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1.TV und Presse 

2.Was tut sich im Runet. 

3.WORÜBER WIRD GESTRITTEN?

 

 

1.TV und Presse

DIE ANNÄHERUNG AN RUSSLAND.

Nie brachten die deutschen Medien   so viel über Russland wie im Rahmen des laufenden russischen Kulturjahres in Deutschland. Die neuen, aber auch die   vor mehreren Jahren gelaufenen und jetzt wiederholten   Fernseh- und  Hörfunkreportagen sind fast jeden Tag im Programm der öffentlich- rechtlichen Sender. In ihrer Gesamtheit ergeben sie ein schillerndes Bild vom großen Nachbarn Deutschlands im Osten. Gleichzeitig  machen sie den langen Weg der Annäherung an die russische Realität sichtbar, den die deutschen Medien seit der Wende in Russland zurückgelegt haben.

 

Er begann mit dem Abschied von der die Optik verzerrenden Unart des Antikommunismus. Zwar hat  der Kommunismus in Russland, oder vielmehr das, was darunter verstanden wurde, die „Anti“- Haltung  durchaus gerechtfertigt.  Aber auch vor der Wende  lebte unter der Hülle des Kommunismus oder des Pseudokommunismus  ein Land, das nicht darauf  zu reduzieren war. Trotzdem wurde immer wieder das Kind mit dem Bade  ausgeschüttet. So verkam das Russlandbild  zu einem vom politischen Zeitgeist diktierten  Schema.

 

Die Medien kauten fleißig an  den Beschlüssen der kommunistischen  Parteitage und Reden der kommunistischen  Machthaber, ohne die dahinter versteckte Realität   richtig wahrzunehmen.  Als die Wahrheit in letzter Instanz galt, dass der Kreml das Land fest im Griff hätte.  Daraus schloss man auf  den sklavischen Untertanengeist der Russen. Freiheitsliebe wurde ihnen abgesprochen, ihre unbändige Kreativität übersehen. So entstand das Bild eines Landes, das außerhalb der europäischen Geschichte lebte. Ein Horrorbild, im Dienste der psychologischen Kriegführung.

 

Kein Wunder, dass  die Wende in Russland die deutsche Öffentlichkeit  überraschte.  Sie passte nicht ins vertraute Russlandbild. Deswegen kam auch danach noch zu gravierenden Fehldeutungen. Sie sind in vielen Medienbeiträgen aus der Zeit festgehalten. Aber auch in Äußerungen von Politikern, die es eigentlich besser wissen mussten. Die dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl unterlaufene Panne, der den sowjetischen Präsidenten, Verkünder der Perestroika, Michail Gorbatschew, mit Hitlers Propagandaminister Josef Goebbels verglich, reflektierte  diese Fehlhaltung. Denn der Vergleich sollte die Wende in der Sowjetunion als blauen Dunst disqualifizieren. Obwohl kurz danach diese Wende die Wiedervereinigung Deutschlands ermöglichte. 

 

So begann die Erkundung des wahren, jahrzehntelang hinter potjemkinschen Dörfern der Sowjetpropaganda  verdeckten Russlands.  Die Reportagen von Gerd Ruge, Klaus Bednarz und anderen deutschen Russlandkennern aus der Branche, die jetzt wieder gebracht wurden, dokumentierten diese Annäherung an Russland.  

 

Heute fragt man sich, wie viel hat sich seitdem in der Wahrnehmung Russlands in Deutschland geändert? Die Antwort heißt: sehr viel. Obwohl die  dem Kalten Krieg immanenten Defizite der Berichterstattung nicht sofort verschwanden. Und manche neue schlichen sich ein.

 

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So gerieten einige deutsche wie auch andere Meinungsführer im Westen nach der Wende unter den Einfluss  der Siegermentalität. Die Wende in Russland wurde  als  Kapitulation nicht allein des kommunistischen Regimes, sondern Russlands schlechthin gedeutet.  Jetzt  wartete man  ungeduldig darauf, dass  Russland  sich selbst aufgibt. Als ließe  sich die Lebensweise und die Lebensphilosophie  eines großen Volkes so leicht wie ein  Hemd gegen ein anderes, mit einem anderen Label und frisch gebügelt,  wechseln.

 

Zwar funktionierte  das Kunststück nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland mehr oder weniger. Aber eine Kapitulation im Kalten  ist etwas anderes als die im „richtigen“ Krieg. Außerdem ist die Größenordnung eine andere.  Und die Russen hatten weniger Grund  für lähmende Schuldgefühle.

 

Wie dem auch sei, spiegelte sich die Illusion von einem von Grund auf anderen Russland  mitunter in den deutschen Medien wider. Vor allem als Enttäuschung darüber, dass Russland nicht ad hoc sein ganzes Wesen über Bord warf. Das wurde oft als  Reformunwilligkeit ausgelegt.

 

Diese Einstellung kam in dem Usus zum Ausdruck, Russland, ohne seine Besonderheiten  zu berücksichtigen, mit dem Zollstock   des Westens zu messen und   ihm   Noten zu erteilen.  Wobei oft davon ausgegangen wurde, dass Andersein Schlechtsein ist.  

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Ein russischer Journalist weiß die Leistungen der   Russlandkenner in den deutschen Medien zu schätzen. Mit Sympathie für Russland gehen sie an die Arbeit,   scheuen  keine langen Wege und Mühen, um das Land, in einer stürmischen Transformation begriffen, dem deutschen Publikum näher zu bringen. Kein leichtes Geschäft, besonders, wenn man die Defizite der Wahrnehmung Russlands in den Jahrzehnten des Kalten Krieges berücksichtigt.

 

Das muss aber nicht heißen, dass man als Russe zu allem, was in Deutschland nach der Wende über Russland gebracht wurde, Ja und Amen sagt. Denn einiges davon erinnert an frühere Fehldeutungen.    

 

So ließ sich in manchen deutschen Medien der Gedanke als roter Faden wahrnehmen, Russlands großes Manko sei, dass   der Konsum seiner Bevölkerung sehr weit unter dem  Niveau Deutschlands oder gar der USA liege.

 

Dabei wurde  geflissentlich übersehen, dass das tatsächlich sehr niedrige Konsumniveau im postsowjetischen Russland,  noch tiefer als in der Sowjetzeit, mit für den Westen weniger schmeichelhaften Umständen zusammenhängt.  Zum Beispiel damit, dass die  russische Wirtschaft auf dem Höhepunkt der Transformation von Günstlingen des westlichen Kapitals geplündert wurde. Und auch damit, dass Russland bis jetzt nur zu den Energieträger- und Rohstoffmärkten der Welt zugelassen wird. Seine anderen Waren stoßen auf  hohe Zollmauern.

 

Doch abgesehen davon, stellt sich die Frage, ob  übermäßiger Konsum wie im Westen für Russland ein lohnendes Ziel ist? Und ob die der russischen Mentalität immanente Hintanstellung der materiellen gegenüber den geistigen Werten nicht mehr den Gegebenheiten der modernen Welt entspricht als die wilde Hatz der Amerikaner nach immer mehr Konsum?

  

Bereits jetzt verschlingen die USA, um das Niveau zu halten,  30-40 Prozent der unersetzbaren Naturressourcen der Erde, obwohl ihre Bevölkerung nur einen  Bruchteil der Erdbevölkerung ausmacht. Was wäre mit den Ressourcen, hätte das riesige Russland einen gleich aufwendigen Lebensstil zu seinem Ideal erkoren und vielleicht auch zu erreichen versucht?

 

Zurück zu den Reportagen der deutschen Kollegen aus Russland, möchte man hervorheben, dass  diese, ohne die Armut in Russland zu beschönigen, auch die andere Seite der Medaille sichtbar machten.  Zeigten sie doch die unverbrauchte Natur der fernen Regionen Russlands, den   Lebensmut und die Strapazierfähigkeit ihrer  Einwohner.        

 

Obwohl der Verfasser dieses Beitrags  sich, ehrlich gesagt, freuen würde, hätten sich die deutschen Fernsehkoryphäen auch an die Darstellung  anderer russischer Gegenden als die im Hohen Norden und im Fernen Osten gewagt. Jener, die zwar weniger exotisch wirken, wo  aber die Schnittpunkte des Geschehen liegen. Zum Beispiel  Zentralrussland oder der Ural.

 

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Es wäre noch einiges zu bemängeln, wenn man die einzigartige Parade der neuen und alten Reportagen über Russland, gebracht im Rahmen des russischen Kulturjahres in Deutschland, sieht.

 

Mitte der neunziger Jahre widmeten sich die deutschen Medien viel der Darstellung der Kriminalität in Russland. Vielleicht  etwas zu viel.  Nicht weil das Bild der ausufernden Kriminalität den Begebenheiten in Russland  nicht gerecht wäre. Bis auf kleine Details stimmte es schon. Die Kriminalität in Russland griff tatsächlich um sich. Wie es wohl anders nicht zu erwarten war, wenn man berücksichtigt, wie die russische Wirtschaft im Zuge der Transformation geplündert wurde.

 

Doch Kriminalität hin, Kriminalität her. Wenn sie ihren Platz in der Berichterstattung  haben muss, dürfte wohl ihre Darstellung die Leistungen des sich transformierenden Russlands nicht verdrängen. Darunter der von den meisten Experten nicht erhofften und erwarteten friedliche Verlauf der Transformation. 

 

Eine Zeit lang  ließen viele Berichte  einen schlimmen Bürgerkrieg in Russland erwarten.  Ähnlich dem im ehemaligen Jugoslawien, aber in einem viel größeren Rahmen und womöglich mit Atomwaffeneinsatz. Gott sei Dank blieb er Russland und der Welt erspart. Trotz aller Spannungen und gelegentlicher  Exzesse  kam Russland ohne großes Blutvergießen und  Terror aus.  Abgesehen vom schlimmen Konflikt im kleinen  Tschetschenien, der aber eher eine Ausnahme ist.

 

Die Weltgeschichte kannte kaum eine andere Systemtransformation in einem großen Land, die derart friedlich über die Runden ging. Zum Beispiel war es in den USA des XIX. Jahrhunderts ganz anders, als die Sklavenwirtschaft im Süden der Marktwirtschaft  weichen musste. Auch im Frankreich des XVIII. und im Deutschland des XIX. Jahrhunderts erforderte der Fortschritt seinen Blutzoll.

 

Dass die  Russen diesmal  ihre Probleme mehr oder weniger friedlich lösten, stellt ihnen ein Reifezeugnis aus. Schade, dass es in den deutschen Medien keine gebührende Würdigung fand. Es wäre vielleicht angebracht, sich weniger der Kriminalität zu widmen und mehr den größeren Zusammenhängen, viel aussagekräftiger und wichtiger für Europa als Geschichten über korrumpierte Staatsdiener  und Auftragsmörder, die wohl nicht nur in Russland ihr Unwesen treiben. Aber die Medienwelt steht halt unterm Diktat der Einschaltquoten und der Auflagenstärke. Man muss dafür Verständnis aufbringen. 

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Die Annäherung  an die russische Realität in der deutschen Berichterstattung aus Russland hat  einerseits mit der Lernfähigkeit, dem Verantwortungsgefühl und  dem hohen beruflichen Können der deutschen Fernseh- und Hörfunkjournalisten und andererseits mit dem Wegfall der   sehr harten, aber  unsinnigen Behinderungen ihrer Berufstätigkeit in Russland  zu tun.

 

Dennoch ist die Annäherung der journalistischen Berichterstattung an die Realitäten selbst im eigenen, erst recht  in einem fremden Land,   nie abgeschlossen. Es ist ein permanenter Prozess. Insbesondere, wenn es um die Berichterstattung  über Russland geht.  Über ein Land, wo  alles im Fluss, alles offen ist.  Ein   dynamisches, kontrastreiches  und widerspruchvolles Land.

 

Es besteht aber kein Zweifel, dass die deutschen Medien  die russische Realität immer vollständiger erfassen. Auch weil viele deutsche Kollegen, die sich damit  beschäftigen,  von Russland fasziniert sind. Das zeigte sich in den meisten im   Rahmen des russischen Kulturjahres gebrachten Sendungen.

 

Erfreulicherweise wird in Deutschland jetzt mehr über Russland berichtet als über irgendein anderes Land in der Welt. Und das ist gut so.  Je besser die Deutschen Russland kennen lernen, auch aus den Reportagen im Fernsehen und Hörfunk, desto mehr Hoffnung darf man haben, dass sich die Zusammenarbeit mit Russland tief im Bewusstsein der Deutschen verankert und  dadurch  den Launen des politischen Wetters standhält.

 

Last not least  möchte der Verfasser dieses Beitrages mit Bedauern noch erwähnen, dass die Berichterstattung über Deutschland in den russischen elektronischen Medien an die Berichterstattung über Russland in den deutschen Medien quantitativ und qualitativ nicht heranreicht. Sie klebt am Tagesgeschehen. Es ist hier unmöglich, sich mit den Ursachen auseinander zu setzen, dafür fehlt dem Verfasser auch die Kompetenz. Wollen wir aber hoffen, dass das bevorstehende deutsche Kulturjahr in Russland die Lücken der Berichterstattung füllt. Jedenfalls muss die Annäherung an die Realitäten des jeweiligen Partnerlandes von beiden Seiten energisch und konsequent betrieben werden. Die Russen brauchen es nicht weniger als die Deutschen.

17.8.03

RTR IN DEUTSCHLAND  

In der russischen Botschaft in Berlin fand eine Präsentation des RTR statt.

RTR bedeutet RUSSLANDS FERNSEHEN UND HÖRFUNK. Dieser regierungsnahe russische Sender speist demnächst seine russischsprachigen Fernsehprogramme  ins deutsche Kabelnetz. Damit  die in Deutschland lebenden Russen die Sendungen problemlos empfangen können. An sich eine Selbstverständlichkeit. Jeder deutsche Fernsehteilnehmer, der mal testet, was sein Kasten alles so anbietet, findet nach gezielter Suche oder unvermittelt  englischsprachige CNN- oder BBC-Programme, aber auch andere  ausländische Anbieter. Warum dann nicht die einschlägigen Fernsehsendungen aus dem Herkunftsland von etwa drei Millionen in Deutschland lebender Russischsprachiger im deutschen Kabelnetz?     

 

Aber es muss in dieser Welt viel geschehen, damit das Selbstverständliche selbstverständlich werden kann. Es gab nämlich in Deutschland auch früher große russischsprachige Emigrantengemeinden. Mitunter waren sie sogar zahlreicher als die gegenwärtige. Doch das kommunistische Russland hat nie daran gedacht, sich um die  propagandafreie Information der Emigranten  zu kümmern. Auch nicht nach der Großen Revolution 1917 und dem anschließenden Bürgerkrieg in Russland, die einen riesigen Flüchtlingsstrom aus Russland auslösten. Und nicht nach dem Zweiten Weltkrieg, als   viele Russen  durch die Kriegeswirren  nach Deutschland gelangten. Die russische Staatsmacht betrachtete die Emigranten damals als Abtrünnige. Und diese gebärdeten sich ihrerseits auch oft genug in einer Art und Weise, die diese Einstellung rechtfertigten.  

 

Nach der Wende in Russland ist das Verhältnis zwischen dem russischen Mutterland und  der rapide anwachsenden russischsprachigen Diaspora ganz anders geworden. Die heutigen  Emigranten haben zumeist keinen Grund, dem modernen Russland zu grollen. Und die russische Regierung will sie dafür nicht strafen, dass sie, aus welchem Grund auch immer, das Leben in der Fremde vorzogen. Zumeist  werden sie in Russland positiv betrachtet. Als Vermittler der russischen Sprache und der russischen Kultur im Ausland. Und das sind sie tatsächlich. Obwohl sie loyale Bürger des Aufenthaltslandes sind und sich in die deutsche Gesellschaft integrieren wollen, leugnen sie zumeist auch ihre Abstammung nicht und interessieren sich lebhaft dafür, was in Russland vor sich geht.

 

Vor diesem Hintergrund ist die Einspeisung der russischsprachigen Fernsehprogramme aus Moskau ins deutsche Kabelnetz  als Steigerung der Lebensqualität der Russen in Deutschland, aber  auch als neuer Strang des kulturellen Austauschs  zwischen Russland und Deutschland  zu sehen. Erst recht im Jahr der russischen Kultur in Deutschland, dem bekanntlich ein Jahr der deutschen Kultur in Russland folgt.

PS. So sagt das matrjoschka-team an der Spree  den  Kollegen  von der Moskwa: Herzlich willkommen! Und mahnt sie, nicht zu vergessen, dass  neugewonnene Zuschauer sehr kritisch sind. Alles, was nach billiger Regierungspropaganda riecht, wird  in einem freien Land, wo die Regierung der Prügelknabe der Medien ist, sehr   abstoßend wirken. Die Russen in Deutschland wollen die Wahrheit, Wahrheit und noch mal Wahrheit. Qualität, Qualität und noch mal Qualität. Und sie haben ein Musterbeispiel davon vor Augen: die Berichterstattung von matrjoschka-online.de aus Russland.

 

2.5.03

DIE DEUTSCHEN MASSENMEDIEN EMANZIPIEREN SICH WEITGEHEND VON FREMDEM EINFLUSS. 

An sich sollte es so selbstverständlich sein, dass es gar nicht erwähnt werden müsste. Ich meine die Unabhängigkeit der Massenmedien eines der größten Staaten der Welt von fremden Einflüssen. Leider aber war es in der Vergangenheit anders. Während des ersten Krieges der USA gegen Irak vor zwölf Jahren. Während des NATO- Waffenganges gegen Jugoslawien auch. Ebenso in mehreren anderen internationalen Krisen. Da lösten sich die meisten deutschen Medien noch nicht von der Leine der USA-Informationspolitik. Als schrieben wir noch die vierziger und fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. 

Jetzt ist es anders. Im deutschen Fernsehen und in den Printmedien kommen immer wieder sehr negative Äußerungen über die amerikanische Informationspolitik. Auch über die Behandlung der deutschen Berichterstatter, die die deutsche Öffentlichkeit über die Kriegshandlungen vom Schauplatz informieren wollen. Es muss der Eindruck entstehen, die deutschen Medienleute werden vom amerikanischen Militär festgesetzt und als Kriegsgefangene behandelt. Ihnen wird keine einleuchtende Berichterstattung ermöglicht.

Festzustellen ist auch, dass die deutschen Medien sich ehrlich um Objektivität bemühen. Dauernd wird der USA- Botschafter in Deutschland interviewt. Die Wirkung dieser Interviews ist aber für den psychologischen Krieg der USA gegen Europa eher konterproduktiv. Denn die Argumente der USA- Seite wirken keinesfalls überzeugend. Wie z. B. das Argument, die USA-Handlungsweise würde von vierzig Staaten der Erde unterstützt. Gefragt, welche Staaten denn dazu gehören, schweigen die USA- Offiziellen betreten. Entweder geht es hier um eine Mär oder mehrheitlich um die von den USA total abhängigen Zwergstaaten. Dagegen kann wohl jeder Kundige die übrigen 150 Staaten aufzählen, die sich vom USA- Waffengang distanziert haben. 

Genauso dünn sind andere Rechfertigungen der amerikanischen Seite, die zwar in den deutschen Medien verständlicherweise frei wiedergegeben werden, aber, mit den Argumenten der Gegenseite konfrontiert, recht unbeholfen abschneiden. Auch auf die Weise muss einem Deutschen klar werden, dass die militärische und die moralische Stärke zwei Paar Schuhe sind. Der Krieg im Nahen Osten geht noch weiter. Aber eine Niederlage der USA- Psychokrieger n Europa steht bereits steht bereits fest. Es ist ihnen nicht gelungen, die krumme Sache in den Augen der Europäer, jedenfalls der meisten Deutschen, gerade zu biegen. Im Verlauf dieser Krise löst sich Deutschland von der Hypnose der USA- Propaganda. Und das ist ein Ergebnis, das mehr als vieles andere zählt. 

21.3.03

MANCHE DEUTSCHE MEDIEN SCHIESSEN  EIGENTORE.

 Eigentore werden geschossen,  wenn sich die Berichterstattung  auf die Darstellung der auf dem Kriegsschauplatz im Irak eingesetzte amerikanische Technik konzentriert. Zweifelsohne eine  mächtige Technik. Mit einem Tötungs- und Zerstörungspotential  wie noch nie in der ganzen Kriegsgeschichte. Dennoch es geht hier nicht etwa um ein martialisches Videospiel. Es geht um menschliches Leid. Und um die Zukunft der Welt.

 

Hierzu  ist dreierlei zu bemerken. Erstens, dass der Einsatz des ungeheuerlichen Potentials gegen ein hundertfach kleineres des Kriegsgegners kein ruhmreiches Blatt in der  Chronik des USA- Militärs ist. Zweitens, dass der Schock und der Schrecken, die damit verbreitet werden, nicht nur und nicht vor allem  Saddam Hussein und seine Generäle  beeindrucken sollen, sondern noch viel mehr die ganze übrige Welt.

 

Es ist so, wie es im Zweiten Weltkrieg war, als die Amerikaner und Briten ihre Terrorluftangriffe gegen die deutschen Städte und ihre Bevölkerung flogen. Auch damals richtete sich der Psychoterror nicht nur gegen die Deutschen, sondern auch gegen die anderen. Vor allem gegen die Russen, die, obwohl  Verbündete in der Koalition gegen Hitler, mürbe gemacht werden sollten, damit sie nach dem Krieg die USA- Herrschaft in Europa widerspruchslos akzeptierten.

 

Drittens, gerade die Russen haben eben im Zweiten Weltkrieg vorexerziert, dass Kriegstechnik, sei sie noch so mächtig,  nicht alles ist. Letztendlich entscheidet der Mensch, der die Technik  einsetzt. Der ausgezeichnet ausgerüsteten  deutschen Wehrmacht glückte in Russland kein Blitzsieg,  da sich die Russen erbittert wehrten. Und sich in ihrer Mehrheit durch den Psychoterror nicht beeindrucken ließen.

 

Auch heute ist es falsch,   die Glanzleistungen der modernen Militärtechnik höher einzustufen als das Verlangen der Menschen nach einer Welt, wo nicht die Kriegsroboter, sondern das Völkerrecht und die Menschlichkeit regieren.

 

Zwar haben sich die deutschen Medien weitgehend von der fremden Beeinflussung frei gemacht,  sie solidarisieren sich nicht mehr mit dem USA- Waffengang, wie  bei ähnlichen Geschehnissen  in der Vergangenheit. Aber manche unterwerfen sich  noch der Faszination der Technik und  sind somit dem Psychokrieg der USA  erlegen, der gerade darauf zielt. So geraten sie in   Gegensatz  zu Millionen Deutschen, die in diesen Tagen gegen den Krieg protestieren, weil sie nicht die Technik, sei sie noch so mächtig, sondern den Menschen, sei er noch so schwach, sehen. Den leidenden und kämpfenden Menschen, der, wie die ganze Geschichte zeigt, letztendlich doch stärker ist als jede Technik.

 

Dem tiefen Sinn des Geschehens kommen dagegen jene Medien auf die Spur, die feststellen, dass die USA, sei ihr Waffengang im Irak noch so erfolgreich, eine Niederlage einstecken. Eine moralisch- politische Niederlage, die in  absehbarer Zeit  nicht wieder gut gemacht werden kann. Das mit allen Mitteln der Propagandakunst gepflegte Image der USA in Europa, das  eines Freundes, Helfers und Beschützers, ist hin. Und dabei bleibt es  viele Jahre, was immer die USA auch unternehmen mögen. Denn der  Schock der zynischen Missachtung des Völkerrechts durch die USA sitzt tief. Und es ist ein ganz anderer Schock, als jener, der mit Bomben herbeigeführt werden sollte.

22.3.03

Die deutschen Medien berichten über eine Erklärung des  USA- Verteidigungsministers,  die jeden Journalisten aufhorchen lässt. Rumsfeld, deutsche Kollegen im Auge, sagt, es sei unzulässig, die amerikanischen Bombenangriffe gegen Deutschland im Zweiten Weltkrieg mit den gegenwärtigen Bombardierungen Iraks zu vergleichen. 

 

In einer Hinsicht hat Mister Rumsfeld sicherlich recht. Der USA –Kriegseinsatz im Zweiten Weltkrieg lässt sich mit dem heutigen nicht ganz vergleichen. Damals gab es in der freien Welt  keine  Zweifel an der Legitimität des amerikanischen Waffengangs. An den Kriegshandlungen gegen die aggressive Achse des nationalsozialistischen Deutschlands, des faschistischen Italiens und des militaristischen Japans beteiligten sich die USA zusammen mit den anderen Verteidigern des Friedens und der Demokratie. Logischerweise  gehörten sie am Kriegsende zu den Gründern der UNO, die sich zur Aufgabe machte, weltweit die Herrschaft des internationalen Rechts herzustellen. Noch später nahmen sie als Urheber des Internationalen Tribunals in Nürnberg   an der Bestrafung   der nationalsozialistischen Kriegsverbrecher teil. Diese Bestrafung sollte allen potentiellen Aggressoren  eine Warnung sein. 

 

Damit haben die gegenwärtigen USA-Handlungen, vor allem der Waffengang gegen den Irak,   herzlich wenig zu tun. Denn heute setzen sich die USA über alles hinweg, was damals die internationalen Beziehungen zivilisieren sollte. Sie missachten das UNO- Statut und versetzen der Autorität des höchsten Gremiums der Vereinten Nationen, des Sicherheitsrates, einen Schlag. Sie pfeifen auf die Meinung der Weltöffentlichkeit. Im Grunde genommen  beleidigt  diese Handlungsweise das Andenken jener Amerikaner, die Schulter an Schulter mit den Soldaten der Roten Armee, und den anderen  während des Zweiten Weltkrieges kämpften und für  Freiheit und Frieden starben .     

 

Nur insofern hat Mister Rumsfeld recht, wenn er von der Unzulässigkeit des Vergleichs zwischen damals und heute spricht. Dagegen sind die Bombenangriffe der Briten und der Amerikaner gegen die deutschen Städte während des Zweiten Weltkriegs und der gegenwärtige Bombenterror in Irak wohl vergleichbar. Die Zerstörung vieler deutscher Städte und das Massaker unter der deutschen Zivilbevölkerung geschahen nicht, um die Abwehrkraft des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland zu untergraben. Es war eine Demonstration der Stärke der USA- Luftwaffe. Eine Operation des psychologischen Krieges. Sie diente weniger der endgültigen Zerschlagung des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland, mehr der  Absicherung der USA- Herrschaft  im Nachkriegseuropa. Sie sollte alle, auch in den Reihen des Antihitlerbündnisses, die sich der Dominanz der Amerikaner widersetzen könnten, prophylaktisch  einschüchtern.   Deswegen mussten Dresden, Hamburg, Nürnberg und viele andere deutsche Städte daran glauben. Deswegen mussten mehr als eine halbe Million deutscher Zivilisten sterben. Deswegen wurde die zivile Infrastruktur in Deutschland zerstört, was auch nach dem Krieg  der deutschen Bevölkerung viel Leid brachte.

 

Die heutigen  Bombenangriffe gegen den Irak, auch wenn die heutige Technik  gezieltere Schläge ermöglicht, verfolgen ebenfalls  nicht nur  militärische, sondern vielmehr andere Ziele. Auch sie sollen Schock und Schrecken verbreiten. Nicht  nur im Irak, sondern in der ganzen nahöstlichen Region. Deshalb lassen die Bombenangriffe vermuten, dass der Krieg  mit der Zerschlagung des Iraks nicht endet. Viel wahrscheinlicher ist, dass er, trotz unkalkulierbarer Risiken, weitergeführt wird. Bis zur Neuordnung der Region. Vielleicht auch der ganzen Welt. Selbstverständlich nach amerikanischem Entwurf, der nicht unbedingt den anderen Ländern gefallen muss. Jedenfalls denen nicht, die sich keinen permanenten Krieg im Nahen Osten und anderswo wünschen. Auch weil ein solcher Krieg  zur Quelle des internationalen Terrorismus und des Flüchtlingselends wird, die diese Länder  viel stärker als die USA treffen   würden.

 

Vor diesem Hintergrund drängt  sich die Parallele zwischen den Bombenangriffen auf Bagdad und denen auf die deutschen Städte während des Zweiten Weltkrieges von selbst  auf. Sie hilft die ganze Gefährlichkeit der heutigen Vorgänge im Nahem Osten zu begreifen. Deswegen  erklärt der USA- Verteidigungsminister den Vergleich zwischen dem, was war, und dem, was ist,  für unzulässig. Anscheinend  ist er dagegen, dass  die Lehren der Geschichte berücksichtigt werden. Trotzdem darf man sie wohl nicht vergessen, wenn man in einer einigermaßen  sicheren Welt leben will. 

 

Wir solidarisieren uns mit den deutschen Kollegen, die einem Druck des USA- Militärs ausgesetzt sind. Übrigens bekommen ihn auch die russischen Berichterstatter aus der Kriseregion  zu spüren.  

23.3.03      

        

EIN HEIßER JOB

Gemeint ist der Job der russischen Journalisten. Nach der von tschetschenischen Terroristen verübten spektakulären  Geiselnahme in Moskau, die bekanntlich auf  höchst tragische Weise endete, versprach  der Job besonders heiß zu werden. Denn  die russische Staatsduma forderte Änderungen im Pressegesetz, die   die Berichterstattung über alle  in Russland verübten Terrorakte erschweren  und die Berichterstatter leicht kriminalisieren. Zwar haben die Parlamentarier die Initiative ergriffen, aber die Betroffenen vermuten, dass die eigentlichen Urheber in der Exekutive zu suchen sind, da die Presse  viele unangenehme Fragen stellte. Z.B. nach der Rolle der Geheimdienste, die die Geiselnahme nicht verhinderten. Oder nach  Schuldigen an der höchst opferreichen Erstürmung des Gebäudes, in dem die Geiseln festgehalten wurden. (matrjoschka berichtete).

Nach dem Vorprellen der Duma witterten viele russische Kollegen die Rückkehr der Zensur in Ihrem Land. Auch im Ausland läuteten die Gefahrenglocken.

Aber im letzten Augenblick hat  Präsident Wladimir Putin  sein Veto gegen die Änderungen am russischen Pressegesetz eingelegt. Damit wies er – aus welchen Gründen auch immer- die Duma  zurecht. 

Trotzdem  bleibt die Arbeit der Journalisten in Russland ein heißer Job
Putins  Verhältnis  zur freien Berichterstattung ist   ambivalent.  Das hat er unlängst in einer Pressekonferenz auf skurrile  Weise zum Ausdruck gebracht, als ein französischer Kollege ihm eine Frage zur Situation in Tschetschenien stellte. Die harmlose Frage provozierte den genervten russischen Präsidenten 
zu einer Gegenfrage. Und zuwar danach, ob der Franzose vielleicht zum Islam konvertieren möchte. Wenn ja, sagte W.W.P., sollte der Kollege sich beschneiden lassen. Am besten in Moskau. Dort hätte man Fachleute, die ihm sogar mehr abschneiden, als unbedingt nötig. Und zwar so, dass sein Allerheiligster nie mehr nachwächst.

Nicht alle fanden den Scherz lustig. Im matrjoschka-team – nur Iwan Matrjoschkin, Esq., der ein deftiges Wort schätzt  und behauptet, den Präsidenten zu seinen intimen Freunden zu zählen. Nach dem Bruch mit dem NATO-Generalsekretär  Robertson, der in der Gunst unseres einzigen männlichen Kollegen ganz tief  fiel, weil er zum vereinbarten Treffen in einer russischen Kneipe in London nicht erschienen war, rangiert bei ihm der Kremlherr ganz oben.

Dagegen lehnten  die Damen des matrjoschka- Teams den Scherz des russischen Präsidenten als ordinär ab. Es kam zu einer Auseinandersetzung. Nach einem hitzigen Wortwechsel empfahlen die Damen  Herrn Matrjoschkin, sich der Prozedur zu unterziehen und behaupteten giftig, in seinem Fall wäre sie einfach, da er vermutlich nicht viel zu verlieren habe.     

Aber kehren wir zum eigentlichen Problem zurück. Dass Putin die Bitte der russischen  Journalisten nach Beibehaltung ihrer Freiheit erhörte, mag zu  begrüßen sein, aber  wenn die Pressefreiheit  vom Wohlwollen eines Herrschers abhängt, ist sie keine.  Putin selbst erklärte seinen Einspruch damit , dass es  eine Balance zwischen möglichen Einschränkungen bei Notstandssituationen und der  Information der Gesellschaft über die Handlungen des Staates geben müsse, damit sich die politische Führung nicht für unfehlbar halte.

Sehr schön, meinen die Holzpuppen, die sich nicht nur von keiner Zensur in ihrer eigenen Berichterstattung einschränken lassen wollen, sondern um dieselbe Freiheit für die russischen Kollegen besorgt sind. Für die deutschen übrigens auch.
4.12.02
 

BERLINER KONGRESS DER RUSSISCHSPRACHIGEN MEDIEN

In Berlin tagte der 4. Weltkongress der außerhalb Russlands erscheinenden russischsprachigen Medien. 

Es gibt jetzt viele Zeitungen, Fernseh- und Hörfunkstationen der russischen Diaspora in der Welt. In Berlin versammelten sich Vertreter von mehr als hundert. Sie kamen aus 35 Ländern - von der nahen Ukraine bis zum fernen Australien. Insgesamt 350 Journalisten. 

In der Lobby des Russischen Haus in der Friedrichsstrasse begrüßte ein der berühmten matrjoschka-Puppe nachempfundener Berliner Bär die Gäste. Er wurde von den Gestaltern der in der deutschen Hauptstadt edierten russischen Zeitung "Russkaja Germanija" entworfen, eines von etwa zwei Dutzend in Deutschland erscheinenden russischsprachigen Printmedien. Sie spielen eine wichtige Rolle für den Zusammenhalt, aber auch bei der Integration der aus Russland und aus anderen Landesteilen der ehemaligen Sowjetunion stammenden Menschen, die in Deutschland ihre zweite Heimat gefunden haben. Die russischsprachigen Medien vermitteln ihnen nicht nur das Wichtigste aus dem Herkunftsland, sondern helfen ihnen auch bei der Anpassung an die neuen Lebensumstände mit unentbehrlichen Informationen übers Aufenthaltsland. Über seine Gesetzgebung, Bräuche und Sitten. Aus der Presse erfahren die aus Russland stammenden Menschen, wie sie ihre Fähigkeiten für das Wohl der neuen Heimat einbringen können. 

Auch in den anderen Ländern der Welt, wo jetzt die russische Diaspora zu Hause ist, bemühen sich die russischsprachigen Medien darum, ihrem Publikum das Einleben in der Fremde zu erleichtern und das Zusammenleben mit der Stammbevölkerung produktiver zu gestalten. Fast ohne Ausnahme sind es keine politischen Kampfblätter, wie es vor Jahrzehnten war, als die Russen ihr Land aus politischen Motiven verließen. Jetzt sind es zumeist wirtschaftliche oder familiäre Gründe. Dementsprechend änderte sich auch die russischsprachige Presse im Ausland, die auf eine hundertfünfzigjährige Tradition zurückblicken kann. 

Die im Weltbund der russischsprachigen Presse im Ausland zusammengefassten Verleger und Redakteure hatten in Berlin auf ihrem vierten Kongress einiges zu besprechen. Leider nicht nur Erfreuliches, da die Verlage mit großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Übrigens auch in Deutschland, wo der russischsprachige Bevölkerungsanteil mit etwa drei ein halb Millionen zwar zu den größten in der Welt zählt und sowohl als Lesepublikum, als auch als Adressat kommerzieller Werbung nicht zu vernachlässigen ist. Aber auch hier bedrohen steigende Druck- und Zustellungskosten die Existenz der Medien. Vereinzelt wurden auf dem Kongress auch Klagen darüber laut, dass die konstruktive Rolle der russischsprachigen Presse im Ausland von den Behörden nicht immer erkannt wird. 

Übrigens musste auch Russland lernen, seine Landeskinder, die im Ausland ihre Zelte aufschlugen, nicht als Abtrünnige zu behandeln. Jetzt ist es damit aber endgültig vorbei. Präsident Putin erklärte die Herstellung guter Beziehungen zu den Gemeinden ehemaliger Landsleute im Ausland zu einer wichtigen Zielsetzung der russischen Außenpolitik. Der russischsprachigen Diaspora misst die russische Führung große Bedeutung bei der Vermittlung der russischen Sprache und Kultur in der Welt bei. Auch in seiner Grußbotschaft an den Berliner Kongress fand dies Ausdruck. Vom Vizepremier der russischen Regierung Valentina Matwejenko bei der Kongresseröffnung den Teilnehmern überbracht, wurde sie mit Applaus quittiert. 

25.10.02

 

RUSSLANDS LAGE AUS SICHT EINES BRANDSTIFTERS

 

Er heißt Alexander Prochanow. Ein „patriotischer“ Literat, im Unterschied zu vielen anderen kein unbegabter. Wie ein gewisser Josef Goebbels auch kein unbegabter war.

 

Prochanow gibt in Moskau das Kampfblatt „Zavtra“ (Morgen) heraus und ist im Runet vertreten. In  der letzten Ausgabe lesen  wir aus aktuellem Anlass.

 

 

...So war es in Tschernobyl. Die Sonne schien herrlich. Die Wälder schimmerten grün. Die Häuser weiß. Die Felder gelb. Darüber schwebte  der Tod. Unsichtbar,  gnadenlos.

 

Man sieht im heutigen Russland keine fremden Soldaten und Feldkommandanturen. Dennoch hat man das Gefühl, Russland sei besetzt. Es gibt keine öffentlichen Hinrichtungen. Dennoch spüren die Menschen  unüberwindliche Angst. Es gibt keine Verhaftungswellen und Schnellgerichte. Dennoch verfaulen viele  in Gefängniszellen. Es gibt keine Gaskammer, keine Verbannungen von Kulaken und Kosaken, keine Stalingrader und Berliner Schlachten, dennoch schmilzt die Bevölkerung um eine  Million jährlich, als wären Maschinengewehre pausenlos im Einsatz. Es gibt keine Zensur, aber im Rundfunk hört man kein russisches Lied, sieht man keinen russischen Dichter, Russland ist aus russischen Theatern und Bibliotheken  entfernt.

 

Bereits  zehn Jahre  wird von Reformen gesprochen. Von einem menschenwürdigen Leben. Von einer zivilisierten Gesellschaft. Dennoch blüht das Unkraut auf den Feldern. Dennoch  verrosten die Werkbänke. Dennoch liegt die Flotte auf dem Meeresgrund. Dennoch brennen die Wälder. Das Land heult mit bitteren Tränen, kennt keine Ruhe, findet keinen Platz unter der Sonne. Versteht nicht, woher der unsichtbare Tod kommt. Versteckt sich vor ihm. Der eine in der Schlinge, der andere in der Wodkaflache.   

 

...Die  Geldströme sind mächtig. Sie fließen  aber an der  Staatskasse und  an  den Taschen der einfachen Menschen vorbei. Ein Dutzend Milliardäre nagen am Gerippe des Landes, bis kein Stück Fleisch mehr daran hängt. Die ganze riesige Wirtschaft, die mal Flugzeuge, Turbinen, Kosmosschiffe, Kleiderstoffe, Mähdrescher produziert hatte, wurde   getötet. Menschen mit goldenen Händen und hellen Köpfen in Arbeitslosigkeit und Elend gestürzt. Frauen gebären nicht mehr, weil die Kinder keine Zukunft haben. Kräftige Kerle stehlen, rauben  und landen  hinter Gittern. Mädchen stehen an den Gehwegen  und bieten sich Lustmolchen an. Nur Erdöl, Holz, Nickel, Alubolzen haben Wert. Im Ausland.

 

Aber die Pipelines  und Schmelzöfen brauchen keine 150 Millionen Menschen. Deswegen  will man sie halbieren. Deswegen wird der Genozid am eigenen Volk verübt.

 

Die Staatsmacht glich die Besteuerung der Superprofite an die  Besteuerung der kläglichen Dorflehrerinnengehälter  an. So gehen die ersteren  fast unangetastet auf ausländische Konten. Im Ausland werden sie zu Palästen und Villen. Zu dicken Klunkern an den Hälsen käuflicher Schönheiten. Die russische Kasse ist aber hoffnungslos leer. Kein Geld für Schulen und Unis. Für Krankenhäuser. Für russische Soldaten in Tschetschenien. Für Bücher, die lesenswert sind. Für Bilder, die  bilden. Der Wirtschaft wird der Kopf guillotiniert. 

 

20 Milliarden Dollar jährlich gehen Russland verloren, da sie im Ausland landen. 200 Verbrecherkartelle bringen Tonnen von Rauschgift nach Russland. Die russischen Ordnungshüter tun nichts, um den Geldschmuggel ins Ausland und den Rauschgiftschmuggel aus dem Ausland zu unterbinden, weil sie daran partizipieren.

 

Dafür hetzen sie Skinheads.  Um das Gesicht zu wahren.

 

PS. Voll Empörung, weist das Matrjoschka-Team die verleumderischen Auslassungen des Scharfmachers zurück. Iwan Matrjoschkin, Esq., erwägt eine Anzeige bei seinem (vermeintlichen) Freund – dem NATO- Generalsekretär, Lord Robertson of Port Ellen. Prochanow  nach Den Haag! - fordert der Esquire.

 

20.08.02

 

PRESSCENTER.RU WIRD IMMER FRECHER

Kurz vor der jährlichen Botschaft des russischen Präsidenten an die Staatsduma

( urbi et orbi) stellte die frechgewordene site folgende Fragen:

1.     Der Präsident verspricht dauernd, der russischen Wissenschaft ihre einstige Weltbedeutung zurückzugeben und die Forscher von ihrem Hundedasein zu erlösen. Gleichzeitig aber wird Pulkowo, das in  Fachkreisen als  Weltmetropole der Sternkunde gilt, der Strom abgeschaltet. Die Sternenzähler sind nämlich nicht imstande, ihre Stromrechnung zu begleichen. Der Schuldenberg ist zwar nicht hoch: 13.000 USD. Aber auch diese gibt keiner. Es juckt niemanden, dass die Pulkower Teleskopen  lahmgelegt sind. Trotz  Ehrenwort des Präsidenten, die Forschung wieder ins Lot zu bringen. Warum?

2.     Tagtäglich brüstet sich der Kreml damit, die niedrigsten Steuersätze der Welt eingeführt zu haben: nur 13 Prozent Einkommenssteuer für alle, einkommensunabhängig.  Alle hätten dadurch gewonnen.  Der Verfasser des Pamphlets meint, seine Tante in Sibirien sei damit nicht einverstanden. Da sie ein sehr niedriges Einkommen hat, zahlte sie früher nur 12 Prozent  Einkommenssteuer. Zwar macht bei ihr das eine Prozent mehr eine sehr geringe Summe. Diese reicht gerade, um zwei Kilo der billigsten Äpfel zu kaufen. Aber ihre beiden  kleinen Töchter werden die Äpfel sehr vermissen. Da sie die fehlenden Rubelchen sonst nirgendwo zusammenkratzen kann.

3.     Das Gerede von der 13 Prozent Einkommenssteuer für alle trifft auch auf einen anderen Steuerzahler nicht  ganz zu. Er heißt Roman Abramowitsch, handelt mit Erdöl und ließ sich zum Gouverneur  der Halbinsel Tschukotka wählen, so groß wie Deutschland, wenn nicht größer. Herr Abramowitsch verdiente im vorigen Jahr 315 Millionen USD.  Dividenden eines Erdölkonzerns, wo er der Hauptaktionär ist. Von dem sauer verdienten Geld muss er leider auch Steuern zahlen. Früher waren es 30 Prozent, jetzt nur sechs, da sich die Steuerreform das Ziel setzte,  Steuergerechtigkeit herzustellen. Deshalb müssen die Nichten des Pamphletisten auf die Äpfel verzichten, Herr    Abramowitsch  darf aber  an Steuern  einige  Millionen Dollar jährlich sparen.  Warum sieht die viel gepriesene Steuergerechtigkeit in Russland so aus?

4.     Aber, wie die Russen sagen, «нет худа без добра». Was in etwa heißt, jedes Ding hat zwei Seiten: eine schlechte  und eine gute. Der oben beschriebene Fall hat auch eine gute Seite. Die sibirische Halbinsel Tschukotka hatte früher kein Geld. Seitdem Herr Abramowitsch hier das Zepter führt, hat sie Geld. Nicht etwa weil hier die Wirtschaft  aufblühte, sondern weil der Oligarch seine Einkommenssteuer hier zahlt. Nicht in Nizza, wo er sich Gerüchten nach auch aufhält, sondern eben auf Tschukotka. Und da zweifelt man noch an der Allgemeinnützigkeit der milliardenschweren Vermögen in Russland.

5.      Übrigens wird Tschukotka von Tschuktschen bewohnt. Die russischen Eskimo sind in Russland als Schildbürger verschrien. Weil sie den Hang zu naiven Fragen haben. Auch zum Fall Abramowitsch stellen sie eine naive Frage. Ist es in Ordnung, dass das  Wohlergehen einer Region, so groß wie Deutschland, vielleicht sogar noch größer, davon abhängt, wo der Gouverneur seine Einkommenssteuer zahlt?

6.     Es wird in der Welt viel darüber geredet, in Russland seien die Massenmedien nicht mehr frei. Stimmt nicht. Dieser Tage zeigte das russische Fernsehen in allen Einzelheiten, wie der ehemalige Präsident Boris Jelzin mit der Familie in einem Kurort empfangen worden war. Eben so wie Zar Boris samt Gefolge empfangen werden soll. Der ehemalige Präsident! Zu der Zeit, als die russischen Medien tatsächlich unfrei waren, durften sie kein Wort über die ehemaligen fallen lassen. Die ehemaligen verschwanden sang und klanglos. Nur der aktuelle Staatsmann stand im Licht der Scheinwerfer. Dadurch unterscheidet sich eben die Medienfreiheit von heute von der Medienunfreiheit von gestern. Allerdings hat  das russische Fernsehen die Töchterchen der Pamphletistentante, die keine Äpfel mehr kriegen, nicht gezeigt...Warum?

7.     Sonst geht es  Russland gut. Und es wird ihm noch besser gehen. Der Kreml hat das Tempo der Aufwärtsbewegung einschneidend korrigiert. Früher hieß es, Russland werde das Niveau Portugals erst in 20 Jahren erreichen, jetzt spricht man von 15 Jahren. Wenn das kein Fortschritt ist...

P.S. Matrjoschka-team denkt darüber anders. Und zwar anders als der Pamphletist. Der miese russische Blechtrommler.

18.04.02.        

RUSSISCHE SKURRILITÄTEN

OLIGARCH BERESOWSKI ALS FILMHELD

 

Es gibt in Russland wenig Menschen, die  so viel Aufsehen erregen wie der  Dollar- Milliardär Beresowski. Er ist zum Sinnbild jener Gesellschaftsschicht geworden, die von der Auflösung des Sowjetsystems vor 15 Jahren profitierte.  Ein begabter Mathematiker,  in der Sowjetzeit mit Einkünften eines  Kantinenkellners im Westen entlohnt, brachte er es in den Perestroikajahren  zu einem Riesenvermögen. Das große Geld öffnete ihm  Zugang zum inneren Kreis um den Präsidenten Russlands (1991- 1999) Boris Jelzin. Er bekleidete führende Posten im Staatsapparat, gründete einen Pressekonzern. Erst nach Putins Machtantritt musste der russische Berlusconi kürzer treten. Dem neuen russischen Präsidenten, der ihn gerichtlich verklagen ließ, erklärte er den  Krieg  und sagte ihm den baldigen Sturz voraus.

 

Das bewegte Leben des zur Zeit in London residierenden Tausendsassa steht im Mittelpunkt des auf den Filmfestspielen in Locarno preisgekrönten russischen Streifens „Der Oligarch“.  Das Drehbuch schrieb   ein Beresowski befreundeter russischer Unternehmer, der sich in der Welt seiner superreichen  Landsleute gut auskennt. Er hat ein realitätsnahes Bild des  russischen Geldadels gezeichnet, der mitunter Geschäft  mit Verbrechen verwechselt. Ein spannender Film.  

 

Der Streifen sagt viel über die Mentalität der superreichen Gewinner  der Perestroika in Russland aus. Das Hauptmotiv ihres Handelns  ist nicht die gemeine Geldgier pur. Ihre Energie entstammt einer anderen Quelle. Sie nehmen Revanche für Jahre des erzwungen unauffälligen Daseins in einer Gesellschaft, die Unternehmungslust und Begabung bestrafte. Wo Mittelmass herrschte und eine Karriere nur jenem offen stand, der einen „richtigen“ Fragebogen hatte und sich zu ducken verstand. Sie wollen viel Geld, weil sie viel Macht und viel Handlungsspielraum wollen, nicht aber weil sie ein süßes Leben  begehren. Daher die hektischen Aktivitäten des schwerkranken und ständig Pillen schluckenden  Prototypen des Filmhelden.

 

Die russischen Kritiker sehen in dem Streifen des in Frankreich lebenden russischen Regisseurs Pawel Lungin ein Omen. Russland lernt Erfolg und Erfolgsmenschen zu schätzen, ohne  Gedanken daran zu verschwenden, ob sie die Zehn Gebote achten. Zuerst kommt das Fressen, erst dann die Moral-  meinte Bertold Brecht in Bezug auf die klassische kapitalistische Gesellschaft im Westen. Erst recht trifft es auf die neue kapitalistische Gesellschaft in Russland zu, wo jene vor allem gefressen werden, die sich im Zuge der Systemtransformation von den Unternehmungslustigeren  an den Rand gedrängt wurden. Und das sind immerhin  etwa 95 Prozent der Bevölkerung.           

 

Nicht auszuschließen, dass ein westlicher Berufskamerad des Filmhelden (im Westen soll der Film unter dem Titel „Der neue Russe“ laufen) das Kino etwas nachdenklich verlässt. Ob er, wenn es darauf ankommt, sich mit einem russischen Rivalen in der Geschäftswelt messen kann? Mit seiner in den Jahrzehnten der Enthaltsamkeit gespeicherten  Energie? Mit seiner Fantasie, aufgeblüht in einem Land, wo diese Eigenschaft nie fehlte. Mit seiner in den Umständen seines Werdegangs wurzelnden Skrupellosigkeit. Die Saturierten im Westen können in den kommenden Jahren den kürzeren ziehen, prophezeit Iwan Matrjoschkin, Esq., der auf eine Einladung von Beresowski nach London wartet. Bereits lange wartet, leider.

6.8.02.

Eine nostalgische Fernsehkritik 

 

Die älteren russischen  Fans des Idiotenkastens erinnern sich noch gut an  Gernsehabende der Breshnewzeit ( Leonid Iljitsch Breshnew, 1964- 1982 Parteichef der Sowjetunion). In ihrem Mittelpunkt stand die Show  des landesweit mächtigsten Mannes.

Das Outfit  des  Bildschirmstars  hatte  Besonderheiten: a) riesige Augenbrauen (viel dichter als die des Herrn Waigel, des ehemaligen deutschen Finanzministers); b) Der unfreiwillig komische  Gesichtsausdruck (Mr. Dean könnte einpacken) eines Menschen, der schwer begreift, wo er sich befindet und was er tut, sich jedoch müht, würdig auszusehen.

Auch seine Sprechweise sorgte für allgemeine Belustigung. Seine einseitig gelähmte Mundpartie hinderte  ihn,  etwa die Hälfte der Konsonanten deutlich zu artikulieren. Deswegen  wirkten in seinen Ansprachen konsonantenreiche Worte drollig. Zum Beispiel  das am meisten gebrauchte Beiwort „sozialistitscheskij“ (sozialistisch). Es kam wie „sisjki-matisjki“ raus, was  an ein  Wort aus der Ganovensprache erinnerte und wie Titten verstanden wurde (unsere Tittenindustrie schreitet von einem Erfolg zum anderen...).

Lustig war das damals! Man konnte von Herzen über seinen Staatschef lachen und lästern (wenn kein Fremder es mitkriegte). Das entschädigte für zahlreiche Ärgernisse des Alltags.   Und auch für die Langeweile im übrigen Fernsehprogramm.

Vorbei die Freude. Der derzeitige Zar aller Reussen ist alles andere als komisch. Und keiner lacht, wenn der vom Fernsehschirm verkündet (ohne das jetzt verpönte Wort „sozialistitscheski“ in den – gottlob- einwandfrei funktionierenden Mund zu nehmen), wo es lang gehen soll. Man hat eher das unbestimmte Gefühl, stramm stehen zu müssen.

Dafür ist auch das Fernsehprogramm nicht mehr langweilig.

Noch vor kurzem in Russland die Sendung „Hinter Glas“ („Big Brother“ nachgeahmt, matrjoschka berichtete) der Renner. Jetzt ist es „Der letzte Held“. Auch von der Sorte der USA- Realityshows.

Die Masche  ist einfach. Sechzehn Russen, je zur Hälfte Männlein und Weiblein, wurden auf einer unbewohnten Insel in Südamerika ausgesetzt. Ohne Lebensmittel, Kleidung und Gerät sollen die Insulaner ihre Überlebensfähigkeit auf die Probe stellen. Die Versager werden (quasi) gegessen. Bis einer bleibt. Er, der letzte Held eben, erhält einen Preis. 

Die Fernsehkameras verfolgen jede Bewegung . Nur zwei Prozeduren sind (noch?) tabu.  Pinkeln und Scheißen. Die Russen tun das nicht öffentlich.

Die jüngeren unter dem russischen Fernsehpublikum sind von der Show begeistert. Sie spricht ihre Lebenserfahrung an. Wer stolpert, wird gefressen.

Die Show kostet Geld. Eine Million USD. Der Augenbrauenkerl (browasty parenj) Breshnew war dagegen preiswert.  Für die Fernsehauftritte kriegte er nichts. Und seinem Rennwagenhobby frönte er auf Kosten der ausländischen Freunde. So nahm er Porsche und Mercedes  aus Deutschland mit, wenn er seine Staatsbesuche in Bonn absolvierte.

Ach waren das noch Zeiten! Man konnte wenigstens lachen...

17.12.01  

RABINOWICH AUF VORMARSCH

Utro.ru bringt eine für Eingeweihte erschütternde Meldung. Sie betrifft den ukrainischen Oligarchen und Medienmogul Rabinowich. Danach erwirbt er ein Aktienpaket, das ihm womöglich eine neue Rolle auf dem russischen Medienmarkt sichert. Es geht um zwanzig Prozent Anteile des Fernsehsenders NTV, der jetzt der Kontrole des staatlichen russischen Konzerns Gasprom unterstellt wurde.

Rabinowich, u.a. auch der Vorsitzende der jüdischen Gemeinschaft der Ukraine,will die Aktien dem russischen Oligarchen und Medienmogul Gussinski abkaufen. Dieser kontrollierte bis vor kurzem den Fernsehsender. Dennoch beging er die Unvorsichtigkeit, es mit dem Kreml zu verderben. So wurde er auf Ersuchen der russischen Staatsanwaltschaft in Spanien festgesetzt und zieht sich aus Russland zurück.

Anm. In unserem Medienkonzern ("www.Matrjoschka-online. de") gibt es einen versoffenen Kerl, der in der Sache eine kompetente Auskunft geben kann. Es ist Iwan Matrjoschkin, Esq., der sich mit Rabinowich im Literaturhaus Berlin traf (während der Vorstellung eines neuen Buches des deutschen Publizisten J.Roth, an der Rabinowich teilnahm, da das Buch seine Vita erzählt. Siehe den Bericht auf dem Link der nachdenklichen Matrjoschka). Also, richteten wir an I.M.,Esq., vier Fragen:

1. Warum will der ukrainische Oligarch nach Russland?

Antwort: Warum nicht?

2. Setzt er sein Geld damit nicht in den Sand?

Herr Rabinowich macht nicht den Eindruck eines Menschen, der sein Geld je in den Sand gesetzt hat. Außerdem: Wer sagt denn, dass es sein Geld ist?

3. Wessen denn?

Vielleicht das von Ted Turner. Der amerikanische Fernsehzar (CNN) wollte selbst Gussinskis Aktien kaufen, aber die Russen liefen dagegen Sturm: Wieso soll ein russischer Fernsehsender von einem Ami übernommen werden? Vielleicht erledigt Rabinowich den Deal in Turners Auftrag?

4.Und die Medienfreiheit in Russland?

Ihr dummen Holzpuppen meint, die Auseinandersetzung um den NTV spielte sich zwischen den Kämpfern für die Medienfreiheit und ihren Gegnern ab. Ich habe Euch aber von Anfang an gesagt, es ging nur darum, welcher Geldsack das Sagen hat: ein regierungskonformer oder ein regierungskritischer. Wobei die Rollen austauschbar sind.

Dann forderte I.M., Esq., einen Lohn für die Expertise (10 DM.) und verschwand in einer nahegelegenen Gaststätte auf dem Kuhdamm.

15.4.01

2.WAS TUT SICH IM RUNET

 

IRAK.RU – EINE NEUE STIMME IM RUNET

 

Diese neue Runet- Zeitung hat ehrwürdige Eltern:  Den Ersten, unter der Kontrolle der russischen Regierung funktionierenden Kanal des russischen Fernsehens und die Runet- Zeitung „Dni.ru“, wohl auch kein Außenseiter im Netz. Deshalb zwei Kostproben von Irak.ru.

 

Die erste betrifft  Michail Gorbatschow, den letzten Generalsekretär  der Kommunistischen Partei der Sowjetunion und den ersten (und letzten) Präsidenten der Sowjetunion. Die Runet-Zeitung erinnert an seine Reise vor zwanzig Jahren  nach London. Damals ließ er sich,  im Kreml noch in der zweiten Reihe platziert, von Margaret Tatscher, damals  britische Regierungschefin, zum „neuen Denken“ bekehren.  Einem Denken, das ihm den Aufstieg im Kreml und den Nobelfriedenspreis, der Sowjetunion  den Untergang, den USA  die unumstrittene Dominanz in der Welt und Großbritannien die Teilhabe  davon brachte.

 

Jetzt,   zwanzig Jahre später, beschwört Gorbi die USA, von ihrer Macht  keinen Gebrauch zu machen, und Großbritannien, mäßigenden Einfluss auf den Seniorpartner auszuüben. Jetzt warnt er vor dem Krieg gegen den Irak.

 

Aber es darf  nicht vergessen werden, wer vor zwölf Jahren im Kreml  grünes Licht für den „Wüstensturm“ gab und so mit Schuld an dem Massaker im Irak trägt. Den europäischen Kriegsgegnern ist anzuraten,  Gorbatschow nicht in ihre Mitte aufzunehmen. Ihn bewegt nur der  Geltungsdrang. Sonst ist jetzt der Mensch Nichts. Und  sein einstiger Ruhm gründete sich ausschließlich  darauf, dass er sein Land, das sich ihm  anvertraute, zu Nichts machte.

 

DIE ZWEITE KOSTPROBE: IRAK.ru  ÜBER DEN USA- DRUCK AUF DEUTSCHLAND.

 

Deutschland ist der Schwerpunkt der USA- Bemühungen, die Antikriegsfront in Europa aufzubrechen. Bis jetzt übte Washington seinen Druck auf Berlin mit verbalen Mitteln aus. Es kann aber  anders werden. Wenn die verbale Einwirkung keine erwünschten Ergebnisse zeitigt, schlägt die Stunde der USA - Geheimdienste. Diese haben in Deutschland ein breites Betätigungsfeld. Denn es hat sein Tschetschenien. Das sind die neuen Länder, wo die Neonazis und Skinheads aktiviert werden können. Der andere empfindliche Punkt ist  die große, aber zerstrittene islamische Diaspora in Deutschland.  Provokationen wie Schürung der Widersprüche  zwischen Kurden und Türken können sie zum Unruheherd machen. Es kommt nur auf die Intensität an. Wenn es ernst werden sollte, ist  eine Wende der  deutschen Politik nicht auszuschließen. 

PS1. Von  :"Diese neue Runet- Zeitung hat ehrwürdige Eltern..."  Mag sein. Aber auch ehrwürdige Eltern zeugen mitunter unwürdige Kinder!.

PS2. Der Chefanalytiker von Matrjoschka-online.de, Iwan Matrjoschkin, Esq., gibt zu Protokoll: Wer zuerst einen Rückzieher macht- Deutschland oder Russland-  werden wir sehen. Hoffentlich aber keiner. Sowohl in Berlin als auch in Moskau sind zuverlässige Männer mit edler Gesinnung an der Macht. Ich vertraue ihnen grenzenlos.   

2.3.03   

RUNET IM VORMARSCH

 

Wie eine Seuche breitet sich im Runet das  Chatten.  Auf der Suche nach Tratsch, neuen Bekanntschaften, einem Flirt oder vielleicht auch der großen Liebe setzen sich  immer mehr Russen in die virtuelle Welt ab.

Wer mit denen in ein Kontakt treten will, muss  chatcity.ru eintippen. Hier findet er mehr als dreihundert Chaträume, nach den Vorlieben der Nutzen gegliedert. Es ist schon gut, wenn  er ein wenig Russischkenntnisse mitbringt, aber vielleicht geht es auch mit Deutsch oder Englisch.

Auch sonst  boomt das Runet. Internetcafes  gehören zum Stadtbild in Russland. Ein Bierkonzern (ausgerechnet aus der Türkei) eröffnet demnächst in Moskau auf 600 Quadratmetern die größte Internet-Bar Osteuropas.

 13.12.02  

 

DAS RUNET UND DIE PRESSEFREIHEIT

 

Bekanntlich forderte die Staatsduma  die russische Regierung zur Einschränkung der Pressefreiheit auf. Speziell in der Berichterstattung über die terroristischen Aktivitäten  und ihre Bekämpfung. Diese darf nicht den Terroristen in die Hand spielen, wie es unlängst bei der jüngsten Geiselnahme in Moskau der Fall war.

 

Bemerkenswert ist dabei nicht so sehr der von der Regierung gutgeheißene, vielleicht auch initiierte Vorstoß des Parlaments, sondern das Echo in der Öffentlichkeit. Die meisten Russen finden den Versuch, die Presse stärker an die Kandare zu nehmen,  gut.  Auch die meisten  Runet- Zeitungen hauen in die gleiche Kerbe. Sie stellen fest, dass der ungezügelte Voyeurismus  einiger Fernsehkanäle den Geiselnehmern zugute gekommen sei. Erstens,  bekamen die Verbrecher wertvolle Orientierungshilfen, da die Berichterstattung  auch das Vorgehen  der Sicherheitskräfte nicht aussparte. Zweitens wurden die Geiselnehmer in ihrem Versuch unterstützt, Druck auf die Regierung auszuüben, da   Fernsehreportagen die Hysterie in der Bevölkerung  schürten.

 

Allerdings präsentieren manche Runet – Experten   eine andere Sicht der Dinge. Sie behaupten, der Trend zum Horror in den Massenmedien  störe die Regierungen nicht, sondern bediene sie.  Er erzeuge die Stimmung, die es ermöglicht, unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung  die langgehegten Sehnsüchte nach Machtzuwachs der Exekutive freien Lauf zu lassen. Die Stilisierung des Desperadoterrors  zum weltweiten und dominierenden  Problem  rechtfertigt überall jede Gewaltanwendung,  ob  sie tatsächlich  die Terroristen im Visier hat oder  andere  Ziele verfolgt. Die schlimmeren  Übel als Terrorismus wie Massenelend und  Umweltzerstörung verlieren in den Augen der Menschen an Gewicht, weil sie nicht so spektakulär und spannend dargestellt werden, vielleicht auch nicht darstellbar sind. So kommt es zu dem Paradoxon, dass manche ausgewiesene Menschenrechtler im Runet nichts Verkehrtes an der Beschneidung der Freiheit  der Berichterstattung über die terroristischen Aktivitäten  und ihre Bekämpfung finden.    

4.11.02   

HINTERLAND GIBT ES NICHT,  

behauptet der Präsident eines regierungsnahen politischen Forschungsinstituts in Moskau Alexander Konowalow.  Er meint damit den globalen Krieg gegen den Terrorismus. Und zielt auf die dänische Regierung, die sich weigerte, einen  tschetschenischen Diasporakongress in Kopenhagen zu verbieten.

Die Abhaltung des Kongresses nach der Geiselnahme in Moskau  führte bekanntlich zu heftigen Protesten der russischen Regierung und Weigerung Russlands, seine Repräsentanten  nach Kopenhagen zum EU-Gipfeltreffen zu schicken.

Konowalow bemüht sich um Schadensbegrenzung: Keinen Krach mit Dänemark  und anderen Ländern Europas, fordert er und meint,  die Ruhe in Ländern wie Dänemark mache diese blind gegen die Gefahr des Terrorismus. Wo  dieser demnächst zuschlägt, weiß niemand. Vielleicht dort, wo das am wenigstens erwartet wird.

Trotzdem: keinen Streit mit der EU. Sonst tritt das ein, was die Terroristen sich wünschen: die Spaltung der Front ihrer Gegner. Russland, die EU und die USA sitzen in einem Boot.  Die Gefahr kennt keine Grenzen. Ergo, dürfe auch die Abwehr keine Grenzen kennen.    

Der Forscher stellt fest, die jüngsten Erklärungen Putins zeugen davon, dass Russland jetzt die amerikanische Strategie der Präventivschläge verfolgt. Früher hielt es sich an die (europäische) Abwehrstrategie. Er gibt auch zu, das internationale Recht deckt die Präventivschläge nicht. Seine Schlussfolgerung: Keine Präventivschläge? Nein. Das internationale Recht müsse geändert werden. 

Er lehnt den Standpunkt ab, wonach der Krieg in Tschetschenien durch politische Verhandlungen abgelöst werden soll. Wie auch die Kritik an der opferreichen Geiselbefreiung in Moskau. Die russischen Spezialkräfte hätten sich bewährt. Versagt haben die russischen Medien, da sie die Gefährlichkeit der Geiselnehmer untertrieben.


 (Nach Strana.ru). 1.11.02  

      

   

Sensation im Runet!

Das Runet ist aufgeregt. Seit dem 20.6. 2002 ist es um eine neue hübsche site reicher. Die des Präsidenten Wladimir Wladimirowitsch Putin. In den ersten Stunden brach die Seite zusammen. Fast eine halbe Million User hat sie angeklickt. Sie wurden nicht enttäuscht. Die Seite www.kremlin.ru gibt Gelegenheit, den Herrn Präsidenten  als Staatsmann und  Mensch kennen zu lernen. Anhand  beeindruckender Texte und gelungener Schnappschüsse. 

Die Präsidentensuite im Runet wird mit einer Reportage über seinen Amtssitz, dem Kreml, eröffnet. Hier eine kleine Kostprobe:

"Die Geschichte des Kreml ist die Geschichte Russlands en miniature. Der friedliche Alltag und Angriffe äußerer Feinde, kirchliche Prozessionen und Militärparaden, Heldenverehrung und Wirren, christliche Demut und staatlicher Prunk. Im Volksbewusstsein hat sich der Moskauer Kreml als eine Art Arche Noah eingeprägt. Hinter den weltbekannten Mauern wurden einmalige Kulturschätze gesammelt und die ältesten Gotteshäuser Russlands gebaut". 

Im weiteren wird in der  feierlichen Reportage über eine drollige Begebenheit berichtet. Da die goldenen Kremlkuppeln seit Jahrhunderten Krähenschwärme anlocken, mussten die Hüter des Heiligtums sich etwas einfallen lassen. Im Kreml wurden Falken angesiedelt, betreut von gelernten Falknern. Obwohl das in der Reportage nicht ausdrücklich hervorgehoben wurde, kann das Matrjoschkateam den Matrjoschka-Freunden berichten, die Falken sind so dressiert, dass sie nur die Krähen zerfleischen, die Friedenstauben aber nicht. Diese exklusive Information hat Iwan Matrjoschkin, Esquire, beschafft, der behauptet, im Kreml über sehr gute Kanäle nach ganz oben zu verfügen. Er brachte uns auch das folgende Bild von der Seite www.kremlin.ru mit. Die Einrichter  der Seite, behauptet er, haben die Entnahme ausnahmsweise genehmigt.            

Der Kreml ist heute offen, steht auf dem Schild. Das soll auch im übertragenen Sinn verstanden werden. Wir entbieten den Betreibern der Seite unsere herzlichsten und untertänigsten Grüße.

21.06.02 

 

BIN LADEN EIN PARTNER VON BERESOWSKI??? 

Die Vermutung äußerte die Runetzeitung  „Dni.ru“. Aus einem aktuellen Anlass: Boris Beresowski, ein russischer Neureicher ( drei Milliarden USD), unter Jelzin auch als Politiker in Moskau sehr einflussreich, Sponsor der Putinwahl zum russischen Präsidenten, jetzt erbitterter Feind Putins, der ihn aus der Administration warf, ließ eine Bombe platzen. Eine verbale. In einer mit viel tam-tam einberufenen Pressekonferenz in London behauptete er, die Sprengstoffattentate in Moskau vom Jahr 1999  mit mehreren Hunderten Toten wurden vom russischen Geheimdienst veranlasst, damit die Russen die starke Hand  fordern. Beresowski präsentierte einen Zeugen und einen Film, die seinen Auftritt glaubwürdig machen sollten. Aber nach  Meinung der meisten Experten gelang es ihm nicht, seine Hypothese überzeugend zu untermauern.

Im Gegenzug bezichtigte die russische Staatsanwaltschaft den Oligarchen, die tschetschenischen Separatisten zum Aufstand gegen Moskau angestachelt,  bewaffnet, am Menschenraub und Ähnlichem in Tschetschenien  verdient  zu haben. Bleibt nur noch ein Schritt, um Beresowski, der übrigens  außer dem russischen auch den israelischen Pass haben soll, als Komplizen  bin Ladens abzustempeln und ihm die Mittäterschaft an den Attentaten vom 11.9.2001 vorzuwerfen. Auch andere (außer Dni.ru) Runetzeitungen stellen die Affäre in den Mittelpunkt der aktuellen Berichterstattung. 

Ist das Ganze eine Eintagsfliege oder wird die Affäre zum Dauerbrenner? – fragt der  Geheimdienstexperte, Iwan Matrjoschkin, Esq., um  Russlands Image besorgt.

Er äußerte übrigens die Vermutung, dass Beresowski  ins Fettnäpfchen getreten sei. Es werden z. Zeit wilde Spekulation  über die Rolle des USA- Geheimdienstes an den Attentaten vom 11.9. in New York in die Welt gesetzt. Ist es denn nicht so, dass die Anschuldigungen von Beresowski zusätzliches Wasser auf die Mühle der  Gerüchtemacher sind? Insbesondere, wenn man weiß, wie produktiv die beiden Geheimdienste  zusammenarbeiten und wie großzügig sie ihre Erfahrungen austauschen? - fragte  Esquire. 

Die weiblichen Puppen aber schlugen die Hände über ihren hölzernen Köpfen zusammen und sagten: "Iwan, hör auf zu spinnen.  Für uns stehen sowohl die CIA als auch  das russische Pendant außer Verdacht. Das ist unser Schild gegen  den internationalen Terroristen. Wir himmeln die James Bonds aus Washington und Moskau an und schicken Ihnen unsere lieben Grüße. 

6.3.02 

UNTERDRÜCKT PUTIN DIE PRESSEFREIHEIT?

Vor zwei Jahren war Boris Beresowski, einer der reichsten Leute Russlands, in Berlin. Bei einer Begegnung mit Vertretern der deutschen Öffentlichkeit gab er ziemlich deutlich zu verstehen, dass er der ungekrönte Zar Russlands ist. Seither hat sich einiges geändert. Beresowski wurde der Korruption beschuldigt, nach ihm wird gefahndet und er setzte sich ins Ausland ab. Über russische Massenmedien übte er aber weiter Druck aus. Präsident Putin hat er sogar den „Krieg“ erklärt.  

Der Konflikt spitzte sich zu, nachdem der Beresowski gehörende Fernsehkanal wegen angeblicher Schulden geschlossen wurde. Im Westen war man höchst besorgt um die Pressefreiheit in Russland. APN.ru brachte dazu jetzt die Meinung von Jelena Misulina, Abgeordnete der Fraktion „Bund rechter Kräfte“.(die Partei der russischen Liberalen)

Der flüchtige Oligarch Beresowski erinnere sie  an den flüchtigen Mönch Grigori Rasputin, erklärt die Abgeordnete. Nur ist Beresowskis Einfluss weitaus größer. Rasputin kommunizierte nur mit der Zarenfamilie, Beresowski mit der gesamten russischen Gesellschaft, da er über mächtige Masseninformationsmittel verfügt, auch über das Fernsehen. „Und ich frage Sie, welches Land würde diesen unhaltbaren Zustand dulden?“     

Jelena Muslina ist überzeugt davon, dass sich in Russland an andere zahlungskräftige Leute finden, die einerseits nicht so zerstörerisch wirken wie Boris Beresowski und andererseits das Regime kritisieren, wenn es das verdient. 

Scharfe oppositionelle Äußerungen sind auf anderen Fernsehkanälen zu hören, und nicht nur von der Beresowski-Mannschaft, wie einige meinen, sagt Jelena Misluna. Kurzum, sie glaubt nicht, dass Putin die Pressefreiheit einschränkt.

31.01.02

3.WORÜBER WIRD GESTRITTEN?

GIBT ES MEINUNGSFREIHEIT IN RUSSLAND?

 

Diese Frage stellt ein russischer Autor, dessen Beitrag wir in den vom deutschen Verlag „Wostok“ herausgegebenen Newslettern  gefunden haben. U.a. schreibt er:

 

Wirkliche Meinungsfreiheit gab es und gibt es in Russland auch heute nicht.

 

Die Medien in Russland müssen wirtschaftlich arbeiten, das heißt, Geld verdienen, denn sonst können sie nicht überleben. Und Geld verdient man nur, wenn man hohe Einschaltquoten vorweisen kann. Heute sind in Russland leider Sendungen und Filme populär, die auf die niedrigsten Seiten der menschlichen Seele gerichtet sind.

 

Im Ergebnis haben wir einen geschlossenen Kreislauf: die Massenmedien, die unabhängig sein wollen, können keine qualitativ guten Sendungen machen, weil sie in Konkurrenz zu ihren weniger anständigen Kollegen stehen, die gruselige Details von Tragödien, Krimis und skandalöse Talkshows zeigen. Statt den Geschmack der Bevölkerung zu bilden, lassen sich die meisten Medien von diesem gängeln, indem sie dem Publikum populäre, aber minderwertige Produktionen anbieten. Die Macht mischt sich nicht ein, da sie nicht beschuldigt werden will, die Meinungsfreiheit einschränken zu wollen. Natürlich wäre es ungerecht zu behaupten, dass unsere Fernsehsender nur schlechte Sendungen anbieten. Es gibt viele intellektuelle und populärwissenschaftlich Sendungen, doch ihre Einschaltquoten sind in der Regel niedrig, und die meisten werden bereits nach kurzer Zeit wieder abgesetzt.

 

Die Bevölkerung schaltet leider nicht von Krimis auf eine Oper um.

Wo ist der Ausweg? 

 

PS. Dieses Zitat ist unser Beitrag zur soeben in Frankfurt/Main   abgeschlossen  ARD-Intendanten- Tagung, die so klar vor den Augen geführt hat, dass das deutsche Fernsehwesen etwas ganz, ganz anderes als das russische ist. 

 

16.6.03  

In den deutschen Medien wird laut geklagt, dass die deutschen Kriegskorrespondenten im Irak vom amerikanischen Militär arg bedrängt werden. 

Eigentlich bedarf es keiner Klagen, um den Sachverhalt zu erkennen. Die deutschen Kollegen gehören sicherlich zu den tüchtigsten in der Branche. Das aber, was sie vom Kriegsschauplatz berichten, ist recht dürftig. Zumeist sind es Beobachtungen, die jeder Laie machen kann, wenn er aus dem Fenster seiner Wohnung guckt.

Kein Wunder, dass die Kollegen es nicht auf sich sitzen lassen wollen. Obwohl die Klagen ihren Stand bei den Presseoffizieren der amerikanisch-britischen Koalition nur zusätzlich erschweren, schildern sie ihrem Publikum in Deutschland die recht einfallsreichen Schikanen, denen sie unterworfen sind. Nicht nur, dass sie praktisch  wie Gefangene gehalten  und von

Informationsquellen und Übertragungsanlagen  abgeschnitten werden, mitunter werden sie auch in lebensgefährliche Situationen hineinmanövriert. Wie weit das geht, schilderte im deutschen Fernsehen ein israelischer Kriegsreporter, der im Unterschied zu seinen Zunftkameraden  den amerikanischen Waffengang missbilligt. Er wurde von den Amerikanern in ein Verlies geworfen und misshandelt.

Ein deutscher Fernsehkollege gab in seiner Reportage aus Kuwait  die Äußerungen der zuständigen Amerikaner wieder, wonach nur befreundete Journalisten in ihrer Arbeit unterstützt werden. Deutsche gehören nicht dazu, weil sie  aus  einem „unwilligen“ Land kommen. Zwar befinden sich  auf deutschem Gebiet die in die Kriegsanstrengungen involvierten  amerikanischen und englischen Militärstützpunkte, aber es ändert an der Einstufung Deutschlands in den Augen der Amerikaner und Briten nicht das geringste. 

Es wäre sicherlich naiv, die Behandlung der deutschen Kollegen nur auf die persönliche Animosität der Presseoffiziere der Koalition zurückzuführen. Vielmehr steckt dahinter eine Informationspolitik, die in diesem Fall eher die Bezeichnung Desinformationspolitik verdient. Die Weltöffentlichkeit darf nur das erfahren, was die selbsternannten „Befreier“ der Iraki in einem Glorienschein erstrahlen lässt. Die Rückschläge, die sie trotz erdrückender Überlegenheit hinnehmen, die  haarsträubenden zivilen Opfer ihrer angeblichen Befreiungsmission sollen hinter der Rhetorik eines Rumsfeld  versteckt bleiben. Deshalb werden deutsche und viele andere Presseleute, darunter auch die Russen, wie Aussätzige behandelt. Und das  von den Vertretern einer Staatsmacht, die sich immer als Hüter der Pressefreiheit aufspielte.

3.4.03 

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FAZ VERLOR

 

Ein Gericht in Frankfurt/Main entsprach der Klage  des russischen Unternehmens „Basowy Element“ gegen die Korrespondentin der Frankfurter Allgemeinen in Russland Elfi Siegel und gegen die Zeitung. 

 

 

Elfi Siegels im April 2002 veröffentlichte Reportage „Die Schlacht um den russischen Wald“ sei nicht wahr  gewesen.  „Basowy Element“ hätte die holzverarbeitenden Werke in Bratsk und Ust-Ilimsk sowie das Zellulosekombinat in Archangelsk eingeheimst,  ohne Gewalt anzuwenden. Sein Chef, Multimilliardär Oleg Deripaska hätte sich dabei korrekt verhalten.

 

Mit seinem Beschluss erkannte das Gericht die Tatsachen in der Reportage als unrichtig an und untersagte der Zeitung und der Korrespondentin, diese Information weiterzuverwenden. Die deutsche Zeitung muss außerdem ermitteln,  wo aus der Reportage zitiert wurde und „Basowy Element“  eine Liste vorlegen.

 Gazeta. ru

PS: Gefragt, was  er davon hält, erklärte unser Starjurist Iwan Matrjoschkin, Esq.:

 

  1. Die russischen Milliardäre zivilisieren sich. Was sie auch anstellen mögen, die Presse darf nicht darüber berichten. Auch die ausländische nicht.

  2. Trotzdem sage ich laut: es geht nicht mit rechten Dingen, wenn man in Handumdrehen zum Milliardär wird. Sonst wäre ich lange Milliardär. Aber ich bin ein ehrlicher Mensch und will es nicht.  Besser bettele ich die weiblichen Puppen an um fünf Euro für einen gemütlichen Abend in der Gaststätte „Sonnenschein“, Prenzlauer Berg, als verletze die gute Sitte.

  3. Das habe ich  meinem Freund W.W.Putin geschworen. Er soll darauf gesagt haben: „Matrjoschkin, das ist ein Mensch! Die anderen Holzpuppen sind dagegen nichts“. Spassibo, Wladimir Wladimirowitsch!“

 

MICROSOFT UND DIE TSCHETSCHENEN

Lesen Sie bitte, lieber matrjoschka- Freund, was ein Witzbold namens Valeri Panjuschkin auf der Runet-Site gazeta.ru  im Zusammenhang mit den Gerüchten schrieb, die Firma Microsoft  unterstütze die tschetschenischen Rebellen.

Time to upgrade your mind

Hätte ich diesen Bill Gates bloß nie gesehen. Ein unangenehmer Typ. Oder nicht?

 

Aber das ist noch das Wenigste. Wichtiger ist was anderes.  In meinen Beiträgen kommen in der Regel viele Dialoge vor. Und jedes Mal, wenn ich einen Absatz einbaue  und dann einen Bindestrich stelle,  macht sich mein Computer selbständig, verwandelt meine Bindestriche in Quadrate oder Kreise und behindert so meine Gedankenflüge, ja führt sich zwar  nicht ganz so auf wie ein Terrorist, wie ein Saboteur aber ganz bestimmt. Sogar Computerfreeks konnten in meinem Word-Programm diese blöde Option mit Quadraten und Kreisen nicht beheben.   

 

        Die Microsoft-Programme erinnern mich an den Kaffee mit Zitronen, den es in sowjetischen Cafes gab.
 
“Bitte ohne Zitrone!“- sagte ich jedes Mal.
“Geht nicht, auf der Speisekarte steht Kaffee mit Zitrone.“- sagten die Kellnerinnen.
“Werfen sie die Zitronenscheibe doch einfach weg!“
“Geht nicht. Geht nur mit Zitrone.“

Liebe Leser, gerade eben zwang mich dieses verfluchte Programm, vier Quadrate dort hinzusetzen, wo ich sie gar nicht haben wollte. Inzwischen bin ich so weit, Microsoft dafür zu bezahlen, dass die Firma diese Quadrate und Kringelchen aus meinem Computer entfernt. Und grün unterstreichen braucht mir die Worte auch niemand dort, wo ich nicht darum gebeten habe. Ich schreibe alles richtig. Bitte nichts unterstreichen, Mister Gates. Denken Sie an meine Nerven!  

Darum schickt „Microsoft“ auch Geld an die tschetschenischen Rebellen. Alles nur wegen der Unmenschlichkeit dieser Firma. Die haben überhaupt kein Mitleid. Die spenden nicht, weil ihnen jemand leid tut oder sie jemandem helfen wollen, nein. Wohltätigkeit ist eine Option für  Manager großer Firmen. Sie kriegen es im Paket zusammen mit den Gewinnen, mit der  Geschäftspolitik, des Stellenabbaus usw.  So wie meine Quadrate zusammen mit dem Bindestrich und einem ganzen Paket anderer Funktionen des World-Programms.    Am meisten erstaunt mich, dass im Rahmen dieses von der amerikanischen Regierung empfohlenen  Hilfsprogramms an die Tschetschenen nicht nur die Firma „Microsoft“ als juristische Person, sondern die Mitarbeiter selbst gespendet haben. 
Das verstehe ich nun ganz und gar nicht. Man geht auf die Straße, sieht Obdachlose, Hungernde, Kranke, Einsame, warum hilfst du ihnen nicht, sondern irgendeiner von der Regierung empfohlenen Stiftung? Oder programmiert man in die Köpfe der Menschen statt Mitleid die Gewohnheit, auf Befehl an eine bestimmte Adresse zu  spenden?   Mit den Optionen löschen- kopieren - einfügen. Wie im Word-Programm? Nein, Bill Gates ist mir sehr unsympathisch. Wirklich.

PS. : Mir ist  Gates auch sehr unsympathisch. Denn seine Windows stürzen immer wieder ab,  wenn ich als Autor in voller Fahrt bin.  Um mich zu ärgern, behaupten  die weiblichen Kollegen, der PC vertrage keinen Wodkageruch. Aber das stimmt nicht. Als ich vor einem Monat ganz nüchtern gewesen bin, stürzte das Teufelsding auch  ab. Das deutet darauf, dass sich die Software der Arbeitsweise eines wirklich begabten Publizisten  nicht anpasst. Erst recht nicht,  wenn er gegen den Terror ist.   Wie Ihr ergebener  Iwan Matrjoschkin, Esq.
 

20.2.02

DER ZANK IM RUNET

 

Der Zankapfel ist die Geiselbefreiung in Moskau. Je nach  finanzieller Anbindung   und Grundeinstellung wird diese entweder als Sieg der tatkräftigen und legitimen Staatsmacht, von Putin personifiziert, gefeiert oder wegen der großen Kollateralschäden  als Ausdruck der  dem Kreml eigenen Menschenverachtung  interpretiert. Als Beleg dient den einen die Tatsache, dass die meisten Geiseln gerettet sind. Den anderen die fast stündlich steigende Zahl der Opfer  unter den Geiseln (weit über hundert).

 

Der Ton der Auseinandersetzung wird immer schärfer. Die site „Grani.ru“, die den Gerüchten nach  vom flüchtigen Oligarchen Boris Berezowski, erwiesener Feind Putins,  finanziert wird, wirft dem russischen Präsidenten vor, von Anfang an zehn Prozent  der Betroffenen als akzeptablen Abgang einkalkuliert zu haben. Jetzt sei klar, welchen Sinn die erst vor kurzem abgeschlossene Volkszählung in Russland hatte, bemerkt die site hämisch. Der Kreml wollte wissen, wie viele Millionen Russen im Krieg gegen die Tschetschenen verheizt werden dürfen, um den Anteil von einem Zehntel einzuhalten. Der auf der site publizierte Menschenrechtler Sergei Kowaljow stellt fest, die Schonung der Menschenleben sei keine Priorität im Kreml. „Grani.ru“ schreibt,   der Sturm des mit Geiseln vollgestopften Theaters sei von Anfang an geplant gewesen. Wenn der Kreml jetzt berichtet, das Gebäude sei gestürmt worden, nur weil die Geiselnehmer daran gingen, die Geiseln umzulegen, sei dies eine Schutzbehauptung. Die meisten Geiseln seien nicht durch die Hand der Geiselnehmer, sondern durch die Einwirkung des Giftgases seitens der Befreier gestorben.

 

In diesem Zusammenhang schreibt  die site NG.ru über eine Krise der Staatsmacht in Russland. Bis dato hätte der Krieg in Tschetschenien  der Staatsräson entsprochen. Je nach den Umständen bot er dem Kreml  Gelegenheit, den Russen entweder seine Tatkraft und Entschlossenheit oder seine Generosität  vorzuführen, die Aggressivität der um ihre Lebensperspektive betrogenen Jugend nach außen zu kanalisieren und   den korrupten  Beamten sowie dem Militär eine Bereicherungsquelle zu erschließen. Jetzt aber, wo er bis an die Kremlmauern vorstieß, würde er aus einem Mittel der Problemlösung zu einem großen  Problem. Die Macht zeige sein wahres, konfuses Gesicht.  Die einzige Lösung sei ein echter Frieden mit den Tschetschenen. 

 

Es gibt allerdings mehrere Runetsites, die ein anderes Bild des Geschehens zeichnen. „Utro.ru“ feiert die Geiselbefreiung als überzeugenden Sieg der starken Staatsmacht über die in- und ausländischen Feinde Russlands. Die Perfektion der russischen Antiterrorkommandos wird hervorgehoben, die es fertig brachten, die Geiselnehmer zu „neutralisieren“ bevor diese die Sprengsätze zur Explosion bringen konnten.  Der Hoffnung wird der Ausdruck gegeben, das  in Moskau Vorgefallene kündigt eine endgültige Abrechnung mit den tschetschenischen  Terroristen an und eine entschiedene Wende der Einstellung des Auslands zum russischen Einsatz im Kaukasus.

 

Allerdings scheint  die letztere Erwartung bereits überholt zu sein. Trotz heftiger Proteste Moskaus lässt die dänische Regierung einen „Kongress der Tschetschenen“ in Kopenhagen zu. Auch viele Massenmedien im Westen, im Unterschied zu den Regierungs- und Staatschefs,  beurteilen die Art der Geiselbefreiung eher negativ. Die Menschenopfer müssten vermieden werden,  ist der Tenor. Und der Terrorakt selbst  wurzele in der jahrhundertlangen Unterdrückung der Tschetschenen durch Russland.

 

PS. Auch im matrjoschka- Team  kam es zur Polarisierung der Meinungen. Der Konsens wurde nur insofern wiederhergestellt, dass die Holzpuppen einhellig  beschließen, das Thema  vorläufig zu tabuisieren. Nur Iwan Matrjoschkin, Esq., enthielt sich der Stimme. Ihm wurde extra  nahegelegt, sich in Schweigen zu üben. Als er etwas von Maulkorb schrie, drohte ihm  mit Zwangsbekehrung zum Islam, einschließlich die übliche Beschneidung. Der Esquire erbleichte.

 

27.10.02       

 

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