaltern ist dafür zu danken.

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