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Eine eMail an uns? 

Hier werden Beiträge des einzigen männlichen Mitglieds des Matrjoschka-teams, Iwan Matrjoschkin, Esq., präsentiert. 

AN HERRN MINISTER DES AUSWÄRTIGEN DER RUSSISCHEN FÖDERATION IGOR IWANOW, ZUR ZEIT: QUIRINAL, ROM, REPUBLIK ITALIEN. EILT! 

Sehr geehrter Herr Minister, hoch geschätzter Landsmann, mit tiefer Sorge erfüllt, richte ich an Sie diese Botschaft, um den drohenden Schaden von meinem unvergessenen Geburtsland abzuwenden. Denn Sie,  lieber Herr Iwanow, sind dicht vor einem  verhängnisvollen Fehltritt   auf dem diplomatischen Parkett, der die gesamten russischen Beziehungen zu Deutschland gefährdet.

 

Ich meine Ihre gegenwärtige, überflüssige und deplacierte Reise nach Italien. In ein Land, dessen führende Staatsmänner die Deutschen, mit unseren geliebten Russen  ein Herz und eine Seele geworden,   zutiefst beleidigten. Der eine, indem er sie zu KZ- Aufsehern abstempelte. Der andere mit seinen Auslassungen über  blonde, supernationalistische Bestien, die  schöne italienische Strände verunsichern und verunreinigen.

 

KZ- Aufseher? Nun, es gab einst tatsächlich  einige KZ-s in Deutschland, in Russland übrigens auch. Aber unter Umständen  ist ein KZ eine nützliche Einrichtung. Wenn es nämlich darum geht, manche unwürdige Personen loszuwerden. So gönne ich einigen weiblichen Holzpuppen aus unserem Team durchaus einen KZ- Aufenthalt. Bis sie all das bereuen, was sie mir zugemutet haben.  

 

Aber einverstanden, in Deutschland und Russland hat man mit den KZ-s seinerzeit stark übertrieben. Das ist aber noch kein Grund, auf uns mit Fingern zu zeigen. Für einen Italiener erst recht nicht.   

 

Strände? Die Italiener, die sich bekanntlich an Fleiß und Arbeitslust  manches von den Deutschen, aber auch von den Russen abgucken könnten, haben diese auf winzige Abschnitte aufgeteilt, „Bagna“  genannt und  vermieten sie jetzt an sonnenhungrige Touristen. Anstatt im Schweiße ihres Angesichts ihren Lebensunterhalt zu verdienen. 

Was ist schön daran?

Aber zurück zur Sache.

Die gemeinen Ausfälle  blieben natürlich  nicht unbestraft. Selbst  der deutsche Bundeskanzler, für seine Umgänglichkeit bekannt, sagte den kurz bevorstehenden Urlaub in Italien ab. Andere führende deutsche Politiker und Staatsmänner folgten seinem Beispiel.

 

Was tun aber  Sie, Herr Iwanow? Sie fahren nach Italien. Wie ein Streikbrecher, der aus niedrigen Beweggründen seine Freunde verrät. 

 

Wofür braucht die Russische Föderation dieses Land, das keine Zukunft , nur die Vergangenheit hat? Anstatt nach Rom, sollten Sie sich nach Kiew  begeben. Und von den Ukrainern ultimativ die Rückgabe der Krim fordern, die Nikita Chruschtschow, selbst ein halber Chochol, ihnen einst geschenkt hat. Wenn die Krim wieder russisch wird, werden unsere deutschen Freunde und Wohltäter  die frechen Italiener nicht mehr brauchen. Denn die Strände auf der Krim sind wirklich schön. Keine Bagnas.

 

Wenn Sie aber überflüssigerweise doch in Italien gelandet sind,    nutzen Sie wenigstens ihren Aufenthalt in Rom, um die Italiener zur tätigen Reue zu bewegen. Ich  ließ mir sagen, dass  Herr B., wenn er auf Knien den Herrn Bundeskanzler um Verzeihung bietet, mit Sündenerlass rechnen kann. Bloß soll er den Gang nach Canossa nicht herauszögern. Jede Geduld hat ihre Grenzen.

 

Was den anderen Übeltäter betrifft, der soll hinter Gitter. Mir wurde verraten, dass es in Berlin einen guten Eindruck machen würde. Natürlich wenn  er nicht unter fünfzehn Jahre kriegt.

 

Also, keine Finten, meine Herren Italiener, keine Täuschungsversuche, wie  in  jener Kneipe in den Abruzzen, wo man mir für eine Pizza den doppelten Preis abverlangen wollte. Und niemand half mir. Die Karabinieri  nicht und die Guardia finanza  auch nicht. Weil alle Italiener unter einem Hut stecken.  Nepp und Fremdenhass!

 

Übrigens bin ich kurz davor, in meinem gegenwärtigen Aufenthaltsland, Deutschland, eine Volksbewegung gegen die italienischen Pizzerias auszulösen. Ich besuche sowieso keine. Ich gehe nur in die Kneipe „Sonnenschein“, zu Berlin, Prenzlauer Berg. Obwohl der Wirt seit einigen Tagen nicht mehr anschreiben will. Ist er womöglich  ein verkappter Italiener? * 

Mit freundlichen Grüssen,

Iwan Matrjoschkin, Esq.

*Um das Thema abzuschließen, wird vorgeschlagen, italienische Pizzerias durch russische Pelmennyje zu ersetzen. Diese sind Gaststätten, wo  Pelmeni serviert werden, ein russisches Volksgericht, eine Art Ravioli, nur viel größer und köstlicher. Pelmeni+ sto gramm Wodka sind Labsal und sehr stimmungsfördernd. Viele Russen in Berlin und sonstwo in Deutschland stehen Gewehr bei Fuß, um den deutschen Landsleuten den Genuss zu ermöglichen. Ich könnte als Pelmennyjegründer voranschreiten. Unter der Voraussetzung der  großzügiger Unterstützung der Bundesregierung.    

11.7.03

 

ITALIENISCHE FRONTBERICHTERSTATTUNG

 1.Schnelle Wirkung.

 

Am Abend des Freitags, des 11.7.03 richtete unser Mitarbeiter, Iwan Matrjoschkin, Esq., an den italienischen Premierminister Silvio Berlusconi eine Botschaft  folgenden Inhalts:

 

„Sehr geehrter Herr Premierminister, hiermit unterrichte ich Sie, die italienische Regierung  und die Weltöffentlichkeit davon, dass ich darauf verzichte, in Italien meinen Urlaub 2003 zu verbringen. Die Gründe brauche ich wohl nicht anzuführen“.

 

Eine Stunde danach wurde der italienische Tourismus- Staatssekretär Stefani in die Wüste geschickt..

 

Schnelle Wirkung! – sagte Iwan Matrjoschkin. – Dabei habe  ich nie  die Absicht gehabt, meinen Urlaub in Italien zu verbringen. Mir fehlt dazu das nötige Kleingeld. Aber die Spaghettiesser  konnten das nicht wissen.

 

Der Esquire forderte alle Deutschen auf, seinem Beispiel zu folgen und unabhängig davon, wo sie ihren Urlaub verbringen wollen, ähnliche Botschaften an Berlusconi zu schicken.  Auch  wenn sie anschließend nach Italien reisen.

 

Der Rücktritt des Signore Stefani, der die Deutschen   als Supernationalisten beschimpfte, ist zu  wenig, meint er. Was ist schon  ein Rücktritt in Italien? Bei dem Ministerkarussell! Heute a. D.,  morgen wieder in der Regierung. Für das Vergehen wäre lebenslängliche Festungshaft   angemessener als Entlassung, meint Iwan Matrjoschkin.

 

Außerdem ist Berlusconi selbst noch im Amt, obwohl er nach der Urlaubsabsage des Herrn Matrjoschkin kurz davor steht, die politische Bühne zu verlassen. Wäre für einen Politiker, der einen Deutschen als KZ-Aufseher- Typ identifiziert, naheliegend, meint Matrjoschkin.      

 

2. Eine Botschaft an W.W.Putin

 

Außerdem entfaltete I.M., Esq., rege Aktivitäten, um die internationale Unterstützung für Berlin im Streit mit Rom zu sichern. Dazu gehörte vor allem eine Botschaft an den Kreml, in der auf die italienische Spur in Tschetschenien  hingewiesen wird. Wie es in der Botschaft  heißt, würde die  Rebellion in der nordkaukasischen Republik von einem Italiener namens Buotti bereits im 18. Jahrhundert angezettelt. Der Esquire  hätte das einwandfrei feststellen können.

 

Der besagte Buotti, ein in der  Stadt Monferrato geborener Avokattosohn (ein in Italien sehr verbreiteter Beruf)  war ein Dominikaner. Dann ließ er sich beschneiden, lernte den Koran auswendig und reiste in den Kaukasus, wo er unter dem Namen Scheich Mansur daran ging, den Krieg der Tschetschenen gegen die Russen anzuzetteln.

 

Unter großem Schmiergeldereinsatz hätte Matrjoschkin italienische Archive durchforsten können und dabei eigenhändig von dem Italiener Buotti geschriebene Dokumente gefunden. Diese Aufzeichnungen sind  deutschfeindlich.  Buotti wollte sich dafür rächen, dass die Deutsche auf dem russischen Thron, die Kaiserin Katharina die Große, die tschetschenischen Rebellen  schlug und  ihn,  Buotti, gefangen nehmen und einkerkern ließ. Im Kerker geschrieben, gelangten die Aufzeichnungen später in den Westen.*

 

Selbstverständlich kann der Premier Berlusconi nichts dafür, was vor mehr als zweihundert Jahren ein Landsmann von ihm  in Tschetschenien angestellt hat, räumt Matrjoschkin ein.  Aber da Herr Putin über  einschlägige Erfahrungen verfügt, muss er wissen,    wie sich fremde Agenten fortpflanzen und vermehren, heißt es in Matrjoschkins Botschaft.  Wie die Kaninchen!   So wäre es sehr angebracht, in Tschetschenien die italienische Spur weiter zu verfolgen.  

 

Zuerst mal gilt es,  eingehend zu prüfen, ob die Vorfahren von Berlusconi oder von Stefani mit Buotti oder jemandem anderen aus  der Sippe verwandt  oder verschwägert waren. Das  ist nicht auszuschließen, denn alle Italiener sind irgendwie miteinander  verwandt oder verschwägert.

 

Sie haben mal versprochen,  Tschetschenen in einem Klosett runterzuspülen, schreibt Matrjoschkin an Putin. Vielleicht wäre es sinnvoll darüber nachzudenken, ob Italiener auch... Sie verstehen?

 

Matrjoschkin ist davon überzeugt, dass seine Botschaft an den Kreml die Wirkung nicht verfehlt. Bei der Empfindlichkeit gegenüber dem Tschetschenienproblem! Der Esquire mahnt  Putin zur uneingeschränkten Solidarität mit Berlin und  hofft auf die Entstehung einer antiitalienischen Koalition zwischen Russland und Deutschland

 

* Die Geschichte ist in einem wissenschaftlichen  Forschungswerk von Wladimir Ostrogorski unter dem Titel „Der tschetschenische  Knoten“, Hamburg- Berlin- Bonn, 1995, nachzulesen

 

12.7.03  

BERLUSCONI- EIN RUSSE?

Diese absurde Vermutung äußert  die Runetzeitung Gazeta ru. Sie glaubt, eine geistige Nähe des italienischen Premiers   zu den Russen entdeckt zu haben.  

Silvio Berlusconi, schreibt sie, ist ein Russe, wie er in den Werken des großen russischen Dichters Nikolai Gogol leibt und lebt. Er  sei unternehmungslustig wie Tschitschikow, der Held von Gogols Poem „Die toten Seelen“, der   russischen Gutsbesitzern ihre verstorbenen Leibeigenen abkaufte, um dann  die Kaufverträge als Sicherheit für  Bankkredite einzureichen. Berlusconi sei auch dem anderen Helden von Gogol ähnlich- dem  kleinen Beamten Chlestakow (der Revisor), der sich für eine wichtige Person aus Sankt Petersburg ausgab, um Provinzler zu betören. 

Gazeta.ru entdeckt im Persönlichkeitsbild des Italieners auch  Charakterzüge mehrerer gegenwärtiger russischer Politiker.  Er sei unvorhersagbar wie  der Ex-Präsident Jelzin, pathetisch wie der Rechtspopulist  Shirinowski,  verletzbar wie der Liberale Jawlinski, markiere gern Entschlossenheit wie Präsident Putin. Eine typische russische Seele hätte er, wo alles seinen Platz findet, was einen Russen ausmache, nur  die Liebe zu den Birken  fehlt.

Wie viele russische Politiker sei er arrogant, hat aber ein elastisches Rückgrat. Er entschuldigt sich,  um sofort wieder beleidigen zu können.

Er sei ehrgeizig, führe sich aber mitunter als billiger Komödiant auf.

In Italien strebt er das uneingeschränkte Monopol   an,  ist aber sehr eloquent bei der Lobpreisung der offenen Gesellschaft  und des freien Marktes.

Mit gleicher Eleganz  präsentiert er sich in  Anzügen der besten Modeschöpfer und in der idiotischen Ohrenmütze, die ihm Putin geschenkt hat.

Wie viele russische Staatsmänner ist er sportbegeistert,  hat dabei keine Hemmungen, Sportler zu manipulieren.

In Italien baut er den Staatskapitalismus auf  wie dieser auch  in Russland aufgebaut wird. Ein Staatskapitalismus, der vor allem ihm  nutzen soll. 

Wenn die Rechtsordnung ihm Schranken setzt, schafft er den Rechtsstaat nicht ab, sondern ändert  Gesetze, damit sie ihm passen. Und wenn  Massenmedien  ihm auf den Wecker gehen, schafft er auch  die Pressefreiheit nicht ab, bringt   aber den Chefredakteuren das  Fürchten bei.

Der italienische Staat  ist auf dem besten Wege,  Eigentum Berlusconis zu werden.

PS. Matrjoschka- online. de distanziert sich entschieden  von dem Pamphlet. Die Veröffentlichung  in der sonst soliden Gazeta.ru ist nur als ein, allerdings sehr plumper Ausdruck der Solidarität mit Berlin  in der bekannten Auseinandersetzung interessant. Gott sei Dank,  dass diese  bereits erledigt ist. Für die matrjoschka-online.de auch. 

Iwan Matrjoschkin, Esq., hat bereits bekannt gegeben, im nächsten Jahr an die Adria  fahren zu wollen. In diesem Sinne grüßt er aus der Kneipe „Sonnenschein“ zu Berlin, Prenzlauer Berg, wo er heuer seinen Urlaub verbringt,  seine italienischen Freunde.

13.7.03

 

IWAN MATRJOSCHKIN, ESQ., ÜBER DIE RUSSISCHE JUSTIZ

 

Vorwort des Redaktionskollegiums von www.matrjoschka-online.de

 

Die russische Justiz erlebt schwere Zeiten. Sie steht unter heftigem Beschuss  in Russland selbst und auch im Ausland. Anlass gaben  folgende Vorkommnisse.

 

  1. Russland begehrte die Auslieferung  des tschetschenischen Politikers Sakajew (matrjoschka-online.de berichtete), der im Westen den von Moskau nicht anerkannten tschetschenischen  Rebellen- Präsidenten Maschadow vertritt.  Sakajew, von Moskau beschuldigt, in Tschetschenien Kapitalverbrechen begangen zu haben, hält sich in Großbritannien  auf. In London läuft die Gerichtsverhandlung, die über das russische Auslieferungsbegehren entscheiden soll. Bis vor kurzem schien es, die englischen Richter  könnten dem Begehren stattgeben. Plötzlich ist es unwahrscheinlich geworden. Denn in London tauchte ein wichtiger Zeuge der Anklage auf, der seine Aussage gegen Sakajew widerrufen hat. Er erklärt, die Aussage sei  in Russland unter Folter aus ihm herausgepresst worden. Jetzt droht der Prozess über die Verbrechen der tschetschenischen Rebellen zu einem Prozess über die Verbrechen der Russen in Tschetschenien zu mutieren. Kein Lorbeerkranz  für die russische  Justiz.

 

  1. Die russischen Ordnungshüter unternahmen unlängst eine weltweit beachtete Aktion  gegen die führenden Männer des riesigen Erdölkonzerns JUKOS des Oligarchen  Chodorkowski. Vermutlich nicht ohne Mittun von Chodorkowski selbst und anderen russischen neugebackenen Dollarmilliardären, die in der Aktion, sicherlich unbegründet, den Anfang vom Ende ihrer Allmacht  erblicken, läuft ein Teil der russischen Medien- und Expertenwelt Sturm gegen die Ordnungshüter. Insbesondere weil diese hart zupackten: Ein Milliardär sitzt bereits in Untersuchungshaft, was viele für unberechtigt halten. Auch hier  wird  der Spieß umgedreht. Ein hoher Angestellter des Konzerns klagt die Untersuchungsbehörde an, ihn mit chemischen Substanzen bearbeitet zu haben.

 

  1. Bereits mehrere Jahre macht die Affäre des russischen Marineoffiziers Passjko  Schlagzeilen. Sie fing damit an, dass der besagte Passjko, der im Fernen Osten seinen Dienst tat, einen japanischen Journalistenkollegen über  umweltschädigende  Praktiken  der russischen Pazifikflotte unterrichtete. Daraufhin wurde er wegen  Spionage  verurteilt. Nach vielem hin und her vor kurzem freigelassen, wollte er ins Ausland, wo er inzwischen ein Heldenimage besitzt. Aber die russischen Behörden lassen ihn nicht reisen und die Justiz, an die er appellierte, bleibt stumm.

 

Und so weiter und so fort.

 

Wir baten unseren Rechtsexperten  Iwan Matrjoschkin, Esq., die missliche Lage der russischen Justiz unter die Lupe zu nehmen.

 

Er schrieb:

 

Zuerst mal möchte ich feststellen, dass ich uneingeschränkt für den Rechtsstaat bin. Ohne wenn und aber stehe ich hinter der Forderung meines Freundes*, des Präsidenten Putin, nach der Diktatur des Gesetzes. Jawohl des Gesetzes, das den internationalen Rechtsnormen entspricht. Jawohl der Diktatur, in dem Sinne, dass das Gesetz  über alle und alles steht. Meine Stammtischbrüder von der Gaststätte  „Sonnenschein“, Berlin, Prenzlauer Berg, können bestätigen, wie peinlich ich die  Gesetze einhalte, auch wenn es mir mitunter schwer fällt. So wie im Fall meiner Auseinandersetzung mit dem Kneiper über seine getürkten Rechnungen... Aber Schwamm darüber. Soll zuerst ein Gericht sein Wort sprechen, wenn ich gezwungen werde, zum Kadi zu laufen, da der Kneiper mir keinen Rabatt einräumt...          

 

Aber zurück  zum Thema. Über die oben aufgeführten Handlungen der   russischen Justiz will ich noch nicht den Stab brechen. Zuerst muss ich  alle Umstände mit jener Sorgfalt prüfen, die mein Ruf  als   international anerkannter Rechtsexperte von mir fordert. Vor allem an Ort und Stelle prüfen. Da mir aber die geizigen weiblichen Holzpuppen die Spesen für Reisen nach London und Moskau noch nicht genehmigt haben, dauert es ein Weilchen.

 

Vorläufig aber will ich sagen, dass selbst die Verfehlungen der russischen Justiz von einem gewaltigen Fortschritt in Russland zeugen. Überlegen Sie, liebe Leser selbst. Der Zeuge, der in London seine Aussage gegen den tschetschenischen  Rebelen Sakajew widerrief, wurde davor aus dem russischen Gefängnis entlassen.  Vor der Wende Russlands vom Kommunismus zur Demokratie hätte man ihn nie entlassen. Ganz im Gegenteil. Und zwar, weil man eben den Widerruf in solchen Fällen nicht ausschloss. Übrigens, wie es sich jetzt herausstellt,  mit vollem Recht.

 

Oder nehmen wir die Affäre Passjko. Auch ihn hätte man  nie frei laufen lassen. Selbst die Anklage, Spionage betrieben zu haben, hätte gereicht, um ihn  hinter Gittern zu halten. Auch hier sehen wir einen gewaltigen Fortschritt.

 

Zwar darf  er  nicht ins Ausland. Aber seine Söhne, wenn er welche hat, dürfen es sicherlich. Und früher hätten auch seine Urenkel, wenn er welche hätte, nicht gedurft. Bis zum sechsten Glied keiner von der Sippe.  

 

Was aber  die Behauptung eines Angestellten von JKOS angeht, man hätte ihn mit Medikamenten behandelt, um ihm die Zunge zu lockern, muss ich folgendes sagen. Früher hätte man  nie teure Medikamente dafür verwendet. Früher hätte man Hausmittel eingesetzt, die sich wirksam genug erwiesen, aber dem Staat keine zusätzlichen Kosten verursachten.

 

Aber wenn wir schon über die Justiz  sprechen... Erinnern Sie sich, liebe Leser, wie vor einigen Monaten tschetschenische Terroristen das Publikum  einer Theatervorstellung in Moskau   zu Geiseln machten. Nur dank des Einsatzes der Sicherheitskräfte wurden die Theatergänger befreit, wobei  bedauerlicherweise etwa 130  davon  sterben mussten. Jetzt stellen die Angehörigen der Opfer ihre Entschädigungsforderungen an den russischen Staat.  Gerichtlich. Und ein Gericht in Moskau hat schon einer solchen Forderung stattgegeben.

 

Wäre denn das früher möglich? Forderungen... An wen? An den Staat? Weil der Staat nicht umsichtig genug gehandelt hat? Dass ich nicht lache...

 

Übrigens, beläuft sich die nächste Forderung auf eine Million Dollar. Eine Million Dollar! Wie schade, dass sich unter den Geiseln, die daran glauben mussten, keine  Megäre aus unserem Puppenteam befand. Zwar bin  ich mit diesen Holzweibern nicht verwandt, aber vielleicht  hätte ich auch als Kollege auf  Entschädigung  hoffen dürfen. Nicht unbedingt in der Höhe von einer Million USD. Schlimmstenfalls hätte ich mich mit einem Hundertdollarschein zufriedengegeben. Genauer gesagt mit zwei 50 Dollar Scheinen, da die Hunderter dem Vernehmen nach oft gefälscht sind.

 

* Die enge Beziehung des Herrn Matrjoschkin zu W.W. Putin wurde im Kreml nicht bestätigt.

 

25.7.03 

CREDO!

Warum gefällt uns George W. Bush nicht so sehr?

Wegen des Krieges? Ach wo! Welcher Staatsmann hat denn keinen Krieg geführt, wenn er sich im Besitz einer für den Sieg ausreichenden martialischen Macht wähnte?

 

Wegen der Missachtung des internationalen Rechts? Ach wo! Welcher Staatsmann achtete denn das internationale Recht , wenn er sich wähnte, es straflos missachten zu dürfen.

 

Bei allen Staatsmännern kommt das Fressen vor Moral und Recht. Das liegt an ihrem Job, wenn man das Lieblingswort der Amis in den Mund nimmt, ohne auszuspucken.

 

Warum sind wir dann gerade von Bush nicht sehr angetan?   

 

Weil er das Übliche so tierisch ernst macht. So eifrig. So sendungsbewusst. Mit Bibelzitaten auf den Lippen.

 

Das stört uns sehr. Das finden wir unästhetisch.

 

Ein Charmeur wie... Sie wissen schon... ist uns  lieber. Er  steht in der besten europäischen Tradition. Und auch ein etwas ausgedienter  Lebemann.  Und der etwas schmalbrüstige Bursche, der sich so gut als Judoka bewährt, auch.

 

Aber ein sendungsbewusster Eiferer? Brrr... Er erinnert  uns an die Ökologen, die alle Büffel in der Prärie ausgerottet haben.  Und an Moralapostel, die  Rothäutige  mordeten. Mit Bibelzitaten auf den Lippen.

 

Und wir mögen die Büffel. In den Zoos. Und die Rothäutigen. In den Romanen von... Wie hieß er gleich?  Cooper?

 

Und dann kommen uns auch das mit Brandbomben ausgelöschte  Dresden und das mit der Atombombe vernichtete Hiroshima  und vieles andere in den Sinn. Und wir sind  verstimmt. Wir empfinden noch mehr Liebe zum alten Europa. Und zu Deutschland und Russland.

 

Angenommen nach einer Abstimmung im Team von matrjoschka-online.de.

Dafür stimmten , , ,  , ,

Dagegen stimmten , (wegen vermeintlicher Anbiederung an Deutschland).

 

Der Störenfried  enthielt sich der Stimme. Er erklärte es mit dem Hinweis auf Ablehnung   seiner Bitte um eine kleine finanzielle Unterstützung (von den Kolleginnen einstimmig beschlossen). Aber der wahre Grund wird anderswo  vermutet. Und zwar soll das  seine Hoffnung auf einen wichtigen Posten in der Bush- Administration sein, die einen Vertrauten des Präsidenten Russlands jetzt gut gebrauchen kann. 

24.03.03

Ein  deutscher Kollege hat uns den folgenden Text geschickt. Aus  Mitleid mit ihm bringt matrjoschka-online das Musterbeispiel des faden Bürohängstehumors :  

Ich wurde soeben vom BKA informiert, dass sich mehrere mutmaßliche  Terroristen in unserer Firma aufhalten sollen!!!
Einige konnten bereits identifiziert und gefasst werden. Es handelt sich  um die harmlosen Mitläufer Bin Da, Bin Spät, Bin Müde, Bin  Kaffeetrinken, Bin Rauchen und Bin Essen. Der Mitarbeiter Bin Laden  konnte ebenfalls ermittelt werden. Er wird als harmlos eingestuft und  ist unter Quarantäne gestellt worden. Auch die äußerst gefährliche  Terroristin Bin Schwanger konnte dingfest gemacht werden. Der äußerst  gefährliche Terrorist Bin Arbeiten konnte bis jetzt trotz intensiver  Suche in unserer Firma nicht gefunden werden.

Achtung: Bin Arbeiten verbreitet äußerst gefährliches Gedankengut! Er versucht sogar die Terrorgruppe Bin Faul zu unterwandern und zur Umkehr von Ihrem Fundamentalglauben zu bewegen. Gehen Sie ihm aus dem Weg und meiden Sie jeden Kontakt.

Nach Rücksprache mit unserer Geschäftsleitung besteht aber kein Grund zur Panik. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass sich Bin Arbeiten  ausgerechnet in unserer Firma aufhält. Es gibt in unserer Firma absolut  niemanden, auf den diese Beschreibung auch nur im Entferntesten  zutrifft.

Ebenfalls konnte der als Bin Im Meeting bekannte Terrorist bis heute  nicht ausgemacht werden. Es wird ermutet, dass er sich auch als Bin  Wichtig, Bin Boss oder Bin Chef ausgibt. Bin Beim Kunden gilt auch als  nicht fassbar. Niemand hat ihn bisher gesehen.

 Also Vorsicht !

In unserer Firma wird auch intensiv nach Bin Nicht Zuständig gefahndet.  Es wurden bisher schon mehrere Verdächtige vernommen, aber niemand wurde  bisher verhaftet.

Zum Schluss noch eine große Erfolgsmeldung des BKA:

Das BKA konnte ca. 4 Mio. Symphatisanten des Oberterroristen Bin Arbeitslos (er benutzt auch den Decknamen Florian Gerster) ermitteln.


 Ihr Sicherheitsbeauftragter
 Bin Wachsam

29.3.03

 

 

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WIR HELFEN!!

 

Wir, die Holzpuppen von matrjoschka-online.de, haben uns entschlossen, unserer  neuen Heimat bei der Bewältigung ihrer Sozialprobleme mit kompetentem Rat zu helfen. Im Rahmen des Programms  „Agenda 2011“. Als Programmleiter wurde Iwan Matrjoschkin, Esq. eingesetzt, der sich zur Zeit um ein Gespräch mit dem Autor von „Agenda 2010“ bemüht.

 

Heute bringen wir im Rahmen der  „Agenda 2011“ den Vorschlag, das deutsche Gesundheitssystem nach dem Muster des sowjetischen Gesundheitssystems zu reformieren.

 

Ach, was war es für ein schönes Gesundheitssystem!

 

Gesetzt den Fall, Sie wurden krank. Oder verspürten die starke Lust, ein wenig zu bummeln. Nota bene: auf der Arbeit bummeln konnten Sie ohne Arzt. Das ging einwandfrei. Wenn Sie aber auf der Arbeit gar nicht erscheinen wollten, brauchten Sie einen Arzt. Damit er Sie krank schreibt.

 

So gingen Sie zum Telefon und riefen die für Ihr Wohnviertel zuständige Poliklinik an. Und bestellten  den für Sie zuständigen Hausarzt.

 

Der Hausbesuch war die normale Art  der ärztlichen Betreuung.  Sonst wäre es eng geworden, da die meisten Polikliniken nicht die Räume hatten, um alle, die sich mit dem zuständigen Hausarzt treffen wollten, zu empfangen.

 

Also bestellten Sie den Arzt nach Hause. Und er kam. 

 

Meistens  kannten sie ihn  schon, da es keine freie Ärztewahl   gab und sie wie siamesische Zwillinge aufeinander angewiesen waren.   Logo, dass zwischen Ihnen und Ihrem Hausarzt ein vertrauensvolles   Verhältnis bestand. Sie waren gute Freunde. Und als solche hatten sie unendlich viel zu besprechen. Wo was zu kaufen gibt, wie man sein Kind an die Hochschule bringt, was die Bourgeoisie im Westen gerade trägt, usw.

 

Alle brennenden Themen diskutierten Sie  mit dem Hausarzt bei Ihnen zu Hause am gedeckten Tisch. Je nach Geschlecht des Pfuschers den Tee mit selbstgemachter Konfitüre schlürfend oder am  Hochprozentigen nippend.

 

Nach einer Stunde pflegte der Besuch  zu fragen, wie lange möchtest Du denn krankgeschrieben werden? Und stellte Ihnen den Krankenschein aus.

 

Und wenn Sie Ihren Dank nicht nur verbal zum Ausdruck brachten, wurde die Freundschaft noch fester.

 

Arzneien brauchte er Ihnen nicht zu verschreiben.  Aspirin konnten Sie auch in jeder Apotheke für ein paar Kopeken haben. Was Ausgefallenes sowieso nicht.          

 

Und das war gut so, da die komplizierten Medikamente Nebenwirkungen haben.

 

Sicherlich erforderte diese rührende  ärztliche Fürsorge von einem Arzt  viel mehr Zeit. Damit er auf den Patienten wirklich eingeht- und sein Patient auf ihn, musste ein Arztgespräch  lange dauern.

 

Aber das warme Gefühl, von der Medizin  ernst genommen zu werden, rechtfertigte  den Zeitaufwand. Und wenn  dieses Gefühl entstand, ging es Ihnen gleich besser. Auch ohne Medikamente.

 

Hier, in Deutschland, ist es leider anders. Hier dauert ein Kontakt mit dem Arzt höchstens fünf Minuten. Er guckt Sie gar nicht an, sondern starrt auf den Monitor seines PC. Und fragt Sie nicht nach dem Gesundheitszustand Ihrer Großmutter. Logo, dass Sie sich danach noch mehr krank fühlen als davor. Vor Ärger!

 

Deswegen sieht die von unserem Holzpuppenteam aufgestellte Agenda 2011 eine Verlängerung der ärztlichen Behandlung in Deutschland vor. Bis zur in der Sowjetunion üblichen Dauer.

 

Die Krankenkassen werden sicherlich Kopf stehen.

 

Aber auch hier helfen die sowjetischen Erfahrungen. In der Sowjetunion wurden die Ärzte nicht danach entlohnt, wie viel Patienten sie behandelt, bzw. zugerichtet haben. Sie erhielten festen Lohn. Keinen üppigen. Ein Busfahrer verdiente mindestens das Dreifache.

 

Der Lohn eines Hausarztes reichte ihm zwar nicht zu Leben, aber zum Sterben war es doch zu viel. Deswegen hatte die Sowjetunion die höchste Ärztequote der Welt. Auf 600 Sowjetbürger kam ein Arzt. In Deutschland wurde dieses Verhältnis nie erreicht.

 

Wir, die Sowjetbürger, waren auf diese Errungenschaft des Sozialismus sehr stolz. Mit Schaudern lasen wir in der „Prawda“ von der verzweifelten Lage der Werktätigen im Kapitalismus. Darüber, wie sie auf   Behandlungen verzichten mussten, da sie kein Geld dafür aufbringen konnten.

 

Wir, die glücklichen Sowjetmenschen, brauchten  die Gesundheitsfürsorge überhaupt nicht zu bezahlen. Es gab bei uns keine Krankenkassen und keine Krankenkassenbeiträge. Alle Unkosten beglich der großzügige Staat.

 

Er sorgte auch dafür, dass die Ärzte nicht zu hochnäsig wurden. Wenn sie zu hochnäsig wurden, dann schrieb seine Presse über die Schädlinge unter der Ärzteschaft. Sie nannte diese „Mörder im weißen Kittel“. Und wenn danach ein Arzt dem Patienten etwas verweigerte, sagte dieser zu ihm: „Na du, Mörder im weißen Kittel, bist wohl wieder hochnäsig geworden?“

 

Es war alles bestens geregelt.

 

Mit lieben Grüssen an den Autor der Agenda 201O und die Gesundheitsministerin, Frau Schmidt.

 

Iwan Matrjoschkin, Esq. 

22.05.2003

 

 

WIEDER VERSÖHNT!

 

Der amerikanische Außenminister Powell war nach der Ratifizierung des Vertrags über die Reduzierung der strategischen Angriffspotenziale in der Staatsduma  schlichtweg sprachlos. Wladimir Putin fand schnell Worte: „Über das Irakproblem haben wir viel gestritten, konnten jedoch die Grundlage unserer Beziehungen aufrecht erhalten“, erklärte er die erneuerte Freundschaft mit den USA. 

 

 

 

Als das Flugzeug mit dem amerikanischen Staatssekretär Powell noch im Anflug auf Moskau war, schaffte es Wladimir Putin, die Fraktionsvorsitzenden in der Duma davon zu überzeugen, den Vertrag über die Reduzierung der strategischen Angriffspotenziale  doch zu verabschieden. 294 Abgeordnete stimmten dafür. Die Überzeugungsarbeit hatte sich gelohnt, denn von Powells Besuch hing ab, ob die durch den Irakkrieg 

Angeknacksten russisch-amerikanischen Beziehungen  wieder hergestellt werden können. 

 
“Die Ratifizierung des Vertrags spricht dafür, dass Russland und die USA in der Lage sind,  schwierigste Probleme gemeinsam zu lösen“,  erklärte Powell während seiner Unterredungen mit dem Chef des russischen Außenamts Igor Iwanow zufrieden.


Mit seinen Emotionen hielt sich der amerikanische Staatssekretär auch im Kreml nicht zurück.

 

„Mir fehlen einfach die Worte, um auszudrücken, wie zufrieden ich bin, dass ich mich gerade zu dem Zeitpunkt in Moskau aufhalte, da die Duma den Vertrag über die Reduzierung der strategischen Angriffspotenziale verabschiedet hat“.

 

 
Auch Putin war zufrieden und begann das Gespräch damit, dass er Powell zur  Vertragsunterzeichnung  gratulierte. „Die Staatsduma hat heute einen verantwortungsvollen Schritt gemacht“, unterstrich er und spielte damit darauf an, dass der amerikanische Kongress bereits Anfang März die Ratifizierung durchbrachte.  

 

„Der Zeitvergleich ist jetzt die Hauptsache“, sagte Putin vor dem russisch-amerikanischen Gipfeltreffen. Vom Treffen mit George W. Bush zur Dreihundertjahrfeier Sankt Petersburgs Ende Mai erwartet der russische Präsident „neue Impulse der Zusammenarbeit mit den USA in allen Sphären“. 

Die Meinungsverschiedenheiten bezüglich des Iraks, die Bushs Besuch in Petersburg eine Zeitlang in Frage stellten, sind nicht mehr aktuell.

 

“Wir wissen, wir haben vor kurzem noch viel über das Irakproblem geredet und gestritten, letztendlich aber konnten wir die Grundlagen unserer Beziehungen aufrecht erhalten“, sagte Putin.

 

Positive Ergebnisse erhofft offensichtlich auch Powell vom Gipfeltreffen in Petersburg. Die Irakkrise soll jetzt den Historikern überlassen werden, meint er. „In der Vergangenheit hatten wir einige Meinungsverschiedenheiten, in jüngster Vergangenheit unter anderem über den Irak, gemeinsam können wir dem irakischen Volk beim Aufbau eines neuen friedlichen Lebens helfen“.

 

Powell deutete an, dass die Zustimmung zur amerikanischen Resolution über den Aufbau des Iraks im UNO Sicherheitsrat  sehr gelegen käme.
gazeta. ru

 

PS. Iwan Matrjoschkin, Esq. richtete ein Grußschreiben an den   in Berlin  eintreffenden   US – Chefdiplomaten:

 

Dear Mr. Powell,

 

Im Namen aller Holzpuppen begrüße ich Sie in Berlin. Da  diese Stadt im alten Europa liegt  und noch dazu in  einem  Land, das ein Kabinettskollege von Ihnen scharfsinnig mit Kuba und Libyen  verglich, zeigt Ihre Ankunft von einer außerordentlichen Großzügigkeit der USA und Ihrer echt christlichen Vergebungsfreude.

 

Im Unterschied zu manch einem anderen der hiesigen politischen Prominenz habe ich einen besonderen Grund, mich über Ihren Besuch zu freuen. Denn ich habe von Anfang an das gemacht, was diese sträflich versäumt haben: den  Waffengang Ihres Landes im Irak gutgeheißen. Deshalb übrigens musste ich  verbale und sogar tätliche Anfeindungen  des Mobs in meiner Berliner Kneipe „Sonnenschein“  erdulden... Darf ich deshalb auf eine Entschädigung hoffen? Sagen wir, einen kleinen Auftrag bei der Aufbautätigkeit im Irak? Oder ein Pöstchen in der Bagdader  Administration? Zwar bin ich des Arabischen nicht mächtig, dafür aber kann ich Russisch  und diese Sprache versteht im Irak jeder, auf den es ankommt...

 

Das ist aber nebenbei gesagt.

 

Sonst kann ich Ihnen versichern, dass Ihr großes Land, wenn es das nächste Mal gegen einen Schurkenstaat (Iran? Syrien? Nordkorea?) vorgeht,  mit der uneingeschränkten Solidarität  meiner neuen Heimat  rechnen kann. Keine Sperenzchen  mehr !  Auch wegen der UNO nicht! So ein Quatsch!

 

Auch meine alte Heimat wird dann brav mitmachen. Jedenfalls habe ich sein Wohlverhalten bei W.W. Putin vorsorglich angemahnt und er hat mir nichts Gegenteiliges zukommen lassen.

 

Nochmals: Welcome to Berlin!

 

Sie sind auch in der Residenz unserer Medienholding herzlich zu einem vertraulichen Gespräch eingeladen. Mein persönliches Luxusvehikel (abgebildet auf unserem Link „In eigener Sache“) steht Ihnen zu Diensten. Sicherer übrigens, als jede gepanzerte Karosse und jeder Hubschrauber- und ökologisch einwandfrei!

 

Mit vorzüglicher Hochachtung,

 

Iwan Matrjoschkin, Esq.

15.5.03

DEMNÄCHST SIEGT DER KOMMUNISMUS! SAGT TRIUMPHIEREND MATRJOSCHKIN.

Unser Kommunismus- Experte,  ,  erinnert  an den Grundsatz des Kommunismus: jedem nach seinen Bedürfnissen, von jedem nach seinen Kräften. Er meint, unsere unverzichtbaren transatlantischen Verbündeten seien dabei, den Grundsatz zu verwirklichen. Im Weltmaßstab.

 

Matrjoschkin Iwan, sagte ihm darauf , bist Du von allen guten Geistern verlassen? (Selbstverständlich hat sie ihm das auf Russisch gesagt: у тебя крыша поехала, was wortwörtlich heißt: dein Dach ist abgerutscht!).

 

Daraufhin bot er der    im Team des Konzerns Matrjoschka- online. de als verkappte Kommunistin verschrienen Holzpuppe die Beweisführung für seine ungeheuerliche Behauptung.

 

Brauchen die  USA die Weltressourcen an Erdöl und  ähnlichem? Und ob! Dringend. Denn sie verbrauchen  etwa ein Viertel davon. Und mit jedem Jahr wird es  mehr.

 

Sind die anderen fähig, den USA die Ressourcen abzutreten? Und ob! Schleunigst. Wenn sie dazu  aufgefordert werden. Und wenn ihnen mit B-52 etwas nachgeholfen wird, das Richtige zu tun.

 

Wer ist nach dem Irak dran, die Leistung nach dem 2. Teil  der Formel des Kommunismus zu bringen, damit die USA- nach dem 1. Teil der Formel- ihre Bedürfnisse befriedigen, fragte die böse Puppe.

 

Russland, wer sonst, sagte Matrjoschkin. Die Russen  leben auf dem Territorium, das 15 Prozent der Weltoberfläche ausmacht. Und 25 Prozent aller Rohstoffressourcen der Erde birgt. Darunter 45 Prozent aller Erdgasvorkommen der Welt, 13 Prozent  Erdöl, 23 Prozent Steinkohle usw. Dabei machen die Russen nur 2, 4 Prozent der Weltbevölkerung aus.

 

Mit dem Anteil an der Weltbevölkerung den Anteil an den Weltressourcen zu haben? Eine Frechheit, mischte sich  ins Gespräch. Sie gilt im Team als neuliberal und globalisierungswillig.

 

Ein gewisser A. Hitler wollte den Russen diese austreiben, scheiterte aber, weil er keine Ahnung  von freedom und democracy  hatte, sagte , bitter lachend. Und ergänzte: Damit die Ungerechtigkeit korrigiert wird, müssen die Bannerträger der Werte des Abendlandes her.

 

Ich glaube auch, sagte , dass Russland demnächst angehalten wird, endlich  nach dem Grundsatz des Kommunismus (etwas gewandelt) zu leben: wir leisten, was wir können, ihr verbraucht, was das Zeug hält.

 

W.W.P. lässt das nicht zu, sagte  etwas unsicher.               

 

Puti- Puti?  fragte    etwas skeptisch.

 

Dann pumpte er die böse Puppe um fünf Euro an und ging in die Kneipe „Sonnenschein“ zu Berlin, Prenzlauer Berg, um in der vertrauten Atmosphäre über die Zukunft der aus den Fugen geratenen  Welt nachzudenken.

22.03.2003

 

 

EIN OFFENER BRIEF VON IWAN MATRJOSCHKIN, ESQ. ,  GERICHTET AN DEN DEUTSCHEN BUNDESTAG UND DIE FRANZÖSISCHE NATIONALVERSAMMLUNG.

 Meine Herren Abgeordneten,

ich gehe wohl nicht fehl in der Annahme, dass Sie alle, ungeachtet Ihrer sonstigen politischen  Vorlieben, von der Äußerung des USA- Verteidigungsministers Rumsfeld unangenehm getroffen sind, Ihre Länder seien das alte Europa, sprich  altes Eisen, ein Europa also, dessen Zeit abläuft oder gar abgelaufen ist.

Zwar wurden diese anmaßenden Worte von der Journaille in Ihren Ländern etwa in dem Sinne bagatellisiert, der amerikanische Barbar hätte weder Homer noch Aristoteles gelesen und sei deshalb nicht ernst zu nehmen. Aber es geht  nicht nur um das Defizit an Achtung gegenüber den alten Steinen unseres Kontinents. Es geht um viel mehr. 

Es geht  um  die   Dominanz der USA in Europa. Auch nach dem Ende des Kalten Krieges und der Beseitigung der Sowjetunion  soll sie erhalten, stabilisiert  und ausgebaut werden.

Deshalb sollen „das alte“ und „das neue Europa“ auseinanderdividiert  und ein Aufstand der osteuropäischen Länder  in der EU,  Zufluchtsburg der  Alteuropäer in der USA- beherrschten Welt, provoziert werden.

Der auf Deutschland und Frankreich ausgeübte Druck, den Krieg gegen den Irak zu unterstützen, muss in diesem Licht gesehen werden. Eine eventuelle Hilfeleistung der Europäer an die USA spielt dabei eine untergeordnete Rolle.  Wofür brauchen die USA die Europäer bei diesem Feldzug?  Saddam vernichten können sie allein. Mit links.

Die „alten“ Europäer sollen  zu Kreuze kriechen. Zur Erbauung und Belehrung der anderen. Das ist es ! Das ist der Sinn der Übung!

Gibt es in dieser, von der militärischen und wirtschaftlichen Übermacht der USA geprägten Situation noch eine Rettung für Europa? Sie gibt es. Die Rettung heißt Russland.

Meine Herren, Sie werden  mit den Achseln zucken. Russland? Es pendelt  zwischen Europa und USA. Ein unsicherer Kantonist!

Lassen Sie sich bloß nicht von Herrn Putin irritieren. Mag er sich noch so oft  neben Bush aufstellen und ihm die Hand schütteln,  Russland bleibt für die USA letztendlich nur eine Verfügungsmasse. Ein Preis, der unter anderen verteilt werden soll, um sie  zu gewinnen.

Deshalb ist Russland langfristig  bedroht. Am Pazifik von China, Nord- und Südkorea. Sie sind  bereits dabei, auf kaltem Wege den russischen Fernen Osten einzuheimsen.  In manchen Gegenden halten   illegale  gelbe Einwanderer   die Zügel in der Hand. Sie sind Vorboten der drohenden Abtrennung des Fernen Ostens von Russland.

Das russische Ostsibirien gerät ins Visier Kasachstans. Der kasachische Herrscher Nasarbajew schielt immer mehr auf Washington und wendet sich von Moskau ab. Es gibt viele Russen in Kasachstan, über 40 Prozent. Sie stehen unter Auswanderungsdruck.                                          

Georgien  im Kaukasus fordert  Russland frech heraus.

In der Ukraine und Belorussland, obwohl slawisch, erstarkt die westlich orientierte Opposition.  

Und überall werden Jäger, die dem russischen Bären den Pelz abziehen wollen, insgeheim von einer Macht  unterstützt.  Sie wissen schon, von welcher.

Langfristig ist  Russland also auf Europa angewiesen. Auf das „alte Europa“, wenn wir das seltsame Vokabular von Mister Rumsfeld anwenden wollen.

Das „alte Europa“ ist aber auf Russland angewiesen, das sich nicht von den USA missbrauchen lässt. Das zu keinem trojanischen Pferd in Europa wird, wie die „neuen Europäer“ aus Osteuropa  es werden sollen. Nach der USA-Vorgabe.

Ist es nicht eine langfristige  Grundlage des Zusammengehens Russlands und des „alten Europas“?

Mit vorzüglicher Hochachtung,

Iwan Matrjoschkin, Esq., Leiter des Researchteams « Geopolitik » des Konzerns Matrjoschka-online.de

Anm. Ich bin mir des Risikos  einer Rache der CIA für diesen Brief bewusst. Aber   ich kann nicht schweigen! Ich darf nicht schweigen! Komme, was  wolle.

Vorsorglich habe ich beim Vorstand  des Konzerns ein wenig Geld für Personenschutz  beantragt. Leider wurde mir dieses mit dem verlogenen Hinweis verweigert, ich würde es in die Gaststätte „Sonnenschein“ tragen. Damit haben wir, wenn was passiert,  die Schuldigen. Das sind die geizigen Holzweiber, die mich um meinen Intellekt  beneiden. Besonders tut sich diese Hexe  hervor. Oh, Schande! 

25.1.03

 

IWAN MATRJOSCHKINS, ESQ., TELEGRAMM AN DEN RUSSISCHEN VERTEIDIGUNGSMINISTER :

 

Sehr geehrter  Verteidigungsminister,

 

Sie sind jetzt am Zug! Ich meine, nachdem  Ihr USA- Kollege  Deutschland für seine Weigerung, am Feldzug gegen den Irak teilzunehmen, auf eine Stufe mit Kuba und Libyen  gestellt und damit die Konsequenzen angedeutet hat. In etwa : „Willst Du nicht mein kleiner Bruder sein, schlage ich Dir den Schädel ein“.

 

So muss man verfahren, sehr geehrter Genosse! So muss man Kriege gewinnen, bevor man sie angefangen hat. Denn ob der Irakfeldzug stattfindet oder nicht, selbst in seinem Vorfeld haben die USA  einen Erfolg errungen. Sie haben Deutschland seinen Platz in der Welt gezeigt. Und vielleicht auch das von ihnen gewünschte Revirement im Bundeskanzleramt eingeleitet.  Und das wiegt wohl mehr, als die Frage, wer in Bagdad regiert, Saddam oder ein anderer Häuptling.  

 

Also, Herr Minister, folgen Sie  dem guten Beispiel.  Fordern Sie sofort Deutschland auf, am russischen Feldzug in Tschetschenien teilzunehmen. Soll es  seine besten Truppen gegen  die   kleinen Saddams in dieser kaukasischen Bergrepublik abkommandieren. Vielleicht wird Russland dann  die tschetschenischen Rebellen endlich, wie lange versprochen, in der Scheiße ersticken. Und Deutschland auch später fernsteuern können.

 

Sollte sich  Deutschland bockig erweisen, folgen Sie auch hier dem überseeischen Muster. Erinnern Sie Berlin an seine Bringschuld. An den russischen Beitrag zur  Wiedervereinigung,  der wohl nicht kleiner als der amerikanische ist. Vielleicht auch an Stalingrad. Und wenn auch das nicht hilft, dann deuten Sie   Konsequenzen an. So taktvoll und geschickt wie Ihr USA- Kollege.    Also, los, Genosse Minister!  Dawai, dawai! 

 

Iwan  Matrjoschkin, Esq., Internationaler Sicherheitsexperte.

 

    Berlin, 7.2.03

 

P.S. I.M.,Esq. wollte diesen Text per Telegraph an den Adressaten abschicken. Er behauptete, das wäre im Stil der sogenannten Diplomatie der Kanonenboote des XIX. Jahrhunderts, die in den USA ihren fröhlichen Aufstand feiere. Da  das Telegraphieren teuer ist,  beantragte er einen Zuschuss aus der Kasse unseres Konzerns. In der Kasse herrscht aber Ebbe. Außerdem bestand der begründete Verdacht, Matrjoschkin wird  mit dem Geld nicht zur Deutschen Post, sondern schnurstracks zu seiner Stammkneipe („Sonnenschein“, Prenzlauer Berg) laufen. Deshalb lehnte ich als Kassiererin des Konzerns seinen Antrag ab.  Daraufhin stufte er  mich auf ein Niveau mit Rosa Luxemburg ein und drohte, mich im Landwehrkanal zu ersäufen. Ich erstatte hiermit eine Anzeige gegen den Gewalttäter Matrjoschkin.

 

 

TESTAMENT

 

Angesichts des drohenden Krieges und der damit verbundenen Gefahr terroristischer Anschläge in Deutschland, erkläre ich, Iwan Matrjoschkin, Esq., hiermit meinen letzten Willen.

 

  1. Mein ganzes Eigentum ( Erspartes  in  Höhe von 67 Euro, 59 Cent und meinen Hausrat ( ausgenommen  Garderobe) vermache ich der einzigen Holzpuppe  ( ) im matrjoschka – Team, die mich moralisch aufbaute und finanziell unterstützte.

  2. Die Garderobe, zum Teil noch ganz gut zu tragen, vermache ich dem NATO- Generalsekretär Lord Robertson, obwohl er mich beim letzten Besuch in London versetzt hat.

  3. Mein letzter Wille ist auch, dass dem deutschen Bundeskanzler, dem russischen und dem französischen Präsidenten für ihre Standhaftigkeit mein aufrichtiger Dank übermittelt wird. Zwar hat diese nicht viel genutzt, aber dafür können sie nichts. «Сила солому ломит», wie die Russen sagen.

  4. Auch ist mein letzter Wille, in Moskau bestattet zu werden. An der Kremlmauer. Allerdings erst dann, wenn die Leiche von Dshugaschwilli von dort weggeschafft wird. Ein aufrichtiger, wenn auch von den weiblichen Holzpuppen verkannter  Demokrat, will ich nicht neben dem Tyrannen die letzte Ruhe genießen.

  5. Meinen deutschen Mitbürgern, die ich innig verehre, hinterlasse ich den guten Rat,  ihre Vermögensverhältnisse auch schleunigst zu regeln.  Man kann nie wissen...

  6. Und sonst verabschiede ich mich mit den Worten: „Menschen, ich habe Euch geliebt. Seid wachsam!“. Vor allem geht diese Mahnung an meine Stammtischbrüder.

 

Geschrieben  am 16.3.03 um 02.00 Uhr   in der Kneipe „Sonnenschein“,  Prenzlauer Berg zu Berlin.

 

Iwan Matrjoschkin, Esq.  

 

WLADIMIR WlADIMIROWITSCH PUTIN SCHENKT REINEN WEIN EIN. EIN GESPRÄCH IM KREML.

I.M., Esq.: Exzellenz, zuerst bedanke ich mich herzlich für die Gelegenheit, Ihnen Fragen stellen zu dürfen.

W.W.P.: Keine Ursache. Für die Vertreter des M.-Konzerns bin ich immer da.

I.M. Esq.: Will ich hoffen. Bekanntlich haben Sie im Unterschied zu Ihren Vorgängern versichert, auch ehemalige Russen dürfen mit dem Wohlwollen des verlassenen Vaterlandes rechnen.

W.W.P. : Eben.

I.M.Esq.: Also, fangen wir an. Obwohl... Ehrlich gesagt, ich habe Durst. Die Kehle ist wie ausgetrocknet...

W.W.P.: Borshomi? Narsan? Ein anderes Mineralwasser?

I.M. Esq.: Mineralwasser?

W.W.P.: Ach so... Sie haben mich wohl mit jemandem verwechselt. Ich heisse nicht Jelzin.

I.M.Esq.: Aber auch nicht Gorbatschow, als Limonadenmischa verschrien.

W.W.P.: Nun gut, ausnahmsweise. Moskowskaja? Stolitschnaja? Kristall? Gorilka? Sonst was?

I.M. Esq.: Egal. Ich will keine Umstände machen. Vielleicht eine Flasche von jeder Sorte. Zur Verköstigung.

W.W.P. schüttelt angewidert mit dem Kopf, dennoch erhält I.M. Esq. das Erwünschte. Das Gespräch kann losgehen.

I.M.Esq.: Ihnen, lieber Wladimir Wladimirowitsch, wird unterstellt, sie hätten zu den Medien ein gespanntes Verhältnis. Auch zum weltweiten elektronischen Spinnennetz. Stimmt,s?

W.W.P.: Quatsch! Ich schätze das Internet sehr und surfe, wenn ich Zeit habe, gern. Meine Töchter sind so eifrig dabei, dass Ljudmilla mitunter ein Machtwort sprechen muss, um sie vom PC loszureißen.

I.M.Esq.: Sehr tröstend. Wissen Sie, unser Konzern "WWW.matrjoschka-online.de" ist ausschließlich im Netz tätig.

W.W.P.: Weiss ich. Mir wurde berichtet.

I.M. Esq.: Sehr erfreulich, dass Sie sich über unsere Tätigkeit informieren liessen. Zwar sind die Holzpuppen mitunter stur, aber hoffentlich nehmen Sie es uns nicht übel. Sie sind ein toleranter Herrscher.

W.W.P. guckt auf die Uhr.

I.M.Esq.: Pardon...(Schenkt ein, trinkt, rülpst). Also, zur Sache. Bei der Amtseinführung haben Sie weitere Reformen in Russland versprochen. Es wird ab und zu bemängelt, das Verprechen werde zögerlich eingelöst.

W.W. P.: Sind Sie Russe?

I.M.Esq., sich wieder einschenkend: "Na sdorowje!".

W.W.P.: Also! Da müssen Sie das Sprichwort kennen: Pospeschisch, ljudei nasmeschisch.

I.M.Esq.:Eile mit Weile?

W.W.P.: Eben. Die Lage in Russland muss radikal verbessert werden. Das ist klar. Aber nicht von Heute auf Morgen und gleichzeitig in allen Sphären. Sachte, sachte. Vor allem müssen wir fähige Leute finden. Wo? In der Gemeinde der Internet- User. Die User sind modern, gut informiert, jung und fortschrittlich. Sie sind unsere Hoffnung.

I.M.Esq.: Ich stehe zur Verfügung!

W.W.P. lächelt höflich: Ich meinte nicht Sie persönlich.

I.M.Esq., sichtlich enttäuscht: Die nächste Frage. Sie haben mal die Formel von der Diktatur des Gesetzes geprägt, die viel Staub aufwirbelte, da das Wort "die Diktatur" einen gewissen Beigeschmack hat und weil Sie, Wladimir Wladimirowitsch, Ihre ersten Sporen nicht gerade in der Heilsarmee verdient haben. In dem Zusammenhang erlauben Sie die Gretchenfrage: Wie halten Sie es mit der Demokratie? Noch präziser: Was ist Ihnen wichtiger: die Demokratie oder das Gesetz?

W.W.P.: Es gibt hier kein entweder- oder. Die Demokratie stützt sich aufs Recht, auf Gesetz. Und wir sind dabei, ihr diese Basis zu geben.

I.M.Esq.: Wie in der DDR gesagt wurde: Die Basis ist die Grundlage des Fundaments?... Lacht blöde.

W.W.P. guckt missbilligend auf die bereits halbleere Flache von "Stolitschnaja" und trommelt mit den Fingern auf den Tisch.

I.M.Esq.: Verstehe. Entschuldigung.

W.W.P.: Das Fazit: Solange ich der russische Staatschef bleibe, werden wir an demokratischen Grundsätzen festhalten, uns bemühen, eine vollwertige Zivilgesellschaft zu entfalten und eine öffentliche Kontrolle des Staates zu gewährleisten. Konsequent und hartnäckig. Zu der Demokratie und Marktwirtschaft gibt es keine Alternative.

I.M. Esq.: Die nächste Frage: Was wollen Sie tun, um das Ansehen der russischen Streitkräfte zu heben?

W.W.P.: Gedient?

I.M.Esq.: Ich nicht. Aber Sie!... Schenkt sich wieder ein, sagt: "Auf das Wohl der bewaffneten Organe!" Trinkt, rülpst.

W.W.P.: Unsere Streitkräfte dienen der ganzen Gesellschaft, sie stehen ausserhalb der Politik. Damit haben sie die beste Voraussetzung, ein hohes Ansehen zu erlangen. Woran es hapert, sind eine bessere Ausbildung, Ausrüstung, guter Sold. Mit der Zeit sichern wir das alles. Vielleicht schaffen wir mit der Zeit auch einen Übergang zur Berufsarmee. Das ist die Geldfrage.

I.M. Esq. will wieder zur Flasche greifen, aber der strenge Blick des Geprächspartners verhindert die Ausführung seiner Absicht. Er murmelt so etwas wie "Jawohl, Herr Oberst!", guckt in sein Notizheft und stellt die nächste Frage: Was ist mit der Hochschulbildung in Russland? Wie die Streitkräfte leidet auch diese unter Geldmangel. Denken Sie daran, das Studium entgeltlich zu machen?

W.W.P. Nein. In der Sowjetzeit war Studium unentgeltlich. Dabei soll es bleiben. Es gab überhaupt nicht nur Schlimmes in unserer Vergangenheit. Manches ist durchaus nachahmenswert. Bildung, Gesundheitswesen, Wissenschaft – darauf konnte die Sowjetunion stolz sein. Das brachte die staatliche Planwirtschaft, die es erlaubt, Prioritäten zu setzen und grosszügig zu finanzieren.

I.M.Esq. guckt den Präsidenten mit hündischen Augen an, dann seufzt er und bittet ihn, die Flaschen wegtragen zu lassen: der Anblick lenke ihn vor der Sache ab. Als der Bitte entsprochen wurde, stellt er die nächste Frage: Was ist mit weiteren Wirtschaftsreformen? Es wird viel darüber geredet, wenig getan.

W.W.P. Stimmt. Fast acht Jahre treten wir auf der Stelle. Warum? Weil die staatstragenden Kräfte einander blockierten. Zuerst muss also der effiziente Staatsaufbau her.

Wenn sich die Reform in Russland darin erschöpfen sollte, einen Übergang von der Palnwirtschaft zur Marktwirtschaft zu vollziehen, dann kann man wohl zufrieden sein. Wenn man aber die Reform darauf ausrichtet, die Wirtschaft anzukurbeln und das Lebensniveau der Bevölkerung zu heben, dann liegt das Ziel noch in der Ferne. Damit befassen wir uns jetzt.

I.M.Esq. Tschetschenien. Glauben Sie denn, die Tschetschenen sind mit Gewalt kleinzukriegen? Russland versucht es seit Jahrhunderten. Umsonst. Soll es ausgerechnet Ihnen gelingen?

W.W.P.: Wir tun dem tschetschenischen Volk keine Gewalt an. Wir wenden Gewalt ausschliesslich gegen die Gewalttäter in Tschetschenien an, die übrigens aus dem Ausland von den Gleichgesinnten stark unterstützt werden. Die zivilen Tschetschenen wenden sich zunehmend uns zu. Das gibt Zuversicht!

I.M. Esq.: Noch eine heikle Frage. In der Republik Moldawien, die zwischen der Ukraine und Rumänien liegt, fanden Wahlen statt. Jetzt wird gemunkelt, die Sieger, die Kommunisten, wollen Moldawien an die Union zwischen Russland und Belorussland anschliessen. Das Gespenst einer schrittweisen Wiederherstellung der Sowjetunion wird an die Wand gemalt. Was ist damit?

W.W.P. Die Union zwischen Russland und Belorussland ist offen. Jeder, der sich ihr anschliessen will, darf es. Im Prinzip.

I.M.Esq. Im Prinzip? Wie sagt das Radio Jerewan immer wieder: Im Prinzip-ja,aber...

W.W.P. trommelt wieder auf den Tisch und mustert Esquire mit seinen kalten Augen.

I.M.Esq., fröstelnd: Müssen Sie auch an Heizung sparen?

W.W.P. schweigt.

I.M.Esq.: Die nächste Frage: In Deutschland wird ein Anwärter auf den Präsidentenposten von einer Partei aufgestellt. Sie gehören keiner Partei. Soll es dabei bleiben?

W.W.P.: Mal sehen. Im Augenblick ist wichtig, dass der russische Präsident, der in Russland auch der Exekutive vorsteht, von der ganzen Gesellschaft getragen wird.

I.M.Esq.: Zur internationalen Politik. Wenn die Amis tatsächlich daran gehen, ein nationales Raketenabwehrsystem aufzustellen, und den Rüstungskontrollvertrag von 1972 außer Kraft setzen, bricht Russland dann alle Abrüstungsverhandlungen ab?

W.W.P.: Der Vertrag von 1972 ist die Achse des gesamten System der Rüstungsbegrenzungen. Wird die Achse rausgezogen, stürzt das System. Ob wir wollen oder nicht, egal. So weit darf es nicht gehen.

Aber auch dann würden wir verhandeln. Entweder- oder ist nicht unser Standpunkt.

I.M., Esq.: Wollen Sie in die EU?

W.W.P. Wollen vielleicht, können noch nicht. Wir können die Kriterien vorläufig nicht erfüllen.

Jetzt geht es darum, allmählich Russland, sein Wirtschaftsleben, sein Rechtswesen den Regeln auf dem übrigen Teil des Kontinents anzupassen, dessen Teil die RF ist.

Bereits heute wickeln wir mit Europa mehr als ein Drittel unserer Auslandswirtschaftsbeziehungen ab. Die Länder von Mittel- und Osteuropa spielen dabei eine große Rolle. Kommen sie in die EU, möchten wir die gewachsenen Sonderbeziehungen weiter aufrechterhalten. In unserem, aber auch in ihrem Interesse.

Unser eigener Beitritt zur EU ist Zukunftsmusik.

I.M.: A propos Musik. Welche haben Sie gern?

W.W.P.: Klassik, aber allgemein zugänglich: Schubert, Liszt, Tschaikowski.

I.M. Esq.: Ich auch.

W.W.P. lässt kein Interesse an Matrjoschkins Vorlieben erkennen.

I.M.Esq.: Womit sonst vertreiben Sie sich die Zeit?

W.W.P. etwas hochmutig: Ich brauche sie nicht zu vertreiben, sie rennt mir weg, obwohl ich faul bin.

I.M. Esq.: Die feinsinnige Matrjoschka trug mir auf, Ihre, Herr Präsident, Präferenzen in der Kunst und Literatur zu ermitteln Ich möchte sie nicht enttäuschen.

W.W.P. lächelnd, man sieht, die Feinsinnige ist für ihn ein Begriff: Nun, gut. Ich lese gern Tolstoi, Dostojewski, Tschechow. Auch Kino wird von mir nicht verpönt. Zu meinen Lieblingen gehört übrigens Romy Schneider.

I.M. Esq. Vielen Dank, Wladimir Wladimirowitsch, für das inhaltsreiche Gespräch.

W.W.P.: Gern geschehen... hält M.Esq. seine starke Hand hin.

I.M.,Esq.: zögert, sich zu verabschieden.

W.W.P. etwas ungeduldig: Was gibt es noch?

I.M.Esq., anflehend: Na possoschok... (Eine russische Redewendung. Buchstäblich: auf den Wanderstab. Im übertragenen Sinne: auf glückliche Heimkehr anstoßen).

W.W.P. lächelnd: Draußen ist bereits gedeckt worden.

I.M. Esq.: Bolschoje serdetschnoje spassibo!

Anm. v.M.: Das ist also die Aufzeichnung des Gesprächs, die Matrjoschkin geliefert hat. Im M.-Rat wurde ihr nicht ohne Zweifel begegnet. 1. Soviel bekannt, verließ Matrjoschkin in letzter Zeit Berlin nicht. 2. Das Interview ist vom Präsidenten Putin, beziehungsweise seinem Pressesprecher nicht autorisiert worden. 3. Matrjoschkin konnte nicht überzeugend darauf antworten, warum ein in solchen Fällen übliches Bild, Gesprächpartner darstellend, nicht geschossen wurde. 4. Der Rat fand es unglaubwürdig, dass der Präsident gegenüber der unseligen Alkoholsucht des Kollegen Matrjoschkin so viel Toleranz entgegengebracht hat.

So wurde die Aufzeichnung einer gründlichen Prüfung unterzogen. Diese ergab dennoch, dass alle von Matrjoschkin in Putins Mund gelegten wesentlichen Aussagen mit dem übereinstimmen, was der Präsident in der letzten Zeit tatsächlich von sich gab. Deswegen entschloss sich der M.Rat, das Gespräch für die Veröffentlichung doch freizugeben, wobei er auf die weltbekannte Medienfreundlichkeit, Nachsicht und Toleranz des Präsidenten gegenüber der schreibenden und spinnenden Zunft baute.

 

GEHEIMPROTOKOLL EINES STRENG VERTRAULICHEN GESPRÄCHS

ZWISCHEN

DEM NATO-GENERALSEKRETÄR LORD ROBERTSON OF PORT ELLEN

UND IWAN MATRJOSCHKIN, ESQUIRE,

STATTGEFUNDEN IM HOTEL INTER-CONTINENTAL ZU BERLIN.

MATRJOSCHKIN: Herr Robertson, zunächst bedanke ich mich für Ihre liebenswürdige Bereitschaft zu dem Gespräch unter vier Augen. Meine neun Schwestern – die mitteilsame Matrjoschka, die reiselustige Matrjoschka usw. und selbstverständlich ich selbst fühlen uns außerordentlich geschmeichelt.

ROBERTSON: Please. OK.

MATRJOSCHKIN: Und jetzt zur Sache.

Meine erste Frage: Einer Ihrer Vorgänger, der erste Generalsekretär der NATO, (Wie hiess er bloss?) erklärte vor fünfzig Jahren, die Allianz bezweckt a) den unbefristeten Verbleib der USA in Europa; b) die Verdrängung der Russen aus Europa; c) die Niederhaltung der Deutschen in Europa. Inwiefern sind diese Zielsetzungen obsolet geworden?

ROBERTSON: Soon after the End of Cold War, fell the Berlin Wall,the "velvet revolutions" in Central and Eastern Europe away Communist rule, and the migthy Soviet Union itself dissolved. All this meant that NATO’s role had to change. Instead of maintaining this status quo, the Alliance had to become a midwife of political change.

German unification represented a key step towards the goal of a lasting Euro-Atlantic peace order.

Today, the united German is a key member of the a major role in NATO’s transformation and modernisation.

German soldiers serve alongside of almost 40 other NATO and Partner nations. As we enter the new century, this is seen as simply normal and appropriate. Nobody raises his or her eyebrows when the German Defence Minister visits the German troops in the Balkans. And having an outstanding German Commander of all NATO’s forces in Kosovo, Klaus Reinhardt, seemed only natural from one of NATO’s biggest members.

MATRJOSCHKIN: Ich bedanke mich herzlichst für die inhaltsreiche und präzise Antwort. Meine zweite Frage: Und was ist mit den Russen? Müssen sie endgültig raus aus Europa? Oder sind sie schon endgültig raus aus Europa, wie Ihr ferner Vorgänger es wünschte?

ROBERTSON: It is simply impossible to exaggerate the importance of Russia’s joining the NATO Partnership for peace in June 1994.

Today, the NATO Russia relationship has progressed much further. In 1997 we signed the Founding Act and launched the NATO-Russia Permanent Joint Council. Our joint Work Plan covers the full range of issues of common concern: Balkan security, arms control, nuclear safety, and more. And Russian and NATO troops serve side-by-side in Bosnia and Kosovo.

True, our relationsship has not been the complete success story we might have wished for. During the Kosovo air campaign, as NATO stopped and reversed the ethnic cleansing of Milosevic, Russia turned away. But this "ice age" is over now. Russia is coming to realise that NATO is here to stay, and that we need to have a modus vivendi with each other. NATO needs to be more effective at conveying to the Russians what the Alliance is, what it does and why – because Russians need to understand more clearly that NATO is not, nor does it want to be, any threat to their security. Eliminating myths and illusions is a task of quite some order – but is central in NATO’s relations with Russia.

Next month, I will be visiting Moscow to open the NATO Information Office in the heart of Russia’s capital city. And I will use this opportunity to convey a clear message to Russia: we are ready to go much further in our cooperation, if you are.

MATRJOSCHKIN: Vielen, vielen Dank. Sowohl für Ihre Offenheit als auch für Ihre Freundlichkeit gegenüber meinem Herkunftsland Russland. In dem Zusammenhang meine dritte Frage: Die undankbaren Russen behaupten, die NATO verspreche ihnen viel, halte aber wenig. Zum Beispiel glauben sie, bei der deutschen Wiedervereinigung hätte die NATO versprochen, auf die Osterweiterung zu verzichten, jetzt aber erweitert sie sich wie toll und verrückt in Richtung Osten. Sir, was halten Sie davon?

ROBERTSON: The enlargement of NATO did not end with German unification. Already in 1990, during a visit to the Polish City of Gdansk, the crowd had welvomed us by cheering "NATO, Solidarnosc, NATO..." The vision of a broader Euro-Atlantic community inevitable that the new democracies in Central and Eastern Europe would ultimately join the Alliance as well.

Today, the Czech Republic, Hungary and Poland have joined NATO as full members, and nine more countries aspire to the same. Our Membership Action Plan gives these aspirant countries a framework to help them in their reforms, and it gives them feedback and advice.

At our Summit probably in Prague in 2002 our Heads of State and Gouvernment will review the process. It is too soon to tell what will happen then. But one thing is clear: NATO’s door will remain open. Because, ultimately, Europe will only be at peace with itself each state is free chose where it wants to belong.

So when NATO came to extending the hand of friendship to the new democracies of Central and Eastern Europe, there could have been no-one better suited to the task.

MATRJOSCHKIN: Die verärgerten Russen spekulieren darauf, die EU und die NATO auseinanderzudividieren. Was meinen Sie, Herr Lord, ist das eine Vision, die Chancen hat, Realität zu werden?

ROBERTSON: In the early 1990s was the Cold War over. European integration was making headway. The US was asking for a fairer sharing of the transatlantic defence burden. However, at that time, no one seemed to have a clear idea how a strong Alliance could be reconciled. And so the quarrel between "Atlanticists" and "Europeanists", remained in full swing.

It was an absurd quarrel. A stronger European role is a precondition for NATO’s lomgterm health. Transatlantic cooperation and European integration is simply two sides of the same coin.

An ESDI is finally taking shape – reconcilling a stronger Europe with a healthy NATO. The European Union is finally getting ist act together and has agreed on an ambitious Headline Goal. It is only logical that a Union of equal economic strength to the US should also have a credible defence dimension. Europe must make a greater contribution within NATO. This became ncrystal clear in the Kosovo Campaign. The imbalance of capabilities between the US and Europe is neither fair, nor politically sustainable over the long term. There will be times when Europe needs to be able to take the lead in handling some of the security challenges, different to those of the Cold War.

The NATO-EU relationship is out in the open. We have agreed to establish permanent arrangements between the two organisations. The NATO defence planning process is being revamped to be more responsive to EU requirements. And arrangements are being developed to ensure the participation of non-EU Allies in EU-led operations.

The cooperation between NATO and the EU must be based on the true spirit of mutual cooperation, in the fullest possible transparenca, and respect of the autonomy of decision of each organisation. The defence planning by the two organisations must be fully coherent and compatible, and all of NATO’s members, as well as the EU, must be satisfied with the provisions we put in place for the participation of non-EU NATO members, including Canada, in EU-led operations. These are the main principles of this cooperation.

MATRJOSCHKIN: Wunderbar. Da wird aber noch behauptet, die NATO treibe Wettrüsten. Als Beweis wird u.a. die Absicht der USA angeführt, einen Raketenring um das eigene Land herum zu errichten. Das berge die Gefahr in sich, dass andere Staaten ihre atomaren Waffen modernisieren werden. Alles Quatsch! Nicht wahr, Sir?

ROBERTSON: Frederick the Great’s said: "Diplomacy without force is like music without instruments." I couldn’t agree more. That is why I have made it a personal priority of mine to see to it that NATO’s defence capabilities are being improved and modernised. The requirement for this is clear to all of us, and Kosovo was merely another reminder. Military capability is the heart and soul of NATO. To carry out all of our missions – from crisis management, to peacekeeping, to Partnership an cooperation, to collective defence – NATO’s forces must be effective, and able to work together effectively.

This means taking advantage of technology to enhance our teamwork, rather than letting technology get between us. And it means structuring and equipping our forces for modern operations. For such operations, we need forces that can move fast, adjust quickly to changing requirements, engage effectively, and then stay in the field for as it takes to get the job done.

MATRJOSCHKIN: Klar. Sogar sehr. Aber die wachsende Schlagkraft der NATO wird nicht mehr eingesetzt wie im Luftkrieg gegen Jugoslawien. Stimmt’s? Jugoslawien war eine Ausnahme. Oder?

ROBERTSON: In ending the slaugher in Kosovo, NATO took considerable risks. But it paid off. And if it wasn’t for NATO and if it wasn’t for nineteen countries standing up for decency and human rights and humanity, then Milosevic would still be the President of Serbia, he would still be running Yugoslavia, the refugees would still be out, and the ruthless killing would have gone on. He would be looking für ways to cause trouble in Kosovo, or in Montenegro or in Vojvodina, whatever he saw fit to serve his purposes. The turmoil in South Eastern Europe and the resultant misery would still be going agonisingly on.

In the early 1990s, the Alliance was still suffering from "NATO’s out-of-area-syndrome". At that time, many observers arguend that NATO could not act outside the borders of ist members. The bloody wars in Yugoslavia showed how difficult this self-inflicted restraint had become.

True, NATO eventually became involved in finding a solution to the conflict – but it became involved only as a subcontractor of the UN, with little influence over the policy pursued.

The Balkans now have an even bigger chance in their efforts towards democracy and integration into the wider Europe.

The purpose of our Defence Capabilities Initiative is to address these challenges. We have made significant progress since the Initiative was put in place a year and a half ago. An essential step has been the identification of areas of NATO’s military capabilities that need improvement. Ans I have been very clear to Alliance Gouvernments that they must make the necessary investments to make the Initiative work.

MATRJOSCHKIN: Also,Sir, wir können dank der NATO ruhig schlafen. Zwar will man uns mit Schauermärchen wie das über die Urangeschosse den Schlaf rauben. Aber die Uran-Munition ist gar nicht gefährlich, nicht wahr? Aus NATO-Kreisen zum Beispiel verlautet, sogar Zahnärzte verwenden Uran in den Prothesen. So harmlos ist es. Stimmt’s?

ROBERTSON: Yes!

MATRJOSCHKIN: Welche Pläne hat die NATO?

ROBERTSON: NATO’s transformation will continue. Compared to the NATO of today, the Alliance of the future will have more members, even more operational relations with Partners, even closer relationship with Russia and with Ukraine, a more intensive Dialogue with nations from the Southern Mediterranean, and improved defence capabilities. And the close relationship between NATO and the EU will increase our range of options for crisis management. All in all, the Alliance of the future will be as indispensable for our safety abd security than the Alliance of today.

MATROSCHKIN: Ich bedanke mich aufs Herzlichste für das Gespräch. Thank You, Mylord!

Anm. von einer der weiblichen Matrjoschka: Als Matrjoschkin mit dem Protokoll antanzte, kam mir der widerliche Wodkagestank schon von weitem entgegen. Ich forderte ihn auf, Distanz zu halten. Dann fragte ich ihn, wie er denn mit dem Lord of Port Ellen unter vier Augen sprechen konnte, wo er doch nur drei englische Worte kennt, nämlich please, thank you und okay. Und seine Durchlaucht spricht, soweit ich weiss, kein Russisch. Matrjoschkin begann unverständlich zu lallen und ich musste ihn aus dem Büro von Matrjoschka-online weisen.

ANM. VON EINER MATRJOSCHKA-FREUNDIN, GEEMAILT SOFORT NACH DER VERÖFFENTLICHUNG DES GEHEIMPROTOKOLLS:

„Als Matrjoschkin mit dem Protokoll antanzte, kam mir der widerliche Wodkagestank schon von weitem entgegen. Ich forderte ihn auf, Distanz zu halten. Dann fragte ich ihn, wie er denn mit dem Lord of Port Ellen unter vier Augen sprechen konnte, wo er doch nur drei englische Worte kennt, nämlich please, thank you und okay. Und seine Durchlaucht spricht, soweit ich weiss, kein Russisch. Matrjoschkin begann unverständlich zu lallen, und ich musste ihn
aus dem Büro von Matrjoschka-online weisen."

Da geht es Matrjoschkin aber besser als denjenigen, die die Ausführungen des Lord Robertson verstehen. Denen wird nämlich nicht vom Wodka, sondern vom Inhalt seines Vortrages schlecht.

Noch ein Leserbrief mit dem Titel "Gruss an Lord Robertson":

In der Londoner Zeitung "Times" stand es vor wenigen Tagen:
Die Kriegshunde sind los, und der wilde russische Bär,
voll aus auf Blut und Raub, ist aus seiner Höhle hervor gekrochen,
Es scheint, daß eine Tracht Prügel, hier und da, nicht helfen wird, ihn zu zähmen, das Vieh, und so ist er wieder auf das "selbe alte Spiel" aus.

Der (britische) Löwe tat sein bestes, ihm eine Gelegenheit zu geben,
Wieder in sein Versteck zu kriechen, aber alle Mühen waren vergeblich,
Er hungerte nach seinem Opfer, er ist erfreut, wenn Blut fließt,
Aber laßt uns hoffen, daß alle seine Verbrechen auf seinen Kopf zurückfallen.

Refrain: Wir wollen ja nicht kämpfen, aber wenn wir's tun, dann mit Hurra,
Wir haben die Schiffe bekommen, wir haben die Männer bekommen, und das Geld gab's auch dazu.Wir haben den Bären schon früher bekämpft, und solange wir ehrliche Briten sind, werden die Russen Konstantinopel nicht kriegen."

Worum geht es im netten Liedchen, das aus dem Jahre 1878 stammt?

Damals war Rußland kurz davor, den Balkan vom türkischen Joch zu befreien, als die Queen Victoria meinte, sie könne bei Gelingen des russischen Unterfangens "nicht damit leben, niederknien zu müssen, um die Füße dieser großen Barbaren zu küssen". Da mobilisierte die britische Kriegspartei unter Benjamin Disraeli, um die britische Hegemonie im Nahen Osten zu sichern und die Russen zurückzuschlagen. Die "Jingo"-Hymne, ein Stückchen aus der britischen Music-Hall, vom britischen Dichter C.W. Hunt, wurde der Schlachtruf der Hurrapatrioten.

Der "Jingoismus" lebte heute (!) in der Londoner Times wieder auf, die für eine Wiederbelebung des Jingoismus, "dieses großen viktorianischen Prinzips" wirbt. Denn er dient zur Rechtfertigung des Fortbestehens der NATO unter US-britischer Führung, zur Ausdehnung des von den USA geplanten NMD auf England und zur Ablehnung Rußlands. Wohin der "Jingoismus" führte ist bekannt: in die großen Weltkriege des 20. Jahrhunderts.
Laßt den britischen Löwen brüllen, zahnlos fletschende Sphinx?

Anm. von I.M. Esq. zu den obenstehenden Anmerkungen zu seinem Gespräch (angeblichen, angeblichen!- Anm. von einer weiblichen matrjoschka):

Die Anmerkungen, die die Stellungnahme von meinem Freund, Lord Robertson  von Port Ellen, über edle NATO-Absichten Russland gegenüber, in Zweifel ziehen sollten, sind in den letzten Wochen obsolet geworden. Bin Laden hat die  NATO und Russland zusammengeschweisst. Lord hat es geahnt.  

MATRJOSCHKIN ESQ. WURDE IM TRAUM VOM SCHATTEN DES ERZÜRNTEN BISMARCKS HEIMGESUCHT...

Es geschah in der Nacht nach der Bundestagsdebatte über die deutsche Außenpolitik. Der eiserne Kanzler sah sehr verärgert aus. Auf seine direkte soldatische Art warf er den Debattierern vor, sie hätten aus ihrem weltpolitischen Bild Russland so gut wie ausgeklammert. Als er ihnen zuhörte, hätte er den Eindruck, Russland befinde sich auf einem anderen Stern. "Schlimm, schlimm, meine Herren von Rhein und Isar"- sagte der elbische Junker. Er überreichte Iwan Matrjoschkin, Esq., ein Brevier zum deutsch-russischen Verhältnis. M. schlug dieses auf und las unter anderem:

Russland ist der nützlichste und in Zukunft vielleicht wichtigste, jedenfalls zuverlässigste der Bundesgenossen Deutschlands;

Deutsche Freundschaft mit Russland ist über jeden Zweifel erhaben. Es besteht für Deutschland keinen Grund, von Russland böse Überraschungen, noch eine feindselige Politik zu erwarten.

Aufgabe der deutschen Diplomatie soll es sein, ein Verhältnis der Spannung mit Russland nach Kräften zu verhindern . Es bestehe nicht der mindeste Grund, die den manchen deutschen Innenpolitikern fehlenden Zwietracht mit Russland künstlich erzeugen oder schüren zu wollen;

Deutschland darf sich Russland nicht drohend gegenüberstellen. Es soll nie und niemandem gelingen, das gute und solide Verhältnis Deutschlands zu Russland irgendwie zu alterieren und in die erprobte Freundschaft einen Riss zu machen;

Den deutschen Interessen kann es nicht entsprechen, durch eine Koalition des gesamten übrigen Europa die Machtstellung Russlands wesentlich und dauernd geschädigt zu sehen;

Es nicht zu bezweifeln, dass Russland das, was nach seinem Nationalgefühl, nach seinem eigenem Interesse möglich ist, dem europäischen Frieden zum Opfer bringt;

Deutschland ist unangreifbar, wenn es gute Beziehungen zu Russland unterhält. Es gerät aber in eine schwierige Lage, wenn die übrigen Staaten sehen, dass wir Brücken zu Russland abgebrochen haben und uns mithin auf den guten Willen unserer Bundesgenossen verlassen müssen;

Wenn ein bevorzugter Freund Deutschlands verlangt, die stärkere Freundschaft zu ihm dadurch zu betätigen, dass Deutschland Russland feindlich behandelt, soll es das keinesfalls tun;

Man darf die elementare Kraft und Beharrlichkeit, auf welchen die Stärke des russischen Wesens beruht, nicht aus dem Kalkül eliminieren.

Als Iwan Matrjoschkin, Esq., das alles gelesen hatte, tat er sein Mögliches, um wieder einzuschlafen. So stark war er wegen des Gedächtnisschwunds mancher deutscher Politiker deprimiert, die jetzt nur ein Licht im Fenster sehen, das des Abendrots.

Als Matrjoschkin Esq. wieder erwachte, war das Brevier nicht mehr da. Schade.

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