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PROST NEUJAHR !!!

 

Hier werden Beitrage des einzigen männlichen Mitglieds des Matrjoschka-teams, Iwan Matrjoschkin, Esq., präsentiert. Darunter: 1. Seine Gespräche, deren Echtheit von seinen weiblichen Kollegen stark angezweifelt wird. 2. Seine Träume, die meistens wirr sind. 3. Seine Reportagen, die dem Reporterberufsstand keine Ehre machen. 4. Seine Appelle an die deutsche Öffentlichkeit, die nicht beachtet werden sollen.

GORBI IST 74. HIP, HIP, HURRAH! EIN SPEACH VON IWAN MATRJOSCHKIN, ESQ., AUF DER GEBURTSTAGSFEIER IM  MATRJOSCHKA – ONLINE. DE – TEAM , WO ER TAMADA WAR *. 

Vierundsiebzig sind unserem Geliebten nicht anzumerken. Er ist noch  ganz der Alte. Das heißt- der Junge. Gibt Hunderte Interviews. Jedem, der ihn darum angeht. Spricht ohne Ende. Ohne die Sätze zu Ende zu sprechen, meine ich. Und überhaupt ohne die russische Grammatik zu beachten. Und den Wortgebrauch. Als stünde er noch am Pult der kommunistischen Parteikonferenzen, deren Teilnehmer wussten, hat  Gorbi das Mikro in seine Gewalt gebracht, muss man die Zeit nutzen, um sich auszuschlafen. Nach durchzechter Nacht.

A propos, Zeche. Zu den Tugenden unseres Jubilars gehörte nie die Nachhaltigkeit.  Eher machte er es heute so, morgen ganz anders. Nur ein Vorhaben verfolgte er wie der Wolf den Hasen (im bekannten russischen Trickfilm). Das Alkoholverbot. Vielleicht  kapierte er, wie hoffnungslos das Unterfangen in einem Land war, wo  Wodka so viel getrunken wird, wie  Bier in Deutschland. Bloß in viel größeren Mengen. Aber seine Frau Gemahlin bestand darauf, dass er das Hochprozentige verbot.

Das brachte Ergebnisse. Das  Land hörte auf zu arbeiten und begann, selbst zu destillieren. Der Staat ging Pleite, weil die Wodkasteuer, seine Hauptannahmequelle, versiegte. Der Urheber der Misere fiel in der Volksgunst bis weiter geht nichts mehr. Und hieß von nun an Limonaden- Mischa.

Also, hat der Hase den Wolf überlistet. Wie im erwähnten Trickfilm und in russischen Märchen.

Übrigens in den zahllosen Interviews zu seinem 74. wurde er immer wieder danach gefragt, wie er es gewagt hatte, den Russen ihren Wodka zu nehmen. Andere seine Taten hat man in den Gesprächen nicht thematisiert. Obwohl sie  den Supermachtzerfall und die  Verteilung ihrer Reichtümer unter die heimischen und auswärtigen Raubritter und  anderes mehr zur Folge hatten.  Vielleicht klammerte man es aus, weil man  wusste, dass er die dahingehenden Fragen mit einem solchen Schwall von sinnentleerten und unzusammenhängenden Worten beantwortet, dass dem Interviewer  schwindlig wird.

Trotz  angedeuteter kleiner Schönheitsfehler hat unser teurer Michail Sergejewitsch in der Politik eine durchaus glückliche Hand. Alles, was er berührt, zerfällt. Vor seiner Perestroika war er im Kreml für die Landwirtschaft verantwortlich. Das Ergebnis? Dieses ist im Witz erfasst, der zu seiner Amtszeit erzählt wurde. Wie kommt es, dass wir pflügen und säen in Russland, ernten aber in Kanada, Australien und den USA?

Gemeint war, dass die  russische Schwarzerde unter der weisen Aufsicht des Jubilars weder Weizen noch Roggen hervorbrachte und Getreide eingeführt werden musste.

Später übernahm Michail Sergejewitsch andere wichtige Aufgaben, die er mit gleichem Erfolg löste. So wurde er Vorsitzender der russischen Sozialdemokratie. Haben Sie, liebe Kolleginnen,  seitdem etwas von den  russischen Sozialdemokraten gehört? Ich auch nicht.

Ein ähnlicher Verdienst kommt unserem Gorbi auch in Bezug auf den weltweiten Naturschutz zu. Kaum hat er die Führung eines entsprechenden Weltvereins übernommen, wurde die Menschheit von Erdbeben, Tornados, Überschwemmungen und anderen Naturkatastrophen wie auf dem laufenden Band heimgesucht.

So vermute ich, dass auf uns der Flammentod wartet, sollte er von seinen Verehrern  in Deutschland die Aufsicht über die Feuerwehr  bekommen.

Trotz alledem   hat er seinen Friedensnobelpreis  voll und ganz verdient. Denn Gefahr droht uns nicht von Nieten, sondern von Tüchtigen  auf  hohen Posten. Diese, wie sie auch heißen mögen, ob Hitler, Stalin oder B. sind die wahren Quellen des Übels.  Die schlagkräftigen, entschlossenen, besessenen. Mit ihrem verdammten Aktionismus, der leider, liebe Kolleginnen, auch in ihrer Mitte zu finden ist.

Unser Jubilar ist dagegen ein Segen für die Menschheit. Denn er wusste nie, was er wollte, mehr Macht ausgenommen. Er verfolgte nie ein Ziel, höchstens eins, das die anderen ihm vorgaben.

Nur die sprichwörtliche russische Undankbarkeit führte dazu, dass er aus dem Kreml raus musste. Und bei der letzten Präsidentenwahl, an der er teilnahm, satte O, 51 Prozent (etwas mehr als ein halber Prozent) der Stimmen erhielt.

Hätte er  in Deutschland kandidiert, wäre es viel mehr. Aber er ist ein russischer Patriot. Er liebt sein Vaterland und ist für dieses unermüdlich tätig. Die Beispiele habe ich bereits angeführt.

Sei gesund und munter, lieber Michail Sergejewitsch. Mach weiter so. Bitte!

·        Tamada. Im Kaukasus (der Jubilar stammt aus der Gegend) ein Büttenredner bei Festtafeln.   

13.3.05

 

J. FISCHER UND DAS TAPFERE VOLK

In seiner jüngsten Stellungnahme zur Visa -Affäre legte der deutsche Außenminister Joschka Fischer seinen Opponenten nahe, das, wie er sagte, „tapfere“ Volk der Ukraine nicht zu stigmatisieren. Eine begrüßenswerte Aufforderung, urteilt Iwan M., Esq.. Im Weiteren führt er aus:

Stigmatisiert wird  leider nicht nur das ukrainische Volk. Je nach Gelegenheit und politischer Opportunität wird  auch anderen Völkern der ehemaligen Sowjetunion nicht gerade ein Glorienschein verliehen. Vor allem den anderen slawischen Völkern, das heißt den Russen und den Belorussen. Auch ihnen wird, wenn nicht in Politikerreden, dann in den hiesigen Medien oft genug das angedichtet, was jetzt im Zusammenhang mit der leidlichen Visa -Affäre in Kiew den Ukrainern pauschal vorgeworfen wird. Vor allem ist es der Hang zur Kriminalität, weswegen sie  unerwünscht in Deutschland sein sollen.

Wenn schon das heikle Thema der nationalen Mentalität in diesem Zusammenhang angeschnitten werden muss, dann darf nicht verschwiegen werden, dass sich alle drei hier erwähnten Völker gerade nach ihrer Mentalität wenig voneinander unterscheiden. Haben sie doch  Jahrhunderte in einem Staat zusammengelebt, zusammengelitten und zusammen für ihre Freiheit und Würde gekämpft. Auch im Krieg 1941- 1945, den sie den Großen Vaterländischen Krieg nennen, da es damals um ihr gemeinsames, stark gefährdetes Vaterland ging.

 

Sie voneinander zu trennen, schlimmer noch gegeneinander auszuspielen, können  nur jene,   auch aus ihrer eigenen Mitte,  versuchen, die  langfristigen und unverrückbaren nationalen Interessen dieser Völker  missachten. So war es in der Vergangenheit, nicht anders ist es in  der Gegenwart.

 

Deshalb wäre es sicherlich nicht falsch, hätte derjenige, der    jetzt erfreulicherweise gegen die Stigmatisierung der Ukrainer auftritt, auch die Russen oder die Belorussen in demselben Atemzug erwähnt. Das würde seinem Auftreten noch mehr Glaubwürdigkeit und Gewicht verleihen. Und einen möglichen Einwand  entkräften, er handele nicht so sehr aus tiefer Überzeugung, sondern  eher mit der Absicht, seinen politischen  Gegnern den Wind aus den Segeln zu nehmen. 

 

Tatsächlich gerieten alle Bewunderer der orangenfarbenen Revolution in der Ukraine in eine dumme Lage. Man versprach den Ukrainern einen raschen Anschluss an Europa. Da die Ukraine sich in einer schwierigen Wirtschaftslage befindet und ihre Bürger auf Arbeitsplätze im Ausland angewiesen sind , ließ das Versprechen die  Herzen  der Ukrainer höher schlagen. Was kam, zeigte ihnen aber, dass die mit der orangefarbenen Revolution verbundenen Hoffnungen nicht unbedingt erfüllt werden. Zwar  bedachte die EU die Ukraine mit vielen schönen Worten, aber Taten blieben aus. 

 

Wenn sich jetzt dazu Visa- Bestimmungen gesellen, die den Ukrainern auch als Einzelpersonen die Tür nach Europa vor der Nase zuschlagen, trägt es der Stimmungserhellung in der  Ukraine bestimmt nicht bei.

 

Außenminister Fischer hat recht. Wie ihre slawischen Brüder sind die Ukrainer  tapfer. Sehr tapfer sogar.  Aber sauer können sie trotzdem sein. Erst recht, wenn sie einsehen müssen, dass das ihnen versprochene Stück Speck nichts anderes als Köder in der Mäusefalle war. 

28.2.05

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Eine Grußbotschaft von Iwan Matrjoschkin ,Esq., an  Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, George W. Bush, und Kanzler der Bundesrepublik Deutschlands, Gerhard Schröder:

 

Exzellenzen!

 

Mit tiefer Genugtuung erfuhr ich, dass Sie sich entschieden haben, gerade am 23. Februar  zusammenzukommen. Sicherlich ist Ihnen dabei nicht entgangen, welches Flair diesem Datum haftet. Darauf fällt nämlich das traditionsreiche russische  Soldatenfest. Diesmal  werden an den festlichen Tafeln gewiss auch  Trinksprüche zu  Ehren der Führer der freien Welt laut. Zu Ihren Ehren, Exzellenzen!

 

Denn die Russen werden  die Wahl des Datums Ihrer Zusammenkunft als ein Signal des guten Willens werten. Darauf gerichtet, der Widergeburt der  russischen Streitmacht beizutragen. 

 

Von dieser, einst schlagkräftigen Streitmacht ist leider nur ein Schatten geblieben. Wie sie runtergekommen ist, zeigt schon ihr Versagen im winzigen Tschetschenien. Trotz der mehrfachen Überlegenheit in Personal  und Kriegsgerät.

 

Die russische Armee hat eben keinen Mumm mehr. Und den zurückzugewinnen,  helfen Sie, Exzellenzen, mit der symbolträchtigen Wahl des Datums Ihrer Zusammenkunft, die als Ehrenbezeugung gegenüber dem russischen Soldaten verstanden werden muss.

 

Damit tragen Sie der Tatsache Rechnung, dass das Wohl der ganzen zivilisierten Welt    vom  russischen Recken abhängt. Davon, ob er  imstande sein wird,  das Abendland vor der neuen Bedrohung aus dem Osten  zu schützen. So wie   vor Tausend Jahren, als Europa  die Gefahr drohte, dem Ansturm der wilden orientalischen Horden   zum Opfer zu fallen.

 

Zwar stärkt der Vormarsch der NATO an die  Grenzen Russlands den russischen Streitkräften den Rücken, aber leider wird es  von vielen Russen nicht kapiert. Fälschlicherweise nehmen sie an, die NATO nutzt die Schwäche Russlands, um ihm einen Strick um den Hals zu legen. Nun werden  den Uneinsichtigen die Augen geöffnet. 

 

Vielen Dank dafür.  

 

Mit  Hochachtung,

 

Iwan Matrjoschkin, Esq., Gefreiter  a.D.  

 

9.1.05.                       

 

 

IWAN MATRJOSCHKIN, ESQ., MAHNT  PROFESSOR HARTZ

 

Lieber Prof.,

 

ich wende mich an Sie  als ein Mann der Wissenschaft an einen Mann der Wissenschaft.

 

Die Idee, an Sie zu schreiben,  kam mir, als ich gestern Abend an meinem Stammtisch in der Gaststätte „Sonnenschein“, Berlin, Prenzlauer Berg, saß und Punkt für Punkt meinen Kumpeln            den von Ihnen entworfenen Fragenkatalog vorlas und sogleich die Antworten hineinschrieb. Zwar ist es hier in Deutschland nicht üblich, die Vermögensverhältnisse zu offenbaren, es sei denn einer dafür autorisierten Behörde, aber ich bin bei uns an anderes gewöhnt gewesen.  In der ehemaligen Sowjetunion durfte jeder von jedem erfahren, wie derjenige lebt, was er verdient, mit wem er pennt. Verweigerte der andere  die Auskunft,  wurde er  in einer Partei -oder, wenn kein Parteimitglied, in einer Gewerkschaftsversammlung (denn in einer Gewerkschaft  waren wir alle) mit sanftem, aber unüberwindlichen Druck dazu animiert. So legten wir alles offen wie ein frommer Katholik bei der Beichte, mit dem Unterschied allerdings, dass unsere Beichte öffentlich stattfand und umfassender war.

 

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Also beantwortete ich alle von Ihnen klug und lückenlos zusammengestellten Fragen. Ich  tat es umso bereitwilliger, weil  ich immer mit „Nein“ antworten konnte, ohne dabei auch im geringsten lügen zu müssen. Denn wir, Männer der Wissenschaft wie Sie und ich haben es tatsächlich nicht aufs Geld oder andere Güter, nach denen im Fragekatalog gefragt wird, abgesehen, sondern auf Erkenntnisse. Und die bringen nichts. Nicht war, Herr Kollege Hartz?

 

Jedenfalls werde ich von den  weiblichen Holzpuppen, die mit ihrer Übermacht  im Konzern „matrjoschka-online.de“ bestimmen, wo es lang geht,  finanziell  an einer sehr kurzen Leine gehalten.  Ein Kumpel verriet mir, dass auch Sie,  lieber  Hartz, für die Knochenarbeit mit dem Fragenkatalog  keine müde  Kopeke von BK Schröder erhalten hätten, da er meinte, wer in die Tasche der Armen langt, muss es wenigstens gratis tun, sonst schaffe es noch mehr böses Blut.

 

Aber ich bin wiederum vom meinem  Thema abgewichen. Denn ich will eigentlich  Sie und Ihre Auftraggeber auf eine Gefahr aufmerksam machen, die ein Staat eingeht, der zu viel Wissen   über seine Untertanen anstrebt. Als ehemaliger Sowjetbürger fühle ich mich zu Ihrer Aufklärung darüber berufen.

 

Vorher habe ich kurz erwähnt, dass in der  Sowjetzeit jeder über jeden alles erfahren wollte. Aber im Vergleich zur Neugier  des Staates war es eher ein harmloses Hobby. Obwohl staatlich gefördert.

 

Die Neugier des Sowjetstaates erwachte, als er noch in der Wiege lag. Gleich nach der Großen Revolution wollte  er nichts dringender als erfahren, was dieser oder jener Untertan, seine Eltern, Großeltern u.s.w. vor 1917  getrieben hatten. Es wurde ein umfangreicher diesbezüglicher Fragenkatalog  erarbeitet (weniger umfangreich als der Ihrige, lieber Kollege). Dieser wurde jedem vorgelegt, der das Wahlrecht beanspruchte, einen Arbeits- oder Studienplatz begehrte oder einfach in einer Großstadt und nicht auf dem Lande leben wollte. Hat der Frechling zugegeben, dass er oder seine Erzeuger vor der Revolution einer unliebsamen sozialen Schicht angehört hatten, konnte er sich sein Vorhaben an den Hut stecken.

 

Diesen Effekt bewirkte bereits die Zugehörigkeit zur Zunft der Pfaffen. Auch wenn es um einen versoffenen Dorfpopen ging, der sich und seine Popin mit  Spenden  der Bauern ernährte.

 

Es gab aber auch einen Nebeneffekt, der Sie, lieber Hartz, als Soziologe besonders interessieren  muss. Wie wir beide wissen, war Russland vor der Revolution ein Bauernland. Wenn man aber die Fragebögen auswertete, könnte man daran sehr zweifeln. Weil die überaus meisten Antworten auf die Frage nach der sozialen Herkunft lauteten: Prolet. Lohnarbeiter.

 

Also, die Russen logen. Die Überprüfung war aber kaum möglich. So viel Bürokraten hatte das Land nicht. Und unter den Vorhandenen dominierten gerade jene, die sich selbst zurechtfrisieren mussten.

 

Das ärgerte die neuen Machthaber sehr. Sie sahen sich in der Annahme bestätigt,  ihren Untertanen dürfe man nicht über den Weg trauen.

 

Ihrerseits ärgerten sich auch  die Untertanen, da sie  zusätzlich zu den vielen anderen Schikanen gezwungen wurden, zu lügen. Der Abgrund zwischen  Macht und Volk wurde größer.    

     

Das war eine der Ursachen des großen Terrors der dreißiger Jahre. Danach richtete sich die Neugier der Staatsmacht weniger auf die soziale Herkunft des Untertanen,  sondern mehr darauf, ob er selbst oder seine Eltern, Geschwister, Tanten und Onkel mal eingelocht worden waren. Entsprechend wurde der neue Fragenkatalog erarbeitet. Noch umfangreicher als der frühere (aber wiederum weniger umfangreich als Ihr musterhaftes Werk, Herr Kollege Hartz).

 

Da aber derjenige, der zugab, mal einen Verwandten unter den Verfemten gehabt zu haben,  mit sehr unangenehmen Konsequenzen rechnen musste, wiederholte sich die Geschichte. Sehr zum Verdruss der „Organe“ der Staatsmacht. Denn sie wussten,  wie viel „Volksfeinde“  sie vernichtet, bzw. hinter Gitter gebracht haben.  Sagen wir, zehn Millionen. Aber die Zusammenfassung der Antworten ergab eine viel, viel kleinere Zahl. Das warf ein ungünstiges Licht auf die glorreiche Tätigkeit der „Organe“. Gab den Grund, sie der Unehrlichkeit  zu verdächtigen.

 

Erst recht aber die Untertanen, die endgültig das Vertrauen der Staatsmacht einbüssten.

 

Eine neue Runde in dem ergötzlichen Spiel zwischen Macht und Volk wurde nach dem großen Krieg 1941- 1945 eingeleitet. Der neue Fragenkatalog war noch dicker (der Ihre ist  trotzdem dicker, Hartz).

Denn er wurde durch die Frage bereichert, ob sich  der Ausfüllende oder seine Verwandten auf dem während des Krieges von den Deutschen besetzten sowjetischen Territorium befanden. Die Bejahung  führte zu Konsequenzen (siehe oben). Aber die Antworten fielen so aus, als hätten die deutschen Streitkräfte nicht die Hälfte des europäischen Russlands, sondern nur ein paar Krähwinkel besetzt.

 

Hinter dem Wissensdurst der  Staatsmacht stand der legitime Wunsch,  ihre, von vornherein der Illoyalität verdächtigten Untertanen an den Rand der Gesellschaft abzudrängen. Ihnen keine oder wenig Chancen zu geben, beruflich und erst recht politisch nach oben zu kommen.     

 

Aber die Mühe wurde nicht vom verdienten Erfolg gekrönt. Ganz im Gegenteil. Millionen Sowjetbürger,  zu falschen Angaben gezwungen, lebten in der Angst, irgendwann  der Urkundenfälschung  überführt zu werden. Nur das Verschwinden des wissbegierigen Staates konnte sie vom Alptraum befreien. Deshalb  wünschten sie ihm sehnlichst den Untergang.

 

So machte sich  der zweitstärkste Staat der Welt  bei den   eigenen Untertanen sehr unbeliebt. Deshalb wurde  er zum Golem, zum Riesen auf tönernen Füssen.

 

Als er zusammenbrach, weinte ihm keiner nach. Oder nur wenige.

 

Zu seinen Totengräbern gehörten übrigens seine Führer. Gorbatschow, Jelzin und viele, viele andere. Drolligerweise hatten sie alle eine Leiche im Schrank. Einen oder mehrere Verwandte, den oder  die sie angeben mussten aber verschwiegen. Der Untergang des Staates, der zu viel über seine Untertanen wissen wollte, erlöste sie vom Alptraum, mal mit unaufrichtigen Angaben  konfrontiert zu werden.

 

Was lehrt uns diese Story, Herr Kollege? Sie lehrt uns, dass man seine Untertanen nicht zu viel fragen soll. Je weniger, desto besser. Also, Hartz, давай,  давай,  bevor es zu spät ist. Los! Los! Kürze deinen Fragenkatalog!!

 

Mit kollegialem Gruß, Iwan Matrrjoschkin, Esq.

1.11.04

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Lieber Iwan Matrjoschkin, Esq.,

Meine jüngste Reise nach Sibirien führte mich ins Dorf Sedelnikowo, Gebiet Omsk. Es gibt in Sibirien nicht viele Dörfer wie dieses. Mit zwei Schulen und einem Gästehaus ist es schon eher eine Ausnahme in  dem riesigen Landstrich, wo man auch jetzt  Dutzende Kilometer zurücklegen muss, um auf Spuren der Zivilisation zu treffen. Aber nicht deswegen kam ich nach Sedelnikowo, sondern weil hier ein interessantes Experiment läuft. Hier sollen nämlich Halbstarke aus Deutschland  resozialisiert werden, die mit dem deutschen Gesetz in Konflikt geraten sind.

 

Nein, es ist nicht das, was  gleich jemand denkt, dem Sibirien als ein einziges Straflager vorkommt. Die straffälligen Jugendlichen aus Deutschland fahren oder vielmehr fliegen freiwillig nach Sedelnikowo und leben hier nicht etwa hinter Gittern, sondern in Bauernhäusern, die  für sie extra eingerichtet werden und im Schnitt besser als die der Einheimischen sind. Sie genießen auch sonst  volle Freiheit, dürfen tun und lassen, was sie wollen. Das einzige Muss besteht darin, dass sie sich um ihren eigenen Alltag kümmern. Also, heizen, Wäsche waschen, kochen u.s.w. Und wenn sie dies nicht tun, dann frieren und hungern sie eben und laufen verdreckt herum.  Nach Herzenslust...

 

Verdienen brauchen sie nicht. Die deutsche Seite finanziert ihren Lebensunterhalt und bezahlt ihre deutschen Betreuer. Das kostet was: 150 Euro pro Tag und Person. Immerhin ein Bruchteil der Kosten in einem Jugendwerk in Deutschland... 

 

Lernen können sie auch. Bitte sehr, in einer der russischen Schulen, wo ihnen auch geholfen wird, sich Russisch anzueignen. Aber auch das freiwillig. Wer vorzieht, Däumchen zu drehen, tut  das. Bis er begreift, dass es keinen Sinn macht.

 

Der Aufenthalt in Sibirien dauert von sechs bis zwölf Monaten. Dann kehren die Bengels in die deutsche Heimat zurück. Zumeist (50 Prozent) als  bessere Wesen. Zu 30 Prozent nicht ganz geheilt, aber mit guten Erfolgsaussichten. Nur jeder fünfte bleibt so, wie er kam.

 

Keine deutsche Erziehungsanstalt für junge Gesetzesbrecher erreicht in der Frist so viel.

 

Die Ursache des Erfolges wird bei uns verschieden bewertet So meinen die Bauern von Sedelnikowo, den deutschen Jungs hilft die frische, keimfreie- bei minus vierzig im Winter kein Wunder- sibirische Luft. Allerdings meinen manche älteren Bauern auch, man könnte viel mehr erreichen. Mit traditionellen sibirischen Erziehungsinstrumenten wie  Knute und  Knüppel.

 

Sie bieten sich als Erzieher an.   

 

Was meinen Sie, hochverehrter Iwan Matrjoschkin, Esq., Chefpädagoge des Konzerns www.matrjoschka- online.de dazu?

 

Mit Liebe aus Russland,

 

E.E., am 4.7.04., Moskau.  

 

Stellungnahme des I.M. ,Esq.:

 

Lieber E.E., nicht nur ich, sondern auch unser Pädagogischer Rat, der sich am Stammtisch in der Kneipe „Sonnenschein“, Berlin, Prenzlauer Berg, regelmäßig versammelt, findet das Experiment herrlich. Dem deutschen Volk unterbreiten wir den Vorschlag, dieses zu erweitern. Nicht nur schwererziehbare Jugendlichen müssen in die sibirischen Dörfer, sondern auch schwererziehbare Erwachsene. Darunter Politiker, die dauernd blühende Landschaften versprechen, ohne die Versprechen zu halten. Die Konzernmanager, die Millionen des als Abfindung getarnten Spickgeldes einheimsen. Etc.

 

Allerdings  sehe ich Probleme. Das eine besteht   darin, dass die Russen genug von den Spezies selbst haben. Aber sie  werden den Personenkreis  aus Deutschland trotzdem aufnehmen. Wenn man das Tagesgeld um das Zehnfache steigert. Als Steuerzahler erkläre ich mich  damit einverstanden. Denn es wird jedenfalls billiger, als wenn die Menschen  in Deutschland bleiben.

 

Das andere Problem hängt mit der Freiwilligkeit des Abtransports zusammen. Aber auch dieses ist lösbar. Man muss den Leuten  das Leben in Deutschland so versauern, dass sie sich  selber für Sedelnikowo melden. Als erster Schritt dazu sollen sie in unserer Kneipe das Bier konsumieren, das der Kneiper einschenkt, der Schuft, den ich dem ersten Transport zuteilen würde...            

 

I.M., Esq. An demselben Tag, aber in Berlin. 

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