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VOM STANDPUNKT DES KREMLS. EINE EXPRESSSTELLUNGNAHME VON IWAN MATRJOSCHKIN, ESQ.

 

Die Nachricht von der vorgezogenen Bundestagswahl ließ mich die darauffolgende Nacht nicht schlafen. Mich quälte die Ungewissheit, wie wird mein Freund im Kreml reagieren? Ich rief ihn an, wobei ich die geheime Nummer wählte, die er mir bei der letzten Zusammenkunft mitgeteilt hatte, damit ich jederzeit mit ihm telefonieren kann. Was kam? Die nervenzerreibende Ansage „Kein Anschluss unter...“. Anscheinend habe ich die Nummer falsch notiert. Kommt leider vor.

 

Dabei brennt mir eine Frage auf der Seele.  Es ist nicht die Frage nach der Zukunft der russisch- deutschen Beziehungen. Da bin ich unbesorgt. Diese werden von dem von mir erwarteten Sieg der schwarz-gelben Koalition nicht tangiert. Wer auch in Berlin  an die Macht  gelangt,  kommt  um die   weitere Festigung der Beziehungen zu Russland  nicht herum. Sie sind keine  Laune dieses oder jenes deutschen Kanzlers, beziehungsweise Vizekanzlers. Sie sind ein Muss für Deutschland. Das Non plus ultra der deutschen Außenpolitik. Nur derjenige, der vorhat, die deutsche Stellung in der Welt zu ruinieren und die deutsche Wirtschaft ohne Energieträger zu  lassen, kann es riskieren, die Partnerschaft aufs Spiel zu setzen. Und das tun die von mir prognostizierten Wahlsieger, Frau Angela Merkel und Herr Guido Westerwelle, gewiss nicht. Das sind verantwortungsbewusste, gescheite, weitblickende Menschen. Es ist zu erwarten, dass sie  das Werk von Herrn Gerhard Schröder wie ihr  Augapfel hüten werden.

 

Das Problem liegt woanders. In deutschen Medien, zumeist  in den der Regierung nicht sehr wohlgesinnten , wurde behauptet,  der Festigung der russisch- deutschen Beziehungen hätten in entscheidender Weise die gemeinsamen Sauna- Besuche des jeweiligen Kremlherrn und seines deutschen Partners  beigetragen.

 

In  abhörsicheren Saunas hätte man   immer wieder die Uhren verglichen,  das Tempo der Fortbewegung bestimmt, die wichtigsten Aktionen festgelegt. Erst dann seien die Fahrpläne  in die Gremien gegangen.

 

Demnach ist die in Saunadampf  und Hitze geleistete Arbeit   unersetzlich.

 

Jetzt frage ich , mit wem soll Herr Putin demnächst in die Sauna? Mit Frau Merkel?  Mit Herrn Westerwelle? Hm.

 

Ein Problem. Ich wollte es mit  Freund Wladimir erörtern, aber... „Kein Anschluss unter dieser Nummer...“ Verdammt.

 

Iwan Matrjoschkin, Esq., der    besorgte Zukunftsdeuter.  

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Aus der Denkfabrik von Iwan Matrjoschkin, Esq.

 

Stalin und der Sieg. 

 

Nach einem eingehenden Studium russischer Quellen muss ich leider feststellen, dass ein sehr erfreuliches  Datum, der sechzigste Jahrestag der Kapitulation Hitlerdeutschlands im Zweiten Weltkrieg, von einigen russischen Kollegen sträflich missdeutet  wird. Und zwar für die Glorifizierung eines Menschen, der in meinen Augen durchaus nicht weniger verurteilungswürdig ist als Hitler. Ich meine Josef Stalin, der die Sowjetunion dreißig Jahre lang diktatorisch regierte.  

 

Es beginnt mit dem von ihm in die Welt gesetzten  Mythos vom „Überraschungsangriff“ Deutschlands  auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941. Der Angriff hat stattgefunden, er war ein Verbrechen, aber überraschend war er keineswegs. Aus vielen glaubwürdigen Quellen, darunter die  sowjetischen Meisterspione im Westen und Fernen Osten, kamen rechtzeitig ausführliche Warnungen. Es wurde  von der    Zusammenziehung der deutschen Streitkräfte an der sowjetischen Grenze berichtet. Von den in Berlin geschmiedeten Plänen, die Sowjetunion mit einem Blitzkrieg zur Strecke zu bringen. Bloß Stalin wollte auch das Offensichtliche nicht wahrhaben, da er sich für unfehlbar hielt. Seine Strategie lief darauf hinaus, durch das Zusammengehen mit Hitler den Krieg so lange hinauszuzögern, bis die Sowjetunion ihre militärischen Vorbereitungen abschließen würde. Den Krach dieser Strategie zuzugeben, hieße sich bloßzustellen. Der  Halbgott tat das nicht.

 

So sollte der Mythos vom Überraschungsangriff  Stalin von der Schuld für  zahlreiche schwere Niederlagen der Roten Armee in den Jahren 1941 und 1942 reinwaschen.  Deshalb blieb die Wahrheit über die Vorkriegssituation in der Sowjetunion, Ursachen der tragischen Ereignisse, vor allem über die  riesigen Verluste am Beginn des Krieges lange Jahre tabuisiert. Aber es ist höchste Zeit, damit endgültig Schluss zu machen. Die von mir und meinen Kollegen detailliert ermittelte Wahrheit steht dafür zur Verfügung. Im  Forschungszentrum „Matrjoschka- online.de“  befindet sich unter den zahlreichen Belegen ein Telegramm, das vom  für die sowjetische Aufklärung tätigen Richard Sorge  aus Tokio nach Moskau übermittelt wurde. Das Telegramm schickte Hitlers Außenminister Ribbentrop an den deutschen Botschafter in Japan, Ott. Es enthielt  die Mitteilung, Deutschland würde den Krieg gegen Russland Mitte Juni 1941 beginnen. Ähnliche Hinweise kamen von der russischstämmigen Filmdiva Olga Tschechowa, die in den Kreisen um Hitler verkehrte, und von  anderen Freunden Russlands in Berlin. Alles umsonst.

 

Sogar als zwei tapfere deutsche Soldaten,  Hans Schlüter und Alfred Liskow zu den sowjetischen Grenztruppen überliefen und mitteilten, dass die Invasion auf die Morgendämmerung  des 22.  Juni festgesetzt war, schlug der Kreml keinen Alarm. Von welcher Überraschung darf man da sprechen? Viel eher  von sträflicher Blindheit gegenüber den Tatsachen, die Russland Millionen Menschenleben kostete.   

 

Die traurige Wahrheit besteht auch darin,  dass die Rote Armee schlecht vorbereitet in den Krieg ging. Das ist darauf zurückzuführen, dass Stalin die militärische Führung terrorisierte. Fast die gesamte Generalität saß, bis der Krieg losging, hinter Gittern. Viele erfahrene hochrangige Militärs  starben in Hinrichtungskellern. Die Generäle und Marschälle wurden beschuldigt,  Hitlerdeutschland in die Hand zu spielen. Das war Quatsch. Wer  Hitler in die Hand spielte, war Stalin selbst. Er wurde aber nicht belangt, sondern legte sich den bombastischen Titel eines Generalissimus zu.

 

Als ob der Titel Menschen macht. Zum Beispiel bin ich nicht mal Professor. Aber es gibt keinen Professor, der in die geschichtlichen Vorgänge so tief hineinblickt wie ich. 

 

Zurück zum eigentlichen Thema.

 

In Russland wird mitunter die Meinung geäußert, der Sieg hat alte vor und während des Krieges entstandene Rechnungen überholt. Über den Preis des Sieges möchten manche nicht sprechen. Dennoch muss auch hier der reine Wein eingeschenkt werden. Denn alle gravierenden Fehlkalkulationen Stalins wurden teuer bezahlt.

 

Als nach dem Krieg der sowjetische Chefstatistiker  dem Diktator   eine Auskunft über die  Verluste gab,  sagte Stalin:  „Genosse, Sie sind kein Politiker, Sie sind Buchhalter.“ Aus dem Stegreif nannte er die Zahl der Verluste, die gelten sollte. Sechs Millionen. Um die Bevölkerung nicht mit wahren Zahlen zum Nachdenken zu bringen.

 

Nach dem Tod des Diktators kam peu a peu die Wahrheit ans Licht.  Zwanzig Jahre nach dem Krieg wurden zwanzig Millionen genannt,  zehn Millionen Soldaten und zehn Millionen Zivilisten. Dann  siebenundzwanzig Millionen. Die Haare stehen einem zu Berge, wenn man daran denkt.

 

Wo die Leute geblieben sind, weiß man in den meisten Fällen nicht. Vermutlich in namenlosen Massengräbern verscharrt.

 

Zwei Diktatoren tragen für das Massaker die Schuld. Hitler, der die Russen ganz ausrotten wollte. Und Stalin, der sie nur als Baumaterial für seine Herrschaft betrachtete. 

 

Deshalb begrüßen wir, meine Kollegen vom Matrjoschka- team,  meine Stammtischbrüder in der Kneipe „Sonnenschein“ zu Berlin, Prenzlauer Berg, und ich selbst, die Absicht der Berliner , den Tag des Sieges, den 8. Mai, am Brandenburger Tor als Fest der Demokratie zu begehen. Zwar hat noch keine Demokratie den  Krieg an sich aus der Welt schaffen können, aber wenn doch eine Regierungsform darauf überhaupt hoffen lässt, dann ist es sie, die Demokratie, nicht die Diktatur. Jedenfalls bin ich mit meinem Gefolge am 8. und 9. Mai am Tor und rufe alle meinen Freunde, Anhänger und Leser zum Kommen auf.

 

Iwan Matrjoschkin, Esq., Kriegshistoriker.

 

23.4.05

 

EIN CABLOGRAMM VON IWAN MATRJOSCHKIN ESQ.

AN SEINE EXZELLENZ, DEN PRÄSIDENTEN DER RUSSISCHEN FÖDERATION WLADIMIR WLADIMIROWITSCH PUTIN.

 

Lieber Wolodja, ich bin von der Nachricht aus Moskau zutiefst betroffen,  Du würdest  nicht zum Papstbegräbnis nach Rom kommen.  Ich halte das  für einen unverzeihlichen Fehler. Auch weil  ich unter dem tiefsten Eindruck von der lichten Persönlichkeit des Verstorbenen, seinem Leben und Tun stehe.

 

Der Tod des Papstes ist ein riesiger  Verlust für jeden Erdenmenschen, welchem Glauben er auch angehören mag. Und erst recht für jene, die auf ihren Schultern große Verantwortung tragen. Wie Du und ich.

 

Als ein Stammtischbruder aus der Kneipe „Sonnenschein“, Prenzlauer Berg, Berlin, mir eröffnete, Du wolltest  nicht nach Rom,  und zwar ohne Angabe der Gründe, habe ich ihn einer infamen Lüge bezichtigt. In meinem Zorn schwenkte ich den Bierkrug und kippte den Inhalt auf seine Glatze.

 

Was zur Störung der öffentlichen Ordnung und den üblichen  Folgen für mich führte wie das polizeiliche Protokollieren des Vorfalls und die gewaltsame Vertreibung aus dem Bierparadies.

 

Ich bereute meine Tat  nicht, da ich annahm, die mir gemachte Mitteilung wäre eine Verleumdung Russlands und seines Präsidenten. Aber ich wurde eines Besseren belehrt.

 

In der darauf einberufenen Pressekonferenz stand ich der Berliner Journaille hilflos gegenüber. Und als einer aus ihrer Mitte mich hämisch an die Äußerung von Stalin erinnerte, der auf die Frage, was  er vom Papst halte, mit der Gegenfrage antwortete, wie viel Divisionen dieser wohl habe, wurde ich wieder handgreiflich. Ich musste es, da der Presseschakal unterstellte, Du wie Stalin beachtest nur die grobe Gewalt, die geistige Macht  aber gar nicht.

 

Ich glaube  nicht, dass es stimmt.  Also handele, Wolodja!  Wenn deinem Engagement in der ewigen Stadt nichts Unüberwindliches entgegensteht, bestelle sofort ein schnelles Flugzeug. Wenn aber tatsächlich wichtige Gründe vorliegen, im Kreml zu bleiben,  tu diese kund. Sonst siehst Du in der Welt blass aus. Und ziehst mein Ansehen mit runter.

 

Schließlich wissen alle, wie ich mich für Dich immer eingesetzt habe.

 

Es gibt allerdings noch eine Variante. Meiner Anwesenheit in Rom liegt nämlich meine wirtschaftliche Flaute im Wege. Und der Geiz der Puppe mit dem Samowar, die jetzt die Kasse des Konzerns verwaltet und sich weigert, meine Reise zu finanzieren. Wenn Du den russischen Finanzminister anweist, mir schnellstens die Spesen vorzuschießen, bin ich bereit, nach Rom zu fliegen. Als Dein bevollmächtigter Vertreter.

 

Du weißt, wie gut ich die Kunst der Diplomatie beherrsche. So würde ich wie bei der Erfüllung Deiner anderen geheimen Aufträge auch diesmal eine effiziente PR- Arbeit leisten und Dir aus der Patsche helfen.

 

Mein Angebot ist allerdings nur dann gültig, wenn Dein Finanzminister sich nicht knauserig erweist.

Iwan Matrjoschkin, Esq., praktizierender  orthodoxer Christ.

7.4.05

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Anm. von Iwan Matrjoschkin, Esq.

zum Bericht  Juschtschenko in Berlin 

(auf dem Link von verbissenen Matrjoschka).

"Die Ukraine und Russland   sind  wie  Sachsen  und  Preußen".

Die Parallele trifft in verschiedener Hinsicht zu. Die Ukraine ist hochindustrialisiert wie Sachsen. Und  die Ukrainer sind handelstüchtiger als die Russen. Wie die Sachsen handelstüchtiger sind als die Preußen.

 

Bekanntlich gehört in Preußen  fast die gesamte Bevölkerung einer und derselben Konfession an. Wie in Russland, obwohl dort die Konfession eine andere ist. Dagegen gibt es in Sachsen sowohl Protestanten als auch Katholiken. Wie in der Ukraine- sowohl die orthodoxen Christen, als auch Katholiken.

 

Wenn ein Sachse in seiner echten Mundart spricht, dann versteht  ein richtiger Preuße nur Bahnhof. Dasselbe, wenn ein Russe einen Ukrainer in seiner Sprache hört. Aber jeder Sachse spricht auch Hochdeutsch, auch wenn seine Aussprache ihn sofort verrät. Dasselbe trifft auf einen Ukrainer zu.

 

Leider aber spricht kaum ein Russe Ukrainisch. Wie ein Preuße kaum Sächsisch  kann. Eine Schande.

 

Die Ukrainer sind sehr arbeitsam. Wie die Sachsen. Leider sind die Russen nicht so arbeitsam wie die Preußen. Vor allem weniger ordentlich. Dafür aber die Seele... Aber die haben die Ukrainer auch.    

 

Nach dem Krieg wurde Russland (eigentlich die gesamte  SU)  längere Zeitabstände von den Ukrainern  regiert. Von den in der Ukraine geborenen Russen (Chruschtschow, Breschnew und andere). Wie Preußen von den Sachsen  (Ulbricht, Pieck usw.) regiert wurde.

 

Niemand und nie trennt die Russen und die Ukrainer. Wie niemand und nie die Preußen und die Sachsen trennt. Nun gut, jetzt liegt zwischen der Ukraine und Russland eine Staatsgrenze. Aber Staatsgrenzen sind nicht ewig. Wer weiß das besser als die Preußen, die Sachsen, die Russen und die Ukrainer...       

 

Ich, Iwan Matrjoschkin, Esq. habe sowohl die Großrussen, als  auch die Kleinrussen (eine blöde Bezeichnung: die Ukrainer sind in jeder Hinsicht groß) sehr gern. Sie mich auch. Aber sie  müssen das verheimlichen, um die Machthaber in Moskau und Kiew nicht zu ärgern... Unlängst habe ich geträumt, die drei slawischen Staaten, Russland, die Ukraine und Belorussland bildeten einen Staatenbund. Und ich wurde zum Präsidenten gewählt. Zu meinen Vizes habe ich Putin, Juschtschenko und Lukaschenko ernannt.

 

Dann wachte ich auf.

 

Als ich meinen Stammtischbrüdern in der Kneipe „Sonnenschein“, Berlin, Prenzelberg, von dem Traum erzählte, haben  sie unisono gefordert: Matrjoschkin in den Kreml!

 

Allerdings hat  der verdammte Kneipier Einspruch eingelegt. Erst wenn er, dass heißt ich,  seine Bierschulden bezahlt, sagte der Schuft.

 

Als würde ich, wenn ich Präsident der slawischen Union bin, nicht Geld genug haben, um mir alle Kneipen Berlins und die gesamte Bierproduktion in Deutschland unter die Nägel zu reißen. Um von früh bis spät Bier zu trinken.

 

Was ich übrigens auch jetzt tue.

 

Aber jetzt kann ich  den Schweinehund von einem Kneipier nicht nach Sibirien verbannen. Was ich unbedingt mache, wenn mein Traum sich erfüllt. Das steht fest, wie das Amen in der Kirche.

9.3.05

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IWAN MATRJOSCHKINS KAMPF FÜR DIE ZIVILGESELLSCHAFT

In Russland beschäftigt sich zur Zeit die Staatsduma mit dem Gesetz über die sogenannte "Zivilgesellschaftliche Kammer". Wir fragten unseren Experten für Staatsrecht, Iwan Matrjoschkin, Esq., was es mit dieser neuen russischen Institution  auf sich hat.      

                                         

I.M.,Esq.:

 

Sie wurde auf mein Anraten angekündigt. "Wolodja, habe ich meinem Freund* gesagt, stopfe denen im Westen das Maul, die Dir vorwerfen,  eine Bürgergesellschaft in Russland verhindert zu haben. Werfe ihnen einen Knochen hin. Sollen sie  daran ersticken". Wolodja tat, was ich ihm anriet, wie er das immer tut. Er unterschrieb einen Wisch, wonach in Russland eben diese "Kammer" entstehen soll.

 

Iwan, was ist es für eine Kammer?

 

Sie soll dazu gut sein, allen diesen Scheißvereinen, wo sich die Nichtstuer tummeln  ein Sammelbecken zu sein.

 

Du meinst eingetragene Vereine wie in Deutschland?

 

In etwa.

 

Gibt es sie denn auch in Russland?

 

Und ob. 350 000 Stück. Mehr als sonst wo.

 

Was tun sie ?

 

Das ist die Frage, die keiner beantworten kann. Fest steht nur eins: sie sind darauf aus, Geldspender zu finden, vor allem im Westen,  wo  immer welche da sind, die ihre Steuern etwas dadurch reduzieren möchten, dass sie für die Allgemeinheit spenden.  Kriegen sie eine Spende,  liegt der Hase im Pfeffer.

 

Wozu dann die erwähnte Kammer?

 

Sie wird das Spendenaufkommen vervielfachen. Die in der Kammer vertretenen Vereine sollen wichtige Rechte erhalten. Dazu gehört das Recht, überall ihre Nase hinein  zu stecken. Auch in die Schubladen der Regierungsmitglieder. Auch ein anderes Recht sollen  sie erhalten: den Regierungsmitgliedern unangenehme Fragen zu stellen. Ein westlicher Sponsor gibt viel dafür, einem russischen Minister die Hölle heiß zu machen  !

 

Haben unsere Vereine dieselben Rechte?

 

Das will ich überprüfen. Ich bin Mitglied in zwei Vereinen. Erstens, am Stammtisch der Kneipe Sonnenschein in Berlin, Prenzlauer Berg. Dieser Verein ist nicht eingetragen, aber sehr einflussreich. Hier stelle ich den Antrag, den Kneipier, der meine Bierschulden unerbittlich eintreibt, zu köpfen. 

Dann bin ich im Mieterbund Mitglied. Der hat viel mehr Leute, aber keinen Einfluss.  Trotzdem fordere ich ihn auf, meinen Hausbesitzer, der mir mit seinen Klagen über verspätete Mietzahlungen auf den Wecker geht... auch zu köpfen und seine Birne mir zum Geschenk zu machen. Ich werde sie präparieren und den Schädel zum Aschenbecher umfunktionieren.

Wollen wir sehen, wie meine Eingaben behandelt werden.Wenn sie ohne Folgen bleiben , wende ich mich an die UNO mit der Forderung, der Zivilgesellschaft in Deutschland auf die Sprünge zu helfen.

 

Außerdem gehe ich in Russland auf Sponsorensuche. Russland hat  viele Erdölmilliardäre. Zwar sitzt der spendenfreundlichste unter ihnen, Michail Chodorkowski, hinter Gittern. Aber bestimmt findet sich ein anderer, der noch nicht sitzt. Den pumpe ich an, damit er für die  Zivilgesellschaft in Deutschland blecht. Und wenn das Geld in meiner Tasche liegt, bezahle ich meine Bier- und Mitschulden. Und ziehe meine Anträge auf Köpfung des Kneipiers und Hausbesitzers zurück. Sollen sie weiter leben und gedeihen, wenn ich meine Schäfchen im Trockenen weiß.

 

PS. der Redaktion:  hier wird vermutlich der russische Präsident, Wladimir Putin, gemeint, der, wie unsere Recherchen ergaben, mit dem Esquire nichts am Hut und von seiner Existenz keine Ahnung hat.

3.2.05

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IWAN MATRJOSCHKINS BOTSCHAFT AN ZWANZIG ABGEORDNETE DER RUSSISCHEN STAATSDUMA.

Meine Herren,

Mir ist zu Ohren gekommen, dass Sie, von den Parteien „Vaterland“ und  KPRF in die Duma gewählt, einen Brief an den Generalstaatsanwalt Russlands, Ustinow, geschrieben haben. Und zwar baten Sie Ustinow,   umgehend dafür zu sorgen, dass die Juden in Russland die Interessen des russischen Bevölkerungsteils nicht mehr beeinträchtigen dürfen.

Außerdem forderten Sie ein Verbot jüdischer religiöser Vereinigungen, um das Vaterland und sie persönlich vor diesen zu schützen. Sie fühlten sich nämlich durch die Rabbiner sehr bedroht.

Der Brief wurde just in den Tagen abgeschickt, als in Auschwitz  der von den Nazis ermordeten Juden gedacht wurde. Und der russische Präsident seine  Rede vorbereitete, in welcher  er über die Mörder alles sagte, was  zu sagen ist.    

Der  Generalstaatsanwalt Ustinow  antwortete auf Ihr Schreiben, indem er Sie ganz unkorrekt als „Scheiße“ titulierte. Den Gerüchten nach will er   mit Ihnen so umzugehen, wie eben mit dem organischen Stoff umgegangen wird, als welchen er Sie bezeichnet hat. Mit anderen Worten, Sie zu entsorgen. Oder, wie mein Freund, Wolodja Putin, allerdings aus einem anderen Anlass gesagt hat, Sie im Klo der Duma runterzuspülen.

Da sehen Sie,  meine Herren, wie weit Russland noch von der Demokratie und dem Rechtsstaat entfernt ist. Sonst hätte der Generalstaatsanwalt   das schlimme Wort nicht in den Mund genommen. Er hätte  vorher   das Verfassungsgericht angerufen.  Das Verfassungsgericht hätte einige Jahre hin und her überlegt, ob die Äußerung  des Generalstaatsanwaltes rechtens gewesen wäre. Und sehr wahrscheinlich würden die Richter in roten Talaren zum Schluss kommen, dass die Verfasser  des Briefes ihr demokratisches Grundrecht auf Meinungsfreiheit in Anspruch genommen hätten und deswegen nicht geschmäht werden dürfen. Und der Generalstaatsanwalt würde seinen Hut nehmen müssen.

So läuft es in einer echten Demokratie, von der Russland zu lernen hat!

Was bleibt Ihnen zu tun?

Mir fällt nur eins ein. Wenden Sie sich  an Ihre Gleichgesinnten, die NPD- Abgeordneten  des sächsischen Landtags, mit der Frage, ob diese aus Solidarität einverstanden wären, ihnen in Dresden Asyl zu geben.    Da wären Sie, meine Herren, viel besser aufgehoben als im barbarischen  Russland.

Sollten Sie aber nach Berlin kommen, warne ich Sie davor, im Prenzlauer Berg  aufzutauchen. Vor allem in der Nähe von meiner Stammkneipe „Sonnenschein“. Denn meine Kneipenbrüder sind mit Herrn Ustinow einer Meinung. Und würden diese Sie in ihre Pfoten kriegen, wäre Dresche unvermeidlich. Die Kneipenbrüder  halten nämlich wenig von  korrektness und dafür sehr viel von elementarer Anständigkeit.  

Iwan Matrjoschkin, Esq. Verfasst in der Kneipe „Sonnenschein“ zu Prenzlauer Berg, Berlin. 

 

HEIRATSANNONCE

 

Er, weltbekannt und geehrt, politischer Berater von zahlreichen Präsidenten und Premier-Ministern, wohnhaft in Berlin, Russe,Nichtraucher, aber Biertrinker, sucht sie.  Nur eins soll sie in die Ehe mitbringen: eine gute Beziehung zum Auswärtigen Amt der USA oder zum Pentagon. Und die USA- Staatsbürgerschaft, selbstverständlich. Allerdings in Ausnahmefällen wird auch ein anderes Land akzeptiert, das in der Weltpolitik was zu sagen hat. Zum Beispiel, Holland. 

 

Die Bewerbungen an  Maiermüller 4068@AOL.com

 

Iwan Matrjoschkin. Esq. 

 

PS. Wegen der Unverschämtheit   zur Rede gestellt, erklärte I.M., Esq., dass er, beim Kneipier von "Sonnenschein", Berlin, Prenzlauer Berg, tief verschuldet, sich entschlossen hat, in einem der Nachfolgestaaten der Sowjetunion eine orange (kann auch eine andere ansprechende Farbe haben) Revolution zu arrangieren,  in deren Ergebnis er hofft, Präsident oder schlimmstenfalls Regierungschef zu werden. Das würde ihm ermöglichen, seinen Finanzhaushalt zu sanieren. Vor allem, die Bierschulden zu bezahlen.

 

Da aber eine derartige Revolution, wie die Erfahrung zeigt, nicht ohne Unterstützung von außerhalb abläuft, will er sich zeitig diese besorgen. Von seiner Zukünftigen erwartet er dabei tatkräftige Hilfe.

 

Gefragt, ob er alle Tassen im Schrank hat, bejahte der Esquire die Frage. Um dies zu bekräftigen, führte er an, dass die Urheber und Sieger der auf dem postsowjetischen Gebiet bereits stattgefundenen demokratischen Revolutionen ebensolche  Gemahlinnen hätten, wie er sich eine wünscht. Des weiteren führte er an, dass er als Mann nicht weniger attraktiv als Herr Juschtschenko (die Ukraine) und Herr Saakaschwili (Georgien) sei.

 

Das höhnische Lachen der anwesenden Holzpuppen des Teams Matrjoschka-online.de war ihm die Antwort.  Herr Juschtschenko wurde als орел (der Adler) und Herr Saakaschwilli als душка (der reizende Kerl) bezeichnet, Herr Matrjoschkin dagegen als хвастун (der Aufschneider) disqualifiziert. Es kam zu Handgreiflichkeiten.

 

Daraufhin  verabschiedete sich Herr Matrjoschkin mit der Drohung, die EU einzuschalten, die immer bereit sei, die Demokratie zu verteidigen. Und wenn die EU nicht mitmacht, würde  es die CIA übernehmen, da sein Freund Dablju allen Tyrannen, gleich welchen Geschlechts und welcher Herkunft, den Krieg erklärt hätte. 

22.1.05   

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SICH BEI STALIN BEDANKEN?  

Liebe Matrjoschka,

es ist wohl klar, dass die Ereignisse  in der Ukraine dem Kreml einen schweren Schlag versetzten. 1. Es geht um die Zukunft des größten nach Russland Nachfolgestaates der Sowjetunion, der  jetzt von Russland auf Distanz geht.  2. Der Vorgang stellte die Unfähigkeit Russlands  bloß,  im ehemaligen sowjetischen Raum seinen Willen durchzusetzen. 3. Es ist also eine moralische und politische Niederlage Russlands, aber auch des Präsidenten Putin persönlich, der alles tat, um in Kiew   einen prorussischen Amtskollegen zu haben,  aber scheiterte.  4. Russland hat die beste Chance, auch militärisch geschwächt zu werden. Vor allem dadurch, dass ihm jetzt die Stützpunkte am Schwarzen  Meer genommen werden können. 5. Soll sich der Westen  entschließen, den Erfolg dazu zu nutzen, Russland zu destabilisieren, sogar aufzuteilen, sehen die Russen den schlimmen Zeiten entgegen. 6. Übrigens wird aus Moskau  gemeldet, die Taxifahrer der russischen Hauptstadt schmückten bereits ihre Fahrzeuge mit Bändern in Orange.       

 

Jetzt wird in den russischen Medien viel darüber spekuliert, was sind die Ursachen der Schlappe. Meiner Meinung nach, liegen sie z.T. tief in der Vergangenheit. Und zwar im Geschehen von 1939, am Vorabend des Zweiten Weltkrieges, als Stalin und Hitler zueinander gefunden haben. Auf Kosten Polens, das geteilt wurde.

 

Als Hauptgewinner wähnte sich damals der Kreml, da er die vorwiegend mit Ukrainern   und Belorussen besiedelten polnischen  Gebiete in sein Reich einverleiben konnte. 

 

Stalin hat dies als einen  Sieg  der Gerechtigkeit zu feiern befohlen, da diese Gebiete Russlands  am Ende des Bürgerkrieges 1918- 1922   Polen  zugeschlagen worden waren.  In der Wirklichkeit aber war es ein  Pyrrhussieg  Russlands.

 

Hätte der äußerste Westen  der Ukraine weiterhin in Polen geblieben, wäre der Sowjetunion viel erspart. Denn  mit dem Nest des militantesten  ukrainischen Nationalismus   müsste sich Polen plagen. Nicht die Sowjetunion und  ihre Nachfolgestaaten.

 

Die Region  um Lwiw, Lwow, Lemberg war schon immer eine harte Nuss. Seiner Zeit haben Österreich- Ungarn, dann Polen, dann die deutschen Eroberer, dann, in der Nachkriegszeit, die Sowjetunion die Zähne daran ausbeißen müssen. Auch jetzt ist es  der Herd  des militantesten Nationalismus, der die ganze Ukraine infiziert.

 

Kurz und gut sollen sich die Russen beim Genossen Stalin bedanken, der, 1953 gestorben, als Erblasser ihnen viele sauere Äpfel hinterließ, in die sie noch lange beißen werden müssen.

 

Das sind meine Überlegungen. Was meint ihr berühmter Geopolitiker, Iwan Matrjoschkin, Esq. ,dazu?

 

Mit schönen Grüssen aus Kiew, Anonymus.

 

PS. des matrjoschka- teams. Der Kollege Matrjoschkin weigerte sich, den Brief zu lesen, da er aus Protest gegen das Verhalten der deutschen Medien, die Russland bezichtigen, sich in die Ukraine einzumischen,  in einen unbefristeten Hungerstreik getreten ist. Aber keine Sorge: er ernährt sich mit dem flüssigen Brot (dem Bier), das er in rauen Mengen in der Kneipe Sonnenschein im Berliner Prenzlauer Berg konsumiert. Er versprach, sich nach der Beendigung des Hungerstreiks  zu Wort zu melden. 

 

Nach den durchgesickerten Gerüchten aus der Kneipe hat er am Stammtisch allerdings   einen Plan der Regelung in der Ukraine vorgestellt. Der Plan sieht vor, alle Ukrainer aus der Region Lwiw auszusiedeln. Nach Tschetschenien.  Dann würde Russland zwar die nordkaukasische Republik für immer verlieren, aber die Lage in der Ukraine wäre entschärft. Übrigens   verstehen sich die tschetschenischen Separatisten und die ukrainischen Nationalisten ausgezeichnet.

 

Nichtsdestoweniger  reagierte der Stammtisch in der Kneipe Sonnenschein auf den Plan  mit Empörung. Der Kneipier sagte, er sähe sich gezwungen, den Verfassungsschutz darüber zu unterrichten, dass ein Stammkunde Völkerhetze treibt. I. M. versprach. ihm „die Fresse zu polieren“.  Daraufhin kam es in der Kneipe zu Tumulten.

 

28.11.04

 

                     

 

DIE UKRAINISCHE WAHL.

Vorwort.

 

Im Augenblick dieser Veröffentlichung auf der Site matrjoschka-online. de ist der Ausgang der Wahlen in der Ukraine völlig unklar. Ein kluger Mensch rüstet sich  aber für jede Eventualität  auf. Wie es unser führender Mitarbeiter, Iwan Matrjoschkin, Esq., getan hat.    

 

Im folgenden bringen  wir zwei von ihm vorbereitete Dokumente. Sie fielen ihm  aus der Manteltasche,  als er total besoffen aus der Kneipe Sonnenschein, Berlin, Prenzlauer Berg, zu seinem Arbeitsplatz zurückkehrte und sich auf dem Fußboden ausschlafen wollte.   

 

 

1.EIN GLÜCKWUNSCHTELEGRAMM AN DEN PRÄSIDENTEN DER UKRAINISCHEN REPUBLIK,

 

HERRN JANUKOWITSCH.

 

Lieber Herr  Janukowitsch,  im Namen des deutschen Volkes  übermittle ich Ihnen hiermit meinen herzlichen Glückwunsch zu Ihrem verdienten Sieg bei der am 21.11.04 stattgefundenen Stichwahl des ukrainischen Präsidenten. Sicherlich wäre das Ergebnis noch viel beeindruckender,  hätte der Kandidat der Gegenseite, Herr Juschtschenko, auf Wahlmanipulationen verzichtet. Aber auch so ist das Votum eindeutig. Die Ukrainer wählten enge Beziehungen zu ihrem slawischen Bruderland Russland. Sie wählten  die warme Umarmung Moskaus, das sich schon immer um ihr Wohlergehen sorgte. Sie wählten Demokratie und Menschenrechte. Im Sinne vom Präsidenten Putin. Und Sie, lieber Herr Janukowitsch,  als wahren Freund Russlands und Verteidiger der östlichen Werte.

 

Der heutige Tag wird als Markstein in die Geschichte der Ukraine eingehen. Ein für allemal bekräftigte  ihr prinzipienfestes Volk die vor etwa 400 Jahren gefällte Entscheidung, immer mit  Russland zusammenzugehen und von Moskau Schutz vor der  Gefahr aus dem Westen zu suchen. Diese Entscheidung hat sich tausendfach bewährt. Die Ukraine wurde von wahren Patrioten regiert, die zum Teil auch  die Geschicke Russlands mitlenkten. Man denke nur an die ukrainischen  Helden des Zweiten Weltkriegs, die dem russischen Volk halfen, die deutschen Befreiern zurückzuschlagen.  Zwar behaupten die Speichellecker des Westens wie Ihr  erfolgloser Rivale im Kampf um den Präsidentenposten, Juschtschenko, die Ukraine wäre in einem westlichen Bündnis besser aufgehoben, aber das ist Quatsch. Die  mit Russland zusammen verbrachten Jahrhunderte waren für ihr Vaterland eine einzige Glücksträne . Jetzt wird sie fortgesetzt!  Jetzt blüht die Ukraine erst richtig auf.

 

Selbstverständlich steht Ihnen viel Mühe bevor. Aber die Russen, die in Ihrem schönen Land beheimatet sind ( fast ein Viertel der Bevölkerung der Ukraine), werden Ihnen unter die Arme greifen.  Die Ukraine ein Land der Freundschaft mit Russland! Das ist die Devise!

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen im Namen des deutschen Volkes, das  zunehmend auch für ein Bündnis mit Russland eintritt, viel Erfolg auf dem verantwortungsvollen Posten des ukrainischen Präsidenten. Und seien Sie bitte sicher, dass Deutschland der mit Russland befreundeten  Ukraine jede erdenkliche Hilfe gewährt.

 

Ihr aufrichtiger Verehrer,

 

Iwan Matrjoschkin, Esq.

 

PS. Sollten Sie einen kompetenten Berater in Ihrem Stab brauchen, stelle ich mich als gebürtiger Russe zur Verfügung. Über die Aufwandentschädigung bin ich bereit, jederzeit   Verhandlungen aufzunehmen.

 

2. EIN GLÜCKWUNSCHTELEGRAMM AN DEN PRÄSIDENTEN DER UNABHÄNGIGEN UKRAINISCHEN REPUBLIK,

 

HERRN JUSCHTSCHENKO.

 

Lieber Herr  Juschtschenko, im Namen des deutschen Volkes  übermittle ich Ihnen hiermit meinen herzlichen Glückwunsch zu Ihrem verdienten Sieg bei der am 21.11.04 stattgefundenen Stichwahl des ukrainischen Präsidenten. Sicherlich wäre das Ergebnis noch viel beeindruckender,  hätte der Kandidat der Gegenseite, Herr Janukowitsch, auf Wahlmanipulationen verzichtet. Aber auch so ist das Votum eindeutig. Die Ukrainer wählten die Unabhängigkeit  von seinem Erzfeind Russland. Es wählte  die warme Umarmung der USA,  Deutschlands und anderer Länder des Westens. Es wählte Demokratie und Menschenrechte. Und Sie, lieber Herr Juschtschenko, als wahren Demokraten und Verteidiger der westlichen Werte.

 

Der heutige Tag wird als Markstein in die Geschichte der Ukraine eingehen. Ein für allemal brach  ihr prinzipienfestes Volk mit der vor etwa 400 Jahren gefällten Entscheidung, ins Russische Reich  einzugehen und von Moskau Schutz vor der angeblichen Gefahr aus dem Westen zu suchen. Es musste diese Entscheidung teuer bezahlen. Seine wahren Patrioten wurden entehrt und erlitten Kerker oder einen qualvollen Tod. Man denke nur an den Helden des Zweiten Weltkrieges, Stepan Bandera, der den deutschen Befreiern  half, die kommunistische Despotie zu bezwingen und leider daran scheiterte. Zwar behaupten die Speichellecker Moskaus wie Ihr  erfolgloser Rivale im Kampf um den Präsidentenposten, Janukowitsch, die Ukraine hätte unter der Sowjetmacht in der Wirtschaft und im Kulturleben  viel   erreicht, aber das ist Quatsch. Die Jahre sind für Ihr Vaterland eine einzige Abfolge von Repressalien gewesen. Jetzt wurde damit endgültig Schluss gemacht! Jetzt blüht die Ukraine erst richtig auf.

 

Selbstverständlich steht Ihnen viel Mühe bevor. In Ihrem schönen Land ist fast ein Viertel der Bevölkerung keine richtigen Ukrainer, sondern  Russen. Was suchen sie in der Ukraine? Sie sollen nach Russland zurück. Und wenn sie das nicht wollen, müssen sie sich integrieren lassen, richtig Ukrainisch lernen und die Leitkultur übernehmen. Die Ukraine den Ukrainern! Das ist die Devise!

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen im Namen des deutschen Volkes, das  auch zunehmend seine Stimme gegen die Überfremdung  erhebt, viel Erfolg auf dem verantwortungsvollen Posten des ukrainischen Präsidenten. Und seien Sie bitte sicher, dass Deutschland der unabhängigen Ukraine jede erdenkliche Hilfe gewährt, so wie 1918, als die Ukraine von der siegreichen deutschen Armee besetzt wurde, oder 1942, als sich dasselbe ereignete.

 

Ihr aufrichtiger Verehrer,

 

Iwanjko Matrjoschko, Esq.

 

PS. Sollten Sie einen kompetenten Berater in Ihrem Stab brauchen, stelle ich mich als gebürtiger Ukrainer zur Verfügung. Über die Aufwandentschädigung bin ich bereit, jederzeit   Verhandlungen aufzunehmen.

 

ENDE DER POLITIK?

So betitelte eine Runet - Zeitung   ihren Beitrag über das Echo in  der russischen Öffentlichkeit auf den Vorschlag des Kremls , den 7. November zum Arbeitstag zu machen. Früher als Tag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution von 1917, in den letzten Jahren als Tag der Versöhnung begangen, soll der Feiertag jetzt gänzlich abgeschafft werden. Als Ersatz wurde  vorgeschlagen, den ersten Novembersonntag feierlich zu begehen. In Erinnerung an die Flucht der polnischen  Eroberer aus  Moskau im Jahre 1612...

 

Der  ausgesprochen lasche Protest gegen die Abschaffung der Revolutionsfeier  wirft tatsächlich die Frage nach dem Ende der Politik in Russland auf. Auch weil der ab und zu doch geäußerte Unmut  weniger auf die politische Komponente  der etwas skurrilen Neuerung,  sondern darauf zurückgeführt wird, dass diese  die Zahl der arbeitsfreien Tage reduziert und  an der tief verwurzelten Sitte rüttelt, am 7. November   im trauten Kreis am reich gedeckten Tisch einen zu heben.

 

Auf ein  anderes Symptom der weitgehenden Entpolitisierung der russischen Gesellschaft verweist die jüngste Umfrage eines führenden Meinungsforschungsinstituts. Sie brachte zutage, dass sich  40 bis 60 Prozent  der Russen, je nach Alter und Bildungsgrad, überhaupt nicht für die politische Berichterstattung erwärmen können und  entsprechende Zeitungsbeiträge und Fernsehreportagen ignorieren. Trotz der Kritik an der Politik des Kremlchefs im  Ausland  vertrauen sie darauf, dass er  die  Belange des Landes ohne ihr Zutun  richtet. Selbst   widmen sie sich  einer möglichst komfortablen Einrichtung des eigenen Lebens.

 

Dieser Gemütszustand  erklärt übrigens auch, warum die Russen nicht mehr wie in der Sowjetzeit  gierig im Äther den Stimmen des Auslands lauschen. Früher wollten sie  nämlich aus dieser Quelle erfahren, wann endlich der Westen für die Wandlung  der Zustände in ihrem  Land sorgt. Jetzt haben sie keinen Bock darauf, da  der Westen  nicht mehr  als Heilsbringer empfunden wird. Am besten sollte er Russland in Ruhe lassen.

 

Deswegen schenkten die Russen auch dem Ausgang der Präsidentschaftswahlen  in den USA keine besondere Beachtung. Im vom Bush- Sieg entsetzten Europa bildete Russland eine Insel oder vielmehr einen Kontinent der relativen Gleichgültigkeit. Bush oder ein anderer, was für ein Unterschied? Eine Einstellung, die   durch  Erfahrungen mit Wahlen  im eigenen Land untermauert wird.  Denn auch  nach der Einkehr der Demokratie in Russland,  oder dessen, was dafür gehalten wird, brachten  keine   Wahlen ein viel höheres Lebensniveau.

 

Nicht einmal die Volksabstimmungen  in den benachbarten slawischen Nachfolgestaaten der Sowjetunion, Belorussland und der Ukraine, lockten die Russen aus der Reserve. Lukaschenko bleibt in Minsk in absehbarer Zukunft  an der Macht? Na und? Zwar ist der Mann ein bisschen komisch, ein Belorusse eben, aber wenn seine Stammesgenossen ihn   wollen...

 

Die Ukraine? Ist es nicht egal, wer dort Präsident geworden ist-  Janukowitsch oder Juschtschenko?  In jedem Fall bleibt sie   uns verbunden.   Was soll sie   ohne russisches Erdöl und Erdgas?  Auch fehlen den fleißigen  „Chochly“  (diese  neckische, wenn nicht sogar liebevolle Bezeichnung geht auf die bei den ukrainischen Männern beliebte Frisur mit herausragendem Haarschopf zurück)   in ihrer Heimat  Arbeitsplätze. Wo, wenn nicht in Russland, sollen sie ihre  Arbeitswut  austoben?

 

Zwar schwillt ihnen   jetzt die Brust. Doch  vergessen sie wohl nicht, dass jeder  Vierte  in ihrem Land  ein Russe ist und jeder Dritte Russisch als Muttersprache spricht. Drei hundert Jahre des Zusammenlebens  sind auch nicht unter den Tisch zu kehren. Was bedeutet es schon, wenn dieses  nicht  ohne Ärger ablief? Unstimmigkeiten kommen  in den besten Familien vor...

 

Kurz und gut ,  Russland  macht sich keinen Kopf darüber, dass sich die slawischen  Brüder nicht immer wunschgemäß  verhalten. Was ein übriges Mal bezeugt, dass den Russen die ihnen nachgesagte,   imperiale Mentalität  fremd ist. Tatsächlich wurde  ihnen diese in der Sowjetzeit   gründlich ausgetrieben. Russland musste für die Ambitionen des Kremls viel mehr blechen, als jede andere SU- Teilrepublik. Und die ganzen Jahre Blutspender für die anderen sein.  Undank ist des Menschen Lohn. Des russischen Menschen...

 

Es wäre aber falsch, anzunehmen, dass die Abstinenz der Russen von der Politik unendlich lange  währt. 

In diesem Zusammenhang  ist eine historische Reminiszenz angebracht.    Nach  der Zerschlagung der ersten russischen Revolution 1905- 1907, als das Land  wie heute von  einer Welle der Politikverdrossenheit überrollt wurde, regierte   ein harter Mann in Russland (nach wenig glaubhaften Gerüchten  hängt  sein Bildnis im Dienstzimmer des heutigen Chefs der russischen Exekutive).    Pjotr Stolypin  trachtete danach,  jede Opposition auszuschalten. Er rief   seinen Widersachern zu: „Ihr wollt große Erschütterungen, wir wollen das große Russland“.

Übrigens setzte das „große Russland“  in seinen Augen eine Verschmelzung  von Belorussland und der Ukraine mit Russland voraus. Er verdächtigte  Polen diese, wie er meinte, Ableger  Russlands schlucken zu wollen.  

 

Er fiel von der Hand eines Revoluzzers. Sinnigerweise in Kiew.  

 

Wenig später kam es in Russland  zu jenem  großen Erdrutsch,  den Stolypin  vereiteln wollte.  Dem Erdrutsch folgten bekanntlich   Nachbeben in der  übrigen Welt. Die stärksten davon in Deutschland.

 

Ob die Abschaffung des Gedenktages an die große russische Revolution von 1917 ausreicht, das russische Haus erdbebensicher  zu machen?

17.11.04

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