Matrjoschka

Die Puppen sind anklickbar!

Eine eMail an uns? 

Zur Startseite

 

 

Den Matrjoschka-Lesern eine gutes Neues Jahr 2008

 

 

In Hannover ging der evangelische Kirchentag zu Ende. 

 

Die von der Evangelischen Kirche  Deutschlands jedes zweite Jahr durchgeführte Veranstaltung beeindruckte auch diesmal durch ein großes Echo in der Bevölkerung. Nach Hannover  kamen mehr als Hundert Tausend Menschen, davon viele Jugendliche. Sie kamen, fast ausschließlich auf eigene Kosten, um ihr Unbehagen   mit dem  fortschreitenden Verlust an humanen Werten im   politischen  und sozialen Leben zum Ausdruck zu bringen. Die Prominenz der Bundesrepublik nahm die Gelegenheit wahr, mit diesem engagierten Publikum in Kontakt zu treten. Mehrere führende Staatsmänner und Politiker, Angehörige der Kultur- und Wirtschaftselite stellten sich Diskussionen , wo oft Tacheles geredet wurde.   

 

So ging es in einer Debatte mit Bundeskanzler Schröder um die Folgen der Globalisierung für  Deutschland und der Welt. Er räumte ein, dass dieser schicksalhafte und an sich unvermeidliche Prozess in vielem schief läuft. Es wird oft nicht den Nöten der Menschen, besonders in  wirtschaftsschwachen Regionen  und Ländern, sondern der Profit- und Machtsucht Rechnung getragen. Die Moral kommt dabei  zu kurz. Die christliche erst recht.

 

Gerhard Schröder sah den Ausweg in der Stärkung der Vereinten Nationen.  Er plädierte für eine maßgebende  Rolle der  UNO bei der Humanisierung  des internationalen   Lebens.

„Was könnte man mit dem Geld, das für den Irak-Krieg ausgegeben wurde,
 alles tun," sagte der Bundeskanzler unter starkem Beifall.


Am evangelischen Kirchentag  nahmen nicht nur Christen der evangelischen Konfession und  überhaupt  nicht nur Christen teil.  Nach Hannover kamen auch katholische, muslimische, jüdische und andere kirchliche Würdenträger und Laien. Leider traten Angehörige einer Kirche kaum in Erscheinung , die schon immer hohe ethische Werte vertrat. Der russischen orthodoxen Kirche, obwohl sie sich im neuen Russland frei entfalten kann. 

 

Wie vor zwei Jahren wurde auf dem Kirchentag  wieder der Ökumene stark das Wort geredet. Die Anhänger dieser Idee, die sich, wenn überhaupt, wohl nicht von Heute auf Morgen verwirklichen lässt, betonten  das gemeinsame Anliegen aller  Kirchen. Unabhängig von den übrigen Unterschieden, besteht dieses wohl im Dienst an den Menschen in aller Welt, deren Wohlergehen nur gemeinsam gewährleistet werden kann. 

----------

In der Botschaft der Russischen Föderation in Deutschland wurden einer Gruppe deutscher Bürger  Gedenkmedaillen zum 60. Jahrestag des Sieges über Hitlerdeutschland überreicht. 

 

Die Medaillen nahmen Deutsche in Empfang, die als Rotarmisten gegen die Hitlerdiktatur kämpften. Ihresgleichen gab es viele in den Kriegsjahren. Sie  kämpften nicht nur mit der Waffe in der Hand, sondern auch mit dem aufklärenden Wort über die Ursachen und den unvermeidlichen Ausgang des Krieges. In vielen Fällen gelang es ihnen dadurch, das Leben ihrer Landsleute in der Wehrmachtsuniform zu retten.

 

Jetzt sind nur noch wenige ihrer Kameraden da, aber die meisten davon sind weiterhin aktiv. Auch heute vermitteln sie als Zeitzeugen die Wahrheit über den schrecklichsten Krieg der Menschheitsgeschichte.

 

Der russische Botschafter Wladimir Kotenjow, der am Festakt teilnahm, dankte ihnen dafür , was sie in den Jahren des Krieges und in der Nachkriegszeit leisteten. Der Vorsitzende des Verteidigungs- und Sicherheitsausschusses des Russischen Föderationsrats, Viktor Oserow, der im Zusammenhang mit dem 60. Jahrestag in Deutschland weilt, überbrachte ihnen Grüße der sowjetischen Kriegsveteranen. Er sagte, dass die Kameradschaft der Hitlergegner über die Grenzen hinweg auch  heute,   wo es gilt, neue Gefahren für die Zivilisation abzuwenden, beispielhaft ist.

 

Im Namen der Ausgezeichneten sprach der bekannte deutsche Historiker Stefan Dörnberg. Er dankte Russland dafür, dass es ihm und seinen Schicksalsgenossen, den politischen Emigranten, in den Jahren des Krieges  die Gelegenheit gab, an der Befreiung ihres Vaterlands von Hitler mitzuwirken.   

28.4.05          

 

In Berlin läuft das Kulturjahr „Zwischen Krieg und Frieden“ an. 

Bei dem Kulturjahr geht es darum, dem Publikum die  Erinnerung an eine Zeitwende zu vermitteln, die noch lange eine unersetzliche Quelle der Besinnung auf das höchste Gut der Menschen bleibt. Auf den Frieden zwischen den Völkern.

Um dieses Gut gebührend schätzen zu können, muss man den Krieg in seiner ganzen Scheußlichkeit  begreifen. Vor allem, den schrecklichsten von allen, den  Weltkrieg 1939-1945. Aber es gibt immer weniger Menschen, die ihn  aus eigenem Erleben kennen. Deswegen wird die Besinnung  mittels Hinwendung zu Zeugen und Zeugnissen immer wichtiger.

Man möchte der Berliner und der Bundesregierung, den Schirmherren des Kulturjahres, wie auch den unmittelbaren Veranstaltern attestieren, sie haben etwas Einmaliges auf die Beine gebracht, um dies zu ermöglichen. Sowohl der Fülle und Vielseitigkeit der Veranstaltungen, als auch ihrer Zielausrichtung nach, kennt man kaum Vergleichbares. Unzählige Ausstellungen, Erinnerungsabende, Lesungen, Film- und Theatervorführungen, Bildungsfahrten... Alles hier aufzulisten, wäre unmöglich.

Als sehr positiv empfindet der Berichterstatter die Erlebnisvielfalt, die dabei zum Ausdruck  kommt. Vor allem in den Erinnerungen  der  einfachen Berliner, den Leidtragenden des Krieges. Sie überzeugen  durch Alltagsdetails, die viel Anklang bei der hiesigen Jugend finden.  

Es ist nur selbstverständlich, dass einem russischen Journalisten nicht alle geäußerten Ansichten als stichhaltig vorkommen. Wichtig ist aber, dass im Großen und Ganzen   die Akzente richtig gesetzt werden. Und zwar  insofern, dass die Ursache des Martyriums  vieler  Deutschen nicht in dem Sieg der Alliierten, sondern darin gesucht wird, was diesem Sieg voranging. In den Verbrechen des nationalsozialistischen Staates, die keine anderen Folgen haben konnten.

Ein beträchtlicher Teil der Veranstaltungen  dokumentiert erfreulicherweise jene Aspekte der Haltung der russischen Soldaten zu Deutschland, die in den hiesigen Massenmedien oft genug verschwiegen oder missdeutet wurden. So eine umfangreiche  Ausstellung im Bezirksmuseum Marzahn- Hellersdorf. Sie ist der Tätigkeit des ersten sowjetischen Kommandanten Berlins, General- Oberst Nikolai Bersarin gewidmet, der in den wenigen Monaten seiner Amtsführung viel gemacht hat, um der Berliner Bevölkerung das Überleben zu sichern.

Das Berliner Kulturjahr „Zwischen Krieg und Frieden“ ist so geplant, dass es lange über den eigentlichen Anlass, den sechzigsten Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa, hinaus dauern wird. Es ist gut so.  Jahrestage wie dieser kommen und gehen, aber die ihnen zugrundeliegenden Ereignisse bleiben  als Menetekel bestehen. Und es ist sehr bezeichnend, dass Berlin, wo sich einst die Kommandozentrale der schlimmsten Kriegstreiber befand ,  zu einer Friedensmetropole Europas geworden ist, hoffentlich für immer.           

24.4.05

Der Zweite Weltkrieg könnte bereits 1943, also zwei Jahre vor der  tatsächlichen Einkehr des Friedens, beendet werden.  Mit dieser These trat in Berlin der bekannte russische Diplomat   und Historiker, Valentin Falin, auf. 

Das Treffen russischer und deutscher Journalisten mit Valentin Falin fand im Russischen Haus zu Berlin statt. Professor Falin, der  umfangreiche Recherchen über die Beziehungen zwischen der Sowjetunion und den  Westalliierten während des Krieges anstellte, wies auf einige, in Vergessenheit geratene Tatsachen der Geschichte hin. An Hand der  Akten,  zum Teil erst in der letzten Zeit den Forschern zugänglich geworden, analysierte er  die  Haltung der USA und Englands in den ersten Monaten nach dem Überfall Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion. Er hob hervor, die angelsächsischen Mächte gingen damals davon aus, dass Hitlerdeutschland die Sowjetunion in kürzester Zeit zerschlagen werde.  Ihre Prognosen unterschieden sich kaum von den Erwartungen  der Blitzkriegsstrategen in Berlin. Und wenn doch, dann nur dadurch, dass sie das Wehrpotential der Sowjetunion noch mehr unterschätzten.

 

Sogar nach der vernichtenden Niederlage der deutschen Invasionsarmee  1941 bei Moskau, die einen dicken Schlussstrich unter die Blitzkriegspläne zog, setzte bei einflussreichen Politikern in Washington und London kein Umdenken ein. Sie nahmen nicht wahr, dass das Ringen zwischen der Sowjetunion und Hitlerdeutschland den Ausgang des ganzen Krieges entscheidet. Anstatt  gemeinsam mit Russland  gegen Hitlerdeutschland auf dem wichtigsten, dem europäischen Kriegsschauplatz vorzugehen, kochten die Westmächte ihr eigenes Süppchen an der Peripherie . Ihre Hauptkräfte wollten sie erst nach dem von ihnen, wenn nicht herbeigesehnten, dann  erwarteten Untergang der Sowjetunion in die Schlacht werfen. Deshalb verzögerte sich die Eröffnung einer zweiten Front gegen Hitlerdeutschland in Westeuropa. Obwohl man diese bereits 1942 hätte eröffnen können. Das hätte den Krieg bedeutend verkürzt und dem russischen, aber auch dem deutschen Volk viele Opfer erspart.

 

Professor Falin mied weitgehende politische Wertungen, er hielt sich an belegbare Tatsachen. Aber das mit seinen Ausführungen angesprochene   Kapitel des Zweiten Weltkrieges mahnt zu mehr Solidarität zwischen West und Ost, die auch nach der Beendigung des Kalten Krieges  zu wünschen übrig lässt. 

24.4.05                       

  

 

TRICKREICH

Mit einem  Volksfest rund um das Brandenburger Tor soll am 8.Mai in Berlin eine Demonstration der rechtsextremen NPD verhindert
werden, heißt in, einer Verlautbarung des Berliner Senats.

Das bevorstehende  Fest gilt einem Datum, das für alle Freunde der Demokratie  heilig ist. Dem achten,  beziehungsweise dem neunten  Mai 1945. An diesem Tag brach  die nationalsozialistische Diktatur in Deutschland endgültig zusammen. Das  unerfreulichste Kapitel der deutschen und europäischen Geschichte wurde damit geschlossen. Es öffnete  sich ein Weg zur Freiheit und Demokratie in Deutschland, aber auch auf dem ganzen alten Kontinent.

 

Zwar wurde dieser Weg in den verflossenen sechzig Jahren mit vielen Rückschlägen   beschritten. Trotzdem  führte er zu  einem neuen Deutschland und zu einem neuen Europa.  Deshalb wird der Jahrestag nicht nur in Deutschland gefeiert. Vor allem auch in Russland, dem Land, dem der Hitlerfaschismus im von ihm entfesselten Krieg schreckliche Wunden schlug. Und das am meisten seinem Zusammenbruch beigetragen hat.

 

Dass Deutschland zusammen mit anderen Ländern in Ost und West   den Jahrestag feiert, ist  ein Beweis für die Richtigkeit  der Auffassung, die Russland schon immer mitvertrat. Auch im Krieg. Und zwar, dass die Hitlerdiktatur und das deutsche Volk nicht in einen Topf geworfen werden dürfen.

 

Umso perverser erscheint das Verhalten der deutschen Neonazis. Denn sie  wollen das Gegenteil  vor Augen  führen. Durch ihre Auftritte  wollen sie  zeigen , dass in Deutschland auch sechzig Jahre danach  die Unverbesserlichen am Werk sind. Jene,  die Hitler und seinen Mannen nachtrauern  und die Opfer des Terrors verhöhnen.

 

Obwohl die Neonazis unter der Tarnkappe des deutschen Patriotismus auftreten, kratzen sie damit am positiven Bild Deutschlands in der Welt. Und spielen   allen Deutschhassern in die Hand.  

 

Es ist deshalb  selbstverständlich, dass der Berliner Senat den Unfug verhindern will. Weniger nachvollziehbar ist allerdings, wie das geschehen soll.

 

Denn an sich braucht  das Fest am Brandenburger Tor  keine andere Motivation als  Ehrung der Kämpfer gegen die  Hitlerdiktatur und ihrer Opfer. Dass es auch dafür herhalten soll, den Aufmarsch  der Neonazis vom Brandenburger Tor fernzuhalten, ist nur eine Notlösung.  Sie deutet darauf hin, dass die antiextremistische Gesetzgebung in Deutschland  nicht ausreicht, um die  Provokateure  in die Schranken zu weisen.  Aller, die wie die Russen der demokratischen Ordnung in Deutschland großen  Respekt zollen, werden das nicht ohne Bedauern  zur Kenntnis nehmen. 

24.3.05

-------

Der russische Verteidigungsminister Sergei Iwanow   traf sich in  Deutschland mit seinem  Amtskollegen Peter Struck und besuchte mit ihm  ein Übungsgelände der Bundeswehr. 

 

Berliner Medien berichten,  dass Deutschland und Russland  in der Rüstung enger kooperieren wollen. Eine dafür eingesetzte Kommission wird erstmals im April in St. Petersburg
tagen. Dabei geht es in erster Linie um den Schiffbau sowie um Trägerraketen für militärische Satelliten. Auch die Transitmodalitäten für
Bundeswehrtruppen auf dem Weg nach Afghanistan wurden besprochen. Bereits im vergangenem Jahr hat die Bundeswehr  auf dem Luftwege  via Russland Soldaten und Militärgerät nach Afghanistan gebracht. In Kürze soll der Transport auf dem  Landweg möglich werden.

 

Summa summarum läuft die militärische Kooperation zwischen den beiden Ländern zufriedenstellend. Vermutlich  besser als zwischen Russland und jedem anderen Nato- Land. Denn Deutschland und Russland wollen die strategische Partnerschaft auch im militärischen Bereich festigen.

 

An sich wäre eine militärischen Kooperation  zwischen zwei Ländern nicht selbstverständlich, welche nach den Zeitmassstäben der Geschichte gar nicht lange der Konfrontation ade gesagt haben. Vom furchtbaren Krieg 1941- 1945 schon gar nicht zu sprechen. Aber die Wende in den Beziehungen, die in der russischen Unterstützung der deutschen Wiedervereinigung vor fünfzehn Jahren ihren markantesten Ausdruck fand, hat vieles, früher kaum denkbares, möglich gemacht. Darunter die Zusammenarbeit im militärischen Bereich.

 

Als russischer Journalist möchte man in diesem Zusammenhang  nicht unerwähnt lassen, dass die Bundeswehr  hilft,  das Gedenken an die  vor sechzig Jahren gefallenen russischen Soldaten  in Deutschland wach  zu halten.  Sie leistete  bei der Renovierung des Memorials an der Straße des 17. Juni in Berlin und auch in  anderen ähnlichen Fällen Unterstützung.  Die Armee  eines demokratischen deutschen Staates ist eben den besten Traditionen der deutschen Vergangenheit verpflichtet, in der sich Deutschland und Russland bei weitem nicht nur bekriegten.   

 

Obwohl  beide Länder über eine beträchtliche militärische Schlagkraft verfügen,  muss niemand  ihrer militärischen Kooperation  mit Vorbehalten  begegnen. Im Gegenteil. Diese Kooperation ergänzt sinnvoll die Zusammenarbeit auf vielen anderen Feldern, wo beide Länder bemüht sind, ihrem eigenen  Wohlergehen aber auch dem der anderen Länder, vor allem aber Frieden und Sicherheit in der Welt  beizutragen. 

4.3.05

-------             

Wie die deutschen Medien mitteilen, hat  das Auswärtige Amt der USA eine kritische Bestandsaufnahme der weltweiten Lage der Menschenrechte  veröffentlicht. Auch Deutschland bleibt darin nicht ungeschoren. Ihm wird vorgeworfen, die Polizeigewalt zu missbrauchen.

Es ist durchaus möglich, dass deutsche Polizisten die ihnen vom Gesetz zugestandenen Befugnisse ab und zu überschreiten. Denn es gibt wohl kein Land in der Welt, wo derartiges auszuschließen ist.  Russland inbegriffen.

 

Zweifelsohne müssen  die Menschenrechtsverletzungen angeprangert werden. Auch international. In jedem Land der Welt, Russland inbegriffen, sollen die Ordnungshüter wissen, dass die  Weltöffentlichkeit ihnen  auf die Finger schaut.

 

Allerdings verliert die Kritik  fremder  Menschenrechtsverletzungen an Überzeugungskraft, wenn sich der Kritiker selber einiges zuschulden kommen lässt.  Daran erinnert ein skurriler Zufall. Die  USA- Kritik an der Verhaltensweise der deutschen Polizei traf zeitlich  mit einer hiesigen Veröffentlichung  über eine haarsträubende Menschenrechtsverletzung  durch die USA- Ordnungshüter zusammen.

 

Es ging dabei um die Entführung eines deutschen Staatsbürgers arabischer Abstammung durch USA- Sicherheitskräfte. Die Rambos lauerten dem Mann in einem  südeuropäischen  Land  auf, steckten ihn in ein vom Geheimdienst benutztes  Flugzeug und brachten ihn nach Afghanistan. Das Zielland der  Reise wurde mit Bedacht gewählt. Wie dem Entführten eröffnet wurde, seien auf einem  Militärstützpunkt der USA im Ausland  ideale Bedingungen vorhanden, um  ungestört zu foltern. Was auch ausgiebig geschah.

 

Allerdings  ohne den beabsichtigten Informationsgewinn. Denn der deutsche Staatsbürger, der verdächtigt wurde, für Bin Laden tätig zu sein, hatte mit dem internationalen Terrorismus nichts zu tun. Es fand eine Verwechslung statt.

 

Sicherlich macht jeder Geheimdienst Fehler. Die Geheimdienstler sind auch Menschen. Und Irren ist menschlich.

 

Man hat aber ein komisches Gefühl, wenn man wahrnimmt, dass Ordnungshüter eines großen demokratischen Landes die Entführung und Folter von  Bürgern eines befreundeten Landes  offensichtlich für legitim halten. Und  alle Proteste mit dem berühmten „no comment“ beantworten. Ohne sich zu entschuldigen.

 

Das komische Gefühl steigert sich, wenn man sich weiterhin in Erinnerung ruft, dass das Land der Entführer weltweit als Menschenrechtsanwalt tätig sein will. Dieser Anspruch müsste wenigstens dazu verpflichten,  Vorfälle wie den Geschilderten zu vermeiden. Und wenn dies doch nicht gelingt,   zu verurteilen.

 

Sonst entsteht der Eindruck, die Kritik an den anderen, in diesem Fall an der deutschen Polizei, soll zum politischen Druck missbraucht werden. Und der Kritiker verliert die Glaubwürdigkeit. Was vom amerikanischen Auswärtigen Amt sicherlich nicht beabsichtigt wird.                            

 

In diesem Jahr erinnert  der Kalender sowohl die Russen, als auch die Deutschen an die Ereignisse, die für  beide Nationen  bedeutungsvoll  sind. Der sechzigste Jahrestag des Zusammenbruchs des Hitlerreiches  gehört dazu. Aber auch die Wiederherstellung der staatlichen Einheit Deutschlands vor fünfzehn Jahren.

 

Die Teilung Deutschlands  kam uns,  russischen Soldaten des Zweiten Weltkrieges,  unerwartet.  Unerwartet, weil unsere Regierung  uns wie  alle Russen immer wieder wissen ließ, dass der Krieg   nur gegen  faschistische Verbrecher, nicht gegen die deutsche Nation  geführt würde. Expressis verbis hieß es,  die Hitler kommen und gehen, der deutsche Staat bleibt bestehen. Wobei der einheitliche deutsche Staat, nicht die deutschen Teilstaaten gemeint waren. 

 

Die Teilung Deutschlands ließ sich schwer mit dem markanten Spruch unter einen Hut bringen.  Eingeleitet wurde sie mit der Konstituierung des westdeutschen Staates  unter der Ägide der USA. Und vollendet mit der  Konstituierung der DDR unter der Ägide der Sowjetunion. Sie  spiegelte die bereits eingetretene Teilung des gesamten Nachkriegseuropas und der Nachkriegswelt. Wie diese, war die Teilung Deutschlands  ein Reflex des Kalten Krieges zwischen Russland und den USA, samt den freiwilligen und unfreiwilligen Verbündeten der beiden Supermächte.

 

Mit der Zeit erhielt aber die Teilung Deutschlands  eine mächtige Eigendynamik. Eine, die der Überwindung des Kalten Krieges im Wege stand und der  Zementierung der Teilung Europas und der ganzen Welt beitrug.  Ohne die Teilung aufzuheben, wäre der Durchbruch von der Konfrontation zur Kooperation zwischen Ost und West unmöglich. 

 

Viele hatten den Verdienst daran, dass der Weg zur Wiederherstellung der Einheit Deutschlands und Europas  doch freigelegt  wurde. Darunter  die Urheber der neuen Ostpolitik in der Bundesrepublik Deutschland, der Politik des Brückenbaus zwischen West und Ost. Auch DDR- Bürger, die  das spektakuläre  Symbol der Teilung, die Mauer in Berlin, zu Fall brachten. Auch die sowjetische Führung, die sich mit der friedlichen Revolution in der DDR abgefunden hat. Und auch die einfachen Russen, die im Kreml eine Wachablösung erzwangen.  Auch jene Politiker in Paris und London, die ihre Angst vor einem geeinten, erstarkten und souveränen Deutschland, wenn auch zögerlich, überwunden haben.

 

Bereits fünfzehn Jahre existiert der wiedervereinigte, demokratische und friedliche deutsche Staat.  Wie viele fragt sich  der Verfasser dieser Beitragsreihe, der Soldat im Krieg gegen Hitler war,  ob denn ein solcher deutscher Staat  nicht bereits  vor sechzig Jahren entstehen könnte. Wie viele bedauert er, dass die Mühlen der Geschichte mitunter sehr langsam mahlen. Und freut sich, dass sie doch mahlen.

 

Vielleicht werden  einmal auch andere Träume der Generation, die den Krieg mit all seinen Schrecken am eigenen Leibe erlebte, Realität. Der Traum   vom ewigen Frieden und einer gerechteren Welt.  

 

Vorläufig ist davon wenig zu spüren.  Auch  sechzig Jahre danach. Aber denken wir daran, wie die deutsche Wiedervereinigung gekommen ist. Zu dem  Zeitpunkt, als es schien, sie sei in die weite Ferne gerückt.

 

Es gibt noch Wunder in der Welt. Allerdings  geschehen sie nur, wenn man  an sie glaubt und hartnäckig sie herbeizuführen versucht. Trotz  Enttäuschungen.

 

Die ehemaligen Kriegsgegner, Deutschland und Russland, die jetzt  gemeinsam den sechzigsten Jahrestag des Friedens in Europa feiern wollen, haben aller Grund, dies zu tun.

25.2.05

---------

Die Rechtsextremisten sollen künftig in Deutschland  nicht mehr an  Gedenkstätten für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft    aufmarschieren können.

Die deutsche Regierungskoalition hat einen entsprechenden Gesetzentwurf in den Bundestag eingebracht. Es sieht eine Änderung des Versammlungsrechts und des Strafgesetzbuches vor. Dabei geht es um ein   Versammlungsrecht und einen Strafkodex, die jedem   Vergleich standhalten. Nirgends sind die demokratischen Freiheiten so gut aufgehoben wie in der deutschen Gesetzgebung. Aber vom Verlangen beseelt, ein ganz anderes Deutschland als das der Hitlerdiktatur entstehen zu lassen, haben die Gesetzgeber in ihr Werk anscheinend ungenügende Sicherungen gegen Missbrauch eingebaut.

 

Deshalb wohl musste der Verfasser dieses Berichtes   staunen, als er bei den Aufmärschen der rechten und  anderen Extremisten  in Berlin die untätigen Polizeikohorten sah. Die Ordnungshüter verhielten sich wie paralysiert, auch wenn sie auf eine ziemlich schamlose Weise provoziert wurden. Nach etwas zaghaften Anfragen des Verfassers hieß es zumeist: Versammlungsrecht! Die Demonstration sei genehmigt worden.

 

Die demokratischen Rechte und Freiheiten sind eine wundervolle Sache, dachte dabei der Berichterstatter. Wer, wenn nicht ein Mensch, der mehrere Jahrzehnte unter sowjetischen Verhältnissen lebte, weiß diese zu schätzen. Und wer, wenn nicht er, der im Krieg das nationalsozialistische  Deutschland kennen lernen musste, freut sich über die gegenwärtige deutsche Republik. Und trotzdem dürfen Freiheit und Demokratie wohl nicht so weit gehen, dass     sie         den verschworenen Feinden dieser Republik  zugute kommen.

 

Allerdings kennt nicht nur Deutschland das Problem. Das gegenwärtige Russland auch. Auch in Russland wird deshalb  an einem Gesetzeswerk gebastelt , das die noch ziemlich zarten Sprosse der Demokratie in diesem Lande vor Missbrauch schützen soll. Vielleicht  können in Moskau dabei die deutschen Erfahrungen berücksichtigt werden, die  darauf gerichtet sind, das schmutzige Wasser auszukippen, aber das Kind in der Badewanne zu lassen?

 

Zum Gesetzentwurf der deutschen Regierungskoalition ist noch zu vermerken, dass das besonders Erfreuliche das gut gewählte Timing ist. Denn das neue Gesetz soll rechtzeitig vor dem 8. Mai 2005, dem 60. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus, in Kraft treten. 

 

Es wäre tatsächlich das Letzte, würden die Neonazis, die zahlreiche Aufmärsche, darunter einen inmitten der deutschen Hauptstadt, am Brandenburger Tor,  im Sinne haben, das Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus wieder zur Hetze gegen die Befreier Deutschlands mit dem Gesetzessegen pervertieren dürfen. Zwar weiß man sehr gut, dass zwischen ihnen und den überaus meisten Deutschen Welten liegen. Trotzdem trägt falsche Toleranz nicht zum deutschen Ansehen bei. Erst recht nicht im Zusammenhang mit einem Datum, das im Ausland  feierlich begangen werden soll.

18.2.05

--------------

In München ging die traditionelle Sicherheitskonferenz zu Ende. 

 

Noch vor der Konferenz stellte die deutsche Staatsanwaltschaft  ein Verfahren gegen den US- Verteidigungsminister Rumsfeld ein, dem von einer Menschenrechtorganisation vorgeworfen wurde,  für Folterungen im  Irak verantwortlich zu sein. Das wurde von manchen Beobachtern als ein Zeichen  der  neuen, von  mehr Eintracht geprägten  Etappe in den Beziehungen zwischen den USA und Deutschland verstanden. Erst recht, weil der wiedergewählte USA- Präsident und seine Außenministerin   beteuerten,  auf die Interessen der  europäischen NATO- Partner mehr Rücksicht nehmen zu wollen. 

 

So versprach das Vorspiel zur Konferenz ihren ruhigen Verlauf, ohne Sensationen und mit  gegenseitigen  Vertrauensvorschüssen der atlantischen Partner. Doch es kam anders. Dafür sorgte die auf Grund  seiner Erkrankung vom Verteidigungsminister Struck vorgetragene Rede des deutschen Bundeskanzlers. Er mahnte mehr NATO - Anpassung  an die neuen Realitäten in der Welt an. Auch mehr strategisches Gleichgewicht   zwischen der  militärischen Gewalt und der heilsamen Macht einer ausgewogenen Politik.

 

In den eigenen Ausführungen des deutschen Verteidigungsministers wurde diese Mahnung  dahingehend ergänzt, dass im Kampf gegen den internationalen Terrorismus mehr Wert auf die Beseitigung seiner sozialen und wirtschaftlichen Wurzeln gelegt werden soll. Und Bundespräsident Köhler rief zur Bekämpfung der Armut in der Welt und zur Achtung der kulturellen Identität der anderen Völker auf. Alles Grundsätze, die nicht unbedingt unter den NATO- Prioritäten zu finden sind.  

 

An sich stellte der deutsche Vorstoß  nichts ganz  Neues dar. Die Debatte über die Strategieänderung der NATO wird schon lange geführt. Ziemlich ergebnislos, da die Entscheidungen nicht auf Konferenzen, zumal auf solchen wie die in München, gefällt werden, sondern im Weißen Haus oder auf einer Ranch in Texas. Und selbstverständlich im Pentagon.         

 

Das Letztere wurde in München  auf skurrile Weise sichtbar, als der US- Verteidigungsminister Rumsfeld, der auf den deutschen Vorstoß sehr reserviert reagierte,  den Konferenzraum verließ. Seinem Auszug folgte     der Exodus anderer Teilnehmer, als hätte man von der Konferenz  nichts mehr  zu erwarten.

 

Um die Darstellung der deutschen Position  abzurunden, bleibt noch zu erwähnen, dass in  Schröders Rede die Bedeutung der Partnerschaft mit Russland hervorgehoben wurde. Ohne Russland, geschweige denn gegen Russland seien  Sicherheit und Stabilität in Europa nicht zu gewährleisten.

 

Auch diese Feststellung ist nicht ganz  neueren Datums. Aber auch sie hebt den Beitrag des Bundeskanzlers zur Konferenz von denen mancher anderer Teilnehmer positiv ab, die sich nicht überwinden konnten, das Wort Russland über die Lippen zu bringen. Und wenn schon, dann nur, um  seine alten Sünden in Erinnerung zu rufen.

 

Auf der Konferenz, noch mehr in ihrem   Umfeld,  wurde das transatlantische  Bündnis angesprochen, das vor sechzig Jahren die faschistische Bedrohung der Zivilisation abzuwehren half. Angesichts des sechzigsten Jahrestages des Zusammenbruchs des Hitlerreiches  und der neuen Gefahren für die abendländische Lebensweise  ist die Erinnerung daran zweifellos angebracht. Insbesondere, wenn die Politik der Westalliierten Russlands nicht verklärt wird, die schon damals das Fundament der heutigen USA- Dominanz in der Welt  legte. Einer Dominanz, die jetzt, sechzig Jahre danach, für Verbündete und Partner der Supermacht immer mehr zum Problem wird.

 

Auf der 41. Sicherheitskonferenz sprach auch der russische Verteidigungsminister Sergei Ivanow. Er berichtete  unter anderem über die Grundsätze und den Verlauf der Militärreform in Russland. Sie soll  die russischen Streitkräfte  an die neuen Herausforderungen anpassen, die auf der Konferenz erörtert wurden.

13.2.05

--------

 

 

In Deutschland ist das Einstein-Jahr eingeläutet. 

In Anwesenheit von Bundeskanzler Gerhard Schröder und anderen Vertretern der deutschen politischen Prominenz wurde am Berliner Kanzleramt  ein Zitat von Albert Einstein feierlich enthüllt. Auch viele andere offizielle Gebäude  in der deutschen Hauptstadt sollen demnächst Einstein- Zitate tragen. Der 100. Jahrestag der Einsteinschen Relativitäts- Theorie und der 50. Jahrestag seit dem Tode des genialen Physikers werden hier  sehr erfindungsreich  begangen. Ganz im Sinne des Menschen, dem sie gelten.

 

Das passt gut in jene geistige Wiedergutmachung, die in der Bundesrepublik jetzt konsequenter denn je vollzogen wird.  In jenem deutschen Staat, der   aus  den Verbrechen des Dritten Reiches und den Verirrungen des Kalten Krieges viel gelernt hat. Der seiner besonderen Verantwortung für die Humanität gerecht wird.

 

Aber es gibt noch etwas im Hintergrund.   Die hiesige Zukunftsvorstellung,  die nicht an  aufgeblähtes Gewaltpotenzial, sondern an die zunehmende intellektuelle Leistung des Landes knüpft.  An eine Philosophie, der sich der Weltbürger  Einstein verschrieben hat. Und deren Unvereinbarkeit mit der Stagnation der Wissenschaften, die Anfang der dreißiger Jahre  in die deutschen Universitäten  einkehrte, ihn zwang, Deutschland  zu verlassen.

 

Als der Verfasser vor dem Kanzleramtsgebäude die Enthüllung des Einsteinzitats erlebte, erinnerte er sich an sein   Studium an der Moskauer Uni. Zu dieser Zeit, also Anfang der fünfziger Jahre,  trat hier eine verheerende Politisierung der Forschung und Bildung ein. Die Wissenschaft durfte nicht über das von oben vorgeschriebene Maß kreativ sein. Deshalb standen die Relativitätstheorie,  Kybernetik, Genetik und andere zukunftsweisende Richtungen der Wissenschaft unter Verdacht. Ein Einstein wäre damals in Moskau unwillkommen. Auch weil er den Autoritäten  die Zunge rausstreckte. Wie auf einem Bild, das jetzt in Deutschland auf Schritt und Tritt zu sehen ist.

 

In die deutsche Landschaft von Heute passt aber der unruhige Geist. Das  einfallsreich  gestaltete Einsteinjahr zeugt davon. Auch in Russlands Universitäten dürfen sich jetzt  kühne Gedanken entfalten. Deshalb beging die Alma Mater des Verfassers ihr zweihundertfünfzigstes Jubiläum  als eine von  Dogmen freie und kreative Forschung- und Lehrstätte.

 

Logisch, dass sich deutsche und russische Universitäten  gut verstehen, einen intensiven Austausch pflegen und dem Nachwuchs aus dem jeweils anderen Land das Studium ermöglichen. 

 

Übrigens wurde die Moskauer Uni von einem Bauern aus der Gegend am Polarkreis gegründet.  Zwei   Jahrhunderte vor Albert Einstein geboren, zeichnete sich Michail Lomonossow  durch denselben rebellischen Geist und dieselbe unversiegbare Schaffenskraft aus wie der Schöpfer der Relativitätstheorie.  Wie dieser wetterte auch er gegen Professorenmief  unter den Talaren. Und zwar nicht nur in Russland, sondern auch in Deutschland, das er als Student und Dozent kennen lernte.

 

So wünscht sich der Verfasser dieses Berichtes, dass  die Sprüche  des genialen Russen, der aus einem verschneiten Dorf im tiefsten russischen Norden   bis zu den Gipfeln der gelehrten Welt in Europa aufstieg,  die Regierungsgebäude in Moskau  schmücken, wie der soeben  enthüllte Spruch Einsteins das Berliner Kanzleramt schmückt.

1.2.05

In der Europäischen Akademie, Berlin, fand ein im Radio gesendetes Streitgespräch zum Thema "Russland und Deutschland in Europa, sechzig Jahre nach dem Krieg" statt.

Obwohl es laut Ankündigung um Russland und Deutschland in Europa gehen sollte, erörterten die Gesprächsteilnehmer nur die bilateralen  deutsch-russischen Beziehungen. Vor allem die in der letzten Zeit immer wieder bei den deutschen Expertenrunden angesprochenen Abweichungen des heutigen Russlands von dem Bild eines vollkommenen Rechtsstaates. Einem  in den deutschen Universitäten entworfenen Bild, dem nicht nur in Russland, sondern in keinem Land auf der Erde, inklusive Deutschland selbst,  entsprochen wird. Vermutlich deshalb, weil jeder Staat nicht aus der Retorte der universitären Wissenschaft, sei sie noch so tiefsinnig,  entstanden , sondern in der Geschichte und der Mentalität seines Volkes verankert ist und sich nach diesen nationalen Gegebenheiten richten muss.

 

Die Verdrängung dieser schlichten Wahrheit verführte  manche am Gespräch beteiligten Experten zu einer   einseitigen Sicht der russischen Entwicklung unter der Präsidentschaft von Wladimir Putin. Aber auch die deutschen Staatsmänner blieben nicht ungeschoren. Ihnen wurde mit Nachdruck die Frage gestellt, warum denn sie sich für die Festigung der Zusammenarbeit mit Russland verwenden, obwohl sich der russische  Partner  nicht immer so verhält, wie er sich nach den Lehrbüchern  verhalten sollte.

 

Allerdings ist die Antwort darauf nicht schwierig. Die deutschen Staatsmänner tun es, weil sie einen Eid geschworen haben, das Wohl ihres Vaterlandes zu bewahren und zu mehren. Wie Präsident Putin auch. Und das sollen  sie tun, indem sie dafür sorgen, dass Russland und Deutschland möglichst produktiv zusammenarbeiten. In der internationalen Politik, in der Wirtschaft, auf dem Feld der Kultur.

 

Eine andere Gestaltung der russisch- deutschen Beziehungen, und zwar eine, bei der Deutschland seinen russischen Partner belehren würde, wie er zu seinem Glück gelangen soll, hätte der Partnerschaft zumindest nicht beigetragen. Und  hätte nur jene erfreut, die sich ein schwächeres Deutschland und ein schwächeres Russland wünschen. Und zwar nicht gerade deswegen, weil sie beiden Ländern Gutes gönnen.

 

Unter dem Strich ist zu bemerken, dass die Besetzung der Expertenrunde in der Europäischen Akademie zu Berlin  eine produktivere Erörterung des bedeutungsschweren Themas erwarten ließ.  Und wenn die Erwartungen trotzdem enttäuscht wurden, hing es nicht damit zusammen, dass die Experten, darunter eine Bundestagsabgeordnete, ein Wissenschaftler, ein Historiker und eine Medienfrau  nicht genug über Russland wissen. Auch nicht damit hing es zusammen, dass sie Russland nicht mögen, was sie sehr        glaubhaft abstritten. Es lag, wie ein Gesprächsteilnehmer   bemerkte, am tiefsitzenden, wenn auch von Trägern selbst  nicht immer wahrgenommenen Glauben, dass man den Affen erfunden hat. Einem Glauben, der   leicht in die Irre führt, denn es gibt nicht nur eine Affenart,  sondert eine Vielfalt davon. Und nicht nur in der Tierwelt. 

30.1.05

--------------

 

Die   deutschen Medien  berichten  über einen neuen Airbus, der, von einem Konsortium europäischer Firmen entwickelt,  die Zukunft der Luftfahrt repräsentiert. 

 

Das neue Produkt der europäischen Luftschiffbauindustrie akkumuliert das Potenzial vieler Zweige modernster Technik. Damit zeugt  es   von der ungebrochenen Kreativität  jenes  Europas, das im Laufe der Jahrtausende einen unschätzbaren Beitrag zur Weltzivilisation leistete. Es leistet ihn auch heute. Obwohl es von manchen übereiligen Überseepolitikern  bereits als alt, im Sinne von verbraucht, abgeschrieben wird.

 

Nach Presseberichten hat Deutschland an der Entwicklung und Produktion des Airbusses erfolgreich mitgewirkt. Diese Leistung wird vielerorts als ein Zeichen der baldigen Bewältigung seiner derzeitigen wirtschaftlichen Probleme gesehen. Zwar liegt Deutschland beim Tempo der Zunahme seiner Industrieproduktion weiterhin hinter den meisten anderen europäischen Staaten, aber viele Wirtschaftsexperten sehen schon das Licht am Ende des Tunnels. Unter anderem weil es als Exportland dank dem hohen Niveau seiner Technik beachtliche Erfolge aufweist. Mit der Rate von zehn Prozent jährlich steigen die deutschen Exporte überdurchschnittlich. 

 

Als russischer Journalist freut man sich darüber, dass Russland die sich abzeichnende Erholung der deutschen Wirtschaft auf verschiedene Art und Weise   unterstützt. So durch  Lieferungen von Energieträgern. Bekanntlich decken russisches Erdgas und Erdöl einen beträchtlichen Teil der Bedürfnisse sowohl der deutschen kommunalen Wirtschaft, als auch der Industrie. Nach den jüngsten Absprachen auf höchster Ebene sollen die Kontinuität und Erweiterung dieser Lieferungen auch in der Zukunft gesichert werden.

 

Im Kontext der deutsch – russischen Zusammenarbeit auf diesem und anderen Feldern fällt auf, dass die Kooperation zwischen der deutschen und der russischen Hightech noch  zu wünschen übrig lässt.  Bezeichnenderweise hat Bundeskanzler Schröder bei der Vorstellung des europäischen Airbusses  dieses Thema angesprochen. Er meinte, Russland  soll ins Projekt einbezogen werden.

 

Dasselbe müsste wohl auch für viele andere Projekte gelten. Deutsche Experten, die das zum Beispiel bei Veranstaltungen des Forums Zukunft der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik  anregen,  liegen bestimmt nicht falsch. Ein intensiverer  Austausch und breiteres Zusammenwirken in der Sphäre der Hightech würden den beiden Ländern viel nutzen. Umso mehr, dass die Partnerschaft zwischen den deutschen und US- amerikanischen Hightechfirmen, wie bei den erwähnten Veranstaltungen zu erfahren ist, oft am Streben der letzteren, einseitige Vorteile zu erheischen, scheitert.

 

Vor einigen Tagen wurde in Deutschland  das Albert Einstein-Jahr eingeläutet. Höchste Zeit, sich daran zu erinnern, wie   der große deutsche Wissenschaftler den Beitrag Russlands zur europäischen Zivilisation, auch in Punkto Forschung und Entwicklung einschätzte. Er hat nämlich auf Russland auch in dieser Hinsicht große Stücke gesetzt. Der Schöpfer der Relativitätstheorie  sah in der  Partnerschaft zwischen Russland und Europa, einem Laien sei dieses Wortspiel  verziehen, ein absolutes Muss. Erst recht gilt es für unsere Zeit, da  vieles, was der Partnerschaft im Wege stand, überwunden ist. 

19.1.05   

 

IWAN MATRJOSCHKIN, ESQ. MARSCHIERT MIT

 

Unser führender Experte richtete an den russischen Präsidenten W.W. Putin eine Botschaft folgenden Inhalts. 

 

Lieber Wladimir, du weißt, dass ich immer zu dir stehe. Das bin ich schon unserer alten Freundschaft schuldig.

 

Aber diesmal bin ich nicht mit dir, sondern mit vielen Tausenden Rentnern solidarisch, die dieser Tage auf den Straßen russischer Städte demonstrieren. Sie wollen  nicht, dass die ihnen zustehenden Rabatte  bei der Begleichung ihrer Mieten und anderer kommunalen  Rechungen durch direkte Zuwendungen  des Fiskus ersetzt werden. An ihrer Stelle hätte ich mich genauso verhalten.

 

Ich erinnere mich an die in dieser Hinsicht  herrlichen  Sowjetzeiten. Ich bewohnte damals eine Dreizimmerwohnung in bester Innenstadtlage. Die  Monatsmiete betrug fünf Rubel, fünfzig Kopeken. Das wäre heute viel weniger als ein Euro. Damals war es mehr: drei DM! Zwar reichte das Geld der Hausverwaltung nicht, um im Hauseingang wenigstens einmal fegen zu lassen. Geschweige denn irgendwelche Reparaturen durchzuführen. Man brauchte sich  aber über die Miete keine Gedanken zu machen.   Schön war es unter der Sowjetmacht, mein lieber Freund.

 

Was bezahlst du eigentlich für deine Wohnung im Kreml? Überhaupt nichts? Siehst du! Die anderen möchten das auch.

 

Aber zurück in die Vergangenheit. Was ich für Strom, Gas, Heizung, Wasser, Abwasser und Telefon bezahlen musste, weiß ich nicht mehr. Übrigens brauchte ich gar nicht die Rechnungen  zu begleichen. Es wurde gar nicht kontrolliert, ob  es getan   wurde. Denn die Kontrolle hätte mehr gekostet als das Eintreiben der fehlenden Summen gebracht hätte .

 

Ich kann mich nur erinnern,  dass ich  das Licht in der Wohnung nicht ausschaltete, wenn ich auf  Reise ging.  Auch wenn die Birnen  monatelang in der leeren Wohnung  brannten, was machte es schon aus. Mit dem Wasser war es schlimmer. Beim Rohrbruch wollte sich keiner darum kümmern. Die Überschwemmung drohte. Aber eine satte Rechnung nicht.

 

Die Heizung blieb bis zum Spätsommer an.  Ausstellen konnte man sie sowieso nicht. Die Hähne an den Heizkörpern waren rostig. Sie ließen sich gar nicht bewegen. War es zu warm in der Wohnung, riss man die Fenster auf. Tagelang standen sie offen. Bei der gut funktionierenden  Heizung, versteht sich.

 

Da es in jeder Wohnung praktiziert war, trug man damit zur Erwärmung der Erdatmosphäre bei. Damals galt es noch für sinnvoll. Alle wollten, dass  Moskau ein Klima wie  Nizza hat.

 

Übrigens musste ich nur die Hälfte der Miete und der kommunalen Rechnungen bezahlen. Als ehemaliger Soldat hatte ich das Recht auf Rabatt.   Und als Doktor.

 

Aber ich musste wählen, ob ich den Rabatt als ehemaliger Soldat oder als Promovierter  in Anspruch nehme. Beides ging nicht. Der Staat war sehr sparsam. Er sagte entweder oder.

 

Ich schließe meine Botschaft in der Hoffnung, dass du, lieber Wladimir, den russischen Rentnern entgegenkommst. Ihre Rabatte sollen erhalten bleiben. Dann kehre ich vielleicht nach Russland zurück und werde dich beraten. Im oben beschriebenen Sinn. Und gratis.

 

Dein lieber Freund, 

<<<<Iwan Matrjoschkin, Esq.

 

PS. Wenn ich hier in Deutschland meine Rechnungen erhalte, kommt mir die Galle hoch.  Das geht nicht, lieber Gerhard!  Sorge dafür, dass auch hier der Sozialismus einkehrt. Der  sowjetischen Machart. Sonst gehe ich mit meinen Stammtischbrüdern aus der Kneipe Sonnenschein, Berlin, Prenzlauer Berg,  auf die Strasse. Wie die russischen Rentner.

 

Mit sozialistischem  Gruß, I.M. Esq.

 

18.1.01

-----------

In Deutschland müssen zehn Tausend  Mitarbeiter der Opelwerke von ihren Arbeitsplätzen demnächst Abschied nehmen. Von deutschen Experten wird ihr Los zu den Folgen der Globalisierung der Wirtschaft  gerechnet. 

 

Auch die Russen spürten hautnah die Folgen eines Globalisierungsmissbrauchs. Besonders in der Zeit, als in   Russland  die Kapitalflucht ins Ausland einsetzte. Und auch die damit zusammenhängende Flucht der russischen Wissenschaftler und Ingenieure, die im eigenen Land keine Arbeit fanden. Diese Prozesse trugen viel zum Niedergang der russischen Wirtschaft  und zum Absinken des Lebensniveaus der russischen Arbeitnehmer bei.

 

Es ist wohl nicht ganz gerecht, die Schuld an den unerfreulichen Folgen der Globalisierung den nationalen Regierungen zu geben.  Sie tun schon alles, was sie können, um das Wirtschaftsklima in ihren Ländern  zu verbessern. Der deutsche Regierungschef  bereist bekanntlich die ganze Welt, um  Wirtschaftsaufträge nach Hause zu bringen. Und sorgt  dafür, dass weiterhin Ströme von Erdöl und Erdgas  aus Russland nach Deutschland fließen,  damit die deutsche Wirtschaft ihre Energiegrundlage behält.

 

Auch der Chef der russischen Exekutive setzt sich für die Interessen der nationalen Wirtschaft und der heimischen Arbeitnehmer ein. Unter anderem  dadurch,  dass er die Verfügungsgewalt der  Erdölbarone über die russischen Energieressourcen einschränkt.

 

Aber die Erfahrung zeigt, dass die fatalen Folgen der Globalisierung, so, wie sie jetzt läuft, mit Einzelaktionen schwer aufzufangen sind.  Um ihnen vorzubeugen, muss der Modus der Globalisierung korrigiert werden. Vorläufig wird er  weitgehend von einem einzigen Land zu seinem ausschließlichen  Nutzen  bestimmt. Von den USA mit ihrer erdrückenden Wirtschaftskraft. Andere  haben  wenig zu sagen. Insbesondere Russland, dem sogar die Aufnahme in die    Welthandelsorganisation bislang nicht gegönnt wurde.

 

Übrigens spielt dabei vielleicht die Tatsache eine Rolle, dass in Russland  die Wirtschaftsbosse an der kürzeren Leine als sonst wo gehalten werden. Nicht von Ungefähr fanden die vom russischen Fiskus belangten, neugebackenen Dollarmilliardäre  viele eifrige Anwälte, besonders im Übersee. 

 

Wie es scheint, hat dies Russland  nicht besonders beeindruckt. Der Kreml bleibt ein Befürworter der freien Marktwirtschaft und lädt  ausländische Investoren ein. Das ist ein Vektor seiner Wirtschaftspolitik. Der andere setzt aber voraus, dass  die Globalisierung gerecht gestaltet werden muss. Damit  sie  keine Wirtschaftsmisere  herbeiführt, beziehungsweise  festschreibt.

 

Diese Forderung an die Globalisierung liegt im wohlverstandenen Interesse aller  Staaten in Europa. Auch der reichsten unter ihnen. Sonst hätten sie vermutlich der EU- Osterweiterung nicht  zugestimmt. Sicherlich wurde diese   nicht deswegen beschlossen, um ärmere Staaten Europas noch ärmer zu machen, sondern um eine allmähliche Angleichung des Lebensniveaus in Europa einzuleiten.  Mag das zuerst kostspielig,  letztendlich wird das doch billiger sein als ein starkes Wohlstandsgefälle auf dem Kontinent, wo die Grenzen offen sind. Auch für die Transfer der Armut.          

 

Wenn  Europa als Ganzes wohlhabender wird, ziehen   seine Arbeitnehmer  nicht mehr den Kürzeren. Wie jetzt die globalisierungsgeschädigten Autobauer der  deutschen Tochter von General Motors.

10.12.04 

Zur Startseite